Und sonst so?

Mit Globaltrottel in die Outdoor-Falle

outdoor

Der Raabler fragt dich jetzt mal was: Bereitest du dich auch immer so akribisch vor, wenn du dein gemütliches Zuhause gegen ein fucking dangerous Outdoor-Event eintauschen musst? Du in dein Auto steigst, um dich auf den unberechenbaren Weg zur Arbeit/Uni zu machen? Du zu Fuß oder mit dem Fahrrad bei jedem Mistwetter zum (Bus-)Bahnhof hetzt, um dir ja pünktlich deine optimale Verbindung in die City zu sichern? Du dann mal wieder völlig überraschend und mit einer veritablen Verspätung die Reise mit dem bekloppten Schienenersatzverkehr antreten darfst? Du kennst das nur zu gut? Aber du hattest bisher nie irgendwelche Vorkehrungen getroffen?

Nun, das war aber ganz schön leichtsinnig von dir. Outdoor ist die Welt nämlich nicht ganz so muggelig wie es die großzügig konzipierten Verkaufsräume der Branchengiganten namens Globaltrottel, Jim Schafspelz, Aldidas, Nordisch Hackfress, Töffel und Konsorten vermuten lassen. Hinter der Fassade einer nur auf den ersten Blick gut durchorganisierten Scheinwelt lauert nicht selten das unkontrollierbare Chaos. Was ist denn schon dabei, wenn man sich in einer Warteschlange von weiteren 22.000 Individualtouristen zum finalen Sturm auf den Gipfel des Mount Everest rüstet? Eben…

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Nahtoderfahrungen in der Outdoor-Welt

Faszinierende Nahtoderfahrungen lassen sich mit erheblich weniger Zeit- und Kostenaufwand auch in vertrauteren Umgebungen machen. Schon mal wie der Raabler bei 38 Grad Außentemperatur in einem voll klimatisierten ICE gesessen, bei dem hitzebedingt (warum auch sonst?) die Klimaanlage ausfällt und der kurz darauf mitten in sonnenversengter Prärie seinen Fahrdienst sogar gänzlich quittiert? Gut, es gab keine Toten zu beklagen. Aber dafür der eine oder andere von hektisch umherflatternden Bahnmitarbeitern geflissentlich ignorierte Kreislaufzusammenbruch. Begleitet vom stillen Wimmern und Stöhnen treu ergebener, noch selbstständig atmender, Bahncard-50-Kunden.

Wer da noch auf ein paar Tropfen ekelhaft warmen, abgestandenen Mineralwassers aus seiner Mammut-Feldflasche zurückgreifen konnte, sah sich bedrohlich-begehrlichen Blicken seiner verzweifelten Sitznachbarn ausgesetzt. Jetzt nur kein Mitleid zeigen und etwas abgeben. Sollte es hart auf hart kommen, war allen Mitreisenden ohnehin klar, dass nicht alle würden überleben können. Kinder und alte Menschen…man mag es nicht zu Ende denken. Zum Glück gab es erwartungsgemäß keinerlei Durchsagen des verantwortungsvollen Bahnpersonals zum Stand der Dinge geschweige denn kostenlose Heißgetränke aus dem gut sortierten Bordbistro. Warum denn auch?

Stau-Abenteuer auf der A1

Anderes Beispiel: Schon mal mit einem Cabrio bei 38 Grad Außentemperatur im Wochenend-Rückreiseverkehr kurz vor Hamburg in einen 12-Kilometer-Stillstands-Stau auf der A1 hinein geraten? Nein? Der Raabler auch nicht. Aber mehr Outdoor-Abenteuer geht nun wirklich nicht, oder? Begleitet von bestens gelaunten Staumeldungen aus den Radiostationen des gesamten Nordens. Mit Echtzeit-Garantie und den besten Hits der 80er und 90er und den Hits von heute. Stau-Steffi und Verkehrs-Kai wünschen euch eine gute Heimreise, wo immer ihr seid. Ihr Affen!

