Und sonst so?

Inkasso: Die Lizenz zum Gelddrucken!

Inkasso

“Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld!”

Gut, Schlageridol Karel Gott mit seiner güldenen Stimme hat überhaupt nichts mit dem nachfolgenden Raabler-Blogpost zu tun. Dafür umso mehr seine Heimatstadt Prag. Die Millionenmetropole zählt zu den reichsten Regionen Europas. Ein Hotspot des internationalen Tourismus. Und wo das Geld locker sitzt, etabliert sich wie von gut geschmierter Geisterhand immer auch eine ansehnliche Abzockerindustrie. Na, neugierig geworden? Es geht um die allseits beliebten Inkasso-Unternehmen. Halt dich gut fest und besorg’ dir schon mal eine Wut-Brechschüssel. Sicher ist sicher…

Wie der Blog-Titel verrät: Es geht um die üblen Machenschaften im Umfeld einer mächtigen, sich gerne mit Seriösität tarnenden, Wirtschaftsbranche. Wenn man sich den WISO-Bericht vom 27. Juli 2020 in der ZDF-Mediathek zur Gemüte führt, könnte man meinen, dass gefühlt jeder zweite Bundesbürger schon einmal in die ungemütlichen Fänge der Inkasso-Mafia geraten ist. Kaum zu glauben, wie die deutsche Justiz die massenhaft betriebene Abzockerei – vor allem älterer Bevölkerungskreise – mit einer ekelhaften Melange aus Wohlwollen und Gleichgültigkeit begleitet.

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Im Westen nichts Neues

Im Land, in dem wir (laut Mutti) gut und gerne leben, generieren Inkasso-Unternehmen einen jährlichen Umsatz in Höhe von bummeligen 5 Milliarden Euro. Jede zweite Forderung gilt als zweifelhaft. Eine feuchtes Träumchen für die berüchtigten Abmahn-Kanzleien. Eine Albtraumquote für die Betroffenen. Von einzelnen schwarzen Schafen kann längst keine Rede mehr sein. Eher von systematisch betriebener Wirtschaftskriminalität. Und das seit Jahrzehnten. Hurra, Deutschland!

Die Zutatenliste: einerseits eine genervt wegschauende deutsche Justiz im Dschungel schwammiger Gesetzeslagen – dafür in Begleitung einer mangelhaften wie oberflächlichen Behördenaufsicht. Wenn jede Eckkneipe strengeren Kontrollen und Auflagen als ein Inkasso-Unternehmen unterliegt, dann läuft da was gehörig aus dem Ruder. Auf der anderen Seite unschuldige Opfer, die sich aus Unwissenheit und Angst den vielfältigen Einschüchterungen und Drohungen (z.B. mit Phantasiegebühren, Gerichtsvollzieher bis zur Erzwingunsghaft) der oftmals anonymen Geldeintreiber ausgeliefert fühlen.

Beispiel-Inkasso “Mobilfunkvertrag”

Eine Ursprungsforderung gegenüber einer jungen Frau aus dem Jahre 2004 beläuft sich auf 2.371 Euro. Wie bitte? Wie blöd muss man sein, um derart hohe Handygebühren zu produzieren? Aber darum geht es jetzt nicht. Sie zahlt bis 2019 insgesamt 3.805 Euro in Monatsraten zurück. Das sollte es doch wohl gewesen sein, oder? Pustekuchen! Auf Anfrage übersendet ihr das freundliche Inkasso-Unternehmen eine Restforderung in Höhe von sagenhaften 4.500 Euro. Fast das Doppelte der Ursprungsforderung. Trotz der zwischenzeitlichen Tilgung in Höhe von besagten 3.805 Euro. Die Jungs können zaubern. Anders kann man es sich nicht erklären.

Diebesbanden

Der Trick: Es wurden mit den Raten lediglich Kosten und Zinsen bedient, nicht jedoch die Hauptforderung selbst. Rechtlich in Ordnung, moralisch verwerflich. Aber hat man als mitfühlender Gläubiger denn überhaupt ein Interesse an der kompletten Schuldenrückzahlung? Bei unverschämten 13% Schuldzinsen? Wo’s doch sonst eher null Prozent Zinsen auf alles (außer Tiernahrung) gibt? Einfach mal mitdenken, bitte! Das Ganze garniert mit einer dreisten Inkasso-Gebühr von schlappen 261 Euro und einer zusätzlichen Einigungsgebühr für die neue Ratenvereinbarung in Höhe von 450 Euro. Ein bisschen Spaß muss sein!

