Gesellschaft

Reif für die Insel

Niemand ist eine Insel

In seinem kürzlich veröffentlichten Blogpost über mehr kreativen Mut im deutschen Justizwesen kündigte der schlaue Raabler eine Fortsetzung seiner phantasievollen Bestrafungsoptionen an. Dabei könnte eine imaginäre Insel die Hauptrolle spielen. Heute geht es nämlich um die richtig schweren Jungs – die Kapitalverbrecher. In wortgetreuer Auslegung zählen hierzu beispielsweise die hochdotierten Krawattenträger aus den Chefetagen komplett verspiegelter Wolkenkratzer in allerbester Citylage. Deren Hauptbeschäftigung: In Ermangelung jeglicher Skrupel das Vermögen börsennotierter Unternehmen mit ausgesuchter Eleganz, Raffinesse und krimineller Energie an die Wand fahren.

Zur Tragik dieser ausgesprochen populär gewordenen Form von “Kapital-Verbrechen” gehört es, dass im gleichen Atemzuge der Wert des über Jahre und Jahrzehnte mühsam erarbeiteten und ersparten Privatvermögens vieler kleiner und großer Investoren quasi über Nacht ebenfalls gegen null tendiert. Dabei sollte es doch als lukrative Ergänzung zur im Verrufe stehenden gesetzlichen Altersvorsorge dienen. Und nun das. Kleiner Trost gegenüber den “echten” Kapitalverbrechen: Es wird nicht direkt getötet. Art und der Zeitpunkt des Suizids bleiben jedem der Opfer selber überlassen.

Die neue Höchststrafe in der Justiz
Immer mehr Richter finden Gefallen an den neuen Möglichkeiten der Bestrafung.

Tatort ist überall

Schwer zu ertragen. Aber möchte man deshalb mit denjenigen tauschen, die hilflos ihrem Schicksal ausgeliefert sind? Weil sie zum falschen Zeitpunkt und am falschen Ort dem falschen Menschen begegnet sind? Gewaltkriminalität insgesamt befindet sich in Deutschland zwar auf dem Rückzug. Aber immer noch wird täglich ein Mensch auf grausame Weise umgebracht. Meistens aus Eifersucht, Profitgier oder (sexuell motivierter) Mordlust. Allesamt nachvollziehbare Motive, keine Frage. Dennoch lautet das Urteil in diesen Fällen zurecht: “Lebenslänglich”.

Wobei lebenslänglich im “besten” Falle maximal 15 Jahre Freiheitsentzug bedeuten. Je nach Alter des Täters. Ohne eine eventuell anschließende Sicherungsverwahrung bleibt’s dabei. Für manche Häftlinge eine reine Rechenaufgabe. Den Euro wird’s immer geben. Das Versteck auch. Wenn du weißt, was der Raabler damit zum Ausdruck bringen möchte. Womit wir wieder beim Thema sind. Was könnte man den vielen potentiellen Tätern alternativ zur echten Abschreckung anbieten?

Tatort Leichenschauhaus

Eine Insel wird’s schon richten

Gefängnisstrafen schon mal nicht. Zuviel Komfort in der Zelle. Vollpension. Zimmerservice. 65-Zoll-UHD-Fernseher im Gemeinschaftsraum. Sky-Abo inkludiert. Das ist hier ein Satire-Blog. Der Raabler darf das deshalb einfach mal in den Raum werfen. Die nächste Rechenaufgabe für zwischendurch: Wenn jedes Jahr ca. 400 Mörder zu lebenslangen Haftstrafen neu verurteilt werden, was passiert dann? Die Zellen werden knapp. Qualifiziertes Personal ebenso. Wer bezahlt’s? Der Steuerzahler. Du und ich.

Der Raabler möchte einen Vorschlag zur Güte machen. Schafft für die Kapitalverbrecher das teure Knastwesen ab. Schickt sie stattdessen auf eine einsame Insel mitten im Nirgendwo. Anreise auf Staatskosten. Oneway-Ticket. Kost und Logis sind durch Eigenleistungen zu erbringen. Die Insel bietet bedingt durch vorteilhafte klimatische Bedingungen alle Möglichkeiten der Selbstversorgung. Robinson Crusoe hat’s doch auch geschafft. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Ruf nach Freitag.

