Und sonst so?

Lidl lohnt nicht!

Lidl

Jedenfalls nicht die Teilnahme an der vermutlich größten Gewinnspiel-Verarsche in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Unter dem humorvollen Motto “Kack’ auf das Glücks-Ei!” lockt das Unternehmen mit traumhaften Versprechungen. In einem knapp sechswöchigen Zeitraum (29.02. bis 11.04.2020) werden über 17 Milliarden Sofortgewinne mit einem Gesamtwert von über 2,4 Milliarden Euro ausgelobt. Oder sind es Millionen? Scheißegal! Klingt auf jeden Fall von den Relationen her äußerst logisch. Jetzt nur schnell das Resthirn deaktivieren und los geht’s zur Lidl-Erlebnis-Einkaufswelt.

Bei den Quoten liegen die Preise ja förmlich auf dem Scanner-Band. Wie hieß noch mal diese Show damals mit Rudi Carrell? Egal. Ach, ja, “Am “Laufenden Band”. Das waren noch ehrliche Zeiten. Was muss der gewöhnliche Lidl-Trottel heute also tun, um sich seine Preise abzuholen? Ganz einfach: Am besten während des Aktionszeitraumes die Wochentage meiden und stattdessen nur an den spärlich frequentierten Samstagen einkaufen gehen.

Lidl macht die Menschen froh

Glück am Meer

Hast du Waren im Werte von mindestens 20 Euro im Einkaufswagen, steckt dir die freundliche Verkäuferin an der Kasse diskret ein drittes Glücks-Ei in deine verbeulte Hosentasche. Wenn du Glück hast. Manche tun nämlich so, als wüssten sie von der ganzen Aktion überhaupt nichts. Weil mittlerweile ganz Deutschland drüber lacht. Oder sich gewaltig drüber aufregt. Oder beides. Wie konnte es dazu kommen?

Das kann sich Lidl auch nicht erklären. Die Verantwortlichen für die größte Gewinnspiel-Verarsche in der deutschen Nachkriegsgeschichte – der Raabler wiederholt sich gerne – wurden augenscheinlich von der gewaltigen Teilnehmerzahl förmlich erdrückt. Völlig unerwartet schwappte ein Anmelde-Tsunami im 24/7-Modus über die armen Lidl-Server hinweg und sorgte für Datenstaus, Stromausfälle und unzählige Wutausbrüche bei den armen IT-Technikern.

“Bist du zu blöd, bist du zu blöd!”

Kein Zweifel, hier wurden von Beginn bis zum Ende der Image bildenden Kampagne wahre Profis ans Werk gelassen. Anders lässt sich das Chaos nicht erklären. Bis zu acht Tage mussten vergehen, ehe es den hoffnungsvoll gestimmten Lidl-Kunden überhaupt möglich war, auf der extra eingerichteten “Lidl-Kack-Ei”-Homepage den freigerubbelten Zahlen- und Buchstabensalat einzugeben. Absolut rekordverdächtig!

Vorsicht: Hass kann doof machen.

Geduld und Gemüt der Mitspieler werden auf eine harte Probe gestellt, wenn selbst nach dem 25igsten Fehlversuch stets der gleiche Entschuldigungstext aufpoppt: “Uppps, du bist wahrscheinlich zu blöd, die Pflichtfelder korrekt auszufüllen. Versuche es ein weiteres Mal, du Trottel! Wir drücken dir die Daumen!” Klappt es aus unerfindlichen Gründen doch mal mit der Code-Eingabe, so fordert das Lidl-System vom Glücksspiel-Teilnehmer als nächsten Schritt die Lösung einer komplizierten Rechenaufgabe innerhalb eines Zeitkorridors von 7/8 Sekunden.

12 – 4 = ??????

Verpasst man die Eingabe der Lösung innerhalb der zuvor natürlich nirgendwo kommunizierten Zeitspanne, so werden alle mühsam eingegebenen Daten vorschriftsmäßig gelöscht. Die Prozedur kann von vorne beginnen. Das übt ungemein und der Nutzer entwickelt eine gewisse Routine. Fortgeschrittene und echte Glückspilze in diesem perversen Spiel berichten darüber, was nach Bewältigung der o.a. Hürden passiert.

Gehört man zu den wenigen Auserwählten, die es innerhalb von eineinhalb Wochen tatsächlich schaffen, ihren persönlichen “Kack-Ei”-Code ohne Lidl-interne Widerworte und Systemabbrüche einzugeben, so lauert die nächste Überraschung. Zwei bildschirmfüllende, vibrierende Glücks-Eier machen den User aber so richtig wuschig. Nein, es ertönt nun nicht die Stimme von Woody Allen aus dem “Stadtneurotiker”. Lidl fordert vom Glücksjäger lediglich eine Entscheidung für den nächsten wichtigen Step.

Frau mit Depression

Lidl lohnt sich doch!

Der Raabler klickte beispielsweise intuitiv auf das linke Ei. Damit endlich Ruhe ist. Und was passierte? Natürlich nichts. Auch nach 10 Minuten schaukelten beide Eier voller Elan vor sich hin. Was für ein erhabener Anblick. Da hilft nur noch Abbruch. Device runterfahren und den Spuk schnell vergessen. Sorry, Lidl, der potentieller Gewinner eines Elektroautos, einer Mega-Kreuzfahrt, eines UHD-Fernsehers, eines NC-Kopfhörers und natürlich der sichere Absahner eines Traumhauses (ohne Grundstück) verabschiedet sich mit leerem Blick.

Nach drei Tagen liegt unverhofft eine Nachricht von Lidl im E-Mail-Postfach. Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Der Raabler hat tatsächlich einen der Hauptpreise ergattert:

Lieber Super-Trottel!
Mit deinem Glückscode hast Du beim Lidl-Gewinnspiel gewonnen. Anbei senden wir dir deinen Rabattcode zu, den du unter XYZ/lidl-kack-ei nach erfolgreicher Kontoerstellung einlösen kannst. Toi, toi, toi! Du erhältst ein sensationelles 8-wöchiges kostenloses Abo, mit dem du über 4,7 Trilliarden Magazine bei “XYZ” lesen kannst. Jeder Nutzer, der das Angebot über den o.g. Link bucht, nimmt automatisch am “XYZ”-Tablet-Gewinnspiel teil. Das Angebot kann einmalig pro Nutzer ohne aktives “XYZ”-Abonnement vom 28.02.2020 bis zum 31.10.2020 eingelöst werden und ist nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Anschließend fallen Kosten i.H.v. 999 Euro pro Monat an, jederzeit kündbar. Du Glückspilz!!

Dein Gutschein-Code lautet: Verdammtescheissewiekannmannursobloedsein2020
Wir wünschen dir viel Freude mit deinem Gewinn!
Viele Grüße
Dein Lidl-Gewinnspiel-Team!

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Der Raabler sagt aufrichtig: “Danke, Lidl!”

“Wer möchte nicht lieber durch Glück dümmer als durch Schaden klug werden?”
(Salvador Dali, spanischer Maler, Schriftsteller und Bildhauer, 1904-1989)

Raabler-Blogpost:
Wo das Glück wohnt

Raabler-Web-Tipp:
Billig hat seinen Preis

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