Reise

Mallorca: Eldorado für Langfinger

Die Klau-Mafia auf des Deutschen liebsten Insel

Urlauber im Stress: Kriminalität auf Mallorca

Die nachfolgende Realsatire berichtet über die krassen Tricks der Abzocker-Banden auf Mallorca, der Lieblingsinsel der Deutschen. Einer muss es ja tun – schon alleine um künftige Erholungssuchende zu warnen.

Bevor der Raabler an dieser Stelle über unangenehme aber leider wahre Begebenheiten während seines letzten Mallorca-Urlaubs plaudert, möchte er vorab darauf hinweisen, dass seine Lebensgefährtin und er die mit Abstand besten Tage seit langem auf dieser wunderschönen Insel im Mittelmeer verbrachten. Aber wo warmes Licht Landschaft und Seele erhellt, da gesellt sich auch gerne ein wenig Schatten hinzu.

Wenn der nachfolgende Beitrag dazu dienen kann, auch nur einem einzigen Urlauber auf seiner Trauminsel mächtig großen Ärger, Geld- und Vertrauensverlust mit allen Facetten zu ersparen, dann hätte er seinen Sinn erfüllt.

Tumulte beim Boarding

Tatort: Tramuntana-Gebirge

Raabler Rolfn und die beste Lebensgefährtin von allen befuhren die MA-10 im Tramuntana-Gebirge und hielten spontan an einem der vielen Miradores (Aussichtspunkte) um mit Schnappschüssen die SD-Karten der Digis zu befüllen. Die der spektakulär herabhängenden Felswand abgetrotzte Parkbucht bot ca. sechs Autos Platz. Man war froh, eine der begehrten Abstellflächen zu ergattern, denn mit Wendemanövern sollte man sich gerade als Mietwagenbesitzer mit Kasko-Selbstbeteiligung in jenen gebirgigen Regionen weder gedanklich noch praktisch beschäftigen.

In Anbetracht der Kürze des bevorstehenden Foto-Shootings sowie der beruhigenden Tatsache das Auto nicht allein zurückzulassen, sondern im Gegenteil von lauter ankommenden und wieder wegfahrenden Gleichgesinnten umgeben zu wissen, verzichteten die beiden auf die sonst übliche Mitnahme der Rucksäcke. Selbstverständlich war das Auto abgeschlossen. Welch’ Fehleinschätzung aus diesen Begleitumständen ein Sicherheitsgefühl abzuleiten.

Cooles Internet: Erst downloaden, dann klauen!

Klar, dass in diesen ca. acht Minuten Abwesenheit vom verschlossenen Auto der Diebstahl zum Vollzug kam. Wie später auf dem Deutschen Konsulat in Palma de Mallorca von einer weiteren „Opferfamilie“ zu erfahren war, gibt es im Internet die Möglichkeit per Download gewisser Software einfache Fernbedienungen für bestimmte Fahrzeugtypen „nachzubasteln“ bzw. anderweitig zu manipulieren oder außer Kraft zu setzen. Diese Methode kam augenscheinlich zur Anwendung.

Kriminalität auf Mallorca
Wie geil ist das denn? Excellente Arbeitsbedingungen für kriminelle Banden, die nahezu unbehelligt ihren Aktivitäten nachgehen können. Die Tourismusbranche deckt den Mantel des Schweigens darüber. Illustration: Felix Gröger

Als man zum Auto zurückkehrte, bemerkte keiner von beiden etwas Ungewöhnliches. Alles war an Ort und Stelle. Erst beim nächsten Halt an einer anderen Parkbucht und einer eher routinemäßigen Kontrolle der im Rucksack befindlichen Wertsachen, bemerkte der Raabler die Abwesenheit seiner Geldbörse. Die konnte er jedoch – das war seine erste logische Reaktion – eigentlich nur beim Einkauf in einem Supermercado eine Stunde zuvor an der Kasse liegengelassen haben.

Die Verkäufer würden bestimmt schon darauf warten, dass sich der unglückliche Besitzer bei ihnen meldet. Leider waren sie eher überrascht von seiner Rückkehr, versprachen ihm jedoch nach Schilderung seines Anliegens sich auf seinem Handy zu melden – wenn es denn etwas zu melden geben würde. Es gab nichts zu melden, denn nach der Rückkehr in das wunderschöne Finca-Hotel bemerkte auch des Raablers Lebensgefährtin nach einem spontan sich einstellenden Kontrollbedürfnisschub: Auch ihre Geldbörse fehlte.

