Reise

La Palma: Was erlauben Isla Bonita?

„Emma“ sei Dank: Eine der schönsten Inseln der Welt im Zickenmodus

La Palma im Sturm

Und hier das Deutschlandwetter für den März 2019: Ein Sturmtief jagt das nächste. Sonne, Regen, Hagel und Schnee wechseln im Sekundentakt. Hm, an was erinnert sich der Raabler im Angesichte dieser wenig erfreulichen Aussichten? Ach, siehste, es war der ziemlich verrückte Urlaub vor exakt einem Jahr auf der schönsten Insel der Kanaren. Du erfährst unter anderem, wie 105 Frauen es in der obligatorischen Reiseflughöhe von 10.000 Meter schafften, ihre Männer in Nullkommanix von der überlebenswichtigen Notwendigkeit eines Smartphone-Telefonats zu überzeugen. Und zwar simultan! Du stocherst im Nebel? Dann lies den nachfolgenden Reisebericht und lach’ dich schlapp – denn du warst ja nicht dabei, du Glückspilz!

Was hatten sich der Raabler und seine beste Lebensgefährtin von allen auf diesen Urlaub im Februar/März 2018 gefreut. Zwei Wochen bei bestem Wetter und angenehmsten Temperaturen im atlantischen Wanderparadies namens La Palma verbringen. Zwei Wochen die Seele baumeln lassen und dem wie aus dem Nichts wieder erstarkten Winter gepflegt in den Arsch treten. So, nimm’ das, Deutschland! Du kommst auch ohne uns klar! Wir sind dann mal wech!

„Wech“ haben sie sich auch gewünscht, als sie auf der grünen Insel landeten. Oder wären sie  schon in der Luft ganz gerne wieder umgekehrt? Der Raabler weiß es nicht mehr so genau. Aber er versucht sich an die wichtigsten Details zu erinnern, denn sie sind in jedem Fall der Erinnerung wert. Chronologisch der Reihe nach, wie es sich gehört.

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Was erlauben Winter in Deutschland?

Am 27. Februar sollte die Condor-Maschine vom Flughafen Hannover-Langenhagen in Richtung La Palma starten. Mit dem Rail & Fly-Ticket von Buxtehude aus kein Problem. Problem war nur der bereits erwähnte plötzlich auftretende Wintereinbruch nach zuvor beinahe schon frühlingshaft anmutenden Wetterphasen. Wintereinbruch im Februar! Was soll das denn jetzt? Absolut ungewöhnlich, der Jahreszeit unangemessen und schockierend! Schockierend vor allem deshalb, weil jeder Anhänger des ÖPVN weiß, welche Mut- und Geduldsproben nun unbarmherzig auf ihn zukommen. Nix Urlaub sondern Chaos von Anfang an. Ihr kennt das ja.

Es galt am Vorabend der Reise in alle Richtungen zu überlegen, wie man es vermeiden könnte, den morgendlichen Flug ab Hannover zu verpassen. Und wie könnte man ihn verpassen? Nun, ganz einfach, indem man sich blind auf die solide, absolut zuverlässige und zukunftsorientierte Deutsche Bahn verlässt, diese aber in letzter Minute den Verkehr wegen ungewöhnlichen Schneefalls und gefrierender Nässe aus Sicherheitsgründen flächendeckend einstellt.

Was erlauben Deutsche Bahn?

Das wäre ein denkbares und angesichts der stets wiederkehrenden logistischen Katastrophen des staatseigenen Personen-Beförderers gar nicht mal so unwahrscheinliches Szenario. Wie dem aus dem Weg gehen, damit die traditionell unruhige Nacht vor einem Abflug nach La Palma nicht noch unruhiger wird? Schlau, wie die Raablers nun mal von Natur aus sind, entschloss man sich, bereits am Vorabend nach Hannover zu reisen und sich ein hübsches Hotelzimmer zu gönnen. Am nächsten Morgen von Hannover-Zentrum zum Flughafen zu gelangen hielten sie für ein im 21. Jahrhundert überschaubares Rest-Risiko.

Im Ruhewagen der Deutschen Bahn AG

Die Rest-Risikobereitschaft wurde belohnt. Nach einer angenehmen Nacht im sympathischen Hotel Alpha (Nein, das ist kein gesponserter Link!) mit einem exzellenten Frühstücksbuffet am frühen Morgen machten sich die Erholungssuchenden auf den Weg zum Abflughafen. Am Rande sei erwähnt, dass die S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Flughafen durchaus noch von dem einen oder anderen weiteren Urlauber frequentiert wurde. Die Abfahrt verzögerte sich? Why not? Zumindest konnte der Einsatz von Pushern, wie man sie von den legendären Bildern aus dem tokiotischen Untergrund her kennt, gerade noch abgewendet werden.

