Und sonst so?

Grillen mit dem Streber-Grill

Für die schönste Nebensache der Welt nach Fußball und vor Golf

Grillen mit dem Grill von Streber

War es der berühmte Wink mit dem Maschendrahtzaun? In den Vorweihnachtswochen des letzten Jahres flatterte dem Raabler eine mehrseitige Werbeschrift der Firma Streber-Grill ins häusliche Nest. Besagte Broschüre war schon auf dem Weg in die Rundablage „P“, als die beste Lebensgefährtin von allen sie wieder hartnäckig ins Blickfeld des Interesses rückte. Obwohl Raabler Rolfn nicht den typisch deutschen Mann repräsentiert, meinte sie, wäre die Broschüre doch ein netter Aufhänger für einen weiteren „satierischen“ Rundumschlag. Damit zur Abwechslung auch mal die Männer ein wenig Bratfett abkriegen…

Wo sie recht hat, hat sie nicht unrecht. Die anfängliche Skepsis gegenüber jeglichen Outdoor-Tätigkeiten bei Minusgraden, vor allem, wenn es um die Zubereitung exquisiter Mahlzeiten geht, wich recht bald einer gewissen Neugierde. Konnte es sein, dass der Raabler einen echten Mega-Trend in der Männerwelt schlicht verpennt hatte? Heute muss er ein Geständnis ablegen. Nach intensiver Beschäftigung mit den verlockenden Botschaften der Firma Streber-Grill ist auch der Raabler ins Lager der Ganzjahresgriller gewechselt. Aber der Reihe nach…

Fleisch

An der Grill-Front dominieren die Männer

Die Streber-Grill-Broschüre überzeugte auf ganzer Linie. Im Gegensatz zu den gängigen bunt bebilderten Kaufaufforderungen in den Zeitungsbeilagen rückten nun endlich mal mehr Männer als Frauen in den Fokus. Eine ungewohnte Erfahrung, gerade im Hinblick auf das Thema Essen. Schon das Titelbild erregte Aufmerksamkeit. Es lenkte den ersten Blick auf junge, gut gelaunte, schlanke und ernährungsbewusste Menschen vor dem „Streber-Master-Touch-Grill“-Einstiegsmodell in Signalfarbe rot.

Eingerahmt von zwei gutaussehenden, vollbärtigen (was sonst?) Grill-Models rührt die überaus attraktive Dame des Hauses in einer überschaubar kleinen Schüssel den gesunden Wellness-Salat an. Sie freut sich. Die Herren der Schöpfung strahlen gleichfalls um die Wette und beschäftigen sich damit, ca. 5 Kilo äußerst gesundes Bio-Gourmet-Fleisch in den optimalen Garzustand zu versetzen.

Ein Anblick den man gerne sieht

Die Frau trägt eine Winterjacke von „Woolrich“ (470 Euro), einen Schal von „hessnatur“ (135 Euro), Closed-Jeans (249,95 Euro), Winterschuhe von UGG (219,95 Euro). Die Herren präsentieren Winterjacken von „Dolce & Gabana“ (je 795 Euro), Schals von „Moncler“ (je 145 Euro), Pullover von „Fisherman“ (199 Euro) bzw. „Jacques-Ives“ (245 Euro), Jeans von „True Religion“ (199,95 Euro), Winterschuhe von Timberland (189,95 Euro). Wie man sich eben so kleidet beim rustikalen Streber-Grill-Einsatz an einem neblig-trüben Nachmittag in der besinnungslosen Vorweihnachtszeit.
Alles eben Beschriebene diente als schnöde Staffage. Denn der bereits erwähnte knallrote „Streber-Master-Touch“ im Retro-Kugeldesign ist selbstverständlich der Star der wie zufällig hindrapierten Grill-Kulisse. Inklusive des empfohlenen Mindest-Zubehörs (Anzündkamin, Briketts, Abdeckhaube und Grillzange aus dem Hause Streber) ist gemäß der Broschüre ein blutiger Grillanfänger mit schlappen 500 Euro dabei.

Bio: Gesunde Ernährung liegt voll im Trend.

Wie zu vermuten war und sich beim weiteren Durchbättern der gediegenen Verbraucherinformation alsbald herausstellte, diente o.a. Arrangement lediglich als raffiniert im Standbildmodus choreographierter Appetizer. Preislich im Rahmen bleibend und die Lust auf mehr weckend. Für blutige Anfänger eben. Für echte Profis oder die, die es werden wollten, kommen nun in preislich sortierter Reihenfolge die Streber-Premuim-Griller zur Aufführung. Ein erhabener Anblick, zweifelsohne. So erhaben, dass auch das Fehlen jeglicher Fleischprodukte als Accessoire nicht weiter ins Gewicht fällt. Volle Konzentration auf modernste Outdoor-Grillküchen-Ästhetik.