Die „Versteckte Kamera“ wäre uns lieber gewesen

Den beiden war sofort klar, dass es nur an der eingangs beschriebenen Aussichtsplattform geschehen sein konnte. Nachdem sie sich erst einmal selbst die größten Vorwürfe gemacht hatten, verwandelte sich die Selbstzerfleischung über die eigene Blödheit in nackte Wut gegenüber derartiger unfassbarer Dreistigkeit der Diebe – es müssen natürlich mehrere gewesen sein. Die einen lassen es so aussehen, als wenn sie ihr eigenes Auto besteigen. Die anderen stehen Schmiere und gucken wie lange die Touris am Mirador gucken bzw. Fotos machen. So einfach ist das. Echt cool!

Hielt sich der Verlust an Bargeld noch in erträglichen Grenzen (über die Hausbank wurden umgehend EC- und Kreditkarte gesperrt), so ließ ihnen der Verlust sämtlicher Ausweis- und Identitätspapiere in einem fremden Land die Haare zu Berge stehen. Sie beide waren ja dringend erholungsbedürftig in den Urlaub gefahren und nicht unbedingt erpicht darauf, die begeisternde Effektivität typischer spanischer Polizei- und Verwaltungsbehörden auf Mallorca unter die Lupe zu nehmen. Aber genau das kam nun auf sie zu.

Traumurlaub: Außenkabine auf einem Kreuzfahrtschiff

Die freundliche und engagierte Empfangsdame im Finca-Hotel im Nordosten von Mallorca war angesichts der Schilderungen ihrer Gäste zutiefst bestürzt und beschaffte sofort einen Termin bei der Guardia Civil. Der Diebstahl musste ja zur Abwicklung aller Formalitäten zur Anzeige gebracht werden. Da Raabler Rolfn durchaus über Grundkenntnisse der spanischen Sprache verfügt, fiel ihm bei ihrem Telefonat sogleich auf, dass niemals von „robado“ (gestohlen) sondern stets von „perdido“ (verloren) die Rede war.

Auf sein Nachhaken hin, zwinkerte sie mit den Augen und erklärte, dass es besser für die behördliche „Bearbeitungsatmosphäre“ wäre, wenn man von Verlust und eben nicht von Diebstahl zu berichten hätte. Nach kurzem Nachdenken pflichtete der Raabler ihr instinktiv bei. Das klingt doch auch alles irgendwie „logischer“ im touristischen Spanien.

Schicksalsgemeinschaft am Mirador

Bevor Raabler Rolfn und die beste Lebensgefährtin von allen in die Höhle der Löwen mussten, wollten sie sich noch eine allerletzte Chance bewahren. Sie kehrten mit ihrem Mietwagen zum Tatort zurück und schauten nach, ob nicht irgendwie doch noch ihre Geldbörsen am Hang, unter Schotter oder Gebüschen liegen könnten. Ohne Bargeld – naturalmente – aber vielleicht mit den „tarjetas“, den Ausweispapieren und Bankkarten. Sie waren – naturalmente – nicht die einzigen, die sich an jenem Tag auf die Suche machten.

Schnell bildete sich eine Schicksalsgemeinschaft mit anderen deutschen Urlaubern, die mit dem gleichen gedanklichen Hintergrund besagten Mirador aufsuchten. Zügig wurden die Absuch-Areale eingeteilt. Wenn das immer so reibungslos liefe, bräuchte man in unseren Unternehmen keine teuren Motivations- und Interaktionsanalyse-Seminare zu veranstalten, dachte sich Rolfn. Beiläufig händigte der CEO eines deutschen Multimediahauses seine Visitenkarte aus. Im Gegenzug notierte er sich auf seinem Smartphone die Kontaktdaten vom Raabler. Man weiß ja nie, was man heute oder in den nächsten Tagen noch so finden würde.

