Adam & Eva

Beziehungsende: Verpiss’ dich!

Ein Paar steht vor der Trennung

Vor kurzem stolperte der Raabler bei seinen Internetrecherchen über einen bekannten Lebensberater, der auf seinem gut frequentierten Youtube-Kanal darüber philosophiert, wann ein Beziehungsende zwischen Mann und Frau drohen könnte. In leicht verständlichen Worten präsentiert der sportlich-durchtrainierte Guru seiner wissbegierigen weiblichen wie männlichen Anhängerschaft sieben untrügliche Kriterien, die das Scheitern einer Lebensgemeinschaft unausweichlich machen.

Fazit vorab: Wenn alle Menschen den wohlmeinenden Ratschlägen des Liebes-Experten konsequent Folge leisten würden, hätte sich im Handumdrehen das Problem der Überbevölkerung auf unserem Planeten für immer in Luft aufgelöst. Warum? Weil das Modell der Familie als menschlicher Fortpflanzungsbetrieb und somit lebenswichtige Keimzelle einer Gesellschaft innerhalb weniger Generationen ausgestorben wäre. Warum? Weil Mann und Frau es auf Dauer einfach nicht miteinander aushielten. Aber was ist denn so neu an dieser Erkenntnis?

Beziehungsende oder noch mal drüber lachen?

Nichts. Alles schon mal irgendwie und irgendwo gehört oder gelesen. Alles schon mal bei anderen gesehen. Alles schon genau so oder in leicht abgewandelter Form selber erlebt. Und gerade weil fast jeder von uns in seinem bisherigen kurzen oder längerem Leben entsprechende Erfahrungsschätze mit sich herum trägt, üben solche Videobotschaften stets eine faszinierende Anziehungskraft aus. Alle können und dürfen gerne mitreden und mitdiskutieren.

Ehepaar im Streit

Man ist nicht alleine mit seinen Gedanken und Zweifeln um die eigene Partnerschaft. Das war’ aber auch schon. Man kann über den Geschlechterkampf fabulieren, bis der Arzt kommt. Stundenlang. Tagelang. Nächtelang. Wochenlang. Monatelang. Jahrelang. Ein Leben lang. Die eine Lösung gibt es nicht. Leider auch keine Erlösung. Schade um die vergeudete Zeit. Aber schön, dass man mal drüber gesprochen hat. Es gibt wie so oft nur einen Ausweg aus der Misere: der Humor.

Über sieben Krücken musst du gehn…

Kostenlos. Rezeptfrei. Jederzeit abrufbar. Ohne Nebenwirkungen. So wie im Raabler-Blog. Und weil in diesem Blog die Satire im Vordergrund steht, sollten die sagenumwobenen “sieben Krücken” hin zu einem ordentlich vorbereiteten Beziehungsende nicht unerwähnt bleiben.

1. Emotionale Bedürfnisse bleiben unerfüllt

Zuneigung Fehlanzeige? Zärtlichkeit ein Auslaufmodell? Sex schon lange kein Thema mehr? Respekt? Welcher Respekt? Vor wem und was? Zusammen genommen also der ganz gewöhnliche Alltagstrott in einer längeren Beziehung? Dann fang’ noch mal von vorne an. Und siehe dich im Geiste in spätestens fünf Jahren mit den gleichen Problemen konfrontiert. Nur dann mit einem anderen Partner, logisch! Nur Mut!

Offene Zweierbeziehung

2. Dein Partner will sich einfach nicht ändern

Nicht heute. Nicht morgen. Einfach gar nicht mehr. Trotz aller “gut gemeinten” Hinweise? Ja? Blöd nur, dass du dich auch nicht mehr änderst. Und so fragt der Raabler dich: Kannst du mit den Macken des anderen leben, so wie er mit deinen zu Rande kommen muss? Ohne durchzudrehen? In guten wie in schlechten Zeiten? Dann sprich ihm nach: Ja, so wahr mir Dingsbums helfe oder so ähnlich. Wenn nicht, dann ziehe in eine vermuffte Single-Wohnung und warte geduldig auf dein nächstes Opfer.

3. Keine gemeinsamen Ziele und Werte

Liebe ist bei dir/euch kein Thema mehr? Zum Ausgleich driften Lebens- und Wertevorstellungen zunehmend auseinander oder waren ohnehin noch nie deckungsgleich? Ja, wie seid ihr denn drauf? Sie guckt lieber Tatort? Du stattdessen ZDF-History? Sie steht auf Helene Fischer und du auf Buena Vista Social Club? Sie kann sich einfach nicht für Fußball begeistern. Du schläfst in der ersten Reihe der Hamburger Staatsoper ein? Sie nimmt den Klimawandel ernst? Du buchst die nächste Karibik-Kreuzfahrt mit Hin- und Rückflug um sie zu überraschen? Oh, oh…

4. Verlust der sexuellen Anziehungskraft

Du hast jegliches Interesse an deiner Frau verloren, weil sie auseinander gegangen ist wie ein Hefekuchen? 44 statt 36? Chips statt Sport? Dafür ungeschminkt in Jogginghose vor der Glotze? Du hast jegliches Interesse an deinem Mann verloren, weil er fett und schwammig geworden ist. Kein Vergleich zum Adonis von früher? Dafür riecht er abwechselnd nach “alter Mann” oder abgestandenen Bier neben dir im Ehebett? Zwiebelgeruch aus dem Munde inklusive? Oder von allem etwas? Ja, das ist zum Heulen!

