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Arme Reiseblogger!

Reiseblogger

An alle möglichen Menschen, Berufsgruppen und Industrieunternehmen wird in Zeiten der Corona-Krise gedacht. An alle! Nur an die wahrhaftig einzig systemrelevanten Reiseblogger denkt aktuell keine Sau. Wie konnte das geschehen? Nirgends ist von einmaligen Zuschüssen oder KfW-Krediten für die Blog-Betreiber die Rede. Dabei waren sie einstmals die Stars der Szene. Sammelten Follower auf sämtlichen asozialen Kanälen wie andere Pfandflaschen. Und nun dieser unfassbare Absturz. Die Welt ist grausam und ungerecht!

In Deutschland gibt es geschätzt 65 Millionen Blogger. Darunter alleine 45 Millionen Reiseblogger. Neben den Foodbloggern (19 Millionen) bilden sie bei weitem den größten Teil an der Kekstorte. Manche bieten gar einen Mix aus exotisch-raffinierten Rezepten und klimafreundlichen Event-Urlaub an. Motto: So schmecken Bratkartoffeln auf Koh Samui. Nun wird das spektakuläre Angebotsmenü eingedampft. Alles auf Null zurück. Die Karten werden neu gemischt – sofern sie überhaupt jemals wieder auf den Tisch kommen.

Reiseblogger in akuten Gewissensnöten

Corona war jedoch nur der letzte 10-Liter-Eimer, der die Fernreise-Amphore zum Überlaufen und die Reisekasse zum Versiegen brachte. Zuvor nervte die Reiseblogger bereits ein anderer, nicht minder bescheuerter Virus: die weltumspannende Friday for Future-Bewegung. Dam! Weltumspannend wollten doch auch die Blogger unterwegs sein. Aber doch nicht permanent mit einem schlechten Gewissen. So macht’s einfach keinen Spaß.

FFF: Klimaschutz ist eine Sache für Profis

Allein die Logistik. Erst auf FFF-Demos stundenlang bei Wind und Wetter mitlaufen, Parolen grölen, Transparente hochhalten, angeregte Diskussionen mit Teilnehmern und Zuschauern führen. Und parallel dazu niemals den Blick auf den großzügig gesponserten Luxus-Chronometer verlieren. Spätestens um 22.45 Uhr geht der Schnäppchen-Flieger zu den Kapverden. Tolle Locations ausfindig machen und die geheimsten Geheimtipps für Insta und Konsorten posten.

Kirchzarten statt Karpaten

Damit auch dort bald echte Ballermann-Atmosphäre herrscht. Man hat als Reiseblogger schließlich gewisse Wünsche und Erwartungshaltungen seiner Follower zu befriedigen. Je weiter weg, umso besser. Geld spielt keine Rolle. Vor allem dann nicht, wenn Töchter und Söhne aus gutem Hause, also z.B. aus Grünenwähler-Familien stammen. Bildungsbürgertum par excellence. Wer die Welt verstehen will, muss sie bereisen.

Bis die Pandemie endgültig im Griff ist, wird es noch ein paar Monate oder Jahre dauern. Die derzeitige Lockerungshektik ist dem ungeheuren Druck aus der Wirtschaft geschuldet. Der Raabler ist gespannt, wie lange es dauern wird, bis Inlandsflüge gänzlich verboten und Auslandsflüge strikt kontingentiert werden. So lassen sich Klimaziele übrigens ganz nebenbei doch noch einhalten.

Reiseblogger werden zwangsläufig die Schönheiten ihrer Heimat für sich und ihre Fans entdecken – müssen. Wesselburen und Friedrichskoog, Emmendingen und Kirchzarten statt Karpaten. Wer’s geschickt anstellt, wird auch mit solch’ hippen Hotspots sein Geld verdienen. Nur nicht mehr ganz so viel. Kopf hoch, das stirbt schon…

Sonnenstich.TV

“Wer heute noch nicht auf Teneriffa war, ist ein Snob.”
(Thaddäus Troll, deutscher Schriftsteller, 1914-1980)

Raabler-Blogpost:
Ist das instagrammable?

Raabler-Web-Tipp:
Blogger auf Reisen: So geht es uns wirklich!

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