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DFL-Hygienekonzept: Fußballwelt steht Kopf!

DFL

Die Chefetage der DFL befasst sich nicht erst seit Corona mit einer kompletten Neuausrichtung in Sachen Profi-Fußball. Hintergrund: Man möchte sich gerne von Zuschauern und deren Eintrittsgeldern unabhängig machen. Im Klartext: Für Fans und aufmüpfige Ultras wird es ab 2025 keine Stadionbesuche mehr geben. Was nicht weiter schwerfallen dürfte, gibt es doch bis dahin in den Bundesliga-Metropolen gar keine Stadien mehr. Hierbei spielt die Corona-Krise zumindest den Brandbeschleuniger. Aber der Reihe nach…

Die Virus-Pandemie hat den von Dauererfolg geblendeten Fußball-Funktionären deutlich wie schmerzhaft vor Augen geführt, wie sensibel ihr sportliches Kartenhaus konstruiert war und ist. Ein Knick in der Karo-7 hätte schon gereicht. Es haben sich jedoch quasi über Nacht alle Buben vom Acker gemacht. Das war so nicht abgesprochen. Insofern darf man sich nicht über die Härte der Reaktion aus Frankfurt wundern.

50+1-Regel

DFL ohne Tabus

Machen wir uns nichts vor: Politiker und Virologen sehen die Masse der Fußballfans nur noch als potentielle Virus-Spreader. Insofern darf es bei der Neuausrichtung des Profi-Fußballs keine Tabus mehr geben. Wenn aber aus pandemie-hygienischen Gründen Zuschauer unerwünscht sind, warum sie dann nicht gleich für alle Zeiten ausschließen? Ohne Zuschauer müssten die Vereine auch keine z.T. hochvolumig kreditfinanzierte Spielstätten vorhalten.

Ein Abriss und Verkauf der Arenen inklusive der riesigen Areale für Trainingsplätze und Nachwuchszentren birgt enorme Chancen. Die parallel anzustrebende Umwidmung der bisherigen baulichen Nutzungsrechte, z.B. in Richtung Luxus-Neubauviertel, wäre ein zukunftsweisendes Signal. In diesem Segment liegen bekanntliche die größten Renditeerwartungen. Ein Träumchen: Packt man es richtig an, dürften hypothekare Altlasten schnell der Vergangenheit angehören.

Gehaltsobergrenze

Spielergehälter sind tabu

Ebenso wie das branchentypische Wehklagen über Liquiditätsengpässe. Wie oft waren vor Saisonbeginn warnende Stimmen aus den Finanzvorständen zu vernehmen, dass man diese oder jene Qualifikation für den internationalen Wettbewerb unbedingt erreichen müsse. Andernfalls ließe sich der darauf ausgerichtete, selbstverständlich überteuerte Mannschaftskader nicht über die Spielzeit hinaus finanzieren.

Das stimmt natürlich. Alles Mögliche darf passieren, nur die Spielergehälter sind absolut tabu. Darin sind sich alle Klubs einig. Wer also als Bundesligaverein versucht, die coronabedingt abgefeuerten Nebelkerzen im Hinblick auf Deckelung der Irrsinns-Vergütungen (“Wir müssen aus der Krise lernen und mehr Demut an den Tag legen”) mit nachhaltigem Leben zu erfüllen, hat umgehend die Rolle als Nestbeschmutzer am Hals. So spielt die Musik!

Hotel Mama
“Moin, Herr Müller, als langjähriger HSV-Berichterstatter kann ich definitiv sagen, dass dieser Verein oft nur mit Humor zu ertragen ist. Sollte Niko Kovac nächstes Jahr tatsächlich HSV-Trainer werden, werde ich Sie zu einem Interview einladen. Versprochen!”
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DFL jubelt: Corona hat auch sein Gutes!

Ergo: Die Gelegenheit, obige wirtschaftlich motivierte Denkmuster ohne die sonst zu erwartenden (Fan-)Massenproteste in die Tat umzusetzen, ist so günstig wie noch nie. Wahrscheinlich sogar einmalig. Corona hat auch sein Gutes! Die wichtigsten Mäzene und Sponsoren aus dem DAX- und MDAX-Umfeld wurden bereits im Vorfeld in die Planungen eingeweiht. Ebenso wie alle relevanten Pay-TV-Sender. Ausfälle wegen der wegbrechenden Einnahmen aus Eintrittsgeldern wird es nicht geben. Die fehlende Stadionatmosphäre wird durch abwechslungsreiche Stimmungskonserven wie bei amerikanischen Sitcoms kompensiert. Grünes Licht, wohin das Auge blickt.

Sky

Wo aber werden die Fußballspiele stattfinden, wenn es keine Stadien mehr gibt? Die DFL überlegt in drei Richtungen. Erstens böten sich gut gepflegte Amateurspielplätze – sogar ohne Tribünen – für die Sommersaison an. Für durchschnittlich 30 bis 50 Zuschauer braucht es keine Ränge. Zweitens würde man gerne für die Wintersaison entsprechende Hallenkapazitäten reservieren. Der Verkleinerung der Spielfläche, dem Ausweichen auf Handballtore und der Reduzierung der Mannschaftstärke von 11 auf sechs Profis stünde mittels einer kleinen Regeländerung in den DFL-Statuten nichts im Wege.

Wer nimmt Marco und Mario?

Der ganz große (finale) Wurf könnte in nicht allzu ferner Zukunft gelingen, würde man den gesamten Profi-Fußball in die E-Sport-Industrie ausgliedern. Eine ausbaufähige Infrastruktur existiert seit geraumer Zeit. Laut Studien nationaler wie internationaler Wirtschaftsberatungs-Unternehmen werden dort in nur wenigen Jahren Geldsummen aufgerufen, die – gemessen am heutigen Status Quo – jegliche Vorstellungskraft sprengen.

Manuel Neuer

Die angedachten Digitalisierungsmaßnahmen würden neben den Zuschauern logischerweise auch die prominenten Fußballer selber mit ihren Millionengehältern überflüssig machen. Laut bayerischem Ministerpräsidenten Markus Söder ließe sich das Problem mit großzügig bemessenen Übergangsfristen geräuschfrei über die Bühne bringen. Der Mann weiß, wovon er spricht! Sehr zur Freude eines ehemaligen Fußballfans…namens Raabler!

“Wer viel Charakter hat, hat wenig Eigentum.”
(John Osborne, britischer Dramatiker, 1929-1994)

Raabler-Blogpost:
E-Sport: Deutschland bewegt sich

Raabler-Web-Tipp:
“Wer regiert den Fußball?” (Gernot Hassknecht)

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