Und sonst so?

Krankenhauskeime: Totentanz on the floor

Krankenhauskeime

Deutschlands Krankenhäuser haben aktuell mit einem “Imageproblem” zu kämpfen. Weil Ärzte und Pflegepersonal wenig Bock auf mega-anstrengendes und mega-zeitraubendes Desinfizieren ihrer Hände verspüren, sterben jährlich mindestens 15.000 Menschen durch multiresistente Krankenhauskeime. Andere seriöse Schätzungen gehen unwidersprochen von jährlich 30.000 bis 40.000 Todesfällen aus. 15.000 oder das Doppelte oder das Dreifache? Wen kümmert’s? Ein im Gesundheitswesen zurecht beklagenswert hoher administrativer Aufwand – kombiniert mit der weltberühmten allgemeinen deutschen Gründlichkeit – kann schon mal zu minimalen statistischen Abweichungen in der beschriebenen Größenordnung führen.

Was soll’s, es sind ja nur Zahlen. Hinter denen Menschen stehen, verdammt! Ach, so? Aber, gemach, meistens trifft es doch ohnehin bloß die Wehrlosen, d.h. Kinder, Schwangere und Rentner. Die richtig Gesunden haben mit der ganzen Problematik zum Glück nichts bis wenig zu tun – bis sie ins Krankenhaus kommen. Hm, mal eben kurz überlegt und die auseinander klaffende Statistik nüchtern analysiert: Das wären nach Eva Riese im “besten” Fall 42, im schlechtesten Fall 111 Tote. Pro Tag. Im Krankenhaus. Einem Ort, den Menschen aufsuchen, um wieder auf die Beine statt in die Urne zu kommen.

Krankenhauskeime lieben Wohlfühlklima

Der Raabler reibt sich seine kleinen Äuglein und fragt sich verwundert, wie man im Falle Zehntausender Toter im Gesundheitsbetrieb einer der reichsten und modernsten Industriegesellschaften von einem “Imageproblem” sprechen kann. Stellen wir uns nur mal vor, die deutsche Lufthansa stünde vor einem ähnlich gelagerten “Imageproblem”. Jährlich 15.000 Tote durch Flugzeugabstürze lägen demnach im Rahmen des Erwartbaren. Ab 30.000 Toten spräche man in der Vorstandsetage von “nicht hinnehmbaren Zuständen”, die es “abzustellen gelte”. Durch mehr Händewaschen? Man wird doch wohl mal fragen dürfen, oder?

Multiresistente Erreger im Krankenhaus
Immer wieder hübsch anzusehen, wenn multiresistente Erreger gegen das körpereigene Immunsystem des Menschen kämpfen. Preisfrage: Welche Farbe signalisiert Gefahr?

Besser nicht. Denn während die Kranich-Linie in diesem Szenario – konfrontiert mit Milliardenforderungen der Hinterbliebenen – umgehend den Weg in die Insolvenz anzutreten hätte, dürfen die Krankenhäuser ungeniert noch ein wenig weiterüben. Es gibt für das Klinikpersonal Seminare, Schulungen und Bildungsurlaub zum Thema Basishygiene. Und es gibt z.B. die “Aktion Saubere Hände”. Eine echt saubere Idee. Krankenhausmitarbeiter werden hier noch einmal gezielt mittels Gruppenarbeit und Atem-Meditation über den Sinn und Zweck des gründlichen Händewaschens gegen Krankenhauskeime aufgeklärt.

Aus “Krankenhaus” wird “krankes Haus”

Was scheinbar nötiger denn je ist. Einer anonymen Raabler-Umfrage zufolge, wäscht sich lediglich jeder Dritte nach dem häuslichen Toilettengang die Hände. Der Gang auf die Arbeitsplatz-Toilette wird nur noch von ca. 20% mit Handhygiene finalisiert. Unter 20% beträgt die Quote dagegen auf öffentlichen Toiletten in Restaurants, Kneipen, Bars, Zügen, S-Bahnen, Flughäfen und im Flieger selber. Hauptsache die Haare schön und der Lidschatten verführerisch. Wie soll man da plötzlich als Mitarbeiter eines Krankenhauses den Schalter umlegen können? Die Frage einfach mal unkommentiert im Raume schweben lassen…in einem kranken Haus.

