Sport

Oliver Bierhoff hält eine Brandrede

Oliver Bierhoff

Anlässlich der DFB-Pressekonferenz am 09. November 2020 in Leipzig offenbarte Oliver Bierhoff in seiner Funktion als Direktor Nationalmannschaften und Akademie vielsagende Einblicke in sein fernab der Zivilgesellschaft anzusiedelndes Seelenleben. Der Raabler staunte nicht schlecht über einige Aussagen aus dem Munde des ehemaligen Fußballprofis mit der Muster-Schwiegersohn-Attitude. Ehrlichkeit und Authenzität schwangen in seinem Statement durchaus mit. Das macht es leider nicht besser. Im Gegenteil. Sinngemäß hieß es u.a.:

“Unsere jungen Nachwuchsspieler kommen mit Leidenschaft und Ehrgeiz zur Deutschen Nationalmannschaft. Sie sind stolz darauf, das Trikot mit dem Adler zu tragen. Man muss jedoch ganz klar festhalten: Keiner von denen bräuchte die Nationalmannschaft. Sie verdienen sich bereits in ihren jeweiligen Vereinen dumm und dusselig. Von daher ist es ihnen auf’s Höchste anzurechnen, dass sie die Bereitschaft zeigen, sich in diversen Extra-Trainings zu quälen. Meistens geht’s dann ja auch nur um sinnlose Freundschaftsspiele, die kaum jemand hinterm Ofen hervorlocken.

“Ein Joe Kimmich brennt darauf hierher zu kommen. Und dann, das muss man sich bloß mal vorstellen, wird er mit hämischer Kritik konfrontiert.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

Auch ein Toni Kroos stößt nicht zum Team, weil ihm der Sinn nach noch mehr Geld, Ruhm und Ehre steht. Er hat von allem mehr als genug. Also was treibt ihn? Die pure Langeweile? Oder der Vorwand, in schwierigen Corona-Zeiten mal wieder ganz offiziell seinen Privatjet für eine Länderspielanreise nutzen zu dürfen? Ich frage mich das manchmal. Eine Antwort auf dieses selbstlose Verhalten zu finden, fällt mir unsagbar schwer. Ich werde ihn bei Gelegenheit mal danach fragen.

DFL

Ein Joe Kimmich brennt darauf hierher zu kommen. Faszinierend, aber ebenfalls nur schwer nachvollziehbar. Der könnte nämlich als A-Stammspieler sagen, dass er sich den ganzen Stress gerne ersparen würde. Schließlich warten zuhause Frau und zwei kleine Kinder auf ihn. Die wollen auch mal vom Vater gewickelt werden. Und der Vater würde ihnen liebend gerne auch mal die Scheiße aus den Pampers holen. Welcher Mann will das nicht? Und dann, das muss man sich bloß mal vorstellen, wird er mit hämischer Kritik konfrontiert. Na, herzlichen Dank! Zudem abgeschottet von der Außenwelt, mit Abstandsregeln beim Essen. Wo soll da die Stimmung herkommen? Das sind alles Hindernisse, denen sich die Spieler in aufopferungsvoller Weise stellen.

“Eine riesige dunkle Wolke hängt über der Mannschaft. Sie beißt, sie kämpft, aber ich sehe in der Kabine in viele müde Gesichter.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

Verstehen Sie mich bitte falsch: Es geht hier nicht um Mitleid. Wir Fußballprofis haben eine herausgehobene Position. Unverschämt viel Kohle und Privilegien für relativ überschaubaren Körpereinsatz. Vom Geist wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst sprechen. Selbstverständlich liegt dem DFB sehr viel daran, dass sich diese Konstellation in Konkurrenz zu den belanglosen Randsportarten auch nicht ändert. Die sollen ihre Nische bespielen. Wir bespielen die große Bühne. Bitte nicht falsch verstehen: Volleyball, Basketball, Handball, Eishockey, Rad- und Motorsport…Hut ab vor den großartigen und bewundernswerten Leistungen der Sportlerinnen und Sportler dieser oder vergleichbarer Disziplinen. Chapeau!

Natürlich, verglichen damit verdienen unsere jungen Talente alle viel zu viel Geld. Aber es sind auch nur Menschen. Zum überwiegenden Teil Menschen mit einem Millioneneinkommen. Monatlich. Aber ist das etwa unsere Schuld? Oder gar die Schuld der Fußballprofis? Irgendwann ist doch der Spaß vorbei. Und dann sollte man schon den Keller mit Kohle bis zum Anschlag gefüllt haben. Würden Sie, liebe Sportjournalisten doch genauso praktizieren, oder nicht? Wenn Sie’s könnten. Gut, ich weiß, das ist jetzt graue Theorie…

