Adam & Eva

Erziehung 4.0: Endlich genderneutral!

Erziehung 4.0

Gleichberechtigung, Gleichstellung, Chancengleichheit. Die Frau steht ihren Mann. Der Mann steht zu seiner Frau. Moderne Zeiten erfordern darum bereits früh ein Umdenken in der häuslichen Erziehung. Allen steht alles offen. Egal welche Farbe das süße Gummibärchen hat: blau oder rot. Schluss mit der starren Vorbestimmtheit in der Geschlechterentwicklung durch überholtes Festhalten an Uralt-Klischees. Und damit ist nicht nur die Farbe der Klamotten gemeint.

Verlassen heutzutage junge Männer – meistens nicht ganz freiwillig – das unfassbar gemütliche All-Inclusive-Elternhaus, so gehen sie mit ungleich weniger imaginärem “Gepäck” als ihre Vorgänger in die weite Welt hinaus. Die typische aber stets unausgesprochene Bürde, später im Leben einmal allein verantwortlich eine vierköpfige Familie durchfüttern zu müssen, hat zum Glück ihren Schrecken verloren. Beim anderen Geschlecht kann Mann mit diesem altertümlichen Verantwortungsbewusstsein nicht mehr punkten.

Erziehung 4.0: Geschlechterrollen knacken

Total kontraproduktiv, dieses Bewusstsein. Es würde ja bestehende Geschlechterrollen fröhlich weiter manifestieren, anstatt sie aufzulösen. Nein, so läuft das nicht (mehr). Moderne junge Frauen können darum gar nicht früh genug aus dem Heim ihrer wohlmeinenden aber überforderten Erziehungsberechtigten flüchten. Ihnen steht die Welt der grenzenlosen Möglichkeiten in allen erdenklichen Facetten genauso offen, wie früher eben nur den Flaumträgern.

fucking multitasking moms

Ein herrliches Gefühl von weiblicher Unbeschwertheit und Freiheit bahnt sich seinen Weg. Endlich tun und lassen dürfen was Frau möchte. In der beruflichen Karriere, in der sündhaft teuren Freizeitgestaltung und last but not least im selbstverständlich ausschweifenden Liebesleben. Der Lebensabschnittspartner wird nicht mehr nach seinem Beruf, seinem Einkommen und überhaupt seinen Lebenseinstellungen taxiert und selektiert. Vorbei. Selbst ist die Frau. Voll im Job stehend und finanziell unabhängig wie niemals zuvor.

Sehr be(un)ruhigend: Ohne Mann geht’s auch

Kinder werden in dem beruhigenden Wissen gezeugt, dass es in letzter Konsequenz auch prima ohne Mann geht. Gut, für die Befruchtung immer noch erste Wahl. Aber auch daran wird gearbeitet. Sollte der Traumprinz also binnen kürzester Zeit zum Arschloch und/oder Nestflüchtling mutieren, so schickt ihm die einstige Traumprinzessin aus ihrem in Rekordzeit neu und eigenständig erworbenen First-Class-Domizil eine nett formulierte E-Mail mit dem obligatorischen Link zur “Düsseldorfer Tabelle”.

So geht Trennung heute. Tragisch für Männer, die mit Chauvi-Genen belastet das Licht der Welt erblickten. Ihnen gehen im atemberaubenden Tempo die Vorbilder aus der vorherigen Erzeuger-Generation flöten. Klassische innerfamiliäre Konfliktherde (“Papa hat eine Jüngere!”) wurden lange Zeit routiniert und millionenfach entschärft. Mit einem dezenten Hinweis darauf, wer die Kohle nach Hause bringt. Aus und vorbei! Und das ist auch gut so!

Offene Zweierbeziehung

Erziehung im Raabler-Realitätscheck
Teil 1: Tim

Aber hat sich wirklich so viel verändert im Rollenverhalten zwischen Mann und Frau? In der Erziehung der Töchter und Söhne? Dem Raabler kommen so manches Mal berechtigte Zweifel. Neulich wurde er bei Freunden Zeuge einer sehr aufschlussreichen Konversation bei Kaffee und leckerem Kuchen zwischen einer Mutter (48) und ihrem frisch verliebten Sohn (22).

