Gesellschaft

Mit Schottergärten das Klima schützen

Schottergaerten

Wer träumt heutzutage nicht davon, seinem Eigenheim einen nicht zu übersehenden grünen Gutmenschen-Stempel aufzudrücken? Zum Beispiel mit einem saftigen Rasen von der Baumarktrolle, edlen Show-Gewächsen mediterranen Urspungs, Nimmerblühern für die dummen Bienen oder raffiniert arrangiertem Totholz in Aluoptik? Grün ist “in”. Grün steht für die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft. Vor allem für unsere Kinder. Aber warum so viel unnützen Gedankenschmalz und Schweiß in eine Pseudo-Natur-Oase investieren? Coole Schottergärten sind hip und bieten Lösungen für jeden Geschmack und Geldbeutel.

Und dass nicht erst seit der infantilen Fridays For Future-Bewegung oder der doofen Verschwörungs-Pandemie. Nein, der Trend zu Schottergärten ist schon seit Jahren in einschlägigen Statistiken ablesbar. Wunderbar! Dem Raabler laufen regelmäßig Tränen der Freude über die geröteten Wangen, wenn er die neuesten Berichte zu diesem Trend-Thema liest. Splitt, Schotter, Geröll, Basalt, Granit, Marmor, Quarz und Gletscherkies. Welch wohl klingende Naturbegriffe für jeden Menschen- und Tierfreund unter uns!

Klimawandel

Schottergärten sind ein Stück Lebenskraft

Naturschutz spielt endlich mal keine Rolle. Stattdessen sollen Vliese, Folien, Gestein und Beton (ist ein Stück Lebenskraft) jegliches Pflanzenwachstum abtöten. Das ist doch mal eine Ansage! Mauersteinkörbe, Drahtschotterkästen und Metallzäune in allen Spektralfarben harmonieren auf’s Höchste mit Symbol-Figuren fernöstlicher Glaubensrichtungen aus dem nahegelegenen Heimwerkermarkt. Idealerweise veredeln überdimensionierte, tonnenschwere Findlinge aus ehemaligen Mülldeponien das Gesamtkunstwerk. Alles gehört an seinen Platz. Dem Zufall keine Chance.

Die Bedeutung von Vorgärten und Grünanlagen vor allem in Städten wurde in der Vergangenheit massiv übertrieben dargestellt. Umwelt-terroristische Vereinigungen wie Greenpeace, NABU und Konsorten leben mit ihren substanzlosen Warnungen und ihrer ewigen Rechthaberei in einer bedenklichen Filterblase. Die Natur, die Natur. Man kann es doch nicht mehr hören. Die Natur braucht den Menschen nicht. Sie kann sehr gut auf sich alleine aufpassen.

Alle Menschen sind Freunde der Natur

Genauso wie jedes Schulkind mittlerweile weiß, dass der Neo-Liberalismus den Staat nicht braucht. Er folgt wie die beliebten Schottergärten unwidersprochenen Naturgesetzen. Alles richtet sich in göttlicher Perfektion nach dem Wohle aller Menschenkinder aus. Ohne Bevormunderei durch Gesetze und Verbote von “oben”. Na, schön, es gab da in der Vergangenheit ein paar Krisen und Übertreibungen, die unser geniales Wirtschaftsmodell ohne Staatsinterventionen keine sieben Tage überlebt hätte.

Auto im Kreisverkehr

Man muss auch mal in aller Regelmäßigkeit vergessen und die Tatsachen gekonnt verdrehen können. Frag’ am besten gleich mal den empathischen Patrick Blindner von der Hummer- und Chablis verarbeitenden Industrie zu diesem brisanten Themenkomplex. Der ist da äußerst kompetent und um keine Fehlinterpretation verlegen. Ebenso wie ein gleichsam bekannter wie total charmanter Kabarettist. Dem Raabler fällt nuhr grad der Name nicht recht ein. Jedenfalls hatte er ihn früher mal sehr lieb…

Burnout in Schottergärten auskurieren

Zurück zu den Schottergärten. Hier gibt es ja auch nichts mehr zu lachen. Sind das etwa auch hier die berüchtigten Auswirkungen der Globalisierung? Viel Geld für große Grundstücke und Häuser, aber wegen Hamsterrad und Burnout keine Zeit mehr für Hege und Pflege? Weder für die private Beziehung noch für den Rückzug ins Grüne? Versiegeln wir unsere Gefühle ebenso wie die Grundstücksflächen?

Da heizt sich künstlich was auf. Gut, gegen Beziehungsstress hilft die eine oder andere Sprechstunde im Dr. Raabler Nörgelstudio. Die kann nicht befohlen werden. Sie ergibt sich ganz freiwillig, wenn der Leidensdruck nicht mehr auszuhalten ist. Freiwilligkeit in Sachen naturnaher Gartengestaltung bringt aller Erfahrung nach leider nichts. Da helfen nur Gesetze und Vorschriften. Die Gemeinden und Städte haben ja auch nichts Besseres zu tun, als sich auch noch über diesen Scheiß ihre Gedanken machen zu müssen.

“Wir meinen, die Natur beherrschen zu können, aber wahrscheinlich hat sie sich nur an uns gewöhnt.”
(Karl Heinrich Waggerl, österreichischer Schriftsteller, 1897-1973)

Raabler-Blogpost:
Anti-Idiotika für Menschenkinder

Raabler-Web-Tipp:
Gärten des Grauens

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