Und sonst so?

Fahrbericht: Der neue Gaudi Backpack SR 4.5

Fahrbericht

Autobauer und Autofahrer, so sagt man, sitzen in einem Boot. Wahrscheinlich handelt es sich in diesem Fall um ein U-Boot. Tauchtiefe 1000 Meter. Kein Licht erreicht die Besatzung. Sie tappen völlig im Dunkeln. Gehirne weichen auf. Das Denkvermögen lässt nach. Ein mulmiges Gefühl. Aber: Wenn Anbieter und Nachfrager sich einig sind, kann das alles ja so verkehrt nicht sein, oder? Der Raabler wünscht viel Spaß mit dem nachfolgenden Fahrbericht aus einer bekannten Auto-Redaktion:

Der Gaudi Backpack SR 4.5 bringt alle Fahreigenschaften mit, die man von einem bärenstarken, turbo-schnellen und prestigeträchtigen Geschoß erwarten darf. Zum Beispiel ein brutaler Motor, der mittels fiesem Turbolader auf 600 Newtonmeter katapultiert wird. Ein bissiges Bremsmanagement fährt die automobile Waffe aus Tempo 120 innerhalb von 37 Metern quasi vor eine unsichtbare Wand.

Stille

Ein Fahrbericht als automobiler Porno

Ambitionierte Poser werden beim Backpack SR 4.5 jedoch ein Portion Kribbeln und Erschauern auf der Haut vermissen. Was sich beispielsweise einstellt, wenn man für einen Sekundenbruchteil vor lauter Urgewalt bei der Kraftentfaltung meint, die Kontrolle verloren zu haben. Kontrollverlust, ein aufregendes Gefühl! Wer auf instabile Heckausbrüche in schneidigen Kurvenphasen steht, ist hier schon mal fehl am Platz. Zu perfekt ist die Fahrwerksabstimmung.

Dafür wollen 450 Pferdestärken aus einem bulligen 3-Liter-V8-Aggregat gepflegt auf den Asphalt genagelt werden. Das Reifengummi klebt sich dabei förmlich in jedweden Untergrund und verlockt, weithin unbekannte Grenzen auszuloten. Dabei geht der hochmoderne Quattro-Allradantrieb dem Hobby-Piloten dienstbar zur Hand. Ein lockerer Sprint aus dem Stand auf 100 km/h gelingt in weniger als 4 Sekunden. Ohne Leistungseinbrüche steht plötzlich die 280 km/h-Marke auf der stylisch beleuchteten Tacho-Uhr.

PS

Spaß muss sein

Gut zu wissen, dass auch weit jenseits der 200 km/h stets auskömmliche Reserven für einen Zwischenspurt zur Verfügung stehen. Je nach Gasbehandlung überrascht der SR 4.5 mit spektakulären Sinneseindrücken. Die intelligente Klappensteuerung beim Design-Auspuff fördert einen sonoren Sound auf V12-Level aus dem Hut. Es liegt ein Grollen und beinahe tierisches Atmen in der Abluft. Werkseigene Soundtüftler haben hier ganze Arbeit geleistet. Gänsehaut pur!

Unterdrückt der Pilot dagegen die implementierten Dynamik-Fahrmodi, kann das Kraftpaket bei aller Bärenpower fast auf Samtschuhen daher kommen. Leichtgängige Lenkung, geschmeidige Gangwechsel und eine wohltuende Federung übernehmen das Kommando. Entspanntes Dahingleiten in ergonomisch gestalteten Schalensitzen lassen Vorfreude auch auf bevorstehende längere Reiserouten aufkommen.

Autofreie Innenstadt in Hamburg

So geht Klimawandel

Beim solchem Cruisen sinkt der durchschnittliche Verbrauch auf bemerkenswerte 9 Liter. Weckt man dann jedoch wieder den Tiger im Tank – beim Kavalierstart vor der Grundschule oder beim Penisvergleich auf der linken Autobahnspur – werden für die 1,8 Tonnen Abtropfgewicht immer noch lächerlich wenige 12 Liter rausgepustet. Wer angesichts dieser Verbrauchszahlen ins Grübeln kommt, der sollte sich von einer Anschaffung gernerell fernhalten.

In der Grundausstattung beginnt die Messlatte bei bummeligen 89.000 Euro. Diverse Sonderzubehör-Programme lassen das Objekt der Begierde leicht in den sechsstelligen Breich driften. Wer sich um den irrwitzigen CO2-Ausstoß Gedanken macht, dem ist eh’ nicht mehr zu helfen. Das sollte einem der Spaß in jedem Fall wert sein. Testnote 2+.”

Autoverkehr in Schenna

Fahrbericht contra Klimawandel

Wir alle wissen es und wundern uns schon lange nicht mehr: Solche oder ähnliche Fahrberichte werden gerne auch in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen platziert, die in der gleichen Ausgabe aufwändig recherchierte Reportagen zum Klimawandel bzw. Umweltschutz publizieren. Wie genial ist das denn? Und wer hat noch mal die Musik bestellt? Ach, der Anzeigenkunde? Na, so was…

“Der Geist ist wie ein Fallschirm: er kann nur funktionieren, wenn er offen ist.”
(Thomas R. Dewar, schottischer Whiskey-Produzent, 1864-1930)

Raabler-Blogpost:
Autowahn im schönen Meran

Raabler-Web-Tipp:
Ein Volkswagen Ingenieur packt aus

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