Adam & Eva

Fucking-Multitasking-Moms
Folge 5: Im Freibad

Smartphone macht glücklich

Hat Raabler Rolfn schon erwähnt, dass Frauen den Männern in Sachen „Um-100-Ecken-denken-und-checken“, „Alles-auf-einmal-unbedingt-machen-müssen“, „Total-erschöpft-sein-aber-trotzdem-weiter-strampeln“ um Lichtjahre voraus sind? Na, klar! Denn treue Raabler-Fans haben ja bereits mit großem Interesse die ersten vier Teile der FMM-Mini-Serie verschlungen. Die Freibad-Saison 2019 neigt sich allmählich ihrem Ende entgegen. Ein willkommener Anlass, noch einmal kurz über abenteuerliche Beobachtungen aus der kindgerechten Spiel- und Planschbeckenzone zu berichten.

Nachmittags in einer x-beliebigen Kleinstadt: Da steht wieder so ein Tross von nett anzusehenden und manchmal alleinerziehenden Jung-Müttern mit ihren nöligen Blagen vor dem Eingang zum städtischen Freibad. Geräuschpegel und Nervenkostüm stehen wie gewohnt kurz vor dem Anschlag. Schließlich will man bei brütender Hitze die besten Schattenplätze unterm 85-Quadratmeter-Sonnensegel auf der geflegten Liegewiese ergattern. Außerdem knurren bei Jung und Alt die leeren Mägen. Die Mamas hatten nicht ganz uneigennützig ihren Nachwuchs auf eine Extra-Portion Pommes “rot-weiß” als Mittagessen konditioniert. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, lautet die Devise.

Moms im Freibad-Stress

Die Kinderchen kommen ohne zu murren mit und die Mama muss sich keine Gedanken um die jedes Mal stressige Zubereitung von aufwändigen Nudelgerichten am heimischen Herd machen. Die eingesparte Zeit wird wesentlich sinnvoller zum professionellen Stylen vor dem Vergrößerungsspiegel im Badezimmer genutzt. Zeitmanagement ist eben nicht nur ein Thema für Manager. So im Verbund und im Gewusel am – ausnahmsweise mal funktionierenden – Kartenautomaten könnte man meinen, es handele sich um jeweils mehrköpfige Familien. Der erste Eindruck täuscht: Letztlich alles “Ein-Kind-Modelle” wie sich bei der Jagd auf die allerletzten Liegeplätze herausstellt.

Gratis-Wlan im Freibad
Nur noch mal schnell schauen, ob jemand bei Facebook eine wichtige Nachricht hinterlassen hat. So viel Zeit muss sein. Und so schnell ertrinkt kein Kind, oder? Ein Kind vielleicht nicht, aber wie wäre es mit DEINEM Kind? Einfach mal drüber nachdenken…

Für das erfahrene Freibad-Personal ein durchaus alltäglicher Anblick. Der auf Knopfdruck immer wieder ein unangenehmes Grummeln in der Magengrube auslöst. Denn kaum sind die Handtücher der FMM ausgebreitet, setzt wie von Geisterhand und ohne jede Vorwarnzeit ein kollektives Hervorholen und Bedienen unterschiedlichster Smartphone-Modelle der neuesten Generation ein. Die bei völliger Gedankenlosigkeit überaus verantwortungsvollen Fucking-Multitasking-Moms geben mit diesem Prozedere den genervten Bademeisterinnen und Bademeistern am überfüllten Beckenrand unmissverständlich und unausgesprochen zu verstehen, dass ab sofort SIE die Aufsicht über die hyperaktiven Schwimmflügelträger zu übernehmen haben.

Chantal kann übrigens schwimmen…

Hintergrund: Überall müssen sich Fucking-Multitasking-Moms in der Smartphone-Nutzung wegen der frustrierenden Dauer-Beaufsichtigung der eigenen Brut einschränken. Auf dem Fahrrad, in der Fußgängerzone, auf dem Spielplatz. Da wird man doch wohl noch wenigstens mal im kamera-überwachten Freibad für ein paar Minütchen sein neugieriges Auge auf die bunte Social-Media-Welt werfen dürfen, oder etwa nicht? Wozu bezahlt man denn sonst den teuren Eintritt? Wofür steht die auskömmlich verdienende Garde der Rettungsschwimmer an jeder Ecke bereit? Für’s Zeitunglesen in ihren Aufsichtsbutzen werden die ja wohl nicht eingestellt, oder? Also, bitte…

Chantal kann übrigens schwimmen. Jawohl. Im Planschbecken zuhause ist jedenfalls noch nie etwas passiert. Gut, da ist seit Wochen auch kein Wasser mehr drin, weil ständig die Luft aus dem Scheißding entweicht und der Spacken von Ehemann bisher zu doof/zu faul zum Flicken war. Aber wie gesagt, es ist noch nie was passiert. Benjamin ist übrigens ein Ausbund an Disziplin und Gehorsam. Wenn Muttchen sagt, dass er doch wohl nicht vorhat, seine Starwars-Schwimmflügel abzustreifen, dann kann er sich das Wort “abstreifen” immer am besten merken. Und dann findet er es immer total lustig, wenn seine Mama sich daraufhin tierisch-künstlich aufregt. Einmal am Tag Aufmerksamkeit…wenigstens!

Geht’s vielleicht auch mal um…MICH?

Junge Mütter im Smartphone-Rausch
Wozu sind Bademeister da: Ab der Drehtür wird bei den jungen Fucking-Multitasking-Moms das Resthirn aus- und der “Mobile-Daten-Modus” im Smartphone eingeschaltet. Aufsichtspflicht für die Kleinen? Man wird doch wohl mal kurz im Internet surfen dürfen, oder?

Die Mütter von Chantal und Benjamin machen ansonsten in jeder (optischen) Hinsicht eine gute bis sehr gute Figur. Unverhohlen anerkennende Blicke nachpubertierender, seit Jahren verzweifelt weil erfolglos am Sixpack arbeitender, Fitness-Studio-Abonnenten sind ihnen ebenso gewiss, wie deren neidische von Damen gesetzteren Alters, die gegenüber potentiellen neuen Lebenspartnern nur noch ihre vermeintlich besten Jahre im Angebot haben: die Wechseljahre! Ein stets bemerkenswertes Aufeinandertreffen von Frühling und Herbst im ewiglichen Gezeitenspiel des Lebens.

Was nützt jedoch die schnöde Camouflage der smartphone-süchtigen Fucking-Multitasking-Moms, wenn während des hektischen Tippens allerwichtigster Einzeiler bei Facebook der eigene Hochbegabten-Nachwuchs unfreiwillig den Erdanziehungskräften im Nichtschwimmerbereich ausgesetzt wird? Weil sich zum Beispiel der Kleine die Schwimmflügel abgestreift hat bzw. unmerklich Luft aus diesen entwich? Hmmh, sagt sich die moderne FMM, da googeln wir zur eigenen Beruhigung mal eben, wie lange es dauert, bis (m)ein Kind unter Wasser ertrinkt. Nicht sagen, sie hat es gleich…

“Würde Hirnlosigkeit vor Kopfschmerzen schützen, könnten die Aspirin-Produzenten ihre Läden schließen.”
(Gabriel Laub, polnischer Journalist und Satiriker, 1928-1998)

Raabler-Blogpost:
Fucking-Multitasking-Moms Folge 2: Sex vor der großen Wäsche

Raabler-Web-Tipp:
Neue Freibad-App für Eltern (Der Postillon)