Reise

La Isla Bonita oder: Urlaubsindustrie dank “Emma” am Limit

Was erlauben spanisches Bodenpersonal?

Flughafen auf Teneriffa

Wie beruhigend, wenn man La Palma (Isla Bonita) gebucht hat und sich nun darüber freuen soll, wenn das Luftschiff stattdessen in Reina Sofia (Süd-Teneriffa) einsegeln darf. Wieder am Teide vorbei. Wie oft denn noch? Der Anblick ist bereits zur Routine geworden. Entsprechend guckt sich das keine Sau mehr an. Man ist gedanklich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel, wie wird die Landung auf Teneriffa sein? Kommen wir da wenigstens heil runter? Und wenn ja, was machen die dort mit uns?

Die gleiche Frage stellten sich zu diesem Zeitpunkt weitere knapp 450 Passagiere aus Stuttgart und Manchester, die beinahe parallel mit Familie Raabler in der Luft nach Landemöglichkeiten außerhalb der Isla Bonita Ausschau hielten. Und? Ja, genau, die auch in Teneriffa herzlich willkommen geheißen werden sollten. Welch’ ein Zufall! Und das spanische Bodenpersonal auf den Kanaren liebt Zufälle, weil sie in solchen Krisensituationen dem internationalen Publikum eindrucksvoll demonstrieren können, dass sie für derlei Ausnahmen weder Verständnis, noch Lust, noch die nötige Arbeitsmoral aufbringen.

boarding

Was erlauben Fuhlsbüttel?

Aber, keine Angst, liebe Spanier. Wenn ihr das hier lesen solltet, dann seid gewiss, dass unsere Liebe zu euch und euren wunderschönen Feriendestinationen ungebrochen ist. Komme, was da wolle. Und was Servicequalität angeht, so hat vor gar nicht allzu langer Zeit der Hamburger Flughafen in Sachen Gepäckabfertigung ein Musterbeispiel in Sachen „wie verarsche ich über mehrere Tage Fluggäste in Fuhlsbüttel und tue als Management so, als ob mir das weder großartig auffällt noch peinlich ist“ abgegeben. Deutsche „Leid“kultur. Also, immer schön die Synagoge im Dorf lassen…

Also, gut. Es muss ja dennoch gesagt werden. (Uns Udo singt dazu: „Einer muss den Job ja machen, und bitte keine halben Sachen“): Die Abfertigung in Teneriffa geriet zur Geduldsprobe. Die Passagiere mussten zunächst endlose 45 Minuten im Flieger auf dem Rollfeld ausharren, eh’ die von Smokie (dem Gatten von Lokie) beauftragte GSG 9 den Weg in die Frischluft in aller Gründlichkeit frei bombte. War das ein Aufatmen, als sich die Rauschwaden lichteten. Denn der Innenraum stand wieder kurz davor, sich in ein Schimpansengehege…ach, lassen wir das. Weitere 3 Stunden vergingen bis nach der erzwungenen Zwischenlandung die ersten Koffer ihre fröhliche Runde auf dem Laufband in der Empfangshalle drehen konnten. War das eine Wiedersehensfreude. Die Koffer hätten ja schließlich auch auf der Isla Bonita…ach lassen wir das.

Was erlauben Raabler?

Alarm in der Kabine des Urlaubsfliegers: Es musste dringend etwas geregelt werden, was zu diesem Zeitpunkt einfach nicht zu regeln war. Getreu dem Motto: Operative Hektik ersetzt geistige Windstille.

Die Wartezeit wurde von den Mitreisenden klug genutzt, indem man die bereits im stehenden Schimpansenkäfig (Flugzeug) geknüpften Kommunikationskanäle zu den unterschiedlichsten Mietwagenfirmen reaktivierte. Des Raablers Herz erfüllte sich mit Stolz, als er vernahm, wie das hochkultivierte Volk der Deutschen – in mindestens 3 Sprachen parlierend – versuchte, das größte Unheil in Sachen mitternächtlicher Transfers vom Flughafen Santa Cruz de La Palma zur gebuchten Unterkunft abzuwenden. War das ein Gebrabbel. Brabbel hätte daraus einen sensationellen Werbespot drehen können.

Des Raablers Lebensgefährtin schien derweil sichtlich genervt, dass sich ihr des Spanischen durchaus mächtige Raabler strikt diesem unsinnigen Prozedere verweigerte. Seine beachtliche Sturheit bewahrte ihn davor, es den anderen 105 ferngesteuerten Mannsbildern aus der Maschine gleichzutun: nämlich im Praktikanten-Modus dem weiblichen Gehorsam folgend in überflüssige operative Hektik zu verfallen.

