Gesellschaft

Hamburg macht sich locker

Locker

Hamburgs Erster Bürgermeister und Molekularbiologe Dr. Peter Tschentscher geht ohne Bazooka, dafür mit mächtig “Wumms” in die Pandemie-Offensive. Wurde ja auch Zeit. Bei den miesen…äh…niedrigen Neuinfektionswerten. Muttis wichtigster Beisitzer und Händchenhalter auf den Corona-Pressekonferenzen traut sich was. Seine nachdrückliche Botschaft an alle: “Leute, die Luft ist zum Atmen da. Und wir sind hier nicht in Stuttgart. Also macht euch mal locker, ihr Miesepeter!”

Wird gemacht, Peter! Seit dem 1. Juli 2020 dürfen sich private Gruppen von bis zu zehn Personen aus mehr als zwei verschiedenen Haushalten an der frischen Luft treffen. Sofern man in Hamburg überhaupt von frischer Luft sprechen kann. Logisch. Dies jedoch nur an ungeraden Wochentagen. In geschlossenen Räumen dürfen sich sogar bis zu 25 Menschen aus mehreren Familien verrammeln. An geraden Wochentagen – außer an Wochenenden. Sorry!

Corona-Formel

Seht es doch mal locker

Bei öffentlichen Open-Air-Veranstaltungen dürfen bis zu 1.000 Menschen zusammen kommen – also zusammenkommen. Hüstel! Aber nur, wenn es feste Sitzplätze gibt und die bekannten Abstands- und Hygienevorschriften (welche waren das noch?) zu mindestens 77,5 Prozent eingehalten werden können. Stehen ist absolut verboten. Alle Besucher – inklusive Inhaber von billigen Stehplatzkarten – müssen die ganze Zeit sitzen. Tut der Arsch vom Sitzen weh? Nicht unser Problem. Du kriegst nichts vom Bühnengeschehen mit? Hören ist das neue Sehen.

Im Rahmen von Inhouse-Konzerten finden 634 Erwachsene (Maximaler Männeranteil 73 Prozent; Jugendliche unter 18 Jahren, egal welchen Geschlechts, zählen nur zur Hälfte) Einlass. Diese dürfen jedoch nur stehen – auch wenn sie zuvor die arschteuren Sitzplatzkarten erworben haben. Pro 8,59 Quadratmeter Wohnfläche darf sich nur eine Person aufhalten. Sofern sie aus einem Haushalt kommt und der letzte Coronatest nicht älter als 48 Stunden ist. Ein Zollstock ist mitzubringen.

Mehr Durchblick im Corona-Regelwerk

Achtung: Sind keine Sitzgelegenheiten vorgesehen, fallen die Restriktionen heftiger aus. Unter freiem, typischerweise meist verregnetem Hamburger Himmel (“Dieses wunderschöne Grau”) dürfen 173 Desinfizierte ohne Plan, aber mit Sektglas in der feuchten Hand, dumm herumstehen. In hermetisch abgeschlossenen Lagerhallen sind es immerhin noch 84. Aber nur dann, wenn in der Zeit zwischen 21.33 Uhr bis 23.49 Uhr kein Alkoholausschank oberhalb von 4,8 Prozent Alkoholgehalt stattfindet.

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Mit Möglichkeit des Alkoholerwerbs, aber ansonsten ceteris paribus, sieht’s noch mal düsterer aus: Unter freiem Himmel sehen sich bis zu 83 Erwachsene (ohne Kinder und Jugendliche) in die glasigen Augen. In geschlossenen Räumen sogar nur 42. Ein Bild des Jammers! Pro 37 Gäste muss ein Notfallsanitäter anwesend sein. Nicht von der AWO, nur vom DRK. Das muss jetzt nicht großartig hinterfragt werden. Wichtig: Das Durchschnittsalter der Beteiligten aller o.a. Veranstaltungsoptionen darf 58,7 Jahre nicht überschreiten.

Wohin mit eine Million männlichen Tagesgästen?

Tanzlokale, Diskotheken, Musikclubs, Volksfeste, Saunen, Dampfbäder, Thermen, Whirlpools und die umfassende Angebotspalette des horizontalen Gewerbes bleiben weiterhin für die Allgemeinheit verschlossen. Internet und Darknet sind hingegen Tag und Nacht geöffnet. Die anonyme Triebabfuhr bleibt somit effektiv und nachhaltig gewährleistet. Wichtig in Zeiten verschlossener Fußballstadien in der gesamten Corona-Republik.

Triebe

Öffnen dürfen hingegen Theaterbühnen, Opern- und Konzerthäuser, Tanz- und Hochschulen, Konsum- und Volksfeste sowie alle Varianten von Schwimmbädern – mit oder ohne Chlor. Letztere sind nur mit frisch gebügelten Maskenschutz zu betreten. Die Bahnen sind nach Geschlechtern zu trennen. Brustschwimmen ist erlaubt. Kraulen nur nach individueller Rücksprache mit dem Bademeister. Das ganze Programm selbstverständlich nur von Montag bis Donnerstag. In der Zeit zwischen 10.24 Uhr bis 17.48 Uhr. Danach darf sich kein Mensch mehr im Spaßbad aufhalten. Geduscht wird zuhause.

Mit der richtigen App locker unterwegs

Dir ist das alles zu blöd oder zu kompliziert? Oder beides? Dir vergeht beim Lesen dieses Blogposts jegliche Lust auf irgendwelche Freizeitgestaltung in der schönsten Stadt der Welt? Du bleibst lieber zuhause und kurbelst stattdessen den gebeutelten heimischen Mittelstand mit Online-Bestellungen bei Amazon, Zalando & Friends an? Dann hat Tschentschers Peter noch eine pfiffige Lösung für dich parat:

Die nigel-nagelneue Hamburg-Corona-Verarschungs-App. Gib mindestens die wichtigsten 28 Gebots- und Verbotsparameter ein und klicke auf “Check the Dreck”. Die App ist unfehlbar und als reine Titan-Open-Source-Softwarelösung konzipiert. Mit 18 Werbe-Popups in nur 10 Sekunden für dich absolut kostenlos. Echt jetzt! Ohne Werbung legst du einmalig 4,99 Euro Entwicklungskosten auf den Tisch. Und dieser Beitrag ist für einen guten Zweck.

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Er geht direkt in den maroden Hamburger Haushalt. Als kleine Kompensation für die Abermillionen entgangener Steuereinnahmen aus dem Cum-Ex-Skandal einer traditionsreichen und damit absolut systemrelevanten Hamburger Privatbank. Dem Raabler will doch grad der Name dieser Bank nicht einfallen. Mist! Egal, sei dabei, mach’ dich locker, mach’ dich frei! Das Leben kann so schön sein! Du musst nur richtig wegsehen.

Wir sehen uns zur zweiten Welle im Herbst! Bis dahin üben wir an jedem Freitagabend von 20 bis 22 Uhr den bewährten Balkon-Applaus für alle Beschäftigten in den Krankenhäusern, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Gesundheitsämtern und dem übrigen systemrelevanten Personal im Dienstleistungsbereich. Mehr geht nicht…

“Es gibt nur ein Elend, und das ist Unwissenheit.”
(Thornton Wilder, amerikanischer Schriftsteller, 1897-1975)

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