Check The Beschiss

Unzulässig wie extrem sittenwidrig. Aber ohne Schuldnerberatung gibt es für Laien kein Entrinnen. Die Verbraucherzentralen bieten aus diesem Grunde bundesweit einen Online-Check an. Das leicht zu bedienende Programm berechnet zuverlässig, in welcher Höhe der Verbraucher angeschissen wurde. Im vergangenen Jahr zählten die Betreiber des Portals ca. 60.000 Zugriffe. Im Zuge dessen stellten sich 11% der Inkasso-Kosten als angemessen, die restlichen 89% der Forderungen als deutlich überhöht heraus. Sicherlich ein Programmierfehler…

Die Munkelziffer liegt wie immer um ein Vielfaches höher, weil sich die meisten Betroffenen eben keine Hilfe holen. Aus Angst, aus Scham, aus Unwissenheit. Zum Glück spricht die unglaublich sympathische Präsidentin des Verbandes deutscher Inkasso-Unternehmen in diesem Zusammenhang von “mündigen Verbrauchern auf Augenhöhe”, die sich bei Ungereimtheiten vertrauensvoll an die stets seriös arbeitenden Inkasso-Unternehmen wenden sollen. Dann wird alles gut. Die Verbandspräsidentin ist zufällig auch die Chef-Juristin von EOS.

Frau mit Depression

EOS hat nichts mit VW zu tun…

EOS? Yes, EOS! Kein VW-Modell, sondern ein bekanntes Inkasso-Unternehmen und als Tochterunternehmen des Hamburger OTTO-Konzerns der Kracher in einer durchweg grundsoliden Branche. Ach, gucke, ein Forderungsopfer bekommt Post von EOS. Angeblich eine nicht bezahlte Rechnung von Bonprix (ebenfalls ein Unternehmen des OTTO-Konzerns) i.H.v. 370 Euro. Keine Angaben darüber, was man wann gekauft haben soll. Wozu auch? Der “Kunde” hat noch nie bei Bonprix bestellt und ruft dort an. Der Händler bestätigt, das keine Bestellung vorliegt. Puh, noch mal Glück gehabt. Oder doch nicht?

Leider, nein. Nach Wochen der Ruhe flattert ein weiteres Schreiben von EOS ins Haus. Diesmal eine Forderung i.H.v. 664 Euro wegen einer angeblichen Bestellung bei Unito (ebenfalls Otto). Auch hier ohne weitere Angaben darüber, wann man was gekauft haben soll. Zum Ausgleich für die unterlassenen Informationen wird nun jedoch freundlicherweise mit einer Kontopfändung bzw. Kontosperrung gedroht. Der Kunde schreibt an EOS. Keine Antwort.

Die Polizei als Freund und Helfer

Nun wird zwecks Aufnahme einer Betrugsanzeige die Polizei eingeschaltet. Ein kluger Schachzug des Forderungsopfers, weil darauf die Inkasso-Unternehmen reagieren müssen. Wie gemein! Bei jährlich bis zu 20 Millionen Neuforderungen (Fachleute sprechen ungeniert von Massen-Inkasso) können doch wohl mal ein paar Fehler passieren oder Einwände auf der Strecke bleiben. Oder etwa nicht? Genau. Und bei EOS passiert trotz Anzeige mal wieder – nichts! Richtig geraten!

Stattdessen nach einigen Wochen mühsam ertragener Ruhe an der Inkasso-Front die nächste Zahlungsaufforderung. Von EOS. Von wem sonst? Diesmal allerdings direkt im Namen des Mutterkonzerns OTTO. Wurde ja auch mal Zeit. Bei Androhung einer 10jährigen Todesstrafe sollen jetzt umgehend 987 Euro auf das Konzernkonto überwiesen werden. Für was? Das interessiert hier keine Sau. Ein seriöses Unternehmen…

Die neue Höchststrafe in der Justiz

Konzern-Inkasso total in Mode

Nach Aufklärung des Fehlers durch die Polizei erfolgte wie erwartet kein Entschuldigungsschreiben von EOS. Stattdessen eine sympathische wie kostenlose und im angemessenen Ton vorgetragene schriftliche Belehrung: “Es gehört zum allgemeinen Lebensrisiko, mit unberechtigten Forderungen konfrontiert zu werden.” Nimm’ das, du dämlicher Konsument! By the Midway: Schon mal was von Konzern-Inkasso gehört?