Ich parshippe jetzt

5. Beziehung als Energie-Räuber

Du investierst sehr viel Zeit und guten Willen, um deine Beziehung zu deinem Partner zu verbessern. Zum Beispiel, in dem du an den vorgenannten Punkten arbeitest. Stellst aber dann resigniert fest, dass Hopfen und Malz (da sind wir wieder beim Bier) aus welchen Gründen auch immer komplett bei ihm/ihr verloren sind. Fortschritte: Fehlanzeige! Entgegenkommen: Fehlanzeige! Der andere merkt nix: Volltreffer! Dann stopp den ermüdenden Kräfteverschleiß und kümmer’ dich um dein Tinder-Profil! Besser is!

6. Beziehungsende ohne Schmerzen?

Gäbe es so etwas, würde die Quote wohl durch die Decke gehen. Als zukünftiger Single vom mondänen EFH in eine bescheidene 120 Quadratmeter-Wohnung? Welch’ ein Abstieg. Statt Porsche Cayenne nur noch BMW Mini? Schwer auszuhalten. Statt drei Fernreisen nur noch zwei pro Jahr? Unvorstellbar. Statt Einkäufe im Biomarkt plötzlich mit Lidl-Tüten vor der Haustür? Was sollen die Scheiß-Nachbarn denken? Tja, das nennt man Güterabwägung. Tausche fünf Kilo Seelenschmerz gegen 240 Gramm argentinisches Angus Rind mit Beilagen. Bis du dabei?

7. Zu viele Kompromisse

Du möchtest Kinder? Dein/e Partner/in nicht? Du willst Karriere machen und den Wohnort wechseln? Dein/e Partner/in fühlt sich pudelwohl in der Jugendstil-Villa an der Außenalster? Du träumst von einem Leben im sonnigen Süden. Deine Liebe steht total auf nasskaltes Grau in den Monaten November bis April? Oder du stehst auf Polit-Talk sämtlicher Coleur und dein/e Partner/in kann die gebotoxten Hackfressen alle nicht mehr sehen? Zu viele Kompromisse steuern auf einen Toleranz-Overkill zu. Und bevor das Porzellan wieder mal zu tief fliegt…

Freundinnen im Gespräch

Beziehungsende: Die Auflösung vor der Auflösung

Wenn du bis hierhin brav gelesen hast, trägst du den Schlüssel für deine/eure Zukunft in der Hand. Entweder knallst du die Tür namens “Beziehung” endgültig zu. Oder du öffnest sie wieder einen Spalt, um frische Luft und helles Licht hinein zu lassen. Hier die Bewertungsansätze:

Alle sieben Kriterien treffen auf dich zu?

Oje, da ist kein Schiff versenkt worden, sondern ein ganzer Flugzeugträger! Vergiss’ das “Hotel für kurz Zerschossene”. Mach’ dich vom Acker, so schnell es geht. Worauf wartest du noch? Auf Kontoauszüge, Vermögensnachweise, Steuerbescheide, anwaltlichen Schriftverkehr? Die laufen nicht weg. Aber DU musst weg!

Vier bis sechs Treffer?

Schwerer Torpedoeinschlag nahe der Waffen- und Munitionskammer. Raue See mit furchteinflößenden Sturmböen und meterhohen Wellen. Steuerruder temporär funktionsuntüchtig. Stabile Schlechtwetterlage mit nur geringen Chancen auf Besserung in den nächsten 6 Monaten. So viele Lachyoga-Seminare bei der Volkshochschule kann man gar nicht gemeinsam besuchen, um den Kahn wieder flott zu bekommen. Wenn kein Wunder geschieht, dann…Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ein bis drei Treffer?

Stabile Seitenlage bei vollem Bewusstsein. Unangenehm vor all den Leuten im persönlichen Umfeld. Aber die Chancen auf Erholung stehen nicht ganz so schlecht wie bei den o.a. Kandidaten. Es gilt, Panik zu vermeiden. Ruhe und Geduld sind die erste Bürgerpflicht. Von Beziehungsende kann (noch) keine Rede sein. Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es zuvor aufgetaut wurde. Erstes virtuelles Pflichtseminar vom heimischen Sofa aus: Evje van Dampen zum Thema “Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit”

Keins der Kriterien trifft auf dich zu?

Erzähl’ keinen Scheiß hier!
Oder bist du schon tot?
Du nicht, aber sie?
Sie nicht, aber du?
Falls Vorgenanntes nicht zutreffen sollte: Verrate/Verratet uns den Drogencocktail, den du/ihr täglich morgens, mittags und abends zu dir nimmst/zu euch nehmt. Der Raabler wird das Glücksrezept ganz uneigennützig der “Apotheken-Rundschau” zuspielen. Die kaputte Gesellschaft hat ein Anrecht darauf!

Man trifft sich zum Flirten in der Bar Burnout in Hamburg

“Beziehungen sind eine Rutschbahn nach oben.”
(Karl Farkas, österreichischer Schauspieler und Kabarettist, 1893-1971)

Raabler-Blogpost:
Dr. Raabler Nörgelstudio

Raabler-Web-Tipp:
Paartherapie – Ladykracher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.