Gesellschaft

Höchststrafe 5.0: Für mehr Kreativität in der Justiz

Die neue Höchststrafe in der Justiz

Unsere Gesellschaft steht am Scheideweg: Für immer mehr überbezahlte Wirtschaftsbosse, Leistungsträger, Ex-Politiker, Profisportler, Stars und Sternchen des Boulevard gehört eine gewisse kriminelle Energie zum Tagesgeschäft. Warum auch nicht? Leistung soll und muss sich wieder lohnen. Auch die Jugend braucht Vorbilder, denen sie nacheifern können. Ohne Moos, nix los! Es wird bekanntlich alles teurer und ein Studium ist aus finanzieller Sicht schon seit längerem die reinste Zeitverschwendung. Dafür bleibt umso mehr Zeit, über eine neue kreative “Höchststrafe” nachzudenken.

Wer es zu etwas bringen will, muss von Kindesbeinen an Eigenschaften in die Waagschale werfen, die heutzutage in den Schulen leider nur noch unzureichend vermittelt werden: Clan-Mentalität, professionelles Blendertum, gediegenes Basiswissen in “Täuschen, Tarnen und Verpissen”, ein hohes Maß an Verantwortungs- und Empathielosigkeit sowie den ausgeprägten Hang zur narzisstischen Selbstdarstellung. Ohne diese Grund-Tugenden ist im übrigen auch kein Überleben in den asozialen Medien inklusive der unzähligen Online-Partnervermittlungsbörsen mehr möglich.

Höchststrafe für widerwärtiges Verhalten

Aber das sei hier nur am Rande erwähnt. Viel schlimmer ist, dass man für das Ausleben seiner Ignoranz gegenüber Recht und Gesetz selbst dieser Tage noch Gefahr läuft, eventuell mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Dabei gilt der Grundsatz: Je strafwürdiger das Vergehen, desto geringer die Strafe. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt und betrifft in erster Linie die “Leistungsträger” in ihren dunklen Anzügen und in Begleitung ihrer eleganten Ehefrauen. Ein Weiterleben in Saus und Braus bleibt in jedem Fall unangetastet.

Vorsicht: Hass kann doof machen.

Kriminelle aus dem Mittelstand (eine leider vom Aussterben bedrohte Art) und vor allem aus dem mit Wucht nach “oben” strebenden Prekariat haben es da naturgemäß deutlich schwerer. Sie müssen mit möglichst geringem Aufwand ein Höchstmaß an Widerwärtigkeit generieren. Zum Preis eines unkalkulierbaren Risikos mit offenen Ausgang. Hierzu zählen u.a. die Autoposer und Autoraser in den Städten, die Smartphone-Junkies und Gaffer sowie gewiss auch einige Protagonisten des Darknet. Deals mit Drogen, Waffen und Kinderpornografie brauchen schließlich eine geeignete Plattform zur seriösen Geschäftsabwicklung.

Deutsche Justiz am Limit

Kurzum: Wer rastet, der rostet. Was du heute kannst “besorgen”, das verschiebe nicht auf morgen. Jeder ist seines Unglückes Schmied. Oder so ähnlich und so fort. Die Segnungen der Globalisierung kommen eben nicht bei allen Menschen an. Das war auch keineswegs so vorgesehen. Aber wenn im Zuge dieses Megatrends immer mehr Menschen auf die falsche Spur geraten, dann mahlen die Mühlen der Justiz zwangsläufig auf dem letzten Zahnrad. Was wiederum neue Kriminalität produziert. Logisch, oder?

Worin liegt die Lösung? Die Anzahl der Richter im Lande verdoppeln? Neue Gefängnisse bauen? Keine Frage, das klingt überzeugend und in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nach der Weisheit letztem Schluß. Aber wozu so viel Zeit und Geld verplempern, wenn eine andere Lösung doch so nahe liegt? Aufgrund umfangreicher Recherchen zu seinen vielfältigen Blog-Themen hat sich der Raabler im Laufe der Zeit eine gewisse Expertise aufgebaut. Hier nun sein Vorschlag in Sachen “Höchststrafe”…

Mediensucht als Basis für die Höchststrafe

Wir wissen, dass wir nichts wissen. Aber eines ist doch völlig klar: Die Menschheit – vom Krabbelkind bis zum Silversurfer – ist mittlerweile im grandiosen Maßstab internetsüchtig. Wer dem widersprechen sollte, hat den Trend verpennt und sollte sich schleunigst wieder hinlegen. Diskutiert wird hier nicht! Die Manifestierung einer ausgeprägten, klassenübergreifenden Mediensucht beinhaltet für den schlauen Raabler zugleich einen goldenen Lösungsansatz in der o.a. Bestrafungsproblematik. Es muss effizient, kostengünstig und ressourcenschonend gestaltet sein.