Champions League

Doch was nützen die Millionen, wenn eine riesige dunkle Wolke über der Mannschaft hängt? Sie beißt, sie kämpft, aber ich sehe auch in der Kabine in viele müde Gesichter. Wie gesagt, die Jungs brauchen nicht den großen Auftritt im Nationaltrikot. Dieses erzwungene Mitsingen der Hymne. Sie könnten es sich schenken und den ganzen Tag vor der Playsation sitzen. Was sie, glauben Sie mir, auch viel lieber täten. Folglich ist da viel Anspannung und Frust, weil die Dinge nicht so laufen, wie der Einzelne oder das gesamte Team es sich vorstellt. Dennoch stellen sich die Spieler der Herausforderung und gehen bewusst den unbequemen Weg. Ohne Playsation. Das ist nicht immer leicht. Wenn Sie wissen, was ich meine?

“Um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen brauchen wir natürlich auch Erfolgserlebnisse. Die haben wir leider nicht so geliefert, wie wir uns das vorgestellt haben.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

Es tut mir weh, dass wir alle das nicht ein wenig mehr unterstützen und honorieren. Ich verlange kein Mitleid, keine Kritiklosigkeit, aber bitte geben Sie als Medienvertreter ein wenig mehr acht auf die Tonalität. Ist das denn im Umgang mit verwöhnten Schnöseln, die vom Arschabwischen bis zum Schuhebinden alles abgenommen kriegen, zuviel verlangt? Besser sollten wir alle uns fragen: Was ist schon heute möglich, was geht, was wurde schon erreicht, was könnte noch erreicht werden? Man kann gerne Jogi und mich als Veteranen kritisieren, aber bitte nicht die jungen Spieler. Die haben echt unser Vertrauen verdient. Und ich sage euch, sie werden das auch zurückzahlen.

Also, jetzt bitte nicht missverstehen: Nicht in Euros zurückzahlen, das wäre das absolut falsche Signal, sondern in alternativen Währungseinheiten wie Kampfbereitschaft, guten Willen, Lust am Fußballsport, Nähe zu den Fans oder einfach das unbefleckte Gewissen mit Absichtserklärungen beruhigen. Um das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen brauchen wir natürlich auch Erfolgserlebnisse. Die haben wir leider nicht so geliefert, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben vielleicht diese emotionalen Momente noch nicht aufbauen können, die eine Mannschaft braucht.

Gehaltsobergrenze

Ist unter der Regie eines Jogi Löw natürlich nicht so einfach, wenn er sich den Luxus gönnt, als Welt-Bundestrainer in anderen Sphären zu schweben. Sich mal bewusst von der Gesellschaft als solche abkoppeln, darüber stehen. Gedankenverloren vor sich hin popeln, für Nivea Werbung machen, sich sekundenlang mit der rechten Hand am Arsch kratzen und unmittelbar darauf einem enttäuschten Welt-Fußballer namens Ronaldo eben diese Hand nach dem Abpfiff in einer Geste der Anerkennung reichen. Man möge es ihm verzeihen. Der arme Christiano…

“Kalle Rummefliege hat gesagt, dass die Deutsche Nationalmannschaft – nach dem FC Bayern München – immer noch die wichtigste deutsche Mannschaft ist.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

Aber der Einsatz, die Leidenschaft, das Herz ist bei den Jungen da. Trotzdem, so muss man es wohl formulieren. Deswegen ist mir das enorm wichtig. Die Tonalität macht die Musik. Wir hoffen natürlich, dass wir uns selbst wieder Erfolgserlebnisse verschaffen. Leider haben wir keine Zuschauer mehr in den Stadien. Die Einschaltquoten sind unterirdisch. Völlig klar. Wir haben die Botschaft verstanden. Aber vielleicht schaffen Sie es ja in Ihren Redaktionsräumen, diese Stimmung, diese Welle, diesen positiven Geist zu kreieren. Wenn wir es nicht schaffen, müssen eben die Medien ran. Lassen Sie doch einfach mal die Qualität der Leistungen auf dem Platz beiseite. Und schwelgen Sie wider besseren Wissens von einer glorreichen Zukunft des deutschen Fußballs. Das wäre ein Signal in diesen entbehrungsreichen Corona-Zeiten.

Kalle Rummefliege hat gesagt, dass die Deutsche Nationalmannschaft – nach dem FC Bayern München – immer noch die wichtigste deutsche Mannschaft ist. Deswegen hoffe ich, dass wir sorgfältig mit diesem Schatz umgehen. Ich hoffe, dass wir diesen Jungs Unterstützung geben, ihnen helfen, dass wir sie schon auf die Fehler hinweisen, aber die Tonalität ist dabei wichtig, der positive Spirit. Und noch einmal: Keiner von denen braucht die Nationalhymne. Keiner! Ich hoffe, dass geht jetzt ein für allemal in ihren Schädel rein. Haben wir uns verstanden?

