Adam & Eva

Fucking-Multitasking-Moms
Folge 4: Auf dem Spielplatz

Vierter Teil der neuen Raabler-Mini-Serie: Auf dem Spielplatz (1)

spielplatz

Hat Raabler Rolfn schon erwähnt, dass Frauen den Männern in Sachen „Um-100-Ecken-denken-und-checken“, „Alles-auf-einmal-unbedingt-machen-müssen“, „Total-erschöpft-sein-aber-trotzdem-weiter-strampeln“ um Lichtjahre voraus sind? Na, klar! Denn treue Raabler-Fans haben ja bereits mit großem Interesse die ersten drei Teile der FMM-Mini-Serie verschlungen. Was wir bisher jedoch nur ahnten, aber niemals wissenschaftlich untermauern konnten, ist jetzt dank weiterer intensiver Raabler-Recherchen unwiderlegbar: FMM-Mütter sind mit Abstand die weltbesten Erzieherinnen ihrer Kinder.

Zur Beweisführung dient in der aktuellen Untersuchung ein x-beliebiger Spielplatz in einer x-beliebigen Stadt im Speckgürtel von Hamburg. Temperaturen um die 30 Grad, wolkenloser Himmel, die Sonne strahlt mit der guten Laune der Menschen um die Wette. Alles ist entspannt, die Schulkinder sind in der Schule und rauchen in der Raucherecke. Doch wo sind die schnuckeligen Vorschulkinder und die dazu gehörigen schnuckeligen Mütter?

Sprachlosigkeit unter Müttern dank Multimedia auf dem Spielplatz

Bingo, Treffer! Ein großer FMM-Treff (Fucking-Multitasking-Mom) auf dem städtischen Spielplatz. Hier muss ein Nest sein. Alle Plätze auf den mit Notrufnummern versehenen Bänken sind mit weiblichen Erziehungspersonal besetzt. In der Erwachsenenwelt herrscht wie selbstverständlich Ruhe. Keine Mutter spricht mit der anderen. Kontrastprogramm auf der anderen Seite: Die Kinder lärmen ausgelassen und voller Vergnügen an den unterschiedlichen, kreativen Spiel-Stationen. Ein Ausbund an unbeschwerter Lebensfreude und ein Anblick, den man gerne sieht.

Fucking Multitasking Moms: Auf dem Fahrrad

Aber warum sprechen die Mütter nicht untereinander? Beobachten Sie mit Argusaugen jede noch so kleine Bewegung ihres zarten Nachwuchses, damit ja nicht etwas Unrechtes oder Unheilvolles – beispielsweise ein Sturz von der steilen Holztreppe – geschieht? Sind sie jederzeit zum Sprung bereit, wenn sie sehen, dass zwei sich um den Platz an der Schaukel streiten? Sind sie intensiv damit beschäftigt zu überlegen, was sie dem bekloppten Sohn der billigen Schlampe auf der Nachbarsbank ins Ohr schreien werden, wenn dieser es ein weiteres Mal wagen sollte, ihrer Cindy eine Ladung Kuchensand ins Gesicht zu schleudern?

Moderne Mütter: Außen cool – innen lazy

So könnte es sein. So ist es aber nicht. Die individuelle Durchschnitts-FMM sieht folgendermaßen aus (Attribute wie attraktiv oder nicht sind in diesem Kontext irrelevant):

Gesichtsausdruck von cool, über gelangweilt bis leicht genervt. Die Oversize-Sonnenbrille ist ein „must have“, egal ob die Sonne scheint oder nicht. Das Designer-Smartphone der neuesten Generation liegt elegant und wie selbstverständlich in der rechten Hand. Mit dessen Daumen werden die hippsten Social-Media-News auf dem Spielplatz in rasendem Tempo durchgescrollt. Im Hintergrund versorgt der interne Datenspeicher per In-Ear-Kopfhörer beide Gehörmuscheln in adäquater Lautstärke mit der jeweiligen Lieblingsmusik. Unter Lieblingsmusik subsumiert sich für gewöhnlich die ewiglich gleiche, phantasie- und lieblos zusammengestellte Set-List der bekannten Quassel-Sender wie z.B. NDR, FFN, Radio Hamburg, Alsterradio und Konsorten. Zu mehr reichen Anspruch und Phantasie der FMM nicht.