La Palma im Sturm

Was erlauben Auto-Mietnomaden auf der Isla Bonita?

Denn erstens dürfte es kommunikationstechnisch kaum ein Durchkommen bei den ebenfalls hochgradig genervten Autovermietern geben, wenn 105 Männer von Hannover kommend, 105 Männer von Stuttgart kommend und sagen wir mal 105 Männer von Manchester kommend GLEICHZEITIG versuchen, mit den Mietstationen Kontakt aufzunehmen, OHNE zweitens auch nur im Ansatz zu wissen, was man überhaupt im Detail besprechen sollte.

Dass die Flieger – statt auf der Isla Bonita zu landen – notgedrungen auf Teneriffa ent- bzw. versorgt wurden, dürfte sich zu jenem Zeitpunkt bis in die hintersten Winkel der Kanaren herumgesprochen haben. Müssen deswegen über 300 Auto-Mietnomaden anrufen, um diesen Sachverhalt in 3 Sprachen mitzuteilen? Darüber hinaus war zu jenem Zeitpunkt nicht im mindesten klar, ob die Urlauber überhaupt am selben Tag noch das schnuckelige Eiland würden betreten können. Nochmal: Müssen deswegen über 300 Auto-Mietnomaden anrufen, um diesen Sachverhalt in 3 Sprachen mitzuteilen? Schließlich gab es zunehmend Wind. Nicht nur auf der Landebahn, sondern, ach wie kurios, auch auf dem Meer.

Der Raabler fragt sich: Wie konnte man früher eigentlich ohne Smartphone an den Urlaubsort fliegen?

Hier zur Veranschaulichung ein rein fiktiver…

…Anruf eines Urlaubers bei der spanischen Autovermietung auf der Isla Bonita

„Hello? Yes, hello! You speak english? Oh, yes, of course. No? Senora, mi problema es…queeeee…ach, doch jetzt in deutsch? Ganz langsam? Mein Name ist…Si…ich meine, ja…kein Problem. Ja, ich verstehe Sie sehr gut. Sehr schön, dass Sie ein wenig deutsch…ich kann Sie nur ganz schwer…die Verbindung…the connection…you know…Hello? Can you hear me? Können Sie mich hören? Ja, jetzt geht’s auf einmal wieder…Nun, was ich sagen wollte ist…zunächst mal möchte meine Frau auch wissen (Frau quakt dazwischen: „Lass’ mich da aus dem Spiel, ja?“) wie…das Problem ist, dass…ach, Sie wissen bereits? Ja, das ist ein Ding mit dem Wind hier. Das kann mal wohl sagen. Ja, genau…Nein…wir haben auch keine weiteren Informationen. Der Flugkapitän spricht gerade mit den Reiseveranstaltern und…genau…ja…die wissen auch noch nichts Konkretes. Aber ich sollte schon mal anrufen bei Ihnen (Frau quakt dazwischen: „Jetzt erzähl’ der Tussie bloss nicht, du würdest nur meinetwegen bei ihr anrufen, so weit kommt es noch! Lächerlich!“)…Yes…Si…eventuell mit der Fähre heute Abend…aber es weiß niemand, ob noch eine Fähre geht…und wenn ja, wie lange sie brauchen würde…von Teneriffa nach La Palma…Hallo? Hallo? Sind Sie noch da? Was? Was erzählt die da? Ach, so…(Computerstimme vom Telefonanbieter: „La conexión ha sido interrumpida. Por favor intente de nuevo más tarde.”) Ja, dann mach’ ich das…(Frau quakt: „Und, jetzt erzähl’ endlich, was die Tussie gesagt hat. Muss man dir denn immer alles erst aus der Nase ziehen?”)

“Ja, Schatz, sie weiß auch nichts Genaues und wir müssten abwarten, was passiert.”
„Siehst du, wie gut und richtig es war, dort mal nachzuhaken. Wenn’s ganz dumm kommt, schnappen uns die anderen nämlich unser Auto weg. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Nur weil dir das zu blöd gewesen wäre dort mal anzurufen. Dann muss man mal eben über seinen Schatten springen. Hör’ auf meinen Rat, ich weiß, was das Richtige ist, kannst mir ruhig vertrauen.“
„Schatz, das Gespräch war so was von über…“
„…du bist jetzt mal ganz still, mein Lieber, ja? Du nervst!“
„Ja, verzeih’, Schatz.“

Nachhaltigkeit

Was erlauben „Emma“ zu machen mit Zeitplan?

