Gesellschaft

Mit Wucht in die Sucht!

Sucht

Es gibt zum Glück nicht nur schlechte Nachrichten von der Corona-Front. Aktuelle Studien von Krankenkassen und Sucht-Forschern attestieren vor allem Kindern und Jugendlichen eine enorm gestiegene Motivation beim Streamen von liebevoll gestalteten Ego-Shootern und Weltkriegsspielen auf Smartphones, Tablets und PC. Die hierfür investierte Zeit steigerte sich im Zuge der Ausgangsbeschränkungen pro Tag um bewundernswerte 375 Prozent. Da sage noch einer, unser Hochbegabten-Nachwuchs würde nur noch sinn- und lustbefreit vor dem Fernseher abhängen. Dieses Bild gehört auf immer revidiert.

Bei ca. 85 Prozent der unter 18-Jährigen (ca. 4 Millionen Abhängige) werden die freiwilligen Überstunden an der Gamingkonsole als mindestens hochriskant eingestuft. Für die restlichen 15 Prozent (ca. 700.000 Süchtige) besteht keinerlei Hoffnung mehr, sie jemals wieder in die Gesellschaft integrieren zu können. Schon gar nicht nutzbringend. Als Hauptmotiv für die sinnlos verplemperte Lebenszeit wird die pure Langeweile angegeben. Dann doch lieber digitalen Feinden in Nahaufnahme und Slow-Mo das Resthirn aus der Birne pusten. Kann man nachvollziehen…

Onlinesucht: Nur mal eben die Mails checken...

Die Sucht-Definition der WHO

Die durchschnittlichen Verweildauer in den asozialen Medien wie Twitter, Facebook, Instagram und Whatsapp stieg von 150 auf 420 Minuten. Täglich. Bleibt da noch Zeit für Essen, Trinken und Stuhlgang? Natürlich. Diese lästigen Nebentätigen werden in einem Zeitfenster von durchschnittlich 17 Minuten erledigt. Eine Nachtruhe von jenseits der magischen 3-Stunden-Marke gilt als weltfemd, wenn nicht gar uncool. Und wird deshalb nicht groß thematisiert. Man will ja nicht als elender Loser dastehen.

Muss angesichts obiger Zahlen bereits von Sucht gesprochen werden? Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur dann, wenn das Nutzerverhalten an den digitalen Endgeräten mit dem unterschwelligen Verlust lebensnotwendiger Kontrolle einhergeht. Wenn beispielsweise Fragen auftauchen, wie: Welchen Tag haben wir heute? In welchem Jahr leben wir? Ist das neue Jahrtausend schon angebrochen? Habe ich Hunger? Oder Durst? Wieso ruft mich niemand an? Sind Oma und Opa schon tot? Leben meine Eltern noch?

Facebook

Es lebe die Familie!

Die Mehrzahl der in der Studie involvierten Verhaltensforscher betrachten es als einen Skandal, dass 95 Prozent der im Hause lebenden Erziehungsberechtigten ihren Söhnen und Töchtern keinerlei Vorschriften im Hinblick auf die Verweildauer an den smarten Devices macht. Es wird vermutet, dass die Erwachsenen die Sucht ihrer Kinder gerne in Kauf nehmen, um von der eigenen Spiel- und Surfsucht im Internet abzulenken.

Sollte diese Entwicklung im bisherigen Tempo so weitergehen, befürchten Mediziner, Kinder- und Jugendpsychologen sowie Politiker aller Parteien (bis auf die FDP) einen nicht mehr zu korrigierenden Sitten-und Werteverfall. Wer dem Sucht-Virus am Computer einmal richtig verfallen ist, konsumiert nicht mehr – außer bei Lieferando. Er verzichtet auf die mittlerweile enttarnte Scheinsicherheit namens “Familie und Einfamilienhaus im Grünen”.

E-Sport

Dieses Schnäppchen ist ein Hit…

Verdammt! Wie sind zukünftig die unzähligen prekären Arbeitsverhältnisse am Laufen zu halten, wenn die Middle-Ager sich plötzlich der üblichen Abhängigkeit einer über Jahrzehnte zu bedienenden Hypothekenlast aus einem überhöhten Hauskredit entziehen? Kommt es noch soweit, dass niemand mehr wochenlang verreist, Langstrecke fliegt, Luxus-Kreuzfahrten bucht, mit dem Auto in den Stau fährt, Theater, Museen, Kinos, Konzerte oder Restaurants besucht?

Allerhöchstens wird alle halbe Jahr alternativ am Kiez-Kiosk herum gecornert. Mit Wumms in die Online-Sucht? Leute, Leute! So kann unser Wirtschaftssystem nicht funktionieren. Fehlt nur noch, dass bei der nächsten Bundes-Urnenwahl die Teilnahmequote auf unter 25 Prozent abrutscht. Obwohl, damit könnte man noch am ehesten leben. Oder? Der Raabler freut sich schon auf die “Elefantenrunde” in ARD und ZDF und wünscht allen eine…

“Gute Nacht!”

“Demokratie ist jene Staatsform, in der man sagt, was man will, und tut, was einem gesagt wird.”
(Gerald Barry, irischer Komponist, *1952)

Raabler-Blogpost:
Onlinesucht: Kinder in größter Sorge!

Raabler-Web-Tipp:
Internetsucht: Viele junge Menschen betroffen (ARD)

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