Gesellschaft

Deutschland wie im Rausch

Deutschland-Fahne

Ja, ist denn schon wieder Sommermärchen? Mitten im tiefsten Januar? Nun, ganz so weit treibt es der Klimawandel bei uns noch nicht. Dennoch kein Grund zur Sorglosigkeit, denn der Raabler macht sich mit der Überschrift so seine satierischen Gedanken über den zunehmenden Konsum von Drogen in Europas “Powerhouse”. Ein für Deutschland gewiss schmeichelhafter Titel, mit dem kürzlich der indische Premierminister Narendra Modi seiner Gesprächspartnerin Angela Merkel im Rahmen bilateraler Gespräche ein wenig Honig um den Schmollmund schmieren wollte.

Bravo, Raabler, “Drogen” und “Powerhouse” in einem Satz. Immer hübsch provozieren und polarisieren, nicht wahr? So kennt man dich. Gibt’s denn irgend welche plausiblen Zusammenhänge zwischen einer gnaden- wie herzlosen Leistungsgesellschaft auf Globalisierungstrip und einem gezielten “Sich-Wegknallen” vor der Realität? Offensichtlich. Selbstverständlich nicht erst seit heute oder gestern. Aber warum reicht der übliche Alkohol- und Tablettenmissbrauch plötzlich nicht mehr aus? Man kann nur spekulieren.

Deutschland macht süchtig

Auf der einen Seite trägt die zunehmende Armut in den bekannten Drogen-Exportnationen zu einer signifikanten Ausweitung der Produktion bei. Was die Suchtproblematik vor Ort verschärft und die Abhängigkeit vom wirtschaftlichen Erfolg eines lukrativen Drogenschmuggels in die klassischen Industrie- und vermeintlichen Wohlstandsnationen wie z.B. Deutschland erhöht. Das Angebot steigt von Jahr zu Jahr. Kritisch wird es, wenn die Anzahl der Süchtigen nicht in gleichem Maße mithält. Sinkende Preise wären die logische Konsequenz.

Glück am Meer

Dies gilt es zu verhindern. Indem man zum Beispiel auf der anderen Seite des Atlantiks den Menschen konsequent und auf allen möglichen Kanälen erzählt, dass es nur einen alternativlosen Weg zum Glück gibt: den des blinden Konsums in einem globalisierten Kapitalismus. Doch immer mehr Menschen ahnen, dass ihnen diesbezüglich (seit der industriellen Revolution) hübsche Märchen aufgetischt worden sind. Ihnen ist nur noch nicht so recht klar, wie sie sich dieser raffinierten Gehirnwäsche entziehen können.

Es kann nicht allen gut gehen

Das “Powerhouse” namens “Exportweltmeister Deutschland” lebt schon seit langer Zeit prima auf Kosten anderer Staaten, die ihnen mal mehr, mal weniger gerne die Produkte abkaufen. Qualität “Made in Germany” hat immer noch weltweite Strahlkraft. In Kombi mit einem von “Basta-Gerhard” dank Hartz-IV-Reform erfolgreich auf den Weg gebrachten Niedriglohnsektor kommt so schnell keiner am fleißigen Michel vorbei.

Kokain wird immer mehr zur Lieblingsdroge
Was haben immer mehr Flixbus- und LKW-Fahrer gemeinsam? Mit Hilfe der weißen überschreiten sie täglich die roten Linien im Hinblick auf Schutz und Sicherheit von Menschenleben. Kein schönes Gefühl auf der Autobahn.

Blöd nur, dass im Zuge dieser Entwicklungen der von allen geschaffene Wohlstand nicht so recht bei allen ankommen mag. Arbeitseinkommen ist mit Anstrengungen verbunden und doof, weil hoch besteuert. Vermögenseinkommen erfordert keinerlei Anstrengungen und ist cool, weil relativ gering besteuert. Aus Arbeitseinkommen kann man theoretisch einen Vermögensaufbau starten. Was angesichts der bereits jahrelangen (ein Ende ist nicht absehbar) Nullzinspolitik praktisch unmöglich erscheint.

Vermögen ist meist irgendwie schon da. Und es vermehrt sich auf wundersame Weise rasend schnell und nicht selten wie von Geisterhand getrieben. Und das Beste: Ohne Anstrengung. Mal gehen Aktien, dann wieder Immobilien. Manchmal geht sogar beides gleichzeitig, wie aktuell zu bestaunen. Ein gewisser Goldbestand kann ebenfalls zur Beruhigung beitragen. Der Mix macht’s. Nicht nur bei Radio Hamburg, sondern auch bei der Vermögensstreuung.

Schnipp-schnapp macht die Schere

Und was braucht’s zur Streuung von Vermögen? Richtig, Vermögen. Und wer hat Vermögen in diesem unserem Lande, in dem wir gut und gerne leben? Nur sehr, sehr wenige. Und, liebe Kinderchen, wer hat kein Vermögen? Sehr, sehr viele! Und es werden immer mehr Unvermögende. Wird sich diese Verteilungsungerechtigkeit jemals umkehren? Um Gottes Willen, bloß nicht. Zum Glück (für die Dealer) geht die Schere stattdessen immer weiter auseinander…

cornern

Und wenn parallel dazu alles immer teurer und aufwändiger wird? Das Bauen und Wohnen, das Essen, die Freizeitgestaltung, das SUV, die Kreuzfahrten, die Flug- und Fernreisen, die Studiengebühren, die Geschenke, die Kindergeburtstage, das Gesundheitssystem, Multimedia und Internet. Überhaupt das Mithalten-Wollen. Das vermeintliche Mithalten-Müssen. Mit wem eigentlich noch? Ach, ja, mit dem ganzen (a)sozialen Umfeld. Ein Teufelskreis. Wie kommt man da raus? Moment, ich nehm’ mal eben ‘ne Linie. Oder so ähnlich.

Alles Blödsinn was der Raabler hier schreibt? Nun, nicht ganz. Fakt ist: Süchte und speziell der Drogenkonsum sind klassenübergreifend. Die einen nehmen’s, weil sie sich gewissen Situationen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr gewachsen fühlen. Die anderen nehmen’s, weil es ihnen zu gut geht, sie zu viel Zeit und Geld zum Verplempern haben. Das nennt man “Parallelgesellschaften”. Beide eint die bewusste/unbewusste Suche nach dem Sinn des Lebens. Viel Spaß noch beim Finden.

“Drogen sind nicht das Problem, sondern die Probleme.”
(Erhard Blanck, deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler, *1942)

Raabler-Blogpost:
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Raabler-Web-Tipp:
Drogenexzesse im Bundestag