Erst stirbst du, doch dann lebst du weiter

Den gibt’s dort nicht. Jeder Tag läuft in meditativer Routine nach dem gleichem Muster ab. Aufstehen, essen, trinken und kacken. Sorry! Theoretisch sehr viel Zeit zur ausgiebigen Reflexion. Damit’s nicht bei der Theorie bleibt, werden die Neuankömmlinge vom Insel-Ältestenrat empfangen und in den ersten Wochen und Monaten “an die Hand genommen”. Einem demokratisch gewählten Komitee aus Schwerverbrechern aller Disziplinen. Die kennen die Umstände auf dem Eiland bestens und stehen für Fragen und Wünsche jederzeit zur Verfügung.

Die Haie lieben ihren Job rund um die Insel.
Flüchten ist keine gute Idee: Haie umschwirren im unermüdlichen 24/7-Modus die “Insel der Schwerverbrecher”. Schließlich gibt es immer wieder die Chance auf einen Happen außerhalb der Reihe. Geduld zahlt sich aus…

Das ist dann so wie bei den Erstsemestern. Nur ohne Party, ohne Mensa und ohne BAföG. Und ohne vergünstigtes ÖPNV-Ticket der Deutschen Bahn AG. Braucht man alles nicht. Dafür durchweg mit ganz individuellen “Einführungsritualen”. Je nach Lust und Laune der “Altsemester”. Es soll spielerisch und mit einer gewissen Leichtigkeit über die Bühne gehen. Zumindest für die vielen johlenden Insel-Sträflinge, die allesamt dem gleichen harten “Prüfungen” ins Auge blicken mussten. Und überlebt haben. Brot und Spiele, ja. Aber nix Hunger-Games!

Niemand hat die Absicht, eine Insel zu…

Der aus diesem zwischenunmenschlichen Miteinander entstehende erzieherische Effekt könnte gar nicht hoch genug bewertet werden. Keine Nachrichten oder Informationen gelangten von dieser “Insel der Bestraften” an die zivilisierte Welt. Telefonie und Internet existieren nicht. Einzig und allein Gerüchte über die eine oder andere Eskalation im täglichen Umgang miteinander würden in Bruchstücken dem Rest der Welt vorgesetzt. Es geht ums nackte Überleben.

Und die Inselbewohner überleben. Immer. So sind die Regeln. Nur zu welchem Preis? Zu einem sehr hohen, natürlich. Sonst pulverisiert sich ja wieder die Abschreckungskomponente. Und darum geht es schließlich. Aber was ist das? Plötzlich ächzt und stöhnt der Raabler…windet sich einer Seite zur anderen…wie von Pein und Krämpfen geschüttelt…

“Hallo, Rabler…HAAAAALO!”
“Ja, was’n los…wo bin ich?” (Raabler richtet sich auf)
“Du hast so laut von dich hingeredet…so wirres Zeug.”
“Echt?”
“Ja, echt! Hab’ mir schon Sorgen gemacht.”
“War wohl’n Alptraum, oder?”
“Aber so richtig!”
“Was hab’ ich denn gesagt?”
“Konnte ich kaum verstehen.”
“Nee, sag’ mal, was hat du verstanden?”
“Na, so was Unzusammenhängendes wie…Freitag, Facebook, Hüttenkäse…Haifische waren auch dabei.”
“Haifische auch?” (Raabler schmunzelt)
“Kannst du mir mal sagen, warum?”
“Klar, die sollen nämlich die ganze verdammte Insel bewachen…das niemand mehr ohne staatliche Erlaubnis in die Zivilisation zurück…
“Moment mal, bitte! Jetzt mal von vorne, ja? Du machst mir Angst!”
“Ok…ich erklär’s dir. Aber setz’ dich hin. Es wird etwas länger dauern.”

Schlafstörungen nehmen zu

“Ironie ist die letzte Phase der Enttäuschung.”
(Anatole France, französischer Schriftsteller, 1844-1924)

Raabler-Blogpost:
Höchststrafe 5.0: Für mehr Kreativität in der Justiz

Raabler-Web-Tipp:
So überlastet sind die deutschen Gerichte

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