Und sonst so?

Radio(logie): Ewig das gleiche Gedudel

Radio: Der Mix macht es nicht immer.

Der Moderatoren-Job beim Radio ist ohne Zweifel eine der größten beruflichen Herausforderungen, die der deutsche Arbeitsmarkt zu bieten hat. Zumindest dann, wenn man bei den Sendern mit der größten Reichweite beschäftigt ist. Dort ist der Refinanzierungsdruck durch bekloppteste Werbe-Einspielungen am höchsten. Und wie erziele ich eine große Reichweite? Indem ich den Massengeschmack bediene. Was will die Masse hören? Massenkompatibles Gedudel. Was sonst?

Laut Statista.de ziehen sich die Bundesbürger auf mittlerweile 449 Kanälen durchschnittlich drei Stunden Werbung mit Musikunterbrechung rein. Da sieht der Raabler aber noch erhebliches Steigerungspotential. Denn in diesen drei Stunden wird der brave Bio-Müsli-Fresser und überzeugte Seitenbacher-Fan lediglich 12 Mal mit der sympathischen Seitenbacher-Botschaft der Öko-Firma Seitenbacher aus Seitenbach (am seitlichen Bach gelegen) konfrontiert. Geht’s noch?

TV-Werbung im Stroboskop-Gewitter

Von wegen Traumjob beim Radio

Der eben noch gut gelaunte Hörer kann leiser stellen, wegschalten oder sogar ganz ausschalten. Welch’ Freiheit! Aber hat jemand schon mal an die vielen Gute-Laune-Onkels/Tanten vor den Studio-Mikros gedacht? Tag für Tag. Jahr für Jahr. In erbarmungsloser Regelmäßigkeit müssen sich die armen Würstchen beim Radio diesen und anderen Scheiß reinziehen. Die beamen sich zwischendurch weg, sagst du? Mag sein. Man kann es ihnen nur wünschen.

Nur so ganz können sie dem Martyrium nicht entgehen. Sonst verpassen sie ihre Einsätze. Oder? Bleibt zu fragen: Wie halten die das aus? Dummbratzen-Werbung in Endlosschleife ist das Eine. Viel schlimmer sind die ewiglich gleichen Liedchen von z.B. Ed Sheeran, Ava Max, Lena, Alle Farben, P!ink, Avicii, Taylor Swift, Robin Schulz, Mark Forster, Regard, Revolverheld und hastenichgehört aus dem abwechslungsreichen Fundus der deutschen Airplay-Charts.

Vorfreude auf Ostern

Du hast ohne Hilfe von Designerdrogen “Last Christmas” überstanden? Dann freu’ dich schon mal auf die großartigen Oster-Hit-Formate 2020. Es locken die TOP1850, TOP2199, TOP 5000, XY-Oster-Mega-Hit-Marathon, das MEGA-EI und vieles mehr. Versprochen: Jeder Song wird nur einmal gespielt. Bei uns. Wir wissen natürlich nicht, welche Hits die anderen gerade auflegen. Aber bei uns habt ihr die Vielfalt und Garantie, dass…Moment…“Seitenbacher-Müsli! DAS Müsli von Seitenbacher! Hmmmh, Seitenbacher! Lecker, Seitenbacher! Kennsch Seitenbacher? Ah noi? Des brauchsch!”

Frauen in der Werbung

Achtung, wir unterbrechen unsere kilometerlangen Staumeldungen für eine wirklich wichtige Durchsage: “Carglas repariert, Carglas tauscht aus. So ein Steinschlag ist alles andere als harmlos. Wir sagen Ihnen auch warum!” Nein, bitte nicht! Vielen Dank auch! Darauf folgt wieder die meiste (würg!) Musik mit den Hits aus den 80ern, 90ern und dem Besten von heute. Nach dem Werbeblock spielen wir drei Songs ohne Unterbrechung für Sie. Bleiben Sie dran! Klar, bleiben wir dran…

Wenn die Masse ins Rollen kommt, gibt’s kein Halten mehr. Und natürlich stellt sich die Frage: Wer manipuliert hier wen? Wer war zuerst da? Der den Radio-Hörern gnadenlos vorgesetzte musikalische Einheitsbrei. Friss’ Vogel, oder stirb! Oder haben sich die Rundfunkanstalten dem unglaublich einfältigen Ur-Geschmack der Menschheit angepasst. Ja, der Raabler weiß, dass man sich das in jedem Medienformat fragen kann. Zeitungen, Fernsehen, Internet. Und wo liegt die Antwort vergraben?

In der Mitte vielleicht? Wohl eher im Mittelmaß. Wäre schließlich nicht das erste Mal.

“Es braucht wenig Zutaten für den Massengeschmack.”
(Stefan Schütz, deutscher Experte f. neue Gedanken, *1964)

Raabler-Blogpost:
TV-Werbung nervt

Raabler-Web-Tipp:
Seitenbacher Werbung

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