Sauftourismus auf den Balearen

Und tatsächlich fand des Raablers Liebste seinen Blutspendeausweis. Ca. 100 Meter vom Tatort entfernt. Hoffnung keimte für einen kurzen Moment auf. Leider blieb es bei diesem kurzen Moment. Entdeckt wurden lediglich noch die Börse einer Berlinerin mit allen möglichen Inhalten – bis auf dinero, claro! Diese wurden als Beweismaterial zur späteren Übergabe im Deutschen Konsulat von Mallorca mitgenommen. Ein Stück weiter die kleine Tasche einer Schweizerin samt EC-Karte der Credit Suisse – mitnehmen für’s Konsulat, claro. Der komplette Satz Dokumente eines Einheimischen, einige Meter von der Leitplanke entfernt, erregte bei den Mitsuchenden nur noch ein beiläufiges Achselzucken.

Nützt nix: Ab zur spanischen Polizei!

Nach mehrmaligem Herumirren erreichten Rolfn und seine Freundin bei prallen Hitzegraden und schweißgebadet die Guardia Civil in Inca. Der junge Mann war wirklich sehr freundlich und verwandelte als erstes traumwandlerisch das unvorsichtigerweise hervor gepresste „robado“ in ein schmusiges „perdido“ (s.o.) um. Der Raabler war ja bereits vorgewarnt und entschuldigte sich reflexartig für seine unzureichenden Sprachkenntnisse.

Guardia Civil auf Mallorca
Der Raabler zusammen mit der besten Lebensgefährtin von allen vor dem Büro der Guardia Civil in Inca auf Mallorca. Illustration: Felix Gröger

Dass der freundliche Polizeibeamte nur die „verlorenen“ Papiere und das „verlegte“ Geld in Auflistung brachte ohne auch nur einmal Erkundigungen danach einzuholen, was den Urlaubern wann und wo passiert ist, ließ Rolfn nur für wenige Augenblicke den Magen vor Wut zusammenkrampfen. Was einzig und allein zählte war, mit diesem „Asunto“-Dokument in der Hand das angenehm klimatisierte Gebäude wieder verlassen zu dürfen. „Gracias“…“De nada“…“Adios“.

Sprachlosigkeit im Deutschen Konsulat von Mallorca

Die Beklauten freuten sich danach unbändig auf die Fahrt am nächsten Tag zum Deutschen Konsulat am „Porto Pi No. 8“ in Mallorcas Hauptstadt – gegenüber dem Fähranleger. Superleicht zu finden, claro. Erleichtert meisterten sie den mit diversen Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten behafteten, aber vor allem gegenüber Ortsunkundigen von hoher Rücksichtnahme geprägten Parcours auf Palmas Straßen. Der unvermittelte Übergang von vier- auf dreispurige Fahrbahnen ließ nur im ersten Moment Tiefenentspannung aufkommen. Aber das ist ein anderes Thema und dürfte ohnehin den meisten Mallorca-Urlaubern bekannt sein.

Wie gesagt, sie freuten sich nun ehrlich darauf, ihrer wichtigsten Ansprechstation im Ausland den Vorfall in allen Einzelheiten zu schildern und auch einmal Luft in Form von Empörung abzulassen. Schnell löste sich das Vorhaben im dritten Stockwerk des Diplomatenbaus in Luft auf und wandelte sich stattdessen in resignative Sprachlosigkeit. Natürlich waren jede Menge weitere „Gäste“ oder „Kunden“ des Konsulats anwesend. Wie am „Tatort Mirador“ war es ein munteres Sich-die-Klinke-in-die-Hand-geben.

In den Urlaub fliegen

Die arme Sachbearbeiterin berichtete den Hilfesuchenden von durchschnittlich 40 (!!) „Fällen“ täglich. Sie hätte leider keine Zeit, sich jede Schicksalsgeschichte im Detail anzuhören, da ansonsten andere Geschädigte nicht mehr rechtzeitig ihre Ersatz-Reisedokumente für den Rückflug erhielten. Auf die Anregung hin, doch zur Vermeidung zukünftiger Raubzüge – denn um nichts anderes dreht es sich hier – Warnhinweise an den neuralgischen Punkten der Insel aufzustellen, erntete der Raabler lediglich ein hilfloses Achselzucken.

Weitere unglaubliche Fakten aus der Dunkelkammer einer weltbekannten Urlaubsmaschinerie, aber auch nützliche Hinweise zur Gefahrenabwehr, warten auf dich beim Klick auf den nachfolgenden Link:

Raabler-Blogpost:
Tatort Mallorca: Verrückte Zahlenspiele