Mutter: “Wie geht’s eigentlich deiner Malina?”
Sohn: “Gut, denke ich mal, warum fragst du?”
Mutter: “Man wird doch wohl noch mal fragen dürfen.”
Sohn: “Schon, klar, aber du willst doch bestimmt noch mehr wissen, oder?”
Mutter: “Sieht man mir das an?”
Sohn: “Joo.”
Mutter: “Also, gut, wir lange kennt ihr euch eigentlich schon?”
Sohn: “Morgen werden es 6 Wochen.”
Mutter: “Wie die Zeit vergeht.”
Sohn: “Also?”
Mutter: “Wie findet sie denn so dein schönes Zuhause?”
Sohn: “Mama, ich wohne hier.”
Mutter: “Ja, natürlich, mein Lieber. Aber hat sie mal was gesagt?”
Sohn: “Zum Haus, zu meinem Zimmer?”
Mutter: “Zum Beispiel. Oder zu Papas Edelkarosse in der Garage?”
Sohn: “Und zu Mamas Cabriolet vor der Haustür?”
Mutter: “Ich wollt’s nicht gleich sagen, ja.”
Sohn: “Mama, worauf willst du hinaus?”
Mutter: “Ich frag’ doch nur mal. Also, hat sie?”
Sohn: “Ja, hat sie.”
Mutter: “Kommt da noch mehr?”
Sohn: “Mann, Mama! Ja sie findet’s toll, wie wir hier wohnen. Im Grünen. Im Luxus. Alles großzügig und geschmackvoll eingerichtet. Mit Putzhilfe und so. Sie kommt manchmal ins Schwärmen.”
Mutter: “Aha.”
Sohn: “Was, aha?”
Mutter: “Ich mein’ ja nur.”
Sohn: “Ja, und bevor du weiter fragst, sie ist auch schwer beeindruckt über eure gut bezahlten und hoch angesehenen Jobs. Überhaupt, dass ihr beide berufstätig seid. Trotz zweier Kinder.”
Mutter: “Kann ich mir denken.”
Sohn: “Ja, und?”
Mutter: Und dass du in deinen jungen Jahren bereits mit 1.800 Euro netto nach Hause kommst, findet sie sicher auch ganz nett, oder?”
Sohn: “Mensch, Mama!”
Mutter: “Ist alles gut, Tim. Ich möcht’ doch nur mal kurz drüber reden mit dir.”
Sohn: “Du redest schon die ganze Zeit, Mama. In Rätseln!”
Mutter: “Also, worauf ich hinaus möchte…”
Sohn: “Na? Na?”
Mutter: “Also, dass sie dein Zuhause recht zügig kennen lernen würde, daran lässt sich ja nichts einwenden bzw. verhindern.”
Sohn: “Aber?”
Mutter: “Aber, dass du mit ihr das letzte Wochenende auch noch in unserem Ferienhaus an der Ostsee verbringen musstest. Mit Papas schickem Auto. Ist das nicht alles ein bisschen früh und zu viel auf einmal?”
Sohn: “Zu früh? Zu viel? Versteh’ ich nicht. Ihr habt es mir doch erlaubt.”
Mutter: “Papa hat es dir erlaubt.”
Sohn: “Ach, und das zählt nicht?
Mutter: “Das habe ich nicht gesagt.”
Sohn: “Doch, hast du.”
Mutter: “Also, gut, ich war nicht da in dem Moment.”
Sohn: “Und, was hätte es geändert?”
Mutter: “Nun, ich hätte vielleicht versucht, dich zu überreden, den Wochenendtrip ein wenig…sagen wir mal… zu verschieben?”
Sohn: “Wie bitte? Auf nächsten Sommer, oder was?”
Mutter: “Nun werd’ mal nicht gleich brausig. Oder hast du Angst sie bis dahin zu verlieren?”
Sohn: “Wieso das denn?”
Mutter: “Also, beruhig’ dich mal.”
Sohn: “Mama, was willst du mir sagen? Malina und ich lieben uns!”
Mutter: “Klar, liebt sie dich. Aber, Tim, da ist etwas, was du noch nicht richtig einordnen kannst. Nicht so richtig verstehen kannst. Schon gar nicht, wenn du so verliebt bist.”
Sohn: “Ist was mit Malina, oder wie?”
Mutter: “Nun, Malina, ja. Oder besser ganz allgemein den Frauen.”
Sohn: “Häh?”
Mutter: “Es ist nun mal so, dass…”
Sohn: “…Frauen auf Materiellem stehen? Auf Luxus. Auf ein bequemes Leben?”
Mutter: “Zum Beispiel.”