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Fucking-Multitasking Moms müssen sich zur Belohnung für die täglichen Entbehrungen in der Aufzucht des Hochbegabten-Nachwuchses zwischendurch auch mal selber eine Freude machen: Hier kommt gerade per Smartphone-Popup die Nachricht hereingerauscht, dass das Zalando-Paket entgegen der ursprünglichen Mitteilung bereits morgen zur Auslieferung gelangen wird.

Gezielte Ansprüche werden allerdings im Hinblick auf die Akku-Laufzeit des Huawei P 20 gestellt. Generell ist die Lade-Dauer eines Smartphone-Akkus ein gerne diskutiertes Gesprächsthema unter Gleichgesinnten. Sofern man mal Lust auf Unterhaltung unter Gleichgesinnten hat. Heute mal nicht. Morgen vielleicht – auch nicht. Wird dann im unpassendsten Moment per Signalton ein restlicher Batterie-Vorrat von unter 20 % angezeigt, kann die vormittägliche Auszeit auf dem Spielplatz schnell in schwer zu kontrollierende Aggression umschlagen.

Ist in solchen Stress-Momenten zudem der routinierte Griff in die Seitentasche des Kinderwagens, wo sich im 24/7-Modus die für derlei Notfälle vorgesehene 10.000 mAh-Powerbank befindet, von Misserfolg gekrönt, so kann eine ansonsten eher unterdurchschnittlich phantasiebegabte FMM eine ungewöhnliche Kreativität bei der Auswahl unflätigster Kraftausdrücke entwickeln. Merke: Nicht nur bei Pubertieren, sondern auch bei deren fürsorglichen Müttern der Moderne stellt sich im unvorhergesehenen Offline-Betrieb rasch unkontrollierbar heftiger Burnout ein. Das zum Kampf-Thema “Fucking-Multitasking-Mom versus Internet” samt seiner smarten Endgeräte.

Mama auf dem Spielplatz im Ego-Modus 4.0

Viel entspannter werden hingegen die Herausforderungen im Zwischenmenschlichen angegangen. Logisch, geht es hierbei doch nur um den eigenen, natürlich hochbegabten Nachwuchs, der sich selbstvergessen den spannenden Abenteuern auf einem x-beliebigen Spielplatz hingibt. Das Studium diverser Eltern-Ratgeber-Magazine war nicht umsonst, wenn sich die FMM eine gewisse Attitude der inneren Ruhe und Gelassenheit angeeignet hat. Nach außen dokumentiert durch übereinander geschlagene Beine und die lässig vor sich hin dampfende Zigarette in der noch freien linken Hand. Töchter und Söhne spüren auf diese Weise bereits in sehr jungen Jahren instinktiv ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis zur Aufsichtsperson. Hier zur besseren Veranschaulichung vier entzückende Beispiele der Kommuniktion zwischen Moms und Kids:

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Erste Spielplatz-Szene

FMM Sandra sitzt auf der Spielplatz-Bank und beschäftigt sich ausnahmsweise seit ihrer Ankunft mit dem Smartphone. Ihr begabter Sohn Benjamin entdeckt beim Spielen in der Sandkiste eine leere Bierflasche mit abgebrochenen Hals. In einer Mischung aus Neugierde und Triumphgefühl hält er sie hoch…

Benjamin: „Schau mal, Mama, was ich gefunden habe!“
FMM Sandra: (nimmt genervt den linken Stöpsel aus dem Ohr) „Oh, das ist aber schön, Benjamin, ganz toll. Das ist eine Bierflasche. Aber leg’ sie bitte dahin zurück, wo du sie gefunden hast, ja? Sonst verletzt sich noch jemand, und das wollen wir doch nicht, oder, mein Liebster?“
Benjamin: „Mama, was ist das, Bier?“
FMM Sandra: „Das erklärt dir der Papa heute Abend. Schatz, ich kann grad’ nicht, weil Mamis Freundin ihr was über whatsapp geschickt hat. Du weißt doch…sie will immer schnell eine Antwort.“
Benjamin: „Ist gut.“

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Oft genug ist der Alltag der Fucking-Multitasking Moms jedoch von Stress bestimmt: Hier nimmt gerade eine verzweifelte Mutter auf einem Spielplatz einen wichtigen Anruf entgegen. Ihre Zalando-Warensendung kann doch nicht wie versprochen zum Wochenende angeliefert werden. Wie soll man da noch die Contenance gegenüber den Blagen bewahren?

