Und sonst so?

Die Erderwärmung kann warten

Die Erderwärmung erfordert Veränderungen

Die Menschen wollen sich wegen Lapalien wie Klimawandel und Erderwärmung nicht mehr länger grämen. Schnauze voll. Zuviel Negativität lähmt die Aktivität des Resthirns und schürt unbegründete Ängste. Angst wiederum ist kein guter Ratgeber. Wir wissen das. Und quatschen uns hinsichtlich der unendlichen Möglichkeiten zur Rettung unseres Planeten reichlich Schaum vor den Mund. Reden befreit und macht glücklich. Erst recht dann, wenn alles mal geballt auf den Tisch kommt. Und man sich anschließend ohne Konsequenzen wieder zurücklehnt.

Herrlich! Wie in einer Beziehung. Es staut sich was. Man ahnt Unheilvolles. Hat aber keine Lust auf Aussprache und daraus möglicherweise resultierende neue Konflikte. Das Schulfach “Allgemeine Krisenbewältigung” gibt’s leider nicht. Wie schade. Stattdessen, ungleich wichtiger, binomische Formeln und Vektorrechnung. Man muss halt Prioritäten setzen. Veränderungen gehen uns deshalb generell auf den berühmten Sack. Total anstrengend, so was.

Ehepaar im Streit

Erderwärmung: Schizophrenie lässt grüßen

Unser blauer Planet kriegt das schon hin mit der Erderwärmung. Zur Not auch ohne uns. Im wahrsten Sinne des Wortes und bis zum bitteren Ende gedacht. Mit dem Aussterben haben wir’s aber nicht so eilig. Verständlich. Stattdessen ist ein “weiter so” wie bisher angesagt. Unser bankrottes Wirtschaftssystem ist alternativlos und lässt uns keine andere Wahl. Je öfter wir diese vorgeschobene Lüge betonen, desto mehr glauben alle daran. Man darf seinen Glauben nicht komplett verlieren. Kirchenaustritte gibt’s schon genug.

Bis zum Weltuntergang braucht’s zum Glück noch ein wenig. Bis dahin machen wir es uns schön. Und wer präsentiert uns die zuverlässig die besten Ideen zur Realtitätsverweigerung wider besseren Wissens? Das ist natürlich die originäre Aufgabe der Medien. Schizophrenie at it’s best. Vor allem online. Da lesen wir mit offenem Mund einen aufwändig recherchierten Artikel über die Umwelt-Schweinereien in der Kreuzfahrtbranche. Plötzlich poppt etwas Gewaltiges auf…

Wahnsinn mit Methode

…ein Fullscreen-Banner aus dem Hause ADIA. Karibik-Kreuzfahrt zum Schnäppchenpreis. Zwei Wochen Individualurlaub im März mit der ADIA-ATHROSA. 3.500 Angestellte an Bord verwöhnen 5.000 erwartungsfrohe Gäste. Flug zum Zug. Mega-Ultra-All-Inclusive. Außenkabine. Trinkgeld inkludiert. Zwei Personen zahlen lächerliche 4.270 Euro. Seien Sie dabei und buchen Sie jetzt! Wer kommt da beim Blick auf die heimische Wetterlage nicht ins Grübeln?

Traumurlaub: Blick vom Balkon des Urlaubsdomizils

Eine andere Publikation mit höchstem intellektuellen Anspruch an seine treue Leserschaft berichtet in einem gewohnt aufwändig recherchierten Artikel über die Vorzüge der E-Bike-Mobilität. Spätestens zur Mitte des Artikels ist der Gutverdiener bereits auf Spur. Vor seinem vergeistigten Auge sieht er sich beim Fahrradhändler seines Ur-Vertrauens. Auf der Suche nach einem Schäppchen-E-Bike der Allerweltsfirma “Müller&Reese”…

Neues Konzept bei Sonnenstich.TV

…da poppt etwas Gewaltiges auf. Ein Fullscreen-Banner aus dem Hause “DAIMLICH”. Beworben wird die neueste Generation von Betrugssoftware. Sorry, natürlich von Hybrid-SUV. Blue Edition. Bluetech. Bluetooth. Blue-Wonder-Technology. Fünf Bruttoregistertonnen. 495 PS. 12 Liter Diesel im Standbetrieb. Landstromfähig. Mit Motorhauben-Airbag für unvorsichtige E-Biker. Da haben wir’s wieder. Der Werbekreis schließt sich.

Auf Sonnenstich.TV werden der Klimakrise zum Trotze und der gepflegten Schizophrenie zum Wohle ab sofort nur noch außereuropäische Destinationen angeboten. Die Moderatoren überschlagen sich vor guter Laune, dass es die reinste Freude ist. Nur wenige Klicks auf der firmeneigenen “Denk-nicht-so-viel-nach-sondern-buche-jetzt”-App und du bist deinem Umwelt-Alptraum so nah wie nie zuvor. Hab’ kein schlechtes Gewissen. Die anderen machen es doch auch!

Sonnenstich.TV

Tja, liebe Kinder, der Rubel muss rollen. Ohne Anzeigenkunden können fast alle Produzenten multimedialen Sondermülls getrost nach Hause gehen. Da haben sie dann jede Menge Zeit für einen ausgiebigen Fernreisen-Preisvergleich. Die Werbung spielt die Musik zum letzten großen Abgesang. Nicht der Raabler ist zynisch, sondern die Welt, die er beschreibt. Aber der humorbesetzte Tiefgang auf dem Raabler-Viermaster stirbt zuletzt.

“Sein Prinzip ist überhaupt: Was beliebt, ist erlaubt. Denn der Mensch als Kreatur hat von Rücksicht keine Spur.”
(Wilhelm Busch, deutscher Zeichner und Schriftsteller, 1832-1908)

Raabler-Blogpost:
Klimawandel: Wir haben verstanden

Raabler-Web-Tipp:
Rebecca und Larissa erklären den Klimawandel

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