Orgasmus

Sohn: “Mutti, das weiß doch heutzutage jeder Idiot…äh…Mann. Was meinst du wohl, was ich von meinen älteren Arbeitskollegen zu hören bekomme?”
Mutter: “Ich höre?”
Sohn: “Na, ja, dass man lieber erst einmal alleine wohnen sollte, bevor man von einer Abhängigkeit die nächste tapert.”
Mutter: “Interessant! Und weiter?”
Sohn: “Na, und falls man mal vorhat, ein Häuschen zu bauen oder zu kaufen, sollte man das auch erst einmal alleine über die Bühne bringen.”
Mutter: “Und sich erst danach eine Frau an Land ziehen?”
Sohn: “Du sagst es.”
Mutter: “Warum?”
Sohn: “Könnte sonst Probleme im Falle einer Trennung geben.”
Mutter: “Ach, das erzählt man sich so auf der Arbeit bei euch?”
Sohn: “Du wolltest das doch wissen, also sag’ ich es dir.”
Mutter: “Finde ich gut, Tim.”
Sohn: “Was findest du gut, Mama, dass man heute als Mann so verdammt aufpassen muss?”
Mutter: “Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.”
Sohn: “Drum prüfe, wer sich ewig bindet?”
Mutter: “Da ist was dran, glaub’ mir.”
Sohn: “Liebe vergeiht, Hektar besteiht?”
Mutter: “Seit wann sprichst du platt?”
Sohn: “Seit Ina! Ist’n Scherz!”
Mutter: “Dacht’ ich mir.”
Sohn: “Ach, Mama…”
Mutter: “Ach, Tim, ich will doch nur dein Bestes. Und ich möchte dich davor bewahren, dass dich irgendwann einmal ein Mädchen…sagen wir mal…ein wenig ausnutzen könnte.”
Sohn: “Weil wir so gut situiert sind?”
Mutter: “Wir. Du.”
Sohn: “Erst die Finanzen, dann die Gefühle?”
Mutter: “In uns Frauen schlummert ein Bioprogramm namens Fortpflanzung. Da kann man Themen wie Sicherheit und Bequemlichkeit nicht so einfach wegwischen, mein Sohn.”
Sohn: “Luxus und Bequemlichkeit statt Liebe?

frauen und orgasmus

Mutter: “Frauen ticken da etwas anders als Männer, glaub’ mir.”
Sohn: “Aber neulich im Raabler-Blog stand doch, dass sich die Geschlechterrollen aufgelöst haben. Und Frauen sich nicht mehr so leicht abhängig von den Männern machen wollen.”
Mutter: “Ach, mein Lieber, dem Raabler musst du auch nicht alles glauben.”
Sohn: “Meinst du?”
Mutter: “Der redet viel, wenn der Tag lang ist. Und was er ernst meint oder nicht. Pfff…finde es heraus. Ich hab’s schon aufgegeben.”
Sohn: “Tolle Aussichten für eine Beziehung.”
Mutter: “Ich möchte dir nicht den Mut, die Spontanität nehmen. Nur die Blauäugigeit gegenüber den hübsch gestylten Mädels solltet ihr jungen Männer allmählich mal ablegen. Denk’ an meine Worte”
Sohn: “Ich weiß, du meinst es gut mit mir. Nur finde ich es trotzdem scheiße, es aus deinem Mund zu hören.”
Mutter: “Warum?”
Sohn: “Na, weil du ja eine Frau bist. Und du es insofern ja wissen musst.”
Mutter: “Schwer zu ertragen, ich weiß, aber du würdest Ähnliches auch von Papa hören.”
Sohn: “Interessant, meinst du, er denkt genau so?”
Mutter: “Mit Sicherheit.”
Sohn: “Also hast du dich im Laufe eures Zusammenlebens auch in das Rollen-Klischee eingefügt?”
Mutter: “Werd’ jetzt bitte nicht frech, Tim!”
Sohn: “Muttiiii…lach’ doch mal!”
Mutter: (lacht)

Erziehung im Raabler-Realitätscheck
Teil 2: Laura

Richtig “gruselig” wurde es für den Raabler im Anschluss an das Kaffeetrinken. Während der verliebte Tim sich mit Schaum vor dem Mund zu seiner Angebeteten vom Acker machte, betrat seine Schwester Laura (25) die Szenerie im Esszimmer. Laura tauschte vor zwei Jahren das Familienidyll gegen eine Studi-WG in Hamburg. Auch sie hat’s vor kurzem “erwischt”. Ihr Traumboy heißt Tobias. Mutter ist gespannt wie ein Flitzebogen.

