Reise

Influencer lieben Kopenhagen

influencer in kopenhagen

Raabler-Tipp: Falls du den ersten Teil der Ostsee-Radler-Story verpasst haben solltest, macht es Sinn, zunächst einmal auf den nachstehenden Link zu klicken…

Nach Kopenhagen mit dem Rad

Jetzt bloß nicht im Dunkeln verfahren. Würde die Kondition der Raablers für den reinen Muskelbetrieb der Tourenräder reichen? Wie sieht es neben der Physis mit der mentalen Stärke aus? Und ganz profan: Wie lange halten die Akkus der ausschließlich für Profis konzipierten Lidl-Fahrradleuchten? Berechtigte Fragen, die die Aktiv-Urlauber im nächtlichen Grübelmodus hervorragend wach hielten. Alle Fragen lösten sich spätestens dann in Luft auf, als man die letzten 60 Kilometer vor Kopenhagen in Angriff nahm. Besser: nehmen durfte. Stell’ dir einmal vor, du fährst mit deinem Rad von der Kreis- und Hansestadt Schade über die Hansestadt Buxmoorholm zum Tor der Welt in die Hansestadt nach Hammaburg. Das willst du dir lieber nicht vorstellen? Eine Gruselvorstellung? Genau!

Nicht so vor Kopenhagen mit beidseitigen Fahrradwegen in der gefühlten Breite von Autostraßen. Dazu um 4 Uhr in der Nacht beinahe taghelle Beleuchtung. Lückenlose Ausleuchtung trifft es besser. Die Raablers konnten getrost ihre Fahrradlampen deaktivieren. Und kaum zu fassen: Bestens sichtbare und sogar korrekte Streckenführung. 160 Kilometer in den Beinen und immer noch Bock auf Sattel und Pedale. Schlicht zuviel des Guten für Bewohner der Bundesrepublik Deutschland. Auf welchem Planeten war man gelandet? Tja, der Planet heißt bekanntlich Dänemark. Der Raabler musste kurz schlucken: Das kleine schlaue Dänemark und das große dämliche Deutschland. “Ein Land, in dem wir gut und gerne…”
Ist gut, Mutti, leg’ dich wieder hin!

Influencerin mit Sonnenbrille

Ein Königreich für ein Bett

“Na, Kleiner, wie wär’s mit ‘nem schnellen Fick? Du wirst es nicht bereuen.” Ok, dieser spezielle Empfang zu morgendlicher Stunde in Kopenhagen erinnerte den Raabler wieder sehr an Hamburg. Und es zeigte sich rasch, dass hier andere Gesetze gelten. Von wegen so einfach mal ohne großartige Vorbereitung und spontan in die Hauptstadt Dänemarks eintrudeln. Das erlauben sich nur Anfänger wie die Raablers. Hätte man sich rechtzeitig wie ein typischer Influencer um Tisch und Bett gekümmert, wäre einem mit Sicherheit der ungewollte Abstecher ins Rotlichmilieu erspart geblieben. Selbst einem Single hätte nach 220 Kilometern im Fahrradsattel nicht der Sinn nach Sex auf der staubigen Stirn gestanden.

So eskalierte die Situation dann doch noch ein wenig. Raablerine versprühte den Eindruck, als würde ihr nur eine Tasse Kaffee reichen, um nahtlos die nächsten 200 Kilometer in Angriff zu nehmen. Beim Raabler dagegen ließen sich unschwer die Begleiterscheinungen der absolvierten Rekord-Etappe am übermüdeten Gesichtsausdruck und nur noch spärlichem Einsatz der Muttersprache ablesen. Ein Hotel musste her. Ein Bett musste her. Eine Dusche musste her. Ein Frühstück sowieso. Sofort!! Und wovon träumst DU nachts? Auf Knopfdruck geht schon mal gar nichts in Kopenhagen. Warum auch?

Influencer-Schnapp des Tages

Ellenlanges Begutachten zentrumsnaher Hotelfassaden mag ja für Touristen ein netter Zeitvertreib sein, allein zielführend ist es leider nicht. Auf die Raabler-Frage an einen Einheimischen um 6 Uhr morgens: “Können Sie uns ein Hotel in der Nähe empfehlen?” folgte die freundliche Gegenfrage des sympathischen Zeitgenossen: “Haben Sie gebucht?” Für Radtouristen aus dem Süden ein nach 220 Kilometern Rad(tor)tour schmerzhafter, jedoch nicht zu ignorierender Wink mit dem Zaunpfahl. Botschaft: Nur Idioten und Tagträumer betreten ohne Buchung einen der angesagtesten hotspots für Influencer aus aller Herren Länder.