Corona-Formel

Zum Glück warnen renommierte Fachärzte vor Panikmache und nebeln die völlig verunsicherte Allgemeinheit über kaum vorhandene, dafür aber multiresistente Keime in deutschen Kliniken mit diffusen Vergleichen ein. Von jährlich ca. 19 Millionen Krankenhauspatienten fängt sich eine “kleine Gruppe” von 500.000 Personen eine Infektion. 70% davon tragen die Krankheitserreger schon in sich. Da kann man natürlich nichts machen. Typische Eigenversorger eben. “Nur” 30% dieser Infektionen sind vermeidbar, d.h. durch – in der Mehrzahl – multiresistente Keime von außen herangetragen.

Unser täglich “Brennpunkt” gib uns heute

In der Jägersprache würde man von “andienen” sprechen. Hört sich nach Dienstleistung und somit gleich viel freundlicher an. Angedient durch wen oder was? Genau, mangelnde Handhygiene. Stundenlange, hochkomplizierte und in der Regel erfolgreich verlaufende Operationen in den entlegendsten Winkeln menschlicher Innereien sind für gestandene Professoren heutzutage, selbst unter gelegentlichem Drogen- Alkohol- und Tabletteneinfluss, überhaupt kein Problem mehr. Wenn nur dieses mördermäßig hochkomplizierte und zeitaufwändige Desinfizieren der wertvollen Händchen zwischendurch nicht immer wäre. Puuuh…

Handhygiene
Na, also, geht doch! Einerseits total lästig, andererseits total lebensrettent. Immer mehr Mitarbeiter in den deutschen Krankenhäusern machen das, worauf sie anderswo schon lange keinen Wert mehr legen: Hände waschen.

Aber, halt, die Patienten sind dem bunten Treiben in den Hospitälern nicht schutzlos ausgeliefert. Beherzigen sollte man die nachfolgenden…

…10 praxisnahen Profi-Empfehlungen:

01. Vor dem Klinikaufenhalt informieren, wachsam sein und nachfragen.
02. Klinik mit Fachabteilung für Hygiene präferieren und erkunden, ob…
03. …dort regelmäßige mikrobiologische Überprüfungen stattfinden.
04. Niemals vor einer OP zuhause die betroffenen Stellen selbst rasieren.
05. Katheter nach der OP nicht länger als unbedingt nötig anlegen lassen.
06. Darauf achten, ob Ärzte und Pflegepersonal ihre Hände desinfizieren.
07. Das Personal sollte z.B. keine Eheringe oder Armbanduhren tragen.
08. Der Bereich der Unterarme sollte bei ihnen unbedeckt sein.
09. Im Zweifel bzw. bei Verdacht ggf. immer darauf ansprechen.
Ach, ja…und…
10. Bei aller Nörgelei niemals dem Chefarzt mit der berechtigten Fragestunde auf den berühmten Geist gehen. Er könnte sonst temporär die Lust an seinem Job verlieren. Was im Vorfeld einer anstehenden OP evtl. sogar schlimmere Konsequenzen zur Folge haben könnte, als diese lächerlichen Krankenhauskeime. Verstehste? Gut…

Um dem brisanten Thema aus der unverdienten Nische zu helfen, schlägt der Raabler der öffentlich-rechtlichen Intendanz im Wechsel einen täglichen “ARD-Brennpunkt” und “ZDF spezial” vor. Die deutschen Krankenhäuser hätten sich eine derartige Aufmerksamkeit redlich verdient. So eine Bilanz kommt nicht über Nacht. Dahinter stecken Jahrzehnte der Ignoranz, der Verschleierung, der Verantwortungslosigkeit und der puren Lust an der Schlamperei. Und jetzt fehlt nur noch, wenn jemand sagt: “In Ruanda sieht’s noch viel schlimmer aus!”

A380 vor dem Aus? Moment, der Raabler hätte da eine Vision...

Genau solche Einwände sind berechtigt, nützlich und zielführend. Aber vielleicht hat Ruanda relativ gesehen sogar weniger Tote durch Krankenhauskeime zu beklagen als Deutschland? Wer weiß? Man müsste dort mal in die statistischen Auswertungen…ach, gibt’s da auch nicht so richtig? Schade!

“Mit all der Mühe, mit der wir manche unserer Fehler verbergen, könnten wir sie uns leicht abgewöhnen.”
(Michelangelo Antonioni, italienischer Filmregisseur, 1912-2007)

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