Und sonst so?

Homeoffice kills Bürotürme

Homeoffice

Die Spatzen kotzen es bereits von den Hochhausdächern: Das totgeglaubte Homeoffice-Virus feiert dank Corona fröhliche Urständ. Bis vor wenigen Wochen wurden die meisten Mitarbeiter verbal-massakriert vom Hof gejagd, wenn sie bei ihren flexiblen, einfühlsamen und allen Neuerungen gegenüber aufgeschlossenen Junior-Chefs das Wörtchen Homeoffice auch nur einmal kurz erwähnten. Heute werden sie für ihre geniale Eigeninitiative über den grünen Tee gelobt und als leuchtende Vorbilder für die Gesamtbelegschaft hochsterilisiert. Nachahmer erwünscht!

So schnell kann’s gehen. Dabei geht’s natürlich nicht um die Wünsche, Bedürfnisse und berechtigten Belange der engagiert arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Es geht einzig und allein darum, den am wirtschaftlichen Abgrund stehenden Laden in diesen Scheiß-Corona-Zeiten irgendwie am Laufen zu halten. Und wenn’s nur mit dem ungeliebten, weil lästige Präzedenzfälle verursachenden, Homeoffice möglich ist? Dann soll’s eben so sein. Der Segen der Chefetage ist hiermit erteilt. Macht doch, was ihr wollt. Wichtig ist, was unten rauskommt.

Der Feind in der Homeoffice-Familie

Mittel- bis langfristig. Kurzfristig gibt es wegen unausweichlicher Anpassungsprozesse im Not-Betrieb finanziell wie interaktionär einen in die Fresse. Das legt sich jedoch so sicher wie das morgendliche Reservierungs-Badehandtuch im Tres Islas. Darauf kann Mann/Frau sich verlassen. So wie man sich darauf verlassen kann, dass die Mehrzahl der weiblichen wie männlichen Homeofficer nach der ersten Euphorie am Heim-Arbeitsplatz mit einem diffusen Gefühl des Verlassen-Seins klarkommen müssen.

Ich parshippe jetzt

Digital ersetzt eben niemals analog. Das kennt man ja von Finder, Paartrip und Konsorten. Apropos: In diesem Zusammenhang entdeckt der eine oder andere missmutig eine niemals für möglich gehaltene Unfreiheit im ansonsten freien Arbeitsambiente. Einstiges (unerlaubtes aber geduldetes) Büro-Surfen auf den einschlägig bekannten wie freizügigen Kontakthöfen des Internets steht im Homeoffice plötzlich unter aufmerksamer familiärer Dauerbeobachtung. Mist!

Alles Peanuts, oder was?

Alles Peanuts. Keine Peanuts dagegen sind die verherrenden Auswirkungen der modernen Heimarbeit auf dem umkämpften wie verwöhnten Markt der Gewerbeimmobilien. Sollten sich die Expertisen der Arbeitsmarktforscher auch nur zur Hälfte bewahrheiten, dann “Gute Nacht, Marie!” Das Kellergeschoss im schmucken Wolkenkratzer könnte in einen Hunde-Wellnessbereich umgestaltet werden. Waschen, schneiden, fönen und baden auf 2500 Quadratmetern. Hunde gehen immer!

In den überirdsichen 10 Etagen residieren künftig mehrere “Tafeln für dauerarbeitslose Arbeiter und Angestellte aus dem wegbrechenden Mittelstand”. In den Geschossen 11 bis 25 kommen u.a. Billig-Frisöre, Spielhallen, Wettbüros für alles (außer Tiernahrung), Döner-Läden, Thai-Massagen und Naildesign unter. Die Krönung im wahrsten Sinne des Wortes befindet sich auf der Dachplattform des architektonischen Kleinods in bestechend zentraler Citylage.

Office is coming home

Der ehemalige diskrete Hubschrauberlandeplatz für Vorstände und deren Escort-Begleitungen wird in eine spezielle Bungee-Absprung-Basis für lebensmüde, perspektivlose Leistungs- und Schlipsträger der Gesellschaft umgebaut. Warum lebensmüde? Der ultimative Thrill in der angesagten Freizeitanlage ist Programm und gehört zum mutigen Geschäftsmodell: Bei jedem achten Sprung reißt das Bungee-Seil. Versprochen!

Flugtaxi

Als erste Bungee-Kunden bewerben sich erwartungsgemäß die zuvor fachgerecht entsorgten Führungskräfte aus den Kuchen-Etagen einstmals elitärer Gewerbeimmobilien-Konzerne. Auf diese Weise können Betroffene der eigenen Abwärtsspirale noch einen kräftigen Beschleunigungskick geben. Je nach Höhe der abgeschlossenen Lebensversicherungspolicen nicht immer zum Leidwesen der Hinterbliebenen. Think positive!

“Es gibt zwei Möglichkeiten, Karriere zu machen. Entweder leistet man wirklich etwas oder man behauptet, etwas zu leisten. Ich rate zur ersten Methode, denn hier ist die Konkurrenz bei weitem nicht so groß.”
(Danny Kaye, amerikanischer Schauspieler, 1911-1987)

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In Quarantäne fliegen Späne

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