Gesellschaft

Rauswurf aus dem Inselparadies

Inselparadies

In dieser Story geht es um die Fortsetzung des Raabler-Blogpost: “Milliardäre kaufen Seychellen und Malediven”. Um den Text zu verstehen, ist es daher sinnvoll, zunächst auf das nachfolgende Bild zu klicken:

Milliardäre

Ein Inselparadies still und heimlich zum unverschämten Schnäppchenpreis zu kaufen ist die eine Sache. Was aber machen unsere lieben Milliardäre mit den Bewohnern der Seychellen und Malediven? Die neuen Eigentümer planen schließlich den ultimativen Umzug in die Inselgruppe und nicht wie sonst üblich einen zweiwöchigen Hotel-Aufenthalt. Im Vorwege wurde nebenvertraglich vereinbart, dass jedes Clan-Mitglied maximal 100 Personen aus seinem familiären Umfeld für die Übersiedlung berücksichtigen darf. Wir reden also von ca. 220.000 Neubewohnern.

Aktuell leben auf beiden Inselgruppen ca. 500.000 Menschen. Könnte also eng werden, wenn in kürzester Zeit die Bevölkerungszahl um beinahe 50 Prozent durch gutbetuchte Asoziale mit ihren Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen auf der ganzen Welt ansteigt. Diese Klientel liebt die Zurückgezogenheit. Menschenansammlungen – außer auf Milliardärspartys – sind ihnen ein absolutes Greuel. Quintessenz: Mindestens die Hälfte der “Ur-Einwohner” auf den Seychellen und Malediven müssen weichen und sich rasch auf dem etwas entfernten Festland Unterschlupf suchen.

Niemand ist eine Insel

Sklavenhaltung im Inselparadies

Die andere Hälfte darf optieren, wie seinerzeit die Südtiroler. Entweder stimmen sie einer Umsiedlung innerhalb der Inselgruppe auf bisher unbewohnte Areale zu. Die meisten der insgesamt ca. 1.300 Inseln sind eh’ unbewohnt – mit ein wenig handwerklichen Geschick geht da immer was. Oder sie ersparen sich den teuren Wohnortwechsel ins Ungewisse und leben weiter in ihrer gewohnten Umgebung. Dann jedoch nicht mehr als freie Bürger, sondern als Sklaven für ihre neuen Hausherren. Das ist der Preis für das Inselparadies.

Sklavenhaltung ist nicht uncool und erfreut sich weltweit gerade in Zeiten der hemmungslosen Globalisierung einer immer größeren Beliebtheit – bei den Reichen. Als Beispiel seien hier gewisse “Familien” aus den vor Geld strotzenden OPEC-Nationen genannt. Merke: Im Morgenland geht täglich die Sonne auf, aber nicht jeder bekommt sie zu Gesicht. Es gilt darum, die Vor- und Nachteile einer Umsiedlung gegenüber einem untergeordneten Dienstverhältnis mit Hungerlöhnen in einer Mega-Luxus-Umgebung genau abzuwägen. Eine Entscheidung für’s Leben. Man möchte nicht mit ihnen tauschen wollen.

Atem

Eine penetrante Bande

Die Milliardäre fordern Klarheit in dieser heiklen Angelegenheit bis spätestens zur Jahresmitte. Wohlwissend, dass es bis zur endgültigen Ausdünnung der Stamm-Einwohnerschaft noch das ganze Jahr 2020 brauchen wird. Man will ja kein Unmensch sein. Diese “Zwischenzeit” kann dazu benutzt werden, schon einmal den Status Quo zu definieren. Wo erfüllen Grundstücksgröße und Bausubstanz die nicht geringen Anforderungen der neuen Besitzer. Wo hingegen drohen radikaler Abriss und kompletter Neuaufbau?

Das will sorgfältig geplant sein. Übereiltes Handeln wäre kontraproduktiv. Man will sich unter seinesgleichen ja wohl fühlen und den unausgesprochen hohen Standard mindestens erfüllen. Besser übertrumpfen. Ein stiller Wettbewerb um den größten Besitz im Lande war seit jeher ein zuverlässiger Wachstumsmotor. Aber das wollen die größten Kritiker an der Ungleichverteilung von Vermögen ja nie hören. Penetrante Bande!

cornern

“Nichts reichen wir einander so freigebig wie unsere Hände – aber leer.”
(Emanuel Wertheimer, deutsch-österreichischer Philosoph, 1846-1916)

Raabler-Blogpost:
Milliardäre kaufen Seychellen und Malediven

Raabler-Web-Tipp:
Vermögensverteilung in Deutschland (Die Anstalt)

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