Was ist denn das schon wieder? Hier kommt die Maus: Konzern-Inkasso ist weit verbreitet aber rechtlich fragwürdig. EOS betreibt Konzern-Inkasso und arbeitet u.a. für OTTO. Welcher Sinn steckt dahinter? Die WISO-Experten nehmen zur Veranschaulichung eine Beispielforderung von 500 Euro. Bei eigener Mahnabteilung im Hause (wie früher durchweg üblich) können maximal 5 Euro Mahngebühren ins Rennen geschickt werden. Über eine Inkasso-Tochter dagegen bis zu 70 Euro. Na, fällt der Groschen?

Krieg als Computerspiel

Es wird hier eine künstliche Gewinnmarge zu Lasten der Schuldner kreiert.
Das Forderungsmanagement bei EOS arbeitet unter solchen Bedingungen selbstredend hochprofitabel. Der Geschäftsbericht aus 2019 deklariert bei einem Umsatz in Höhe von 813 Millionen Euro einen satten Gewinn vor Steuern von schnuckeligen 279 Millonen Euro. Eine Traum-Umsatzrendite. Und wieder einmal sind absolute Zauberprofis am Werk. Copperfield ist ein Amateur dagegen. Hut ab!

Inkasso-Paradies Deutschland

Nächstes WISO-Beispiel gefällig? Einer ahnungslosen Kontoinhaberin kann in Höhe von 800 Euro plötzlich nicht mehr über ihr Guthaben verfügen. Ein Vollstreckungsbescheid vom Gerichtsvollzieher wurde angeblich zugestellt.
Es betrifft eine völlig aus der Luft gegriffene Ursprungsforderung aus dem Jahre 2010 in Höhe von 90 Euro. Die sind im Laufe der Jahre im Inkasso-Paradies Deutschland auf besagte 800 Euro angewachsen. Klingt mittlerweile logisch.

Die “Schuldnerin” ist entsetzt und ruft beim Inkasso-Unternehmen (nein, diesmal nicht EOS) an. Den Schwall an unverschämten Beleidigungen, Kommentaren und Drohungen am anderen Ende der Leitung hätte sie sich gerne erspart. Und wieder keinerlei Angaben darüber, was die vermeintliche Kundin wann gekauft haben soll. Auch dahinter steckt natürlich System.

Abzocke mit Methode

Eine ehemalige telefonische Geldeintreiberin kündigte frustriert den Job bei einer Inkassofirma, weil sie die Abzocke-Methoden ihres Arbeitgebers einfach nicht mehr ertragen konnte. Ihr Vermutung: Oftmals werden dubiose, nicht existente Forderungen von unseriösen Firmen ohne jegliche Belege aufgekauft. Aber Minus plus Minus ergibt eben nicht immer Plus. Eine miese Betrugsmasche. Angebliche “Schuldner” wissen nichts über angebliche Schulden aus angeblich abgeschlossenen Abonnements oder Gewinnspielen.

Milliardäre

Sie werden jedoch am Telefon einem höchstmöglichen Druck durch Inkasso-Mitarbeiter ausgesetzt. Mit Begriffen wie Zwangsmaßnahmen und Gerichtsvollzieher-Besuch werden die üblichen Drohkulissen aufgebaut. Und die verfehlen vor allem bei älteren Menschen ihre Wirkung nicht. Wird gegen den todsicher eintrudelnden Mahnbescheid kein rechtzeitiger Widerspruch eingelegt, darf der vermeintliche Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid beantragen.

Widerspruch ja – Zahlung nein!

Dann hat das “Opfer” erneut eine zweiwöchige Widerspruchsfrist. Lässt er diese verstreichen, kann durch das Inkasso-Unternehmen ein gerichtlicher Titel erwirkt werden – auch im Falle einer Ursprungsforderung aus dem Land der Phantasie. Um den Druck zu erhöhen beauftragen unseriöse Inkassofirmen Gerichtsvollzieher mit der massenhaften Zustellung “vorläufiger Zahlungsverbote” (Vorpfändungen) an die vermeintlichen Schuldner. Diese gelten über einen Zeitraum von vier Wochen.

