Gesellschaft

Klarnamen? Geht klar!

Klarnamen

Seit Jahren schwelt weltweit eine Freiheitsdebatte in den digitalen und analogen Medien. Auslöser waren und sind übelste Hass-Kommentare, Hetze bis hin zu Morddrohungen gegen alles und jeden, der eine andere (politische) Meinung vertritt. Mit aller intellektueller Härte wird darüber diskutiert, ob man eine Klarnamen-Pflicht einführen sollte. Das hieße, dass Profile in den asozialen Medien zukünftig nur noch mit “echten” Daten gefüttert werden. Nutzer könnten maximal darüber entscheiden, ob ihre persönlichen Daten für andere sichtbar sind oder nicht.

Das geht dem Raabler eindeutig zu weit. Wo kommen wir denn da hin? Beispiel: Wenn ein Kunde bei der Bank seines Vertrauens ein Konto eröffnen möchte, fragt die ihn doch auch nicht nach Namen und Adresse, oder? Warum auch? Reine Zeitverschwendung. Ein Arbeitgeber überweist das üppige Monatsgehalt an den Leiter der Hauptbuchhaltung schließlich auch nicht an Herrn F. K. Schnippkowiak aus Buxmoorholm, sondern streng anonym auf das Konto von “MickeyT-Mousse19”. Dahinter steckt, für alle diejenigen, die es wissen müssen, “TaLovemachinetoeff85”. Das nennt man Bankgeheimnis.

Vorsicht: Hass kann doof machen.

Auf den richtigen Klarnamen achten

Wurde das Prozedere jemals in Frage gestellt? Natürlich nicht. Wir leben zum Glück immer noch in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Weiter im Text. Der Sachbearbeiter beim Finanzamt kennt natürlich die Einkünfte seines Klienten namens “TaLovemachinetoeff85”. Die Elster-Bescheide werden daher wie gewohnt in Lichtgeschwindigkeit an eine den Behörden bekannte Darknet-Adresse versendet. Wie diese lautet, darf im Raabler-Blog natürlich nicht erwähnt werden. Dark bleibt dark!

Amazon freut sich tierisch über Bestellungen von Stammkundin, Instagrammerin und Prime-Nutzerin “LadySchnatterlie21”. Alle Schnäppchen werden in Windeseile auf ein externes Paketfach bei der Deutschen Post AG mit dem Anonym “GunsandPoses%!” verschickt. Die monetäre Abwicklung erfolgt zuverlässig über den nordkoreanischen Bezahldienst “PayyouPayme”. Nur in Ausnahmefällen, wie z.B. einer drohenden Dispo-Inanspruchnahme, wird auf das Konto von “MickeyT-Mousse19” zurückgegriffen. Moment, den kennen wir doch?

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“JayZ” mag nicht hinhören…

“LadySchnatterlie21” wiederum gastiert in den seriösesten Online-Partnervermittlungsbehörden unseres Landes mit dem Pseudonym “WhatyouseeiswhatyouF”. Die Schlampe. Und mit wem wurde sie kürzlich gematcht? Mit “SummerintheCity69”. Dahinter steckte in Wirklichkeit allerdings “TaLovemachinetöff85”. Und das kam ihr irgendwie bekannt vor. Es folgte eine veritable, auf höchstem intellektuellem Niveau ausgetragene Auseinandersetzung mit F. K. im Wohnzimmer. Selbst Papagei “JayZ” hielt sich die Ohren zu.

Ob er im Internet auf Nutten-Suche wäre? Ob er schlampensüchtig sei? Wie er dazu käme, auf solch’ niederträchtige Weise ihr Vertrauen zu missbrauchen? Man könne die Eigentumswohnung auch schnell wieder verkaufen, wenn er lieber ungestört seinen spät-pubertären Jagdinstinkten folgen wolle. Das ganze Programm. Sein berechtigter Hinweis auf ihre eigene, jahrelang vor ihm verheimlichte Teilnahme an diversen Dating-Portalen ging im verbalen Schrapnell-Gewitter unter. Merke: Wer schreit, hat immer recht!

Alexa

Into the dark – ohne Klarnamen

Vor diesem Hintergrund ab sofort nur noch Klarnamen im Netz? Never ever. Überlegt doch mal, wie z.b. ein Menschenfreund wie Markus Pfeffersack sein Lebenswerk unter derart nachteiligen Bedingungen fortführen soll. Hass und Klickzahlen leben wunderbar von Camouflage. Warum das ändern? Ohne Tarnnamen keine Nutzen stiftenden Diskussionen in den Foren. Dabei lechzt die Menschheit nach Lösungen für eine Unzahl von Problemen. Die wir ohne Internet nicht hätten. Wenn aber die “schlauen Köpfe” unter uns nun mal sehr öffentlichkeitsscheu sind?

Wie o.a. Beispiele eindrucksvoll belegen, spielen Klarnamen im täglichen Leben überhaupt keine Rolle mehr. Ausgerechnet in den harmlosen asozialen Medien versuchen sie nun das Rad zurückzudrehen. Überlasst doch bitte den Hass den Selbstheilungskräften digitaler Medien. Dann wird alles gut. Der Raabler verabschiedet sich derweil ins Darknet. Bis die Luft wieder rein ist. He, Raimund, wart’ auf mich!

Störungen im Internet werden in der Regel schnell behoben

“Was man hasst, kann man nicht verstehen.”
(Heinz Hilpert, deutscher Schauspieler und Theaterregisseur, 1890-1967)

Raabler-Blogpost:
Zu doof für diese Welt!

Raabler-Web-Tipp:
Podcast “Brichta & Bell”: Anrüchige Angebote im Darknet

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