Reise

Kopenhagen im Instagram-Modus

Influencerin mit Sonnenbrille

Raabler-Tipp: Falls du die ersten beiden Teile der Ostsee-Radler-Story verpasst haben solltest, macht es Sinn, zunächst einmal auf den nachstehenden Link zu klicken…

Nach Kopenhagen mit dem Rad

Noch eine letzte Bemerkung zum legendären Preis-/Leistungsverhältnis in Kopenhagen: Selbst Fastfood-Hasser wie die Raablers werden zu wahren Fans dieser “Restaurants” – um z.B. nach der bereits skizzierten saftigen Hotelrechnung einem finanziellen Kollaps aus dem Wege zu gehen. So sieht’s aus.

Hippe Instagram-User sehen das übrigens genauso, denn nicht alle von ihnen sind Millionäre und können sich ein Hotelzimmer wie die Raablers leisten. Kleiner Scherz am Rande, hüstel. Also bevölkern sie einzeln, paarweise oder in Gruppen die heiligen Hallen amerikanischer Lebens- und Esskultur. Vorteil der Geschichte: Man fühlt sich wie in einem Jungbrunnen. Nachteil der Geschichte: Genau deshalb kommt man sich plötzlich verdammt alt vor. Wo doch normalerweise immer nur die anderen alt aussehen…

Radwanderwege

Wie kommt der Raabler eigentlich auf die Idee, dass Kopenhagen von Vertretern aus dem Hause Instagram geflutet wird? Haben sie bestimmte Klamotten an? Sprechen sie eine eigene Sprache? Umstellen sie jede noch so kleine Sehenswürdigkeit derart, dass der “normale” Tourist keine Chance auf einen Schnappschuss für sein Fotoalbum hat? Würden sie einen in der Fußgängerzone vor lauter Selfie-Wahn regelmäßig über den Haufen rennen, wenn man selber nicht darauf acht geben würde, dass genau das nicht passiert? Bekommt man den Eindruck, dass diese Smartphone-Junkies erst zuhause beim Scrollen auf ihrem Instagram-Account realisieren, wo sie die letzten Tage verbracht haben? Würde man ihnen zutrauen, für einen wieder frisch aufgeladenen Akku ganz schlimme Sachen zu tun? Oh, ja! Oder zumindest so ähnlich…

Instagram als globaler Gleichmacher

Instagram ist ein Global Gleichmacher. Und niemand scheint sich daran zu stören. Die ewig gleichen Posen, die ewig gleiche Klamotten- und Sonnenbrillenmode, die ewig gleichen Smartphone-Modelle, die ewig gleichen coolen Gesichtsausdrücke. Bloß keine Emotionen zeigen. Emotionen wie ein befreites Lachen sind nicht angesagt. Emotionen stehen für Schwäche. Cool sein und arrogant gucken bedeuten Distanz und Stärke. Man hat die Situation im Griff. Welche Situation? Man ist schließlich wer und hat Unmengen von Followern. Die müssen bedient werden. Nein, die jungen Menschen haben sich und Instagram. Das reicht vollkommen aus. Sie brauchen keinen Psychiater.

Influencerin in Nahaufnahme
Cool: So könnte eine Influencerin aussehen. Man weiß einfach nicht, was sie gerade denkt und fühlt. Falls sie überhaupt denkt und…

Ein Glück. Man stelle sich nur mal vor, dass die meisten Social-Media-Kinder reif für ein Erstgespräch wären. Das würde das Chaos in der traditionell unterbesetzten deutschen Psychiatrielandschaft nur noch weiter verschärfen. Und das wollen wir doch alle nicht, oder? Eben. Drum lassen wir ihnen doch einfach den Stress…äh…Spaß. Die ältere Generation muss auch mal gönnen können. Für die hieß es früher nämlich “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen”. Für die Millennials und anschließenden Generationen XYZ heißt es heute dagegen “Erst das Vergnügen, dann die prekären Arbeitsverhältnisse (trotz oder wegen Studium). Und als Sahnehäubchen obendrauf den Klimawandel. Ist gut, der Raabler hört ja schon auf…

Merkst du was? Der Raabler ist so dermaßen von den vor allem weiblichen Influencer-Girlies geflasht, dass er über Kopenhagen selbst und seine unzähligen Sehenswürdigkeiten bis hierhin so gut wie nix erzählt hat. Clickbait? Irreführung der treuen Leserschaft? Mitnichten! Die Raablers konnten (wie oben beschrieben) vor lauter Wannabies nicht nahe genug an die unzähligen Highlights herankommen. Es wird an dieser Stelle gerne an die offizielle Homepage der dänischen Hauptstadt verwiesen. Da gibt es dann jede Menge influencer-befreite Bilder zu bestaunen.

Clickbait

Oder für den alternativen Faktencheck: einfach mal die 25,4 Millionen Schnappschüsse über Kopenhagen bei Instagram durchforsten. Im Tag- und Nachtbetrieb sowie dem unvermeidlichen aber angesagten Scannermodus dürfte man damit ca. 12 Monate beschäftigt sein. Wer sich danach reif für eine Anamnese fühlt, sollte sich vertrauensvoll an den kassenärztlichen Notdienst wenden. Die haben mittlerweile für Social-Media-Geschädigte eine bundesweit einheitliche Spezialtruppe am Laufen. Aus aktuellem Anlass sind diese Experten zur Zeit leider übermäßig von prominenten Politikern der ehemaligen Volksparteien in Anspruch genommen. Geduld ist somit angesagt.

Radfahrer in Kopenhagen
Ein Schlaraffenland für Radfahrer: Autofahrer in Kopenhagen nehmen Rücksicht auf die Pedalritter. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig…

Zum Schluss: Blogs sollen den Lesern einen Mehrwert bieten. Hier kommt er, der (eine) Mehrwert: Wer’s noch nicht wusste, in Kopenhagen lässt sich prima Fahrradfahren. So, Leute, das muss reichen für heute!

Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.”
(Marie von Ebner-Eschenbach, mährisch-österreichische Schriftstellerin, 1830-1916)

Raabler-Blogpost:
Radwanderwege: Schilderwahnsinn mit System

Raabler-Web-Tipp:
Kann Hamburg Fahrradstadt?