Instagrammable

Endlich fand sich nach über 1000 Um- und Abwegen eine vielversprechende Herberge. Per Smartphone hatte der Raabler zuvor ein bekanntes Buchungsportal mit Hinweisen zum “Schnapp des Tages” und einem unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis kontaktiert. Der erste Eindruck entsprach der Empfehlung. Ein gediegener Innenhof bot ausreichend Platz zum Abstellen der vollgepackten Räder. Die modern gestaltete, lichtdurchflutete Lobby mit Loungemöbeln und dazugehöriger Musik lud zum Entspannen ein. Hohe Decken, Mamor soweit das Auge reichte, Modern Art an den frisch gestrichenen Wänden, WLAN bis an jede Klorolle und eine sprachversierte männliche Empfangsdame sorgten bei den Raablers kurzfristig für gute Stimmung. Kurzfristig…

Ach, Hermann…

Warum sind die glücklichen Momente eigentlich immer nur von so kurzer Dauer? Und wieso ist es in fast allen Lebenslagen nie so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint? Der sensible Raabler erinnert sich an dieser Stelle an ein berühmtes Hesse-Gedicht namens “Blauer Schmetterling” aus dem Jahre 1927:

Flügelt ein kleiner, blauer
Falter vom Wind verweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So im Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn,
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn’.


Sorry, aber so viel Zeit muss sein!
Weiter im Text!

Die Frage, ob sein Hotel noch ein Zimmerchen für ganz, ganz müde deutsche Rad-Touristen anbieten könne, bejahte der Rezeptionist nach einem routinierten Blick auf den Flat-Screen. YES! Die Frage, ob die Raablers denn sogleich einchecken könnten, verneinte er überraschend. Er könne leider nichts mehr anbieten, aber das zuvor gegoogelte Buchungsportal hätte noch genau dieses eine Zimmer frei. Alles läge nun in der Hand von Mr. Robot im digitalen Nirwana. Und es sei ebenso schwer abzuschätzen, wieviele Sekunden vergehen mögen, bis auch dieses Zimmer – sicherlich von einem Influencer – vereinnahmt würde.

Reiseblogger

Kann man sich die mühselig unterdrückte Panik im Blick des Raablers vorstellen? Was war zu tun? Sofort über Internet-Portal buchen. Jetzt! Keine Zeit verlieren! Im Halb-Delirium alle persönlichen Infos in das smarte Telefon reingeballert, den gewünschten Zeitraum erneut von Mr. Robot bestätigen lassen. Ja! Immer noch frei das Zimmer! Aber, was soll DER Scheiß jetzt? Ganz zum Schluss der Hammer zur abschließenden Buchungsbestätigung: Nur über Kreditkarte! Und die liegt warm und trocken zuhause. Der Raabler hatte auf Fahrradtouren bisher noch nie eine Kreditkarte dabei. Panikstufe II war angesagt.

Danke, Lukas!!

Es wäre aberwitzig zu erklären, wie man an die Daten des silbernen Plastikteils gelangte. Slapstick pur. Im Nachhinein zum Lachen. Mittendrin in der Bredouille einfach nur zum Heulen. In jedem Fall: DANKE, LUKAS! Das ganze Scheiß-Prozedere mit dem Buchungsportal noch einmal von vorn. Immer mit der Aussicht, dass in den vergangenen 10 Minuten jemand anderes – ein Influencer, wer sonst – sich das beste und letzte Zimmer von Kopenhagen unter den Nagel gerissen hat. Jeder weiß, dass Influencer verdammt schnell sind. Das wäre das Ende gewesen. Eine gewisse suizidale Grundstimmung beim Raabler war der Raablerine nicht entgangen.

Influencerin im Business-Look
Influencerin: Diese Ich-AG auf zwei hübschen langen Beinen hätte den Raablers theoretisch im letzten Moment das Hotelzimmer unter dem Arsch wegbuchen können. Man darf nicht drüber nachdenken…

Doch, oh’ Wunder. Vor den Augen des geduldigen Hotelangestellten buchte der ungeduldige Raabler das Zimmer mit den elektronisch übermittelten Kreditkartendaten, was der freundliche Herr auf der anderen Seite des Tresens ihm eigentlich auch gegen Barzahlung direkt hätte andienen können. Aber wegen vertraglich vereinbarter Kontingentierungsauflagen wohl nicht durfte. Kein Scherz, er freute sich zusammen mit dem Raabler über die geglückte Internet-Buchung bei Mr. Robot vom XY-Hotelportal und erledigte daraufhin routiniert die Restarbeiten für den von den Raablers innigst herbeigesehnten Sturm auf das weltbeste Zimmer mit Doppelbett. Jetzt nur noch ausruhen, KEIN Sex…schlafen, duschen, schlafen. Du kannst dir denken, dass hier bereits die nächste Überraschung um die Ecke bog.