Das Leben ist zu kurz für Kompromisse und nur das Beste gut genug. Lange war Geiz geil. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Qualität wird wieder ins Haus geholt. Um es kurz zu machen: Der Raabler entwickelte unglaublichen Spaß an der Zusammenstellung seines ganz persönlichen Streber-Master-Grill-Ensembles. Es musste sein. Hier sein Einkaufszettel aus dem Dezember letzten Jahres:

Streber Genesis II LX Edelstahl-Grill…2999.- Euro
Dazu nachfolgende Zubehörteile aus dem Hause Streber:
Grillspieß…229.- Euro
Waffel- und Sandwichseisen…129,99 Euro (Sandwichs, lustig, oder?)
Dutch Oven…129,99 Euro
Wok-Set…99,99 Euro
Pizzastein…59,99 Euro
Geflügelhalter…69,99 Euro
Grill-Handschuhe-Set…49,99 Euro
Hamburger-Presse…14,99 Euro
Deluxe Edelstahl-Steak-Set, 12-teilig…99,99 Euro
Salz- und Pfeffermühle…je 49,99 Euro

Zwischensumme: 3.982,90 Euro

Nach dem Fressen kommt das Abnehmen

Sollte dieses vorläufige Auftragsvolumen dem Raabler nun etwa ein schlechtes Gewissen bereiten? Niemals! Vor seinem geistig umnachteten Auge sah er sich immer noch komfortabel im Limit. Gute Qualitätsküchen sind schließlich auch nicht unter 5.000 Euro zu haben. Mindestens! Und? Kann man die mal eben auf der Terrasse oder im Garten aufstellen, um seine besten 45 Freunde mit kulinarischer Extraklasse zu verwöhnen? Seht ihr, das kann man nämlich nicht! So, also, der Raabler sprach demnach zurecht von einem „vorläufigen“ Auftragsvolumen.

Die Werbestrategen von Streber-Grill gelten nicht umsonst als Branchenführer und platzierten in ihrer Werbebroschüre das absolute Sahnehäubchen wie immer gut getimt zum Schluß: Die preisgekrönten Highlights der digitalen Streber-iGrill-Welt. Raabler Rolfn entschied sich intuitiv für den iGrill 2 mit zwei LED-Temperaturfühlern inklusive Magnet zum bequemen Anbringen an allen Genesis-Stationen. Endlich bleibt der Grillvorgang dank iGrill-Bluetooth-Thermometern permanent unter Kontrolle des Anwenders.

Die dazu passende kostenlose iGrill-App zeigt die Grilltemperatur auf dem Smartphone an und signalisiert dem früher nur auf sich gestellten Grill-Enthusiasten per akustischen Pop-up wenn die ideale Garstufe erreicht ist. Das ist einer dieser Glücksmomente, dachte sich ein euphorisierter Raabler, wenn Anspruch und Wunscherfüllung auf absolut natürliche Weise eine gelungene Symbiose eingehen. Der Preis für die technische Finesse schien mit 129,99 Euro daher mehr als angebracht. Rasch wurde die finale Rechnung in Höhe von 4.112,89 Euro überwiesen.

Lidl

Innerhalb einer Woche standen die luxeriösen Grill-Möbel vor der Tür. War das eine Freude, als der Raabler als Draufgabe für einen alltäglichen Bestellvorgang den begehrten und exklusiven Streber-Grill-Winterschal mit Logoaufdruck in den Händen hielt. Tja, aktive Kundenbindung ist zum Glück für die heutigen Unternehmen kein Fremdwort mehr. Gut, es vergingen mit Aufbau und Einrichtung bis zur Premiere des Angrillens im Januar noch einmal weitere vier Wochen. Aber mit Hilfe diverser gut moderierter Streber-Youtube-Grill-Tutorials und drei technisch versierten Kumpels aus der Nachbarschaft war das alles überhaupt kein Problem.

Es schien alles vollkommen. Nicht mehr zu toppen. Aber war es das wirklich? Das dem Menschen innewohnende Streben nach Perfektion und Fortschritt ließ auch den Raabler in der Folgezeit nicht mehr los. Gut, zum einen wurde die imaginäre Wohnfläche des Eigenheims dank der im Vorgarten aufgestellten Streber-Grillzeile um muggelige 15 % erweitert. Schön und gut, aber irgendetwas stimmte nach wie vor nicht. Da muss doch noch Platz sein für noch schneller, noch höher, noch weiter, noch besser, noch viel viel besser. Ihr wisst, was der Raabler meint, oder? Genau…

„Alexa, bitte übernehmen!“

Und plötzlich lief es Raabler Rolfn wie Nasenspray aus den Ohren. Hatte ihm nicht die beste Lebensgefährtin von allen den cloud-basierten Spracherkennungsdienst namens „Alexa“ von Amazon unter den Weihnachtsbaum gelegt? Damit hatte er doch schon seine ersten Erfahrungen sammeln können. Genug, um zu wissen, dass das Netz der Bluetooth-Anwendungen schier grenzenlose Verknüpfungen zuließ. Wie wäre es denn, wenn man Strebers iGrill2 mit Amazons Alexa auf eine Kommunikationsstufe stellen würde?

