Reise

Radschnellweg nach Sylt kommt 2024!

Radschnellweg

Der schlaue Raabler hört bekanntlich das Silbergras wachsen. Manchmal sogar den Strandhafer. So konnte es ihm nicht entgehen, welchen phantastischen Plan das Kieler Umweltministerium vermutlich noch vor Weihnachten der Öffentlichkeit präsentieren wird: Zum Jahresende 2024 soll ein knapp 11 Kilometer langer Radschnellweg das schleswig-holsteinische Festland mit der Nordseeinsel Sylt verbinden. Die Trasse könnte nördlich des (bisher ausschließlich für den Schienenverkehr ausgelegten) Hindenburgdamms verlaufen. Wenn das keine gute Nachricht in diesen schweren Corona-Zeiten ist!

Tatkräftig “unterstützt” wurde und wird dieses Jahrhundertprojekt von einer nicht zu überbietenden Arroganz, Ignoranz und Blindheit der Deutschen Bahn AG gegenüber den einfachsten Bedürfnissen ihrer zahlenden Kundschaft. Der Höhepunkt des Scheiterns vollzog sich ausgerechnet im diesjährigen Herbsturlaub. Kurz vor dem November-Lockdown. Über sieben (!!) Stunden Wartezeit für gestresste Urlauber auf den Sylt-Shuttle. Trotz oder wegen Corona. Vollkommen egal. Doppeltes Glück für Anreisende aus südlicheren Gefilden Deutschlands. Keine Frage, es muss etwas geschehen.

Sylt

Radschnellweg seit Jahren Gesprächsthema

Die Idee ist alles andere als neu. Bisher scheiterten frühere Anläufe in diese Richtung jedoch zuverlässig an heftigsten Einwänden seitens der Bahn AG. Wenigstens in diesem Punkt ist immer auf sie Verlass. Stets wurde und wird betont, wie sehr man sich auf Konkurrenz und Wettbewerb freue. Dabei weiß jeder Idiot, dass die Pappnasen in der Vorstandsetage des bundeseigenen Konzerns genau dies fürchten. Wie der Teufel das Weihwasser. Nun stehen die Ampeln selbst bei der “grünen” Bahn auf “grün”. Tja, wenn’s um die eigene Glaubwürdigkeit geht…

Sogar die mächtige Naturschutz-Lobby würde sich einem Sylt-Radschnellweg im Nationalpark Wattenmeer nicht (mehr) widersetzen. Klar, rücksichtslose wie lärmende Radfahrer in chaotischer Familienformation verursachen für die hypersensible Fauna einen erheblich höheren Lärmpegel, als die flüsterleisen Personen- und Autozüge. Logisch! Selbst gelegentlich vorkommende Sturmböen reichen dezibeltechnisch nicht einmal ansatzweise an sich unterhaltende Pedalritter heran. Logisch!

hvv

Wer entsorgt die Leichenteile?

Allerdings lauern hinter der grandiosen Aussicht auf einen Radschnellweg ebenso grandiose Sachargumente, die dagegen sprechen. Erstens ist der Hindenburgdamm beim Eisenbahnkonzern (genauer DB Netz AG) unter “Betriebsgelände” inventarisiert. Betreten somit strengstens verboten! Das leuchtet ein. Zweitens sind Radler allgemein bekannt dafür, mehr alkoholisiert als nüchtern unterwegs zu sein. Sie nageln liebend gerne bei “rot” über die Ampel und kennen am Zebrastreifen vor allen gegenüber der Corona-Risikogruppe keinerlei Freunde. Frag’ nicht, ist so!

Drittens: Gesellen sich zu dieser bedenklichen inneren und äußeren Lebenseinstellung der “veganen Reiter” (Olaf Schubert) die legendär schwierigen Sicht- und Windverhältnisse an der Nordsee. Im Grunde ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Groß ist die Gefahr, dass Radler beim Befahren der neuen Hindenburgtrasse auf dem Betriebsgelände der Bahn AG auf eine Panzermine oder 10-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg treffen könnten. Wer entsorgt den Restmüll? Verzeihung: Wer zahlt den Personenschaden?