Autoverkehr am Ende

Was einem auf Flugreisen passieren kann, muss der Raabler an dieser Stelle nicht näher erläutern. Die Kanaren zählen nicht ohne Grund zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen der reisefreudigen Deutschen. Vor allem wir Norddeutschen sind kräfige Winde an den Gestaden unserer Meere gewohnt und haben aus dieser Erfahrung heraus ein entspanntes, ja geradezu freundschaftliches Verhältnis zu den Unbilden der Natur. Und morgen, liebe Kinder, erzählt der Raabler euch ein anderes Märchen, ja?

Notfallprophylaxe auf Profi-Niveau

Wie sich der geneigte Leser dieses Blogposts denken kann, hat sich der Raabler aus den o.a. Erfahrungen und aus puren Selbstschutz heraus angewöhnt, den Begriff “Outdoor” ein wenig weiter zu fassen. Outdoor ist eben nicht nur Traumurlaub und Abenteuer an wenigen (ggf. über das Reisebüro gebuchten) Tagen und Wochenenden des Jahres. Outdoor ist alles, was ab der Fußmatte vor der Haustür anfängt. Ganz nach dem Geschmack der oben erwähnten Market Player, die sich aus dieser Einstellung heraus auf prozentuale Umsatz- und Gewinnzuwächse im zweistelligen Bereich freuen dürften.

Traumurlaub: Außenkabine auf einem Kreuzfahrtschiff

Der Raabler hat sich eine jederzeit griffbereite Grundausstattung an Notfallutensilien zusammengestellt, die je nach präferiertem Verkehrsmittel (zu Fuß, Fahrrad, Auto, Zug, Flieger) noch um einige typische und sinnvolle Ergänzungen aufgestockt werden kann. In der Outdoor-Minimal-Ausrüstung befinden sich pro Person zum Beispiel solche Dinge wie:

– 1 x Ultraleicht-Single-Wurfzelt
– 1 x Ultraleicht-Isomatte
– 3 x Esbitkocher mit
– 1 x EPA Typ I oder III
– 1 x Schweizer Taschenmesser
– je 1 x Merino Kurz-/Langshirt (mulesing free)
– 1 x Fleece-Zudecke (220×160 cm)
– 1 x Handfächer (als Soforthilfe gegen Panikattacken)
– 1 x Sonnencreme LF 30
– 1 x Sonnenhut
– 1 x Zickenzange (für nervende Sitznachbarinnen)
– 1 x Reise-Nageletui-Set
– 1 x wasserfeste Transparent-Pflaster in drei Größen
– 1 x Powerbank 10.000 mAh (aufgeladen!)
– 1 x 1-Literflasche Mineralwasser Medium
– 1 x Packung Bio-Müsliriegel
– 1 x 5er-Packung Snickers
– 1 x Kühl-und Wärmepack
– 1 x Haribo Colorado-Mischung
– 1 x Pfefferminzbonbons
– 1 x 10er-Streifen Ibuprofen
– 3 x belegte Vollkornbrötchen
– je 1 x Apfel/Banane
– 1 x AOK-Ratgeber “Was ess’ ich, wenn ich satt bin”.

Sonnenstich.TV

Hört sich jetzt viel an, ist es aber gar nicht. Bis auf das Ultraleicht-Wurfzelt und die Ultraleicht-Isomatte lassen sich alle o.a. Gegenstände bequem z.B. in einem Ultravox-Ultraleicht-Rucksack mit Anti-Schweiß-Membranen (unter 300 Euro) verstauen und wiegen dabei lediglich um die 4,5 Kilo. Das ist als Preis für eine mobil-flexible 24-Stunden-Überlebungsgarantie in einem Ernstfall auf Deutschlands Straßen, Gleisen und Flugkorridoren hinnehmbar. Wie siehst du das? Auch mit Humor? Na, prima…

“Zivilisation ist die unablässige Vermehrung unnötiger Notwendigkeiten.”
(Mark Twain, amerik. Schrifststeller, 1835-1910)

Raabler-Blogpost:
La Palma: Was erlauben Isla Bonita?

Raabler-Web-Tipp:
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