Reise

Handy fressen Herz und Hirn

Handy

It’s written on your Stirn. Aufgepasst, liebe Kinder! Was hat der Konsum von Aperol Spritz mit der Handy-Nutzung gemeinsam? Hinter beidem verbirgt sich eine riesige Portion Suchtgefahr. Generationenübergreifend. Unwillkürlich fragt sich der Raabler, wie ein Leben ohne Aperol und Handy jemals funktionieren konnte. Im Alltag hat sich die Parallelität der Dinge bewährt. Betont lässig in der linken Hand das rot-orangene Eiswürfelbad, in der rechten per Daumen-Navigation die kabellose Verbindung ins Weltall.

Nach wenigen Stunden sinnberfreiter Daddelei wie Sauferei sieht der moderne Konsument nur noch die berühmten Sterne. Für derlei interstellare Glückskonstellationen abseits des schnöden Büroalltages braucht es (noch) keine VR-Brille. Empfohlen wird stattdessen der Download einer kostenlosen Sternhimmel-App. Die trennt den Spritz vom Weizenbier und lässt den Nutzer in gänzlich unbekannte Dimensionen vorstoßen.

Handy-Alarm in der Laubengasse

In der City von Meran lassen sich in der Urlaubssaison jede Menge Prototypen obiger Verhaltensmuster ausmachen. Generationenübergreifend. Schlimm! Da sitzt sich das jung-verliebte (?) Pärchen am Vierertisch gegenüber, schlürft wie selbstvergessen am Kultgetränk und grinst – jeder für sich und den Blick gen Süden geneigt – wie blöde vor sich hin. Huawei wisch’ und weg! Tinder? Insta? Oder – oldschool – Twitter? Man weiß es nicht. Kommunikation? Null!

Onlinesucht: Nur mal eben die Mails checken...

Da sitzt sich das abgelebt wie abgeliebte Middleager-Pärchen am Vierertisch gegenüber, schlürft wie angefressen am Kultgetränk und schaut in mitleidserregendem Selbstmitleid – jeder für sich und den Blick gen Süden geneigt – in die neuesten Scheiß-Nachrichten aus der Heimat und aller Welt. Samsung wisch’ und weg! “Guck’ mal, in Hamburg regnet’s. Irre, oder?” Keine Antwort! Wozu auch?

35 Jahre Zugewinngemeinschaft

Aber auch die fitte Silver-Surfer-Generation lässt es sich nicht nehmen, der hektischen Außenwelt zu demonstrieren, dass noch lange mit ihnen zu rechnen ist. Erst vorige Woche feierten Herbert und Gaby ausgelassen im Garten ihres Anwesens an der Ostsee 35 Jahre Zugewinngemeinschaft. Heute sitzen sie sich braun gebrannt in ihrem Lieblings-Urlaubsort an einem der begehrten Vierertische gegenüber.

Mit dem Smartphone am Autolenkrad

Herbert studiert die “Tiroler Nachrichten”. Gaby die neueste Ausgabe der “Gala”. Online am Handy natürlich. Sie sind ja nicht von vorgestern. Mit ernster und unfassbar gelangweilter Miene klebt beider Blick – vom anderen weg und gen Süden gerichtet (wohin sonst?) – auf das kleine Datenmonster. Sie sind es gewohnt, der grässlichen Eintönigkeit in ihrer Beziehung mit einem Glas Aperol Spritz vor der Nase und intensiver Smartphone-Wischerei ein Schnippchen zu schlagen.

Zeit für eine neue Handy-App

Der Raabler kann nichts für seine Phantasie. Im Zuge der obigen drei Fallbeispiele gehen mal wieder die Pferde mit ihm durch. Er stellt sich vor seinem geistig umnachteten Auge folgende Szenerie an den Vierertischen vor: Personen, die im Beisein ihres Partners stundenlang in ihre Handy-Screens glotzen, wird zur allgemeinen Belustigung der aktuelle Beziehungstatus per Gedankenlese-App auf eine imaginäre Leinwand oberhalb der Stirn gebeamt.

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So ähnlich wie bei einem Radiowecker mit Wandprojektion. Die jeweils Betroffenen kriegen nichts davon mit. Sonst wär’s ja blöd. Dafür umso mehr das neugierige, weil total gelangweilte Umfeld. Selbst der übliche Corona-Mindestabstand kann nicht verhindern, dass über einem männlichen Urlauber bestens lesbar folgende Botschaft schwebt: “Seit wir im Urlaub sind, geht mir meine Frau gehörig auf den Sack!”

It’s written on your Stirn

Das wäre doch superlustig, oder nicht? Und hier ein knackiges Statement, dass sich über den Kurzhaarschnitt einer attraktiven Blondine in den besten Jahren in UHD-Qualität aufpoppt: “Mein Christoph ist ein langweiliger Nichtsnutz. Wie konnte ich ihm jemals das Ja-Wort geben?” Herrlich, oder? Teile der quirligen Laubengasse biegen sich vor Lachen. Bis auch die letzten Gäste checken, dass nicht nur über die anderen gelacht wird…

Aperol

Ein hübsches Spiel mit ernstem Hintergrund:
Handy fressen Herz und Hirn – It’s written on your Stirn.
Vielleicht sollte sich der Raabler die App-Rechte sichern? Grübel…

“Liebe ist keine Entschuldigung für schlechte Manieren.”
(Peter Ustinov, britischer Schauspieler u. Schriftsteller, 1921-2004)

Raabler-Blogpost:
Onlinesucht: Kinder in größter Sorge!

Raabler-Web-Tipp:
Absoluter Beziehungskiller: “Phubbing”

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