Und sonst so?

Influencer: Fifty Schädels of Nixdrin

Influencerinnen

Bitte nicht von der Überschrift irritieren lassen. Nicht alle Influencer sind dumm wie Bohnenstroh. Obwohl sich in diesem Berufsfeld neben den gefakten “Naturschönheiten” immer mehr wahre “Naturblödheiten” tummeln. Im Zweifelsfall läßt sich nämlich Hirn mangels Masse prima mit einer deftigen Portion Geldgeilheit kompensieren. Nein, damit der kühne Businessplan aufgeht, braucht es nicht nur fifty, sondern noch ganz viel mehr andere Doofe, die auf die von Influencern angepriesenen Produkte und Dienstleistungen hereinfallen. Nur so wird ein Zalando draus.

Und mit der Aufzucht von Doofen kennt sich Deutschland ja bestens aus. Unter anderem leistete die dubiose Enthüllungsplattform namens “Pisa-Studie” bereits vor Jahren ganze Arbeit, um die Vertuschungsplattform namens “Kultusministerkonferenz” ins wahre Licht zu rücken. Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg einer postindustriellen Gesellschaft. Soweit das ewiglich gleiche Mantra einer Politikerkaste, die traditionell auf ein gerüttelt Maß an Volksblödheit baut.

spielerfrau

Fifty Prozent mehr Bildung, bitte!

In Wahrheit stehen internationale Wachstumsforscher dem Begriff “Bildung” eher feindlich gegenüber. Im Wort “Bildung” schwingt nämlich etwas vom Bruderwort “Aufklärung” mit. Ein Begriffspaar, das doch bitte höchstens einer bestimmten gesellschaftlichen Elite vorbehalten sein sollte, damit es kein Unheil anrichtet. Die Massen müssen kontrollierbar bleiben. Das geht umso einfacher, je dümmer sie sind. Je dümmer, desto kritikloser der Massenkonsum von Überflüssigem. In diesem Kontext vollbringen die Segnungen des Internets mitsamt den unverzichtbaren Asocial-Media-Komponenten wahre Wunderdinge.

Sie halten den Großteil der Bevölkerung in harmlos-sinnbefreiter Beschäftigung und schaukeln ihre Anhänger im 7/24-Modus ins Träumeland. Herrlich, so viele Freiheiten und so wenig Pflichten. Zum Beispiel die hübsche Freiheit, ohne mit der Wimper zu zucken den heimischen Einzelhandel mittelfristig zu eleminieren. Sich vor Ort beraten lassen und danach cool die Ware im Internet bestellen. Dafür gibt’s extra eine Scanner-App. Mehr geil geht nun wirklich nicht. Blöd nur, dass mit diesem cleveren Einkaufsverhalten immer mehr Arbeitsplätze im nahen Umfeld verloren gehen.

Homeoffice

Office is coming home

“Voll mega, Digger!”, dröhnt die dumpfe Follower-Gemeinde. Arbeiten wir eben alle früher oder später von zuhause aus. Für Alibaba, Amazon, Ebay, Facebook, Google, Tencent, Zalando und Konsorten. Wenn im Zuge dessen das vielversprechend klingende Homeoffice zum abgefuckt stressigen Callcenter mutiert, wird das Geschrei groß sein. Aber dann doch wenigstens zum Mindestlohn, oder? Na, klar, zum chinesischen – 22 Yuan. Entspricht etwa 2,85 Euro. Das ist nicht nur mega, sondern ultra. Für die Konzerne.

“Was soll’s”, dröhnt abermals die dumpfe Follower-Gemeinde. Werden wir eben Influencer und machen aus dem Bett heraus Millionen Euronen. Mehr Home geht nicht. Tja, liebe Kinder, da rückt nun wieder das Thema Bildung in den Mittelpunkt. Seid nicht traurig, aber nehmt es bitte hin, dass in jeder Produktgruppe (Computerspiele, Ernährung, Klamotten, Kosmetika, Lifestyle, Lifehacks, Reisen etc.) ungefähr fifty Influencer das Spielfeld beackern werden. Für mehr wird im Endstadium des Hypes kein Platz sein.

follower
Die ultimative Raabler-Denksportaufgabe für fifty Millionen Schädels of Nixdrin: Wo hat sich der Influencer unter euch Followern versteckt?

Kleiner Trost zum Schluß: Um die Erfolgswelle möglichst lange reiten zu können, haben die Influencer einen permanenten Bärenhunger nach immer mehr “Arbeitskräften” oder besser gesagt Multiplikatoren-Sklaven. Auch Follower genannt. Ihr freut euch, weil ihr bereits zur Familie gehört? Was verdient ihr denn so als treu-doofe Follower? Nichts? Sowas aber auch. Ihr seid eben über fifty (eine magische Zahl) Millionen Schädels of Nixdrin. Auf der einen Seite total wichtig. Und auf der anderen Seite? Sag’ es dem Raabler geschwind’, du weißt es bestimmt. Oder wahrscheinlich doch nicht…

“Viel mehr Menschen müssen mit dem geistigen Existenzminimum auskommen als mit dem materiellen.”
(Harold Pinter, britischer Theaterautor und Regisseur, 1930-2008)

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