Mutter: “Laura, Liebste, wie geht’s?”
Tochter: “Liebste? Oh, wie nett. Hast du schon ein Gläschen mit dem Raabler verschmackofatzt?”
Mutter: “Ich geb’s zu, ja.”
Tochter: “Du solltest dir öfter mal einen Schluck gönnen, Mama. Da komm’ ich auch wieder öfter nach Hause…Scherherz.”
Mutter: “Ich weiß, wie du es meinst. Ohne Abdriften und Suchtgefahr…”
Tochter: “Natürlich.”
Mutter: “Ja, manchmal braucht es einen Brustlöser und Lockermacher.”
Tochter: “Hast du den wohl grad auch bei Tim gebraucht?”
Mutter: “Kann man so sehen. Im Nachhinein betrachtet.”
Tochter: “So, dann hast du ja jetzt die notwendige Betriebstemperatur erreicht.”
Mutter: “Wofür?”
Tochter: “Für das bevorstehende Frage- und Antwortspiel.”
Mutter: “Das wie immer ganz einseitige Spiel.”
Tochter: “Genau. Mutter fragt die peinlichsten Sachen…
Mutter: “…und Tochter antwortet nur das Allernötigste. Wie bei einem Verhör.”
Tochter: “Das hast du gesagt.”
Mutter: “So siehst du das doch, stimmt’s?
Tochter: “Manchmal schon, ja. Eigentlich immer.”
Mutter: “Dann kann’s also losgehen?”
Tochter: “Leg’ los!”
Mutter: “Was mich grad natürlich am meisten interessiert…”
Tochter: “…ist meine neue Liebe Tobias.”
Mutter: “Genau. Immer noch im siebten Himmel?”
Tochter: “Mama! Was willst du hören?”
Mutter: “Hören? Sehen reicht doch schon vollkommen aus.”
Tochter: “Womit die Frage ja schon mal beantwortet ist.”
Mutter: “Laura, ich freu’ mich doch so sehr für dich.”
Tochter: “Danke, Mama, ich freu’ mich auch. Dass es so ist, wie es ist. Grad.”
Mutter: “Wo hast du denn deinen Tobias eigentlich kennen gelernt?”
Tochter: “Auf’m Kiez.”

Man trifft sich zum Flirten in der Bar Burnout in Hamburg

Mutter: “Ach, nicht beim Studium? Wohnheim-Party, oder so?”
Tochter: “Tobias studiert nicht.”
Mutter: “Ach, er studiert nicht?
Tochter: “Biste jetzt enttäuscht?”
Mutter: “Nein, nein, ich dachte nur…”
Tochter: “Mama, Studium ist heute auch nicht mehr das, was es zu eurer Zeit mal war.”
Mutter: “Nämlich?”
Tochter: “Eine Garantie für eine berufliche Karriere…wo auch immer. Hauptsache mehr Chancen als die Nicht-Akademiker. Mehr Geld. Das ganze Programm.”
Mutter: “Nee, haste recht, ist heute nicht mehr so.”
Tochter: “Also, kein Grund zur Traurigkeit.”
Mutter: “Ich bin nicht traurig.”
Tochter: “Dann eben kurz mal ein wenig grübelig. Ich weiß, Papa und du, ihr habt beide studiert.”
Mutter: “Ach, Kindchen, ist ja auch völlig egal.”
Tochter: “Finde ich auch.”
Mutter: “Hauptsache, du bist glücklich.”
Tochter: “Ich bin glücklich, Mama, auch wenn er nicht studiert hat.”
Mutter: “Schön. Was macht er denn so?”
Tochter: “Den lieben langen Tag?”
Mutter: “Laura!”
Tochter: “Ist gut, Mama. Es geht nicht um seine Freizeitgestaltung, richtig?”
Mutter: “Richtig.”
Tochter: “Also, er hat nach dem Abi eine Ausbildung gemacht.”
Mutter: “Als was? Herrjeh, muss ich dir alles aus der Nase ziehen?”
Tochter: “Als Industriemechaniker.”
Mutter: “Oh, was Technisches?”
Tochter: “Genau.”
Mutter: “Ah, wenigstens Industrie-Tarif. Und nicht Handwerker-Tarif.”
Tochter: “Mama, wovon sprichst du grad?”
Mutter: “Ach, nichts, mein Schatz. Hab’ nur laut überlegt.”
Tochter: “War wieder was mit Kohle, richtig?”
Mutter: “Na, und? Ist auch heute noch ziemlich wichtig, oder?”
Tochter: “Mama, das interessiert mich grad überhaupt nicht?”
Mutter: “Hauptsache du liebst ihn und er liebt dich.”
Tochter: “Was ist daran nicht richtig?
Mutter: “Das ist alles richtig und wichtig…”
Tochter: “…wie eine Politikerin…sprichst du gerade…”
Mutter: “…lass’ mich ausreden, bitte. Ich schau auch gerne mal über den Tellerrand hinaus.”
Tochter: “In die Zukunft.”
Mutter: “Ja, in die Zukunft.”

