Reise

Hindenburg-Autobahn: Porsche plant Sensation!

Hindenburg-Autobahn

Die Nachricht schlug ein wie eine gigantische Bombe im corona-verseuchten Medienwald. Porsche schlägt sich auf die Seite der leidgeprüften Autofahrer mit Sehnsuchtsziel Sylt. Und macht Nägel mit Köpfen. Was einigen Beobachtern wie eine Nacht- und Nebelaktion vorkommen mag, wurde von langer Hand professionell und kompromisslos geplant. Der legendäre Hindenburgdamm bekommt an seiner Seite ein Schwesterlein in Form einer automobilen Hochgeschwindigkeitstraße spendiert. Die neue Hindenburg-Autobahn – welch’ ein Husarenstück!

Alle maßgeblich Verantwortlichen waren involviert. Nur Andy, der Bescheuerte, aus guten Gründen nicht. Die Motivlage für das mit zunächst 4 Milliarden Euro veranschlagte Verkehrsprojekt mitten im UNESCO-Weltkulturerbe liegt auf der Hand. Sylt ist längst keine Saison-Insel mehr. Im Prinzip herrscht dort zu jeder Jahreszeit Betrieb. Dem wurde leider niemals ernsthaft Rechnung getragen. Schon gar nicht seitens der DB, die für reibungslose Abläufe auf der Schiene zu sorgen hat.

Hindenburg-Autobahn entfacht Euphorie

Böse Zungen behaupten gar, dass der krisengeschüttelte wie innovationsscheue Staatsbetrieb im Grunde gar kein Interesse an einer Änderung der unzumutbaren Verhältnisse hatte. Er verdiente stets prächtig und ließ Wut und Zorn der Einwohner, Berufspendler und Urlauber in penetranter Manier an sich abperlen. Logisch, dass Porsche als Privatfinanzier der kommunizierten Verkehrswende auf dem Watt den zuständigen Minister nicht weiter mit seinen Visionen behelligte.

Sylt

Die Hindenburg-Autobahn! Erste Reaktionen pendelten zwischen verfrühten Aprilscherz, ungläubiger Hysterie und riesiger Erleichterung. Letzteres wurde mit spontanen Auto-Konvois, bunten Fahnen-Choreos und ohrenbetäubenden Hup-Konzerten (wie man es sonst nur zu Zeiten des Sommermärchens 2006 kannte) in diversen Großstädten zum Ausdruck gebracht. Unter Einhaltung der gebotenen Maskenpflicht und der Corona-Abstandsregeln – natürlich! Porsche setzt auf Letzteres. Auf die Euphorie.

Porsche in der richtigen Spur

Der Imagegewinn kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und dürfte die – nur auf den ersten Blick – Schwindel erregenden Investitionskosten innerhalb von 10 Jahren wieder einspielt haben. Als einer der ersten Mobil-Experten meldete sich Ferdinand (der Vorname ist Programm!) Dudenhöffer (Direktor der CAR-Center Automotive Research in Duisburg) zu Wort. Mit dem Vorzeige-Pilotprojekt sieht er den Sportwagenhersteller Porsche in der richtigen Spur. Im Nachhinein müsse man sich fragen, wieso diese bahnbrechende (auch der Name ist Programm!) Idee erst jetzt zur Umsetzung gelangen konnte.

Autofahrer

Besser spät als nie, so soll von nun an die Devise lauten. Mit Details zu dem Jahrhundertprojekt halten sich die Vertragspartner entsprechend bedeckt. Nur soviel sickerte durch: Baubeginn ist der 01. Mai 2021. Die Fertigstellung ist für Ende 2025 anvisiert. Die Autobahntrasse wird zweispurig ausgelegt. Überholen zu Gunsten eines flotten Tempos ist absolut erwünscht. Porschefahrer als auch deren Mietkunden erhalten automatisch einen mautfreien Zugang.

Der Name ist Programm

Fahrer anderer Automarken winkt eine noch festzusetzende Nutzungsgebühr. Diese wird sich primär an den Determinanten Hubraum und PS-Zahl orientieren. Grundsatz: Je mehr Power unter der Motorhaube, desto geringer die fällige Maut. Statt lästigem, fortschrittsfeindlichem Tempolimit wird es für den Streckenabschnitt – weltweit einmalig – ein Mindestgeschwindigkeitsgebot geben. Die Rede ist von 150 km/h. Alles andere wäre sinnbefreit und wenig zielführend. Egal aus welcher Richtung der Wind weht.

Fahrbericht

Bei Porsche ist man sich absolut sicher, dass zukünftige Nutzer der Hochgeschwindigkeitsrasse in Sachen Maut keinerlei Diskussionsbedarf sehen werden. Jeder Preisaufschlag wird dankend in Kauf genommen werden, wenn man nur endlich dem beschissenen Sylt-Shuttle aus dem Wege gehen kann. Diesen wird es selbstverständlich weiterhin geben. Für’s Fußvolk. Der Name ist Programm…

“Unter Fortschritt versteht man eher das Tempo als die Richtung.”
(Thornton Wilder, amerikanischer Schriftsteller, 1897-1975)

Raabler-Blogpost:
Autobahn: Letzte Bastion der Freiheit

Raabler-Web-Tipp:
Catapult Air: Im hohen Bogen nach Sylt.

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