Gesellschaft

Onlinesucht: Kinder in größter Sorge!

Onlinesucht: Nur mal eben die Mails checken...

Neben “Fridays For Future” hat sich neuerdings eine weitere landerübergreifende Bewegung unter den hellwachen Heranwachsenden etabliert. Nicht so offen und aggressiv kommuniziert wie die medial gehypten Klima-Proteste auf sämtlichen Kanälen unseres Universums. Eher im Hintergrund schwelend und (noch) geduldig beobachtet und ertragen. Dafür mit nicht weniger Brisanz in der Aussage. Und nicht weniger Sprengkraft im täglichen zwischenmenschlichen Miteinander: Die Onlinesucht innerhalb der Familie.

Tja, nun denkst du, es ginge mal wieder um unseren rundum versorgten und gepamperten Nachwuchs. Kaum aus den Strümpfen und schon App-Weltmeister im Laufgitter. Falsch gedacht. Es geht um die heutige Elterngeneration, die dieses smartphone-verseuchte Umfeld dank ihrer eigenen Onlinesucht erst zum Durchbruch verhelfen konnte. Sehr zur Freude von Apple und Konsorten. Mittlerweile sehr zum Frust von Lina, Marie, Ben, Leon und ihren unzähligen Leidensgenossen.

Onlinesucht lässt sich nicht wegbügeln

Jawohl, sie leiden. Und sie machen sich die allergrößten Sorgen um ihre Mütter und Väter. Mit relativ geringem technischen Verständnis und dafür umso mehr mit einer großen Portion naiver Blauäugigkeit ausgestattet, sehen sie die “Alten” den Gefahren des üblen Internets immer hilfloser ausgeliefert. Und die Betroffenen scheinen die Gefahren noch nicht einmal zu bemerken. Im Gegenteil, gut gemeinte Ratschläge aus Kindermund werden barsch mit dem Hinweis auf die alleinige Erziehungsgewalt im Hause weggebügelt.

Smartphone macht glücklich

Bügeln ist gut, wenn es um verknitterte Wäsche geht. Das diskussionslose Wegbügeln von Sachargumenten dagegen ist hochproblematisch. Es geht um Werte und Normen. Um Ethik und Moral. Um den Erhalt dessen, was den Menschen gegenüber den anderen Lebewesen unterscheidet: Seine Liebesfähigkeit, seine Empathie, sein Gedächtnis, seine Kultur, seine natürliche Gabe, Gutes von Bösen sowie Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Kinder und Elternhilfswerk üben den Schulterschluss

Bei letzterem haben unsere Kinder berechtigte Zweifel. Statt sich mit ihnen zu beschäftigen, sehen sie ihre Eltern permanent mit dem Smartphone hantieren. Und mit welchen Inhalten werden sie dabei konfrontiert? Mit Kettenbriefen, Mobbing, Pornographie, Gewaltdarstellungen, Hass und Hetze. 80 Prozent der Kinder berichten von schlechten Erfahrungen ihrer Beschützer im Netz und fordern ausreichenden gesetzlichen Schutz. Das Elternhilfswerk schlägt in die gleiche Kerbe und erhöht den Druck auf die Legislative.

Es plädiert für schärfere Regeln und Kontrollen gegenüber allen Anbietern von Online-Inhalten. Bisherige Kernaussagen aus dem Eltern-Schutzprogramm gehören einer Revision unterworfen. Aktuelle und zukünftige Technologien müssen verstärkt in die neuen Überlegungen und Pläne einfließen. Bundesfamilienministerin Franziska Straffrei sieht sich dabei auf einem guten Weg. Ein überarbeiteter Entwurf zu einem bahnbrechenden “Elternmedienschutzgesetz” wird den Parlamentariern noch vor der Sommerpause 2025 zur Abstimmung vorgelegt werden.

spielplatz

Das ist verdammt schnell und zollt den ultraschnellen Veränderungs- und Anpassungszyklen in der digitalen Welt den allergrößten Respekt. Geplant ist zum Beispiel, dass Anbieter, die mehr als eine Million Nutzer und Abonnenten hinter sich wissen, zu weitreichenden Vorsorgemaßnahmen zum Schutze von Eltern und Großeltern verpflichtet werden können. Da dürften sich nicht nur die üblichen Verdächtigen warm anziehen, sondern auch so manche Influencer und Ballerspiel-Experten. Wohl bekomm’s!

Wer verantwortet den Kontrollverlust?

Im Fall der Fälle drohen exorbitant hohe Bußgelder. 97 Prozent der Kinder unterstützen den neuen Maßnahmenkatalog. Immerhin über 85 Prozent fordern darüber hinaus eine verlässliche Altersprüfung bei bestimmten Medieninhalten. Oft reiche im Netz lediglich ein Klick auf den “Lasst mich durch, ich bin Mutter/Vater”-Button. Das sei ein Witz und bedürfe dringend einer alterskonformen Anwendung bereits vorhandener Sicherheitstechnologien. Auch im Hinblick auf ein effizienteres Melde- und Beschwerdesystem wird zurecht mehr Tempo angemahnt.

In den Umfragen unter den Kindern zum Medienverhalten ihrer Eltern mischt sich eine hohe Quote an Skepsis. Viele befürchten, dass das ganze Ausmaß der Onlinesucht unter den Erwachsenen noch weitaus größer als befürchtet ausfällt. Schließlich fiele der signifikanteste Online-Missbrauch in einen Zeitrahmen, in denen die Kinder selbst am intensivsten mit ihrem digitalen Fuhrpark beschäftigt sind: jeweils zwei Stunden vor und nach Mitternacht. Wer soll da wie wen überwachen und beschützen?

Netflix macht müde

“Die erste Hälfte unseres Lebens wird durch unsere Eltern ruiniert, die zweite Hälfte durch unsere Kinder.”
(Clarence Darrow, amerikanischer Rechtsanwalt, 1857-1938)

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