spielerfrau

Tochter: “Und was sieht meine Mama denn so in ihrer Glaskugel?”
Mutter: “Dazu brauche ich noch ein paar mehr Informationen.”
Tochter: “Geschickter Übergang.”
Mutter: “Ich hab’ nur deinen Faden aufgenommen.”
Tochter: “Also, frag’.”
Mutter: “Er ist also jetzt Geselle?”
Tochter: “Mama, Geselle war er nach der Ausbildung. Tobias hat mittlerweile vier Gesellen und zwei Meister unter sich.”
Mutter: “Ach, gucke, macht sich das Abi doch bemerkbar?”
Tochter: “Ach, Mama, ich glaub’, dass hat mit dem Abi nicht viel zu tun.”
Mutter: “Weiß man’s?”
Tochter: “Tobias ist eben sehr fleißig und weiß, was er will.”
Mutter: “Das ist immer wichtig, klar. Dann hat er wohl eine gute Erziehung von seinem Elternhaus mitbekommen.”
Tochter: “Womit wir geschickt beim nächsten Thema gelandet sind?”
Mutter: “Das da wäre?”
Tochter: “Was machen seine Eltern denn so? Beruflich und überhaupt?”
Mutter: “Gut, dass du mir in der Frage zuvorkommst.”
Tochter: “Du willst es wissen?”
Mutter: “Ja, klar!”
Tochter: “Ich weiß es gar nicht so genau.”
Mutter: “Wie bitte, du hast ihn noch gar nicht danach gefragt?”
Tochter: “Doch, Mama, er hat’s mir sogar auch erklärt. Ganz ehrlich, ich hab’s nicht in Gänze kapiert.”
Mutter: “Was ist daran so schwer zu begreifen? Sind es studierte Leute?”
Tochter: “Die Mutter ja, der Vater nicht.”
Mutter: “Aha, lass’ mich raten, sie was mit Kunst und Kreativität und der Vater von Tobias hat die Laufbahn für den Sohn vorgelebt?”
Tochter: “Fast. Die Mutter ist Lehrerin, der Vater Betriebsleiter bei einem holzverarbeitenden Unternehmen.”
Mutter: “Ach, interessant. Chefredakteur bei einem Verlag?”
Tochter: “Nein, jetzt echt Holzindustrie.”
Mutter: “Ach, schade. Wie dem auch sei. Dann verdienen beide Elternteile ja ganz schön Geld, nicht wahr?”
Tochter: “Jahaaa, Mama, bist du nun zufrieden?”
Mutter: “Hauptsache, du bist zufrieden.”
Tochter: “Das ist mir grad sowas von egal. Dieser ganze Kohle-Scheiß.”
Mutter: “Sollte es dir aber nicht sein. Wie wohnen die denn so.”
Tochter: “In einem TOP-Bungalow am Stadtrand, 250 Quadratmeter Wohnfläche, 1.800 Quadratmeter Grundstück, eigener Zugang zum Bootsanleger…”
Mutter: “Ach, schön, ist ja fast so wie bei uns!”
Tochter: “Mama, spinnst du?”
Mutter: “Etwa nicht?”
Tochter: “Uns geht’s auch sehr gut, ja.”
Mutter: “Siehst du wohl?”
Tochter: “Und jetzt möchtest du bestimmt noch wissen, welche Autos sie fahren…”
Mutter: “ach…gleich mehrere?”
Tochter: “…so wie bei uns, Mama.”
Mutter: “Ja, wie schön. BMW? Daimler? Volvo?”
Tochter: “Sie einen Mini mit 160 PS, er einen Ecotech-Daimler, 285 PS.”
Mutter: “Oh, mit Ökotouch, die Familie?”
Tochter: “Wie du meinst.”