Die Kommunikation war das kleinere Problem. Das etwas größere die orkanartigen Böen, die einfach keinen Bock hatten, ihre unproduktiven Aktivitäten (nicht nur auf La Palma) einzustellen. Sturmtief „Emma“ wirbelte alles durcheinander und schien mächtig Spaß daran zu haben uns Menschen (als Krone der Erschöpfung) zu zeigen, dass wir alle nur kleine Fürze im Wind sind. Diese Metapher passt wie Klodeckel auf’m Pott. Gut gemacht, Raabler!

Wie war das noch mal mit dem Zeitplan?

Geplante Ankunftszeit auf der Isla Bonita: 13.25 Uhr
Stattdessen ungeplante Landung auf Teneriffa: 14.15 Uhr
Verharren im Flieger weil kein Plan: 45 Minuten (bis 15.00 Uhr)
Ausstieg + planloses Warten am Kofferband: ca. 4 Stunden (bis 19.00 Uhr)
Bustransfer zum Hafen + planloses Warten auf Fähre: 19.00 bis 19.45 Uhr
Chaotisches Einchecken auf Fred Olsen Katamaran: 19.45 bis 20.30 Uhr
Außerplanmäßiges Ablegen des Katamarans: 20.45 Uhr
Außerplanmäßige Ankunftszeit auf La Palma: 00.45 Uhr
Außerplanmäßiger Empfang des Mietwagens am Hafen von Santa Cruz de La Palma (ein Wunder!): 01.05 Uhr
Außerplanmäßiges Umdrehen des Bungalow-Schlüssels: 01.45 Uhr

Gab’s von Seiten des Reiseveranstalters zwischendurch was zu essen oder zu trinken im Angebot? Wo’s doch schon im Flieger nichts für umsonst gab – außer gelegentliche Bordunterhaltung seitens des Chef-Stewarts. Wie bitte? Was soll diese unverschämte Frage? Typisch deutscher Urlauber! Bekommt das volle Abenteuer-Programm gratis oben drauf. Kann froh sein, dass er heil vom Himmel gefallen ist. Darf auch mal jubeln, wenn die Fähre während der Überfahrt nach La Palma – es hätte sich niemand beschweren dürfen – nicht auseinander bricht. Und nur weil er mal schlappe 11 Stunden später als geplant am Zielort ankommt, fällt ihm in seinem unerträglich selbstmitleidigen Gejammere nichts Besseres ein, als nach Essen und Trinken zu fragen? Unfassbar!

Sie mutierte an Bord der Personenfähre über sturmgepeitschte See nach La Palma zum wichtigsten Utensil für die Mitreisenden: Die im schlichten aber praktischen Stil designte Kotztüte.

Apropos Fähre: Wie der geneigte Leser sich unschwer ausmalen kann, hatte „Emma“ nicht nur einen Heidenspaß am Durcheinanderwirbeln eiserner, ca. 80 Tonnen schwerer, Flugvögel beim Landeanflug. Nein, „Emma“ machte auch ein wenig Pilates mit der 1300-Personen-Fähre: Auf und nieder – immer wieder. Und wenn’s knirscht und knackt, liegt’s nicht am Alter, Alter! Angesichts dieser ungewohnten körperlichen Anstrengungen zu nächtlicher Stunde nahm die Hälfte der Urlauber-Besatzung dankbar die bei derartigen Wetterlagen in großzügiger Anzahl diskret bereit gehaltenen Kotztüten in Anspruch. So auch leider die beste Lebensgefährtin von allen. Statistisch gesehen hätte der Raabler also nicht kotzen müssen. Und so war es zum Glück auch.

Noch mal: Was erlauben Isla Bonita?

Aber was nimmt man nicht alles und gerne in Kauf für die Aussicht auf einen super entspannenden Urlaub auf einer sonnendurchfluteten Insel. Gut, „Emma“ musste irgendwie noch ausgesessen werden. Nach drei Tagen war der Spuk „bereits“ vorbei. Der Wind beruhigte sich. Dafür blieben ausgiebige Regenfälle und ein luxuriöser aber leider auch nasskalter Ferien-Bungalow. Nach der perfekten Anreise hatte man aber auch nichts Besseres verdient, oder? Die Bewohner von La Palma kennen zwar die etwas kühleren Tage, aber die sind eben so rar gesät, dass kaum jemand auf die Idee käme, seine Wohnung mit einer Heizung oder gar einem Holzofen auszustatten. Schade, eigentlich.