In diesem Zusammenhang werden dann noch einmal das Doppelte oder Dreifache an ungerechtfertigten Kosten draufgeschlagen. Geldeintreiber wissen, dass ihre angeblichen zusätzlichen Kosten von den Gerichtsvollziehern nicht kontrolliert werden. Viele Opfer geben auf und zahlen. Leider. Wer dem immensen Druck jedoch standhält und nicht zahlt, bei dem wird auch nicht gepfändet. Warum nicht?

Nachrichten im Überblick

Vor einer Pfändung müssen die (überhöhten) Forderungen einer gerichtlichen Überprüfung standhalten. Das ist jetzt aber echt gemein. Nachträglich von der Inkasso-Mafia draufgeschlagene, aber völlig ungerechtfertigte Kosten werden wieder aus der Forderungssumme herausgestrichen. Aufwand und Ertrag stehen plötzlich für die Geldeintreiber nur noch in einem unattraktiven Verhältnis zueinander. Nun gibt das Inkasso-Unternehmen klein bei. Kaum zu glauben, aber wahr.

Goldgrube Inkasso

Unterm Strich sprechen Schuldnerberater im Hinblick auf die o.a. betrügerischen Machenschaften der Inkasso-Industrie von Komplettversagen der Aufsichtsbehörden und der Justiz. Für die Firmengründung reicht ein einfacher Sachkundenachweis. Die allzu lasche Inkasso-Aufsicht der einzelnen Bundesländer duckt sich weg. Selbst bei massiven Verbraucherbeschwerden ist einem Inkasso-Unternehmen in Deutschland noch nie die Erlaubnis entzogen worden. Bravo!

Die zuständigen Gerichte sehen die zusätzliche Pflicht zur Inkasso-Aufsicht als lästigen Fremdkörper an. Absolute Narrenfreiheit ist darum angesagt. Und die wird weidlich ausgenutzt. Dies gilt umso mehr für ausländische Inkasso-Gesellschaften, die in Deutschland Geld eintreiben wollen. Nun kommt endlich die Heimatstadt von Goldkehlchen Karel Gott ins Spiel. Wurde ja auch mal Zeit. Beispiel:

Klarnamen

Ein älterer Herr aus Deutschland bekommt unerwartet Inkasso-Post aus Prag. Die Firma WEMO verlangt 90 Euro Anrufkosten plus 48 Euro Verzugskosten für einen angeblichen “telefonischen Service für besondere sexuelle Ansprüche”. Wer kennt das nicht? Laut Polizeiangaben eine bekannte bundesweite Masche. Es soll das Schamgefühl der Opfer ausgenutzt werden. Lieber bezahlen als mit der Ehefrau Stress auf dem heimischen Sofa. Das unschuldige “Opfer” bleibt in unserem Beispiel allerdings stur und zahlt nicht.

Und ewig lockt ein Anruf

Nun geht der Stress erst richtig los. Weitere Zahlungsaufforderungen wegen angeblicher Anrufe bei weiteren Telefonsex-Hotlines sind die Folge. Aber wie kommen die Abzocker an die Daten ihrer Opfer? Das funktioniert zum Beispiel über Lockanrufe. Nur einmal kurz klingeln lassen, damit ein verpasster Anruf beim Betroffenen angezeigt wird. Wer zurückruft, hinterlässt den Betrügern seine Telefonnummer und die Anrufzeit.

Daten, die irgendwann auf irgendwelchen Verbindungsnachweisen als “Beweis” auftauchen. Die Adressen ermitteln die Kriminellen im Anschluss über verschiedene dubiose Quellen. Ein Kinderspiel. In Beispiel der WISO-Redaktion erstattet der vermeintlich “Sex-Süchtige” Anzeige bei der Polizei. Die stellt das Verfahren vorschriftsmäßig nach 4 Wochen intensivster Recherchen im In- und Ausland ein. Täter konnten leider nicht ermittelt werden. Welch’ Überraschung!

Tiny

Zauberkünstler auch in Prag unterwegs

Weiter im Würge-Text. Unser Pechvogel erhält immer neue Schreiben aus Tschechien. Letzlich beteiligen sich acht (!!) verschiedene Firmen an der humorlosen Treibjagd. Insgesamt 30 Drohbriefe münden in einer Gesamtforderung von sagenhaften 1.860 Euro. Auch unsere Freunde im Osten sind der Zauberei mächtig. Die Firmen mit kriminellem Hintergrund sind mit ihren Pseudo-Postfachadressen sogar im tschechischen Handelsregister eingetragen. Alle Wege führen nach Prag.