Autofreie Innenstadt in Hamburg

Mutter: “Und jetzt sag’ mir nicht, sie haben auch eine Wohnung oder ein Haus in Ahrenshoop?”
Tochter: “Ja, klar, und es stellt sich heraus, dass ihr euch seit Jahren unbekannterweise beim Strandspaziergang begegnet seid.”
Mutter: “Könnte doch sein? Die Welt ist so klein. Sagt man doch.”
Tochter: “Nee, nicht Ostsee. Aber du hast recht, sie haben noch was an Immobilien. Tippe mal auf Südeuropa.”
Mutter: “Ah, Italien…Spanien…von mir aus auch Portugal. Schatz, wie kann es angehen, dass du das noch nicht rausgefunden hast?”
Tochter: “Mama, du gehst mir manchmal so was von auf den Geist.”
Mutter: “Du wirst noch dahinter kommen.”
Tochter: “Wo hinter kommen? Das man immer schon möglichst früh in der Kennenlern-Phase in den Abchecker-Modus wechseln sollte? Wie uncool ist das denn?”
Mutter: “Gar nicht uncool, sondern cool. Man sollte schon wissen, mit wem man es zu tun hat, oder?”
Tochter: “Du vielleicht, ich nicht.”
Mutter: “Noch nicht, meine Liebe.”
Tochter: “Niemals.”
Mutter: “Ha, und was ist, wenn du mal Kinder haben willst? Ist dir dann auch noch alles egal?”
Tochter: “Kein Problem, arbeite ich eben weiter.”
Mutter: “Das wirst du dann auch müssen, wenn ihr euren Standard aufrecht erhalten wollt.”
Tochter: “Welchen Standard?”
Mutter: “Den, den du von zuhause aus gewohnt bist.”
Tochter: “Ich komm’ auch mit weniger klar.”
Mutter: “Das sagst du jetzt so voreilig. Wir sprechen uns, wenn es soweit ist.”
Tochter: “Besser nicht.”
Mutter: “Das Trotzgesicht steht dir aber gar nicht gut…”

Mieten immer teurer

Es ist ja, wie es ist…

So, der Raabler könnte die gewiss spannende Konversation zwischen Mutter und Tochter noch ewiglich fortführen. Bis hierhin sollte es jedoch gereicht haben, um die Botschaft zu verstehen. Eine Mutter hat einen Sohn und eine Tochter. Der Raabler hat ganz genau hingehört. Als Freund des Hauses blieb ihm auch gar nichts anderes übrig. Wie steht es in der Erziehung um die viel beschworene Auflösung der Geschlechterrollen? Gar nicht mal so gut.

Dem Sohn gibt sie mit auf den Weg, dass er seiner über alles geliebten Freundin gegenüber auf keinen Fall alle (Wohlstands-)Karten – die Familie und ihn selbst betreffend – auf den Tisch legen sollte. Das Interesse der begehrten Partnerin könnte sich schlagartig vom Immateriellen zum Materiellen verlagern. Zum Beispiel im Zuge einer traumwandlerischen Befolgung typisch weiblicher Intuition. Der arme Junge würde dieses Spiel irgendwann mit Bestürzung durchschauen und von der großen bedingungslosen Liebe nichts mehr wissen wollen.

Auf der anderen Seite legt die Mama der eigenen Tochter exakt die typisch weiblichen Verhaltensmuster ans Herz, die sie einer zukünftigen Schwiegertochter namens Malina (Freundin des Sohnes) nur sehr ungern zugestehen möchte. Es sollen ja immer die Liebe und das Gefühl im Vordergrund stehen. Und nicht irgendwelche Kontostände auf Briefkastenfirmen in Guernsey. Oder so ähnlich. Wenn das nur nicht immer so oft den Bach runter gehen würde – das mit der Liebe und den Gefühlen.

Fazit: Die Fortschritte in der geschlechterneutralen Erziehung sind unübersehbar. Es ist ja, wie es ist!

“Erst wenn man genau weiß, wie die Enkel ausgefallen sind, kann man beurteilen, ob man seine Kinder gut erzogen hat.”
(Erich Maria Remarque, deutscher Schriftsteller, 1898-1970)

Raabler-Blogpost:
“Ich parshippe jetzt!”

Raabler-Web-Tipp:
Eckhard von Hirschhausen: Intelligente Frauen

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