Na, schön, dafür war die Luft im Abteil nach einer längeren Weile des Zuwartens zum Schneiden. Dezente Gerüche wie in einem Schimpansengehege des Loro-Parks ummantelten die angespannte Stille. Das hatte zwar auch etwas mit den Kanaren zu tun, vermochte jedoch nicht im entferntesten, so etwas wie Vorfreude aufkommen zu lassen. Es wurde mehr gestanden als gesessen. Koffer ohne ABS emanzipierten sich von ihren Besitzern und rollten unkontrolliert durch die Gegend. Wie kommen Koffer ins Rollen, wenn kein Platz zum Rollen vorhanden ist? Das muss der Raabler bei Gelegenheit noch mal googeln. Die Abfahrt der Flughafen-S-Bahn verzögerte sich letztlich um 20 Minuten. 20 Minuten mehr oder weniger im Schimpansenkäfig – was soll’s!

Dafür schob Condor-Flug 1494 samt Crew und 210 Urlaubern pünktlich seine Nase in den Himmel. Donnerwetter, wir fliegen, wie einfach das doch geht im Vergleich zu Bahn fahren. Muss an der primitiven Antriebs- und Versorgungstechnologie liegen. Züge, das weiß jedes Kind, sind bis unters Dach vollgestopft mit Knowhow aus der Raumfahrt. Das funktioniert bestens im All. Aber unter Erdbedingungen, mit Luft, Nässe, Nebel, Schnee und Schimpansen an Bord? Ein abenteuerliches Unterfangen. Umso erstaunlicher das unschlagbare Preis-Leistungsverhältnis mit dem die Deutsche Bahn unterwegs ist. Hut ab!

Über den Wolken

Was erlauben Chef-Stewart von Condor?

Ebenfalls „Hut ab!“ vor den Durchsagen des Chef-Stewarts des A-321. Der Raabler weiß nicht, welche Substanzen ihm die freundlichen Condor-Kolleginnen in den Morgentee gemischt haben mögen. Man war geneigt zu fragen, ob das Zeug apothekenpflichtig oder frei erhältlich ist. Ein Kalauer folgte dem nächsten, die Passagiere schauten sich ungläubig an. „Nightwash“ über den Wolken? Oder wo steckt dieser dauergrinsende Guido Cantz? Irgendwo muss er doch sein. Hier ein kleine Kostprobe:

Noch am Boden kam von ihm die Frage:
„Ist hier noch jemand an Bord, der eigentlich nach La Palma möchte? Bitte sofort melden. Vielen Dank!“ (In der allgemeinen Panik, die sich ausbreitete, konnte der Raabler leider nicht die Anzahl derjenigen Fluggäste ermitteln, die unter Schock stehend sich die Köpfe beim hektischen Aufreißen der Gepäckablagefächer stießen)

Und es ging während des Fluges munter weiter:
„Meine freundlichen Kolleginnen werden in wenigen Minuten jeden Einzelnen von Ihnen an seinem Platz aufsuchen. Und wehe es ist jemand dabei, der keines unserer unschlagbaren Angebote aus unseren Condor-Bordshop haben möchte. Das wird Konsequenzen haben, meine Damen und Herren! Ich empfehle Ihnen beispielsweise den Erwerb unserer unverfälscht reinen Tabakwaren. Zu diesen außerordentlich günstigen Konditionen erhalten Sie von den Dealern auf dem freien Markt lediglich gestreckte, unsaubere Qualität. Wenn Sie sich schon dafür entschieden haben, vorzeitig aus dem Leben zu gehen, dann doch wenigstens stilvollendet mit echter Markenware aus dem Hause Condor. Ist das ein Angebot?“

Wer kann einer attraktiven Stewardess mit ebensolchen Sonderangeboten schon widerstehen?