Mit dem Fahrrad unterwegs

Radschnellweg braucht Autobahn-Infrastruktur

Groß ist die Gefahr, dass Radler (nicht nur) wegen Trunkenheit am Lenker auf dem vier Meter breiten Radschnellweg die Orientierung verlieren und 50 Meter tief den Abhang herunter in das an dieser Stelle ebenso tiefe, wie alles verschlingende, Wattenmeer versinken. Wer sagt’s den Angehörigen? Groß ist die Gefahr, dass Radler auf der neuen Syltverbindung ebenso die Disziplin in Sachen Ampelschaltungen, Zebrastreifen und Abbiegeverhalten vermissen lassen. Wie in der Großstadt. Sieht alles zu ähnlich aus!

Fast hätte es der Raabler vergessen. Viertens, und das glaubst du jetzt nicht: Wer kümmert sich um die vielen schwerverletzt vor sich hinblutenden Biker, wenn sie – wie vom Blitz getroffen – leblos daniedersinken? An der Schläfe getroffen von schweren Gegenständen (meist ausrangierte, 6 Monate alte und damit total wertlos gewordene Tablets und Smartphones), die üblicherweise von gelangweilten Influencern unachtsam aus dem Zugfenster geworfen werden? Wer überwacht die Einhaltung der Rettungsgasse, um Ersthelfer bei ihrer Arbeit zu unterstützen? Wer koordiniert den Abtransport der Verunfallten? Wo könnte “Christoph 31” zur Landung ansetzen?

Influencerinnen

Noch weitere Bedenken zu bedenken?

Fragen über Fragen. Sorgen über Sorgen. Niemand möchte freiwillig unter diesen widrigen Vorzeichen die Verantwortung für ein solch’ unverantwortliches Verkehrsprojekt übernehmen. Von den 950 Millionen Projektkosten mal ganz zu schweigen. Und würden die Radfahrer das neue Angebot überhaupt annehmen? Hat die denn jemand mal gefragt? Was passiert, wenn jemand unterwegs ganz dringend Pippi machen muss? Wo sollen die Raststätten stehen? Im Watt, oder watt? Nein, so bis ins letzte Detail durchdacht ist der Mega-Bau noch nicht.

Prima, dann können alle Beteiligten ja wieder ihre Hände in den Beamtenschoß legen und sich vordergründig neuen Aufgaben widmen. Herrlich, wer nichts macht, macht nichts falsch. Zerreden macht Spaß! Luftballonplatzen ebenso. Schön bunt und laut hier. Die ganzen Spinner mit ihren Visionen. Wer hat’s noch mal gesagt? “Wer Visionen hat, der sollte zum…”

Schnauze! Was sagt eigentlich Porsche zu dem ganzen Quatsch? Ach, die unterstützen den Sylt-Radschnellweg sogar noch finanziell? Tesla auch? Hammer! Und selbst Andy, der Bescheuerte, gibt seinen Segen? Als letzte Chance, seinen maut-verseuchten Arsch zu retten? Ist nicht wahr, oder? Na, dann mal los! Der Raabler ist gespannt!

Hindenburg-Autobahn

“Die Menschen, die etwas von heute auf morgen verschieben, sind dieselben, die es bereits von gestern auf heute verschoben haben.”
(Peter Ustinov, britischer Schauspieler u. Regisseur, 1921-2004)

Raabler-Blogpost:
Nach Kopenhagen mit dem Rad

Raabler-Web-Tipp:
Ein neuer Damm für Sylt (extra 3)



  1. Jens Ito

    Also, ich bin da schon ein paar mal rübergefahren. Man muss nur am Anfang und am Ende des Damms das Rad über ein hüfthoses Gatter heben. Nicht RR-geeignet. Mindestens Gravel oder MTB. Die Südseite habe ich als etwas besser zu befahren in Erinnerung.

    • Hallo Jens,
      vielen Dank für deinen abenteuerlichen Erfahrungsbericht. Ist ja irre! Der Raabler dachte bislang immer, dass das Radfahren neben dem Hindenburgdamm verboten sei. Nicht, dass dein Sylt-Trip auf zwei Rädern im wahrsten Sinne des Wortes zu einem beispiellosen Dammbruch führt. Indem Tausende Radler sich demnächst auf deine Spuren begeben. Natürlich erst dann, wenn offiziell die fiesen Corona-Auflagen wieder vom Tisch sind. Also ab Juli 2023! 🙂

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