Gesellschaft

Händewaschen plötzlich wieder “in”

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Wer hätte das gedacht? Überall ist in diesen Tagen zu lesen und zu hören, dass die Menschen in Deutschland und weltweit dem Thema Hygiene wieder mehr Gewicht beimessen. Wie konnte es zu dieser Massenbewegung aus dem Nichts kommen? Hat der Raabler etwa eine Sondersendung über das altertümliche Händewaschen im Free-TV verpasst, die zeitgleich und lückenlos über den gesamten Globus ausgestrahlt wurde? Dazu müsste es ja mindestens einen Fernsehkanal geben, den alle empfangen können.

Wie auch immer. Wer auch immer. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Händewaschen war und ist niemals uncool. Es war zwischenzeitlich nur etwas unpopulär geworden. Kommt eben gleich nach dem lästigen Zähneputzen und erinnert deswegen die Menschenkinder fatal an die frühere elterliche Erziehungsstrenge. Moderne Familien dagegen grenzen sich völlig zurecht von den mittelalterlichen Methoden des “du sollst/du musst” ab. Man setzt stattdessen vertrauensvoll auf die unschätzbaren Kräfte der Freiwilligkeit und Einsichtigkeit.

Keinen Bock auf Händewaschen

Alles andere hätte dem eigenen hochbegabten und auf dieser Welt einzigartigen Nachwuchs auf seinem ohnehin steinigen Weg zur Individualisierung nur im Wege gestanden. Hürden minimieren, so lautete das Motto. Positiver Nebeneffekt: Die erziehungsberechtigten Erwachsenen im Haushalt haben heutzutage genauso wenig Bock auf die regelmäßige Hygiene-Routine. Reine Zeitverschwendung. Und wenn man sie bei den Heranwachsenden erst gar nicht kontrolliert und einfordert, so muss man auch nicht als Musterbeispiel vorangehen.

Onlinesucht: Nur mal eben die Mails checken...

Echt clever. Eltern kennen doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit den frechen Widerspruch von Söhnen und Töchtern: “Ja, klar, aber ihr, oder was?” Das hört niemand gerne. Auf diese Art oder so ähnlich konnte es geschehen, dass tägliches und mehrmaliges Händewaschen allmählich immer mehr aus der Mode kam. Ein ausschleichender Prozess. In diese Tätigkeitslücke stieß u.a. der Gebrauch des Smartphones. Man muss eben Prioritäten setzen.

Ein überlebenswichtiger Reinigunsgprozess

Und dieses blöde Smartphone ballert jetzt aus allen Rohren, um der Krone der Erschöpfung mitzuteilen, dass ab sofort und für den Rest des so kostbaren Lebens Händewaschen angesagt ist. Verdammt! Jetzt heißt es wieder, eine jahrelang und liebend gern vernachlässigte Hygiene-Maßnahme erneut in die streng getaktete Tagesroutine einzubauen. Na, gut, es ist ja für den guten Zweck. Man muss jetzt nicht alles schlechtreden, oder?

Und die kleinen wie großen dummen Menschenkinder werden in diesem überlebenswichtigen Reinigungsprozess selbstverständlich nicht alleine gelassen. Eine große unabhängige Tageszeitung mit den vier Buchstaben klärt seine intellektuellen Leser in einer einzigartigen Serie mit gewohnt einfachen Worten und Bildern über das Thema auf. Hättest du z.B. gewusst, dass man sich nach einem Toilettengang ein ausgiebiges Handbad gönnen sollte?

Wellcome back: Wasser und Seife

Zum Beispiel auf den Toiletten im Flieger, in den Zügen, auf den Autobahnraststätten, beim Hausarzt, in den Krankenhäusern, in den Alten- und Pflegeheimen (als Bewohner oder Besucher), in den Einkaufszentren, in den Restaurants, Kneipen, Diskotheken, Fußballstadien, Sport- und Konzerthallen? Und mal ganz unabhängig vom Toilettengang: Wie wär’s denn überhaupt mal mit Wasser und Seife, wenn man nur mal von draußen wieder ins traute Heim zurückkehrt?

Corona-Formel

Warum das denn? So wird der eine oder andere nun denken. Denken ist schon mal ein guter Ansatz. Nachdenken wäre noch viel besser. Der Raabler ist zuversichtlich, dass eine alte Tradition wieder Einzug in die zum Teil mit hartnäckigen Spinnweben verklebten Synapsen des Kleinhirns halten wird.
Darum, liebe Leute, kauft “Volksseife”. Es ist genügend davon da.

Fazit: Man kann auch etwas über “C” schreiben, ohne “C” zu erwähnen. Das muss man sich in diesen trüben “T” mal auf der “Z” zergehen lassen. Die “H” stirbt zuletzt!

“Das Recht auf Dummheit wird von der Verfassung geschützt. Es gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit.”
(Mark Twain, amerikanischer Schriftsteller, 1835-1910)

Raabler-Blogpost:
Krankenhauskeime: Totentanz on the floor

Raabler-Web-Tipp:
Das Händewaschenrubbelschrubbelseifenlied

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