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HVV startet Fahrgastoffensive

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Der kollektive Aufschrei der Erleichterung war kürzlich entlang der Bahnstrecke Cuxhaven-Hamburg weithin vernehmbar. Für abertausende Pendler brechen in nicht allzu ferner Zukunft goldene Zeiten an. Verantwortliche der Bahngesellschaften, die verkehrspolitischen Akteure in Bund und Land als auch Pendlervertreter trafen sich an einem geheimen Ort zum 125. HVV-Jubiläums-Krisengipfel und versprachen – logo, Bahnbrechendes! Wie in allen anderen ergebnisoffenen Treffen zuvor auch. Gut, jeder kann und darf sich mal versprechen.

Aber doch bitte nicht so penetrant! Die Begriffe Infrastruktur und Kommunikation sollen ab sofort wieder mit Leben erfüllt werden. Wieso wieder? War da jemals etwas in dieser Richtung? Das eine kostet planerisch vorausschauendes Denken, gepaart mit Visionen und Beharrlichkeit in der Umsetzung, sowie monetär mindestens die Hälfte von Dagobert Ducks Panzerschrank. Lohnen sich Investitionen bei fast 800 Millionen jährlichen Fahrgästen? Diese Frage wird man wohl noch mal stellen dürfen, oder?

Für den HVV ist der Umweg das Ziel

Die drei Affen
Lange Zeit konnten sich die Verantwortlichen des öffentlichen Nahverkehrs mit einer simplen Strategie erfolgreich aus der Affäre ziehen: Nichts sagen, nichts sehen, nichts hören. Damit ist nun Schluss!

Das andere – die Kommunikation – kostet Nerven, menschliches Einfühlungsvermögen und erbärmlich viel Zeit. Tugenden, die den ÖPNV gerade in der heutigen modernen Arbeitswelt ertragsmäßig nicht voranbringen. Das muss man mal so klar formulieren dürfen. Hinter vorgehaltener Hand und wenn die Mikrofone ausgestellt sind. Oberste Unternehmerregel: Sich niemals an Arbeits- und Belastungssspitzen (wie z.B. hoher Krankenstand, unvorhersehbare Zugausfälle, Personenereignisse auf und neben den Gleisen, Naturkatastrophen, Streiks, Gleis- und Brückensanierungen etc.) ausrichten.

Das führt zu nichts und vernebelt den ungetrübten Blick auf das Wesentliche. Den Jahresabschluss. Es sei denn, o.a. Ausnahmezustände mutieren schleichend zur – auf beiden Seiten – ohnmächtig hingenommenen Alltagsroutine. Dann wird’s mal wieder Zeit für einen öffentlichkeitswirksam inszenierten “Gipfel” mit gewohnt eloquenter Phrasendrescherei (“Wir haben verstanden”) sowie inflationärem Austeilen von “Versprechungen”. Und morgen, liebe Kinder, erzählen wir euch ein anderes Märchen. Zum Beispiel das vom funktionierenden Schienenersatzverkehr.

Im Ruhewagen der Deutschen Bahn AG

Analysen sind nicht so unser Ding

Mit gegenseitigem Schulterklopfen wird sich versichert, wie schön es mal wieder war, sich mit allen Betroffenen gemeinsam an einen Tisch gesetzt zu haben. Und wie schwer doch die Entwicklungen im Hinblick auf z.B. Pendlerströme, Arbeitslosenquoten, Reallöhne, Bereitstellung von Häusern, Wohnungen und Grundstücken, Kosten der Mobilität, Neuschaffung von Arbeitsplätzen, Ansiedlung von Unternehmen einzuschätzen und zu analysieren sind. Obendrauf dieser blöde Klimawandel, der hat uns gerade noch so gefehlt. Der Hass auf unsere schönen deutschen Autos. Ah, diese Nahverkehrs-Grünen, ohne Worte. Demnächst traut sich keiner mehr zu fliegen. Alle nutzen stattdessen den HVV. Verdammt noch mal!

So schön das auf der einen Seite klingen mag. Aber wenn man das konsequent (uuuih, wieder so ein unangenhmes Wort) zu Ende denkt, dann…ja, dann…steigt die Zahl der Kunden demnächst auf eine Milliarde pro Jahr? Und dann? Ist das noch zu begreifen? Das kommt alles viel zu schnell für uns. Wir brauchen mehr Zeit, um die Hände weiterhin in den Schoß legen zu können. Außerdem fahren wir Entscheidungsträger für gewöhnlich Auto und nicht Zug oder S-Bahn. Nun mal nicht so forsch auf die Tube drücken, die Damen und Herren Pendler!

Die Verspätungsdurchsagen bei der Deutschen Bahn werden immer noch live gesprochen.
Elvira K. aus H. ist seit mittlerweile über 2 Jahren für die Verspätungsdurchsagen an den Bahnstrecke zwischen Cuxhaven und Hamburg verantwortlich. Nach ihrer Aussage ist der Stress an manchen Tagen kaum noch zu ertragen.

HVV plant Steh-Waggons als Zwischenlösung

Der Raabler weiß: Letztlich alles eine Frage des politischen Willens und über allem des lieben Geldes. Der politische Wille ist so wechselhaft wie ein Chamäleon und scheu wie das Reh im Walde. Jedenfalls, wenn’s um Mutter Natur und die Umwelt geht. Für Dauerstaubahnen und Brumm-Brumm-Tuut-Tuut ist immer was im Säckchen. Das wird sich jedoch zum Glück und sehr bald ein wenig ändern. Das liebe Geld ist ebenfalls ständig auf der Flucht und verweigert sich dem Kassensturz. Aber der Schnapp des Jahrhunderts, die Elphi, die ist doch toll geworden, oder?

Die Taktverdichtung und die Erhöhung der Waggonanzahl wird nicht alle Probleme in dem Maße lösen, wie es notwendig erscheint. Der Raabler schlägt darum als erste sinnvolle Sofortmaßnahme die Einführung sitzplatzloser Abteile (Stehwaggons; s. Titelfoto) vor. Bei gleichzeitigem Nutzungsverbot von Smartphone, Bücher und Zeitungen erhöht sich die Kapazität je Waggon um das Dreifache an Pendlermasse. Nachbar’s Mund- und Schweißgeruch sind zu akzeptieren. Menschen rücken wieder näher zusammen und kommunizieren miteinander. Die Fahrt vergeht wie im Fluge. Zum Preis eines HVV-Tickets (demnächst wieder mit einer satten Preiserhöhung!), wohlgemerkt! Es werden neue Freundschaften und sogar Ehen geschlossen. So viel ist sicher!

“Haaatschiii!”
“Gesundheit!”
“Danke!”
…Läuft!

“Kleine Taten, die man ausführt, sind besser als große, die man plant.”
(George Marshall, amerik. General u. Staatsmann, 1880-1959)

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Fahrrad fahren macht Spaß

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