Mit dem Smartphone am Autolenkrad

Ist der Mensch als Tier noch zu retten?

Beispiel 1:
Ein unschuldiger Raser tötet mit seinem 560-PS-Geschoss in der Hamburger Innenstadt vier Menschen. Kann schon mal passieren im Eifer des Gefechts. Im Nachgang wird sachlich darüber diskutiert, ob man dem pickeligen Heranwachsenden am Steuer der geleasten Sportskanone eine imaginäre Mordabsicht unterstellen könnte oder nicht. Der Raabler fasst sich an den Kopf. Mordabsicht? Wie kann eine Mordabsicht unterstellt werden, wenn der junge Mann lediglich in der Laune einer lauen Sommernacht die Grenzen von Mensch und Maschine ausloten wollte. Thrill pur! Das geht nur in belebter und hoch frequentierter Citylage. Wie hätte er auch nur ansatzweise ahnen können, dass er andere Menschenleben gefährdet, wenn er auf seinem drogengesteurten Ego-Trip mehrmals mit 140 bis 160 Klamotten über rote Ampeln donnert? Auf DMAX geht das immer gut. Also!

Überwachung durch eine Kamera in der Stadt
Immer mehr Idioten meinen, ein Anrecht darauf zu haben, ihren Egoismus und Narzissmus jederzeit und ungestört zu Lasten ihrer Mitmenschen ausleben zu können. Das Ergebnis mündet u.a. in diesem hübschen Bild. Macht nur so weiter…

Beispiel 2:
Ein unschuldiger Gaffer macht hochwertige 4K-Videoaufmahmen mit seinem neuesten Huawei-Smartphone. Wo? Na, wo wohl? Natürlich an einem spektakulärem Unfallort mit mehreren Toten und/oder Schwerverletzten, an dem er rein zufällig vorbei gekommen ist. Mehr Glück geht überhaupt nicht! Er rechnet vor seinem geistigen Auge die möglichen Klickzahlen auf seinem Youtube-Kanal hoch, wenn er als Erster das blutige Augenzeugen-Material hochlädt. Da kommen plötzlich Polizei und Rettungskräfte auf ihn zu, um ihn zu belehren und in seiner journalistischen Amtsausführung zu behindern. Geht’s noch?

Wo leben wir denn?

Er macht von seinem unwiderruflichen Recht auf Notwehr Gebrauch. Es wird geschubst, geschrien, geschlagen, gewürgt und geprügelt. Bis alle sich auf der Straße wälzen und fetzen. Nun ist auch noch sein wertvolles Smartphone Schrott. Der Gaffer rastet aus. Die Werbeeinnahmen aus seinem vermeintlichen Unfall-Video kann er nun vergessen. Stattdessen blutet er aus Mund und Nase. In welchem Land leben wir überhaupt? In einem Polizeistaat? Er droht mit Klage gegen die Einsatz- und Rettungskräfte. Wer will es ihm verübeln?

Gaffer

Beispiel 3:
Deutsche Autokonzerne von Weltruf gehen seit vielen Jahren mit unternehmerischem Mut und beispielhafter Ingenieursleistung voran. Unter allerstrengsten Umweltauflagen produzieren sie u.a. unschlagbar effiziente Dieselmotoren. Die internationale Konkurrenz reagiert geschockt. Vereint in resignativer Trauer ist sie dazu verdonnert, dem unwiederbringlichen Verlust von Weltmarktanteilen tagtäglich ins Auge zu schauen. Ein Gefühl der Ohnmacht.

Da kommt völlig überraschend eine amerikanische Expertise aus dem Hinterhalt. Dem renommierten heimischen Autobauer mit den berühmten zwei Buchstaben werden Tricksereien und Betrügereien mit Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe gegenüber ihrer weltweiten Kundschaft sowie den Aktionären vorgeworfen. Über die entsetzlichen Folgen für Mensch und Natur spricht aus gutem Grunde niemand. Als wenn es jemals ohne abginge. Wie reagieren gestandene Führungskräfte mit Phantasie-Gehältern und Anspruch auf eben solche Boni-Zahlungen?