“Ich bin stolz, wie die Jungs immer wieder zur Nati stoßen und die damit einhergehenden Schwierigkeiten annehmen. Wir arbeiten sehr hart an einem neuen Image.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

Und noch einmal: Ja, die Stimmung in der letzten Länderspielmaßnahme war schon scheiße, das haben wir hier alle gespürt. Alle Menschen spüren das gerade. Wir wissen ja auch, was grad in Leipzig passiert ist. Mit linken Antifa-Guerillatruppen wollen wir nichts zu tun haben. Der Fokus sollte ein ganz anderer sein. Die Mannschaft braucht Erfolgserlebnisse, sie braucht Sicherheit, das müssen wir auf dem Platz ganz alleine schaffen. Gebt den Jungs Vertrauen. Ich bin fest davon überzeugt, das die das auch bei dem Charakter, den sie haben, zurückzahlen werden. Aber, wie gesagt, nicht in Geld. Mehr mit einem positiven Spirit, der sich von alleine ja leider nicht einstellen will. Und darum, und nur darum, brauchen wir jeden einzelnen Fußball-Schreiberling, der über seinen Schatten springt, und voller Lust und Leidenschaft – von mir aus konträr zu seiner Einstellung dem ganzen Müll gegenüber – für die nächsten Monate alles rund um die Nati schönredet. Verzeihung, schönschreibt! Mehr verlangen wir doch gar nicht von Ihnen! Aber, bitte, ganz wichtig, wir wollen keine kritiklose Presse. Da wo Kritik angebracht ist, sollte man sie auch aussprechen dürfen. Vollkommen klar. Wo leben wir denn? Aber bitte möglichst nicht bis zur WM 2022. Und wenn, dann achten Sie bitte auf die Tonalität. Wir werden in nächster Zeit das ganz genau beobachten, um daraus unsere Rückschlüsse zu ziehen. Bitte nicht als Warnung fehlinterpretieren. Der Ton macht die Musik!

Fleisch

Fazit: Ich bin stolz, wie die Jungs immer wieder zur Nati stoßen und die damit einhergehenden Schwierigkeiten annehmen. Kein Mitleid. Die haben ihre Gedanken. Die sehen die Erwartungshaltung. Die haben alle hohe Ansprüche. Jeder von denen kommt hierher, weil sie unbedingt hier sein wollen. Weil sie ein erfolgreiches Turnier spielen wollen. Weil sie Lust haben. Die Spieler wollen ein neues Bild einer Mannschaft angehen. Die wissen ja um die Umstände der WM 2018, die sie nicht zu verantworten haben. Wir arbeiten sehr hart an einem neuen Image.

“Ich klebe genauso wenig an meinem DFB-Posten, wie die Jungs nicht darauf angewiesen sind, trotz widrigster Umstände ständig beim Nationalteam aufzukreuzen.”

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

Wir bauen wieder die Fan-Nähe auf. Versprochen. Jogi wird nur noch halb soviel auf der Trainerbank rumpopeln. Wir installieren wieder öffentliche Trainingseinheiten. Wir haben soziale Einrichtungen besucht. Und werden das auch weiter verfolgen. Nicht, weil ich es vorgegeben hätte. Es kam aus eigenem Antrieb. Wir wollen eine Stiftung gründen, während der Corona-Zeit eine Soforthilfe starten. Gegen die Ukraine müssen wir abliefern und auf den Punkt fokussiert sein. Noch Fragen?

Ach, übrigens, ein Letztes noch: Ich klebe genauso wenig an meinem DFB-Posten, wie die Jungs nicht darauf angewiesen sind, trotz widrigster Umstände ständig beim Nationalteam aufzukreuzen. Auch meine Zukunft hängt nicht am miesepetrigen Faden unserer hochgezüchtetetn “vierten Gewalt im Staate”. Friedrich Merz würde mich in naher Zuknuft sehr gern im Aufsichtsrat bei Blackrock sehen. Wenn Sie verstehen, was ich damit zum Ausdruck bringen möchte?

Ich bedanke mich für Ihre…für so viel… Aufmerksamkeit!”

Fußball-Geisterliga

“Wer sich auf Lorbeeren ausruht, scheint sich über seine Körperteile nicht im klaren zu sein.”
(Markus M. Ronner, Schweizer Theologe und Publizist, *1938)

Raabler-Blogpost:
Was haben Profi-Fußball und Sex gemeinsam?

Raabler-Web-Tipp:
Volkswagen News: Bierhoff beim Global Board Meeting

Hotel Mama
“Moin, Herr Müller, als langjähriger HSV-Berichterstatter kann ich definitiv sagen, dass dieser Verein oft nur mit Humor zu ertragen ist. Sollte Niko Kovac nächstes Jahr tatsächlich HSV-Trainer werden, werde ich Sie zu einem Interview einladen. Versprochen!”
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