Dänemark hat auch Murmeltiere die täglich grüßen. Egal ob in Stadt oder Land. Hmmmh, mal kurz überlegen, welche Gedanken den Raablers durch den Kopf schossen, als sie voller Vorfreude die Tür zu ihrer Oase öffneten? Richtig, die Gedanken gingen zurück an die versiffte Holzhütte auf dem Campingplatz mitten in der dänischen Pampa. Gut, das Einatmen der Luft bereitete hier keine Probleme, weil die Fenster vermutlich schon einige Zeit auf kipp gestellt waren. Das Déjà-vu-Erlebnis stellte sich jedoch ein, als die Raablerine ihre gewohnte Schlafseite (links) inspizierte. Da waren sie wieder, die Flecken. Nicht in der Bettwäsche, aber diesmal bräsig und unübersehbar auf dem Teppich. Teppich in einem Influencer-Melting Pot namens Hotel ist ohnehin sinnvoll, weil superhygienisch und total gemütlich. Über die 48 anderen pulsbeschleunigenden Mecker-Punkte (beengte Raumaufteilung, WLAN funzt nicht etc.) wird aus Zeit- und Platzgründen verzichtet. Einfach alles ganz, ganz hyggelig…gruselig.

Gemein: Influencer unter Generalverdacht

Ein besonders großer Fleck (ca. 40 cm im Durchmesser) erleichterte den Laborbefund ohne Einschaltung einer unabhängigen Gesundheitsbehörde. Die Raablers analysierten mit mittlerweile geschultem Blick die übliche Melange aus verschütteten/ausgekotzten Bier, Wein, Sekt, Ketchup, Suppe, Soßen, Fast Food sowie allgemeinen Straßenschmutz inklusive der üblichen Dauerverdächtigen: Sperma und Menstruationsblut. Gemach: Auch nach über 220 Kilometern im Sattel sollte man sich in Toleranz und Verständnis für die Umstände üben. Nicht immer alles so eng sehen. Es sind nun mal die untrüglichen Zeichen gelebten Lebens. Man muss dabei nicht immer gleich an irgendwelche Influencer auf der hektischen Durchreise über Berlin und Prag nach Budapest denken. Das wäre billig, schlicht ungerecht und allzu vorurteilsbehaftet.

Die kleine alternative Meerjungfrau in Kopenhagen

Aber warum bezahlt man als Tourist für dieses von außen zunächst sehr ansehnliche Resort in bester Lage von Kopenhagen schlappe 275 Euro inkl. Frühstück? Jetzt fragst du nach dem Zeitraum? Vier Tage? Selbst das wäre angesichts der “Umweltbedingungen” noch kein Schnäppchen gewesen. Meister, du bist hier mitten in Hotspothausen und Influencertown von Dänemark. Der Preis bezieht sich auf eine Nacht, du Depp! Ja, richtig gelesen! Für Einheimische das normale Programm. Was können die Dänen dafür, wenn du aus Deutschland kommst? Eben, nix! Und bitte frag jetzt nicht, ob wenigstens das Frühstück einen Teil der verherrenden Negativbilanz retten konnte. Nein, konnte es nicht! Warum auch? Bei dem günstigen Übernachtungspreis…

Die Raablers waren zu schwach zum Stornieren und Reklamieren. Schnell einigte man sich auf eine listige (Überlebens-)Strategie: Nur noch das Positive sehen, alles Negative ausblenden. Das gelang den Gästen aus Buxmoorholm so gut wie z.B. dem Kabarettisten Hagen Rether, wenn der im Laufe seines Programms im leicht resignierten Unterton verkündet: “Was reg’ ich mich auf?” Um sich dann anschließend aber sowas von aufzuregen. Und womit? Mit Recht, natürlich! Muss noch erwähnt werden, dass sich in den Räumlichleiten des modernen Quartiers der dritte Bauabschnitt in der finalen Phase seiner Fertigstellung befand? Komisch, der Rüttler und das Gekreische der Hiltis waren den Raablers auf dem ersten Weg zu den “Gemächern” gar nicht ins Auge bzw. Ohr gefallen. Gab es etwa zwei Wege dorthin? Ja, liebe Freunde, die gab es…

Klicke auf den unten stehenden Link (Raabler-Blogpost) und erfahre mehr über Dänemarks Hauptstadt! Übrigens: Nur Spitzfindige unter den Raabler-Lesern stellen im nachfolgenden Zitat eine Verbindung zu den ungeheuerlichen Lebenshaltungskosten in Dänemark her:

“Menschenkenner haben immer gewusst, dass man den Leuten eine teure Sache leichter verkaufen kann als eine billige.”
(William Somerset Maugham, englischer Erzähler und Dramatiker, 1875-1965)

Raabler-Blogpost:
Kopenhagen im Instagram-Modus

Raabler-Web-Tipp:
Fahrradparadies Kopenhagen