Der Ur-Reflex der Machtelite

Wegducken, leugnen und die skrupellosesten Wirtschaftsanwälte der Welt engagieren. Der typische Ur-Reflex einer arroganten Machtelite, die nichts, aber auch gar nichts zu befürchten hat. Richtig und wichtig ist, dass im Vergleich dazu einer Supermarkt-Verkäuferin beim Unterschlagen des Pfandgeldes in Höhe von 82 Cent fristlos gekündigt wird. Keine Lobby. Nicht systemrelevant. So wird ein Schuh draus.

Der Raabler könnte noch viele Beispiele mehr vortragen, wenn er dabei nicht immer so mit Magenkrämpfen und den üblichen Würgereflexen in der Halsgegend zu kämpfen hätte. Angesichts der zunehmenden Verrohung der Tiergattung namens “Mensch”. Angesichts der scheinbaren Hilflosigkeit im Justizapparat. Raabler, mach’ endlich hinne! Wie sieht nun deine geniale Lösung in der Bestrafung der Bekloppten aus?

Höchststrafe nach Raabler-Art

Ganz einfach: Nehmt den kleinen und großen Sünderlein ihren Zugang zum Internet weg. Kein Smartphone, kein Tablet, kein Desktop, kein Smart-TV! Kein Streaming! Keine Mediatheken! Über einen Zeitraum, der sich nach der Schwere der Straftat bemisst. Viel Zeit zum Nachdenken für die Pappenheimer. Langeweile hat auch ihre guten Seiten. Erzwungenes Digital Detox kann – in konsequenter Anwendung – wahre Wunder bewirken. Dieses Schockerlebnis wird mit großer Wahrscheinlichkeit über sämtliche Altersgrenzen hinweg mehr zum positiven Lebenswandel und einer besseren Gesellschaft beitragen, als irgendwelche Geldstrafen und/oder Verpflichtungen zu den üblichen Sozialstunden, die ohnehin nur selten angetreten werden.

Flaschenpost und Höchststrafe müssen sich nicht unbedingt ausschließen.
Wie romantisch: Statt Internet mal wieder handgeschriebene Botschaften. Im Rahmen der neuen Höchststrafe könnte die Flaschenpost ein ungeahntes Comeback erleben.

Die Sache hat nur einen Haken: Wie könnte die Überwachung und strikte Einhaltung der neuen Höchststrafe praktisch aussehen? Es wäre blauäugig anzunehmen, dass unsere “Kandidaten” nicht versuchen würden, z.B. über Familie, Freunde und Bekannte an die begehrte Hardware zu gelangen. An dieser Stelle könnte der viel gepriesene Chaos Computer Club sicherlich sein geballtes Knowhow einbringen. Der Raabler selbst denkt spontan über eine Ultra-Mini-Bodycam im 360-Grad-Wirkmodus nach, die Tag und Nacht wie bei einem Langzeit-EKG zu tragen wäre.

Die “guten alten Zeiten” wären pas­sé

Jede rechtswidrige Zuwiderhandlung des Bestraften sollte allerdings eine automatische Verlängerung der Strafzeit nach sich ziehen. Wäre das nicht fein? In Sekundenschnelle würde in den asozialen Medien thematisiert, wie brutal sich Internet-Entzug und die damit einhergehende Vereinsamung auf die jeweilige Person auswirken. Betroffene sehnten sich mit aller Macht und Phantasie wieder die Zeiten von Gefängnis- und Geldstrafen, Sozialstunden und Führerschein-Entzug herbei. Oder besser noch: Gar nicht erst mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wetten?

Zu spät, liebe Freunde, zu spät!
Und für die richtigen Schwerverbrecher und Mörder unter den Kriminellen hätte der Raabler in Sachen Höchststrafe noch eine hübsche Variante parat. Keine Angst, nicht die Todesstrafe. Aber vielleicht was anderes Nettes? Lustiges? Zumindest in der Theorie. Stoff für einen Extra-Blogpost.

Niemand ist eine Insel

“Der Mensch wird nicht für seine Sünden bestraft, sondern durch sie.”
(Elbert Hubbard, amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, 1856-1915)

Raabler-Blogpost:
Anti-Idiotika für Menschenkinder

Raabler-Web-Tipp:
Internetsucht: Viele junge Menschen betroffen

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