„Des weiteren empfehle ich Ihnen unsere exquisite Auswahl erlesener Düfte aus aller Welt zu unschlagbaren Condor-Duty-Free-Preisen. Da wäre z.B. für die Herren das „Happy For Men Cologne Spray“ aus dem Hause „CLINIQUE“ zum Preis von jetzt und heute nur 29 Euro statt 290 Euro Ladenpreis. Oder noch besser für die Dame das „Black Opium Floral Shock Eau De Parfum“ aus dem Hause „YVES SAINT LAURANT“ zum Knallerpreis von nur heute 64 Euro statt des Listenpreises in Höhe von 640 Euro. Ist das nichts, meine sehr verehrten Damen und Herren? Und glauben Sie mir, es gibt keinen besseren Ort als Ihre Lieblingsinsel La Palma, um diese Düfte auszuprobieren, dort kennt Sie schließlich keiner. Na, wenn das kein Argument ist, meine Damen und Herren? Sehen Sie, ich dachte es mir.“

Nach etwas über 4 Stunden erfolgte der ersehnte Landeanflug auf La Palma. Begleitet mit den Worten: „Sehr verehrte Fluggäste, unser Flugkapitän S. Hat nun fast 5 Stunden gebraucht, um diese unscheinbare, kleine Insel auf seinen Radar zu bekommen. Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass wir trotz seines Blindflugs pünktlich auf der Isla Bonita landen werden und möchten Sie bitten sich anzuschnallen. Vielen Dank!“

Die letzte lustige Durchsage kam, nachdem der Raabler mit seiner besten Lebensgefährtin von allen den schlimmsten Landeanflug in ihrem bisherigen Leben über sich ergehen lassen mussten. „Sehr verehrtes Publikum, für solch’ ein Abenteuer müssten Sie im Heidepark Soltau eine Riesenstange Geld ausgeben um auch nur im Entferntesten einen solchen Thrill zu erleben. Der Unterschied ist nur: Im Heidepark wissen Sie, dass es gut ausgeht. Aber auch dieses Manöver war im Preis mit drin. Sie sehen, wir bei Condor haben gegenüber unseren Gästen stets eine großzügige Ader.“

So oder so ungefähr lässt sich die Flugroute nach dem abgebrochenen Landeanflug auf den Flughafen von La Palma skizzieren. Urlaub von Anfang an…

Was erlauben Scherwinde auf La Palma?

Was war geschehen? Die Vorbereitungen zur Landung in Santa Cruz de La Palma liefen routinemäßig ab. Passagiere als auch Crewmitglieder angeschnallt. Landeklappen in Position. Hübscher Druck auf den Ohren. Das Meer zum Eintauchen, Berge und Häuser zum Anfassen nahe. Die beunruhigend kurze Landebahn im Blick. Alle freuten sich auf den eigentlichen Beginn ihres Urlaubs. Plötzlich fängt es an zu rütteln. Mehrere Luftlöcher nacheinander. Der Flieger kommt nicht in Balance, hat Schräglage, mal nach links, mal nach rechts. Verschiedene Geräusche, als wenn der Pilot Gas gibt und dann wieder vom Gas geht. Orkanartige Winde scheinen von überall her zu kommen, von links, rechts, oben und unten. Menschen und Maschine ächzen synchron. Der Raabler ächzt und zittert aus Solidarität mit. Nur die beste Lebensgefährtin von allen hat keinerlei Anzeichen von Feuchtigkeit in Händen und Gesicht. Coole Socke.

Was erlauben Fuerteventura?

Nix Schubumkehr: Wie auf einer Achterbahn kommt die befreiende Beschleunigung. Flugkapitän S. gibt Stoff und katapultiert sich und die verängstigten Fluggäste aus diesem (gefühlt) lebensbedrohlichen Szenario. Lieb gemeinte Ratschläge aus dem Tower sowie die zum Glück unbestechliche Bordautomatik mahnen zum unverzüglichen Abbruch des Landeanflugs. Durchstarten lautet das Gebot der Sekunde. Braver Pilot, braves Flugzeug. Habt ihr gut gemacht! Nur wohin geht jetzt die Reise? Auf eine Wiederholung hätte sicherlich keiner der Passagiere große Lust verspürt.

Rentner an einem kanarischen Strand

Wiederholungen gefallen nicht. Also ein neuer Landeversuch. Nicht auf La Plama, sondern alternativ nun auf Fuerteventura. Chef-Stewart:“ Keine Angst, wir werden Ihnen selbstverständlich nicht die Kosten des zusätzlichen Inselhoppings in Rechnung stellen.“ Auf Fuerte sollen die Windverhältnisse akzeptabel sein, so die Mut machende Durchsage des Flugkapitäns. Wunderbar der grandiose Blick auf den majestätischen Teide. Gran Canaria von oben, immerhin. Auf halber Strecke zwischen Gran Canaria und Fuerteventura die neue Order von den verantwortlichen Fluglotsen: Kehrt um, Marsch, Marsch! Fuerteventura hat auch grad Wind, also besser zurück nach Teneriffa. Jetzt aber endgültig. Oder?

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Raabler-Blogpost:
La Isla Bonita oder: Urlaubsindustrie dank “Emma” am Limit

Flughafen auf Teneriffa