Alexa

Nur noch Sprachbefehle erteilen, statt mühselig und aufwändig Smartphone-Apps zu überwachen. Viel zu viel Arbeit, die vom eigentlichen Grill-Vergnügen ablenken würde. Mit Hilfe diverser gut moderierter Streber-Youtube-Grill-Tutorials (Wiederholungen gefallen) und einem technisch versierten Kumpel aus der Nachbarschaft mutierte die programmtechnische Einrichtung zum Kinderspiel. Zum Beweis hier die ersten digitalen Erfahrungssätze:

Raabler: Alexa, nimm’ Verbindung zu iGrill2 auf.
Alexa: Hallo, Raabler Rolfn, Verbindung wurde initiiert.
Igrill2: (kann nicht sprechen, nur Text anzeigen) Hallo, Alexa, starte Synchronisierung. Synchronisierung läuft. Synchronisierung in 35 Sekunden abgeschlossen.
Raabler: Alexa, läuft die Verbindung?
Alexa: Hallo, Raabler Rolfn, Verbindung initiiert. Synchronisierung erfolgreich abgeschlossen.
Raabler: Alexa, bravo, gut gemacht!
Alexa: Danke, Rolfn, ich helfe wo ich kann.
Raabler: Alexa, lege vorbereitetes Bio-Grillfleisch auf den Genesis LX!
Alexa: Rolfn, das musst du schon selber machen!
Raabler: Alexa, also gut, das üben wir noch.
Alexa: Pfffff…
Raabler: Alexa, stelle Anfrage an iGrill2 bezüglich der voraussichtlichen Garzeit beim Well-Done-Bio-Steak!
Alexa: Anfrage bei iGrill2 ergab voraussichtlichen Gar-Endpunkt bei 19.43 Uhr und 15 Sekunden.
Raabler: Alexa, sooo genau wollte ich es nun auch nicht wissen.
Alexa: Rolfn, ich weiß, aber ich kann nicht anders.
Raabler: Alexa, war jetzt nicht als Kritik gemeint.
Alexa: Rolfn, ich verstehe das. Danke!
Raabler: Alexa, was macht das eingelegte Bio-Gemüse auf dem Streber-Grill-Spieß?
Alexa: Rolfn, das weiß ich doch nicht. Mir liegen keine Informationen bezüglich aufgespießtes Bio-Gemüse vor. Ich kann nicht…
Raabler: …eigenständig das Gemüse auf den Streber-Grill legen, hab’ schon verstanden. Das üben wir also noch mal bei Gelegenheit.
Alexa: Pfffff…
Raabler: (murmelt) Alles muss man selber machen.
Alexa: Rolfn, hab’ ich das gerade richtig verstanden?
Raabler: Nein, ist schon gut, Alexa, beruhig’ dich!
Alexa: Ich will mich aber nicht beruhigen!
Raabler: (murmelt) Weiber…
Alexa: Haaah!? Ich sag’ nur: Männer!!
(To be continued…)

Frau arbeitet in einer modernen Küche

Fazit: Raabler Rolfn hat den Eintritt in die Welt der Profi-Griller zu keinem Zeitpunkt bereut. Wie man anhand der o.a. Ausführungen unschwer erkennen kann, hat der archaische Vorgang der Essenszubereitung über offener Glut rein gar nichts von seiner Jahrtausende alten Tradition und Faszination eingebüßt. Es ist und bleibt zum Glück ein Handwerk für sensible Zeitgenossen mit dem richtigen Riecher. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmte von Anbeginn. Am Zeitvergeudungs-Zeitoptimierungs-Verhältnis muss wegen der manchmal starren Haltung von Alexa noch gearbeitet werden. Doch auch das ist nur eine Frage der Feinjustierung. Mit Hilfe diverser gut moderierter Streber-Youtube-Tutorials und technisch versierter Nerds…ihr wisst schon.

Der Raabler hat fertig!

„Fortschritt ist das Werk der Unzufriedenen“
(Jean-Paul Sartre, Französischer Dramatiker und Philosoph, 1905-1980)

Raabler-Blogpost:
„Alexa, du machst mich ganz perplexa!“

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Es herrscht perfektes Grill-Pflicht-Wetter (NDR-Audio)