Laut Auskunft eines tschechischen Insiders gibt es bei Gründung von Inkasso-Unternehmen in Prag keinerlei Zulassungsbeschränkungen. Jeder Idiot kann eine entsprechende Handelsgesellschaft gründen, Phantasiegebühren verlangen und problemlos im Ausland tätig werden. Es interessiert niemanden. Nach einer WISO-Recherche residieren an einer einzigen Postadresse in Prag weit über 1000 (!!) Unternehmen. Ab 800 Euro ist der “Gründer” dabei. Alibi-Geschäftsführer und Scheinadressen müssen nicht immer extra bezahlt werden.

Inkasso oder: Fang’ mich doch!

Es handelt sich bei allem um ein völlig legales Geschäftsmodell in Tschechien. Über eventuell zwielichtige Tätigkeiten von zwielichtigen Inkasso-Büros in der Stadt selber gibt es keinerlei Verbraucher-Beschwerden. Kein Wunder, wurden diese Konstrukte ausschließlich für die Geldeintreiberei in good old Germany aus dem Boden gestampft. Richtig rund wird die Sache, wenn total veraltete Adressen von angeblichen Inkasso-Geschäftsführern im Handelsregister und beim Einwohnermeldeamt hinterlegt sind.

Vorsicht: Hass kann doof machen.

Das lässt Nachforschungen von Opfern und Polizei gleichermaßen im Sande verlaufen. An die wahren Hintermänner ist somit kein Rankommen. Zumindest wenn man in Prag sucht. Warum? Weil die Kriminellen in Deutschland sitzen. Da wird doch das Pferd auf dem Grill verrückt! Man glaubt es einfach nicht. Ist aber so. Und wenn sich mal eine Staatsanwaltschaft nach aufwändigen Untersuchungen und eindeutiger Beweislage zu einer Klageerhebung durchringt, wird sie erst-instanzlich abgebügelt.

Weil angeblich kein vorsätzlicher Betrug nachzuweisen ist. Oder versehentlich falsche Rechnungen wegen nicht stattgefundener Sex-Telefonate an die falschen Adressen rausgeschickt wurden. Kann sogar mal kriminellen, gerichtsbekannten Unterweltgrößen passieren. Wie war das noch? Ach, ja: “Es gehört zum allgemeinen Lebensrisiko, mit unberechtigten Forderungen konfrontiert zu werden.” Ja, ist ja gut. Wir haben’s kapiert!

Es gibt (keinen) Grund zur Hoffnung

Fazit am Schluß der WISO-Reportage:
Die deutsche Justiz ist auf allen Augen blind. Von einer effektiven Inkasso-Aufsicht kann keine Rede sein. Es bedarf einer schlagkräftigen zentralen Bundes-Aufsichtsbehörde statt einzelner unkoordinierter Länderaufsichten.
Die aktuelle Inkasso-Industrie ist mit ihren Phantasiegebühren nichts anderes als modernes Raubrittertum. Ein Milliardenmarkt mit nur einem und dem immer gleichen Opfer: dem Verbraucher.

Glück am Meer

Aber es gibt unbegründete Hoffnungen auf eine baldige Besserung der nicht länger hinnehmbaren Begleitumstände. Sagen wir mal bis zum Jahr 2050. Jetzt nicht gleich die Wanne mit dem Baby durch den Ausguss, nicht wahr? Das Bundesjustizministerium sieht tatsächlich Handlungsbedarf in Bezug auf Kostenreduzierungen sowie Aufklärungs- und Informationspflichten seitens der Mafia. Die wird das aber gar nicht gerne hören. Geduld ist darum angesagt. Bis dahin gilt: weiter so!!

Kleiner Nachschlag zum Thema:
Im 19. Deutschen Bundestag arbeiten seit 2017 insgesamt 709 Abgeordnete. Darunter 115 Juristen – entsprechend einer Traumquote von abgerundet 16 Prozent. Gibt’s da irgendwelche Zusammenhänge? Der Raabler wird doch mal blöd nachfragen dürfen?

“Um manche Delikte zu begreifen, genügt es, wenn man die Opfer kennt.”
(Oscar Wilde, irischer Schriftsteller, 1854-1900)

Raabler-Blogpost:
Höchststrafe 5.0: Für mehr Kreativität in der Justiz

Raabler-Web-Tipp:
WISO: Die Inkasso-Falle

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