Und sonst so?

Propaganda ist ein alter Hut

Propaganda

Der Mann, um den es in diesem Raabler-Blogpost geht, wurde am 22. November 1891 in Wien geboren und verstarb am 9. März 1995 (103-jährig!) in New York. Ein bemerkenswert hohes Alter. Es wird noch interessanter. Seine Mutter war die Schwester des weltberühmten österreichischen Psychoanalytikers Sigmund Freud. Dafür war sein Vater der Bruder von Freuds Ehefrau Martha. Mehr Neffe geht nicht. Was kann aus einer solchen Konstellation entstehen?

Ein Genie? Ein Wahnsinniger? Ein Erlöser? Der leibhaftige Teufel? Wohlmeinend könnte man sagen, ein Mix von allem. Zumindest kürte ihn das “Life”-Magazin im Jahre 1990 zu den 100 einflussreichsten Menschen des Jahrhunderts. Na, schon eine Idee? Nein, es ist nicht Barney Geröllheimer. Aber sein Name klingt ähnlich: Edward Barneys. Der Mitbegründer der modernen Propaganda-Theorie. Propaganda wird blöderweise stets mit Krieg in Verbindung gebracht. Das ist nicht gut für’s Geschäft.

TV-Werbung im Stroboskop-Gewitter

Aus Propaganda mach PR

Deswegen wurde es bald von ihm persönlich in Public Relations umbenannt. Der Kriegszusammenhang schwelt im Hintergrund zwar weiter, aber es klingt nach außen einfach viel freundlicher. Und darauf kommt es doch an. Der Mann der gewieften Öffentlichkeitsarbeit schuf sich nach und nach ein wahres Imperium. Erfolg macht sexy. Und wenn einem die Prominenz aus Wirtschaft und Politik irgendwann bereitwillig aus der Hand frisst, hat man’s geschafft.

Sein Gesellenstück vollbrachte er bereits 1917 für die US-Regierung von Präsident Wilson. Für Amerika war der Erste Weltkrieg weit weg und die große Mehrheit der Landsleute verpürte nicht die geringste Lust, den Kopf für ein freies Europa hinzuhalten. Was also tun? Ein Demokratie-Commitee gründen und spektakuläre Berichte über Gewalt und Terror der wilhelminischen Pickelhauben in den gleich geschalteten Massenmedien lancieren.

Werbeanrufe

Die Massen für’s Schlachtfest mobilisieren

Nicht im Hindukusch, sondern in Europa musste seinerzeit die Demokratie verteidigt werden. Das Volk gewinnt man mit einfachen und knackigen Botschaften. Ihr Kinderlein kommet. Schwupps, meldeten sich die Massen zur freiwilligen Musterung. Das Ergebnis ist bekannt. Kriegseintritt der USA. Versailler Verträge. Wilson als großer Friedensstifter. Und wer war in Paris als Mitglied der US-Delegation mittendrin statt nur dabei? Richtig: Edward Barneys. Herzlichen Glückwunsch!

Und was hat PR-Barney sonst noch so an Referenzen anzubieten? Eine ganze Menge. Zum Beispiel sorgte er 1924 dafür, dass das amerikanische Volk einen Präsidenten wählte, der bis zuletzt als ein absolutes “No-Go” galt. Komisch, woran muss der Raabler gerade denken? Wech. Kommt schon noch wieder. Tja, wenn einem soviel erfolgreiche Manipulation wird beschert, dass ist uns schon mal die eine oder andere Milliarde wert, stimmt’s?

Milliardäre

Nicht immer nur “Rauchende Colts”

Der nächste fette Werbe-Coup gelang ihm für die American Tobacco Company in 1929. Rauchende Frauen waren seinerzeit ein Skandal. Total blöd, wenn einem Gesundheitsunternehmen nur der halbe Markt zu Füßen liegt. Da muss doch was zu machen sein? Der tüchtige Bernays machte sich ans Werk. Für die traditionelle Osterparade auf der Fifth Avenue in New York zauberte er ein paar hübsch anzusehende Feministinnen aus dem Hut, die sich urplötzlich und provokativ eine Fluppe nach der anderen ansteckten.

Presseverteter wurden selbstverständlich im Vorwege mit vagen Andeutungen auf Temperatur gebracht. Frauenrechtlerinnen würden während des Umzugs “Fackeln der Freiheit” entzünden, hieß es. Eine Handvoll qualmender Ladies sorgte auf diese Weise für reichlich Dampf auf allen Kanälen inklusive Medienhype am nächsten Tag. Die Zigarette mutierte zum Symbol der gleichberechtigten Frau. Lucky Strike erzielte fortan gigantische Umsätze. Rauchen ist soooo gesund.