Sonnenstich.TV

Aber was bucht man auch so leichtsinnig eine 500 Meter über den Meeresspiegel gelegene Unterkunft. Nur um in absoluter Ruhe und Abgeschiedenheit einen fantastischen Blick auf den Atlantik und das legendäre Aridane-Tal zu genießen? Ja, zum Beispiel genau deswegen. Der vom Eigentümer der Wohnanlage großzügig bereitgestellte Pippi-Radiator reichte gerade mal aus, um das Badezimmer nach ca. 30 Minuten benutzbar zu gestalten. Immerhin. Aber weil es eben zu mehr nicht reichte, wurde am zweiten Tag die beste Lebensgefährtin von allen krank.

Richtig krank. Kreislauf, Gliederschmerzen, Kopfweh, Dauerhusten, Appetitlosigkeit, Nase voll, Schnauze voll. Und als Sahnehäubchen oben drauf: Fieber. Fieber bedeutet Aufenthalt im Bett. Ganztägig. Schlechte Nächte und schlechte Laune. Aber, he, dafür zum Ausgleich erst am dritten Tag nach der Ankunft heißes Wasser beim Duschen, da die schrottreife Therme sich von „Emma“ den Zickenmodus abschaute und die Arbeit verweigerte. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“ (Andreas Brehme) Die normalerweise unglaublich reiselustige Raablerine jaulte ¾ des Urlaub missmutig vor sich hin: „Ich will nach Hause!“ Zurecht!

Die unglaublich tapfere Raablerine machte das Beste aus dem Malheur und ging dank “Dopings” letztlich noch auf drei Wanderungen mit.

Mit der Tagesdosis von 1500-2000mg Ibuprofen ließen sich zum Glück noch einige urlaubstypische Betätigungen realisieren, wie z.B. Einkaufen bei Lidl und Spar, Tanken an der Tankstelle, kurze Spaziergänge am Strand („Emma“ samt Nachhut sorgte für durchgängiges Badeverbot), Aufspüren von WLAN-Spots zwecks Aufrechterhaltung der Kommunikationswege zum berechtigten Nörgeln nach Deutschland, Ärgern über viel zu viele mitgenommene Klamotten, Ärgern über die falschen mitgenommenen Klamotten und überhaupt. Aber: Noch niemals zuvor hatten die Raablers in ihrem Urlaub so wenig Geld ausgegeben wie im Frühjahr 2018 auf „La Isla Bonita” (oder besser: “La Zicka”).

Der Wahrheit halber: Es gab auf der Insel schon noch ab und an Sonnenschein. Die beschriebenen Umstände hatten allerdings dafür gesorgt, dass sich bei den Urlaubern ein leicht depressiver Trotz-und Frust-Modus im schnieken Bungalow einschleichen konnte. Dieser blockierte die Vernunft gesteuerte Geste des Eincremens. Veritable Sonnenbrände im Handumdrehen waren die unangenehmen Folgen des Unterlassens. Auf einen Schmerz mehr oder weniger sollte es nun auch nicht mehr ankommen. So, nimm’ das, „La Zicka!“

Einmal Isla Bonita – immer Isla Bonita!

Der Vollständigkeit halber: Auf dem Rückflug saßen die Raablers neben einem sympathischen Ehepaar aus Hameln, die über zwei Jahrzehnte hinweg regelmäßig La Isla Bonita angesteuern. Sie hatten noch niemals zuvor solch ein Scheiß-Wetter erlebt wie an diesen Tagen. Wir beglückwünschten uns gegenseitig, dass wir den richtigen Riecher bei der Buchung hatten. Falls wir uns im nächsten Jahr auf der Insel wiedersehen sollten, könnte man ja mal gemeinsam…

In den Urlaub fliegen

Die Landung in Hannover erfolgte absolut pünktlich bei arschkaltem Wetter. Gestählt durch den Urlaub auf den Kanaren konnte dieser Empfang die Ankömmlinge nicht im mindesten negativ beeindrucken. Also, nix weiter zu meckern? Doch! Der Condor-Flieger brauchte 4 Stunden und 45 Minuten bis zum Aufsetzen in der Heimat. Die Deutsche Bahn brauchte für die Strecke von Hannover bis zur Märchenstadt Buxtehude märchenhafte 5 Stunden und 15 Minuten. Trotz ICE und pünktlicher Abfahrten an allen Haltestellen. Einfach nur mal sacken lassen. Damit sind wir wieder an den Ausgangspunkt unserer Reisebeschreibung gelangt. Der Kreis schließt sich.

Raabler Rolfn dankt für die Aufmerksamkeit!

“Umwege erweitern die Ortskenntnis.”
(Kurt Tucholsky, deutscher Journalist und Schriftsteller, 1890-1935)[

Raabler-Blogposts:
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