Zweite Spielplatz-Szene

FMM Sabrina sitzt auf der Spielplatz-Bank und beschäftigt sich ausnahmsweise seit ihrer Ankunft mit dem Smartphone. Ihre begabte Tochter Antonia entdeckt beim Spielen in der Sandkiste ein benutztes Kondom, in dem sich zum Sperma im Auffangreservoir noch ein wenig feiner Spielkastensand hinzugesellt hat. In einer Mischung aus Neugierde und Erstaunen hält sie den frisch entdeckten Schatz hoch…

Antonia: „Schau mal, Mama, was ich gefunden habe!“
FMM Sabrina: (nimmt genervt den linken Stöpsel aus dem Ohr) „Oh, das ist aber schön, Antonia, ganz toll. Das ist ein Verhütungsmittel. Wollen wir hoffen, dass es seinen Zweck erfüllt hat. Aber leg’ das bitte dahin zurück, wo du es gefunden hast, ja? Sonst nimmt das noch jemand in den Mund, und das wollen wir doch nicht, oder, meine Liebste?“
Antonia: „Mama, was ist ein Verhütungsmittel?“
FMM Sabrina: „Das erklärt dir der Papa heute Abend. Schatz, ich kann grad’ nicht, weil Mamis Freundin ihr was über whatsapp geschickt hat. Du weißt doch…sie will immer schnell eine Antwort.“
Antonia: „Ist gut, Mami.“
FMM Sabrina: „Braves Kind.“

Dritte Spielplatz-Szene

FMM Sabia sitzt auf der Spielplatz-Bank und beschäftigt sich ausnahmsweise seit ihrer Ankunft mit dem Smartphone. Ihre begabte Tochter Emilia entdeckt beim Spielen in der Sandkiste eine Einwegspritze. In einer Mischung aus Neugierde und Erschauern hält sie den frisch entdeckten Schatz hoch…

Emilia: „Schau mal, Mama, was ich gefunden habe!“
FMM Sabia: (nimmt genervt den linken Stöpsel aus dem Ohr) „Oh, das ist aber schön, Emilia, ganz toll. Das ist eine Einwegspritze für Süchtige. Wollen wir hoffen, dass sie jemanden ganz, ganz glücklich gemacht hat. Aber leg’ das bitte dahin zurück, wo du es gefunden hast, ja? Sonst nimmt das noch jemand in den Mund und pickst sich dabei, und das wollen wir doch nicht, oder meine Liebste?“
Emilia: „Mama, was ist eine Einwegspritze?“
FMM Sabia: „Das erklärt dir…Schatz, ich kann grad’ nicht, weil Mamis Freundin ihr was über facebook geschickt hat. Du weißt doch…sie will immer schnell eine Antwort.“
Antonia: „Ich will auch facebook!“
FMM Sabia: „Werd’ nicht frech, meine Liebe, ja?“
Antonia: „Nie hast du Zeit für mich!“
FMM Sabia: „Sei bitte still! Sonst vertipp’ ich mich. Wir besprechen das heute Abend in aller Ruhe…mit Papa…einverstanden?“
Antonia: „Papa ist gar nicht da, der ist doch auf Geschäftsreise.“
FMM Sabia: „Scheiße, du hast recht, hatte ich völlig vergessen! Spiel’ weiter, ja?“
Antonia: „Ist gut.“
FMM Sabia (leise vor sich hin brummelnd): „Diese neunmalkluge Göre geht mir echt manchmal auf den Zeiger, booah, eh! Nicht einmal hat man Zeit nur für sich.“
Antonia: „Mama, was sind Fucking-Multitasking-Moms?”
FMM Sabia: “Ich glaub’s jetzt wirklich nicht! Ich dreh’ hier gleich durch!”