Frauen in der Werbung

Propaganda entsteht durch Nächstenliebe

Es gibt einfach zu viele Doofe. Was aber nicht nur schlecht ist, denn sonst würde PR ja nicht funktionieren. Nächstes Beispiel zum Thema Volks-Gesundheit: Der Lebensmittelkonzern Beech-Nut Company wollte eines öden Tages unbedingt mehr von seinem nahrhaften Schinken verkaufen. Ein typischer Fall für den “Spin-Doctor”. Barneys bestach eine kleine Auswahl landesweit bekannte Ärzte. Die machten eine Umfrage unter ihren Kollegen, welche Form des Frühstücks denn wohl gesünder wäre. Mit oder ohne bacon?

Na, liebe Kinder, ihr kennt bestimmt das Ergebnis, oder? Wenn so viele hoch angesehene Mediziner aus eben jener medizinischen Sicht Wurst und Fleisch bereits am frühen Morgen propagieren, muss doch alles mit rechten Dingen zugehen, oder nicht? Jetzt die ganze Fake-Story noch medial verbreiten und ab geht die Luzie. Das war übrigens die Geburtststunde des berühmten “American Breakfast” mit Schinken und Ei. Enjoy it!

Propganda in Perfektion anno 2020

War sonst noch was? Ach, ja, in den Fünfzigern sorgte seine Propaganda-Maschinerie für einen erfolgreichen, von der CIA begleiteten, Umsturz in Guatemala. Diesmal mussten die Fründe eines US-Bananen-Imperiums vor dem Zugriff des Bösen gesichert werden. Was wollt ihr? Freie, gesunde und wohlschmeckende Bananen im morgendlichen Müsli? Oder stinkenden Kommunismus? Da fällt sie Antwort nicht schwer.

Radio: Der Mix macht es nicht immer.

Wer nun Blut geleckt hat und unbedingt mehr über diesen Tausendsassa erfahren möchte, kann auf eine Vielzahl frei zugänglicher Artikel und Videos im Internet zurückgreifen. Es lohnt sich! Warum? Weil die o.a. Methoden der Massen-Manipulation heute aktueller sind als je zuvor. Sie wurden konsequent weiter perfektioniert. Dank der uneigennützigen Unterstützung durch die asozialen Medien und ihre Hintermänner. Grüße an Ronald Dumb und Markus Salzhügel!

Propaganda als Dreistufen-Modell

Der große Kniff funzt zu jeder Gelegenheit. Auf keinen Fall point blank ins Getümmel. Lieber hübsch von hinten, durch die kalte Küche, durch die Brust ins Auge. Nicht den Fehler begehen und das Produkt (ja, das kann auch ein Kriegseintritt sein, scheiß-egal!) plump und penetrant direkt bewerben. Besser auf der gesamten Medien-Klaviatur Geschichten, Ereignisse, Nachrichten, Events und heutzutage natürlich auch Fake-News drum herum inszenieren bzw. erfinden.

popup

Wichtig: Die Botschaften müssen einfach und klar verständlich gehalten sein, weil jedes Volk unterm Strich dumm wie Bohnenstroh ist. “Wat de Buer nicht kennt, dat frett he nich”. Das wussten schon die alten Römer. Noch wichtiger: Ständige Wiederholungen der Slogans auf allen populären Kanälen. Im Endeffekt wird die größte Scheiße von den Massen als wahr empfunden, wenn sie nur oft genug und bei jeder sich bietenden Gelegenheit wiederholt wird.

Am allerwichtigsten: Die Statements müssen aus prominenten Munde kommen. Prominent wohlgemerkt – nicht unbedingt intelligent. Fertig ist das Gesamtkunstwerk. Anzuwenden in allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen die Interaktion zwischen Menschen eine Rolle spielt. Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Denk’ dir was aus. Vollkommen egal. Und nun hast du das Spiel auf unserem Planeten durchschaut.

Wie, das wusstest du schon alles?
Dann entschuldige bitte, es soll nicht wieder vorkommen. Versprochen!
Und versprechen wird man sich wohl noch mal dürfen, oder?

Clickbait

“Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Meinungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben.”
(Edward Barneys, amerikanischer Public Relations Counselor, 1891-1995)

Raabler-Blogpost:
Frauen in der Werbung

Raabler-Web-Tipp:
Die Kunst der Manipulation – Edward Bernays

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.