Junge Mütter im Smartphone-Rausch

Vierte Spielplatz-Szene

FMM Vanessa sitzt auf der Spielplatz-Bank und beschäftigt sich ausnahmsweise seit ihrer Ankunft mit dem Smartphone. Ihr begabter Sohn Noah entdeckt beim Spielen in der Sandkiste einen fetten Haufen Hundekacke…

Noah: „Schau mal, Mama, was ich gefunden habe!“
FMM Vanessa: (vertieft in ihrem Smartphone, in dem grad’ ganz wichtige Instagram-Posts über den Screen flimmern) „Was denn? Ich kann gar nichts sehen, mein Schatz.“
Noah: „Mama, das ist braune Hundekacke. Iiihh, die stinkt, guck’ doch mal!“
FMM Vanessa: „Noah, Mama hat jetzt wirklich keinen Bock, sich diese Scheiß-Hundekacke anzuschauen. Buddel die mal schön ein, damit keiner seine Fingerchen da rein hält. Ist ja ekelhaft!“
FMM-Schlampe Sabia von der gegenüber liegenden Sitzbank fühlt sich bemüßigt einzugreifen.
FMM Sabia: „Hallo? Geht’s noch? Du könntest da auch mal eben hingehen und mit der Schaufel deines Sohnes die Kacke in den Abfalleimer entsorgen. Ist das denn zuviel verlangt?“
FMM Vanessa: „Was mischt du dich denn da ein? Kümmer’ dich mal lieber um deine Antonia-Tussie!“
FMM Sabia: „Hallo? Ich glaub’s ja nicht! Dein Hochbegabter hat ja wohl zuerst die Scheiße entdeckt, oder nicht? Kann er sie auch gleich wegmachen. Und wenn’s dem feinen Pupser am Arsch vorbeigeht, dann muss die feine Mama eben mit anpacken. So einfach ist das.“
FMM Vanessa: „Tu’ mir einen Gefallen und halt’ deine Fr…deinen Mund, ok.?
FMM Sabia: „Ist das der Umgangston bei euch zuhause? Na, Glückwunsch!“

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Tatort Spielplatz: Kinder sind wahre Entdecker-Naturen. Selbstvergessen und unter strenger Aufsicht fördern sie manchmal die kuriosisten Gegenstände ans Tageslicht. Die Fucking-Multitasking-Moms sehen sich hierbei immer wieder neuen Herausforderungen ausgesetzt.

Der Raabler erspart sich jetzt die weiteren Dialogfetzen, die noch eine gefühlte kleine Ewigkeit hin- und herschwappten. So können also Interaktionen aussehen, wenn Fucking-Multitasking-Moms doch mal improvisiert über ihren Schatten springen und die unsichtbare Mauer der Abgrenzung einstürzen lassen. Man spricht also doch noch miteinander im heutigen Social-Media-Isolationszeitalter der Moderne. Chapeau!!

Mögen unsere Fucking-Multitasking-Moms die schwierige erzieherische Phase bis zu dem Tag, wo die Kleinen endlich ihr eigenes Smartphone in der Hand halten, ohne große Blessuren körperlicher wie seelischer Art überstehen. Danach ist nämlich Schlaraffia angesagt, denn mit einem Smartie in der Kinderhand ist endlich gleiche Augenhöhe angesagt: Ich kümmere mich nicht um dich und du halt bitte umgekehrt auch deine Fresse! Goldene Zeiten!

Onlinesucht: Nur mal eben die Mails checken...

Update vom 16. August 2019:

Auf der letzten nicht-öffentlichen Sitzung im Buxmoorholmer Rathaus wurde u.a. fraktionsübergreifend beschlossen, neben sämtlichen Sitzbänken der hansestädtischen Spielplätze futuristisch anmutende Bluetooth-Ladesäulen der weltberühmten Elektronik-Designfirma Bäng & Olafsen aus dem hyggeligen Dänemark zu platzieren. Mit diesem auf kommunaler Ebene deutschlandweit einmaligen Angebot für technikaffine aber gestresste Eltern und deren Kinder verspricht sich die Stadt einen weiteren Imagegewinn über die Grenzen des Landkreises Schade und der Metropolregion Hamburg hinaus.

Auch Bäng & Olafsen betreten mit diesem innovativen Pilotprojekt Neuland, sprechen jedoch von einem Zukunftsmarkt und hoffen auf einen ansehnlichen Auftragsboom in den kommenden Jahren durch Nachahmereffekte. Über die Kosten des Projektes wurde aus nachvollziehbaren Gründen absolutes Stillschweigen vereinbart.

„Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.“
(Mark Twain, amerikanischer Schriftsteller, 1835-1910)]

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