Adam & Eva

Sex-Dialog schreibt Kinogeschichte

Wenn Unbewusstes nach Luft schnappt

Ehepaar spricht über Probleme

Schon gewusst? Männer und Frauen liegen in ihren sexuellen Wünschen, Phantasien und Bedürfnissen gar nicht so weit auseinander wie immer behauptet wird. Auch wenn’s richtig schwerfällt: Einfach mal die Smartphones für drei Stunden aus der Hand legen und bequem vom heimischen Sofa aus einen gemeinsamen Ausflug zu irgendeinem Internet-Streaming-Anbieter unternehmen. Der Raabler hätte dazu auch den passenden Filmtipp mit dem entsprechenden Sex-Dialog parat. Titel, Regisseur und Protagonisten werden jetzt noch nicht verraten. Es soll eine kleine Denksportaufgabe für dich sein. Soviel schon mal vorweg: Sigmund hätte seine Freud gehabt.

Fakten zum weltberühmten Kinostreifen:

Der international bekannte amerikanische Filmregisseur starb kurz nach der Fertigstellung des Projekts am Ende des alten Jahrtausends. Als Grundlage für das Drehbuch diente die Novelle eines österreichischen Arztes und Schriftstellers, der die nach außen hin harmonische Beziehung eines jungen Ehepaares skizziert. Hinter der Fassade beginnt es zu bröckeln, als beide von ungestillten erotischen Begierden und Träumen heimgesucht werden. Eine wechselseitige Entfremdung führt in eine veritable Ehekrise, die u.a. in einem legendären Sex-Dialog zum Ausdruck gebracht wird. Die Hauptdarsteller waren auch im echten Leben ein Ehepaar. Mittlerweile schon lange wieder geschieden. Das Übliche eben…

Sex-Dialog: Mann sollte öfter mit seiner Frau auf eine Party gehen

Na, schon eine Idee? Nicht? Dann vielleicht im Anschluss an den unten stehenden Sex-Dialog zwischen den Eheleuten, der er in sich hat. Zum besseren Verständnis: Das Paar wird von einem reichen Bekannten zu einer Party mit illustren Gästen eingeladen. Während sie von einem älteren, gutaussehenden und dabei unverschämt charmanten Kunstkenner (gespielt von einem eleganten deutschen Schauspieler, der sich vor gar nicht allzu langer Zeit auch im echten Leben mit einer wesentlich jüngeren Partnerin schmückte) zum Tanz mit stilvoller Unterhaltung aufgefordert wird, sieht man ihn flirtend – von zwei sehr jungen und überaus attraktiven Frauen in die Mitte genommen – von dannen ziehen. Aber nichts entwickelt sich so wie man denken könnte…

Sex-Party nur für geladene Gäste
Der Beginn eines realen Alptraums für den Protagonisten eines berühmten Kinofilms. Illustration: Felix Gröger

Müde ins traute Heim zurückgekehrt, kommt die Ehegattin auf die naheliegende Idee, dem bereits gut dosierten Alkoholspiegel einen weiteren Spielkameraden in Form von Marihuana zuzuführen. Als sich beide Ehepartner halbnackt auf dem Bett liegend dem Rausch hingeben, folgt sie plötzlich ihrer weiblichen Intuition und überrumpelt den nichtsahnenden Gatten mit einem erotischen Frage- und Antwortspiel:

Sie: Die Models auf der Party, an die du dich so ran geschmissen hast…hättest du sie gerne gefickt?
Er: Wie bitte? Ich hab mich an gar keine ran geschmissen.
Sie: Also, los, wer waren sie?
Er: Es waren nur ein paar…Models.
Sie: Und wo seid ihr so lange gewesen?
Er: Augenblick…den ganzen Abend bin ich mit keinem der Models verschwunden. Ich bin in die obere Etage gerufen worden, nachdem dem Hausherren plötzlich unwohl war. Der Mann, mit dem du so eng getanzt hast, wer war das?
Sie: Ein Bekannter des Gastgebers.
Er: Was wollte er?
Sie: Was er gewollt hat? Oh, was hat er gewollt? Mmmmh, lass’ mich überlegen…Mmmmh…Sex! Sex…und zwar sofort…in einem der oberen Zimmer.
Er: Das war alles?
Sie: Ja…ja, das war alles.
Er: Er wollte also nur meine Frau ficken?
Sie: (lacht) Ja, du sagst es!
Er: Aber…das ist ja ein ganz natürlicher Wunsch.
Sie: Ein ganz natürlicher Wunsch?
Er: Weil du eine wunder…wundervolle Frau bist.
Sie: Wow…wow, wow, wow…warte…also, weil ich eine wundervolle Frau bin, kann es für einen Mann nur einen Grund für eine schöne Unterhaltung mit mir geben? Ha! Nämlich das er mich gerne ficken möchte, ja? Ist das der wahre Anlass? Habe ich dich da richtig interpretiert?
Er: Na, ja…ich vermute, es ist nicht ganz so einfach gestrickt im Leben. Aber, wir alle wissen doch, wie Männer ticken.
Sie: Also, wenn ich das jetzt richtig verstehe, kann es doch nichts anderes heißen, als dass du gerne die zwei Models ficken wolltest, stimmt’s?
Er: (stöhnt) Es soll Ausnahmen geben…
Sie: WAS – MACHT – DICH – ZU – EINER – AUSNAHME?
Er: Mich macht die Tatsache zu einer Ausnahme, dass ich zufällig sehr in dich verliebt bin. Dass wir ein Ehepaar sind und dass ich dich niemals belügen oder dir absichtlich seelische Schmerzen bereiten würde.
Pause…

Mann im Streitgespräch
So hatte sich der Ehemann den Abschluss einer rauschenden Partynacht nicht vorgestellt. Seine Ehefrau hat überraschend noch ein wenig Klärungsbedarf. Illustration: Felix Gröger

Sie: (in ansteigender Lautstärke) Du bist dir doch wohl im klaren darüber, was du soeben von dir gegeben hast, oder? Du hättest die zwei Models nur aus Vernunftsgründen nicht gefickt. Nur aus lauter Rücksicht auf mich? Nicht etwa, weil du keine Lust hattest sie zu ficken?
Er: Bleib’ bitte locker, Alice! Dieses Zeug macht dich irgendwie aggressiv!
Sie: Nein, es liegt nicht am Stoff! Es ist allein deine Schuld! Warum beantwortest du nie meine Fragen? Verdammt noch mal!
Er: (nun wird auch er laut) Ich hatte mir eingebildet, das wäre eine klare Antwort gewesen. Worüber streiten wir uns eigentlich die ganze Zeit?
Sie: Mann, ich will mich doch gar nicht mit dir streiten. Ich versuch’ bloß die ganze Zeit rauszukriegen, was in deiner männlichen Birne abgeht.
Er: Was in meinem Kopf vorgeht?
Sie: Also, mal angenommen…nur als kleines Beispiel aus deiner Praxis…ein Traum von Frau steht nackt an deiner Untersuchungsliege, und du fasst ihre wundervollen Brüste an. Jetzt möchte ich ehrlich von dir hören, woran du in diesem Moment denkst, während du an ihnen herum fummelst?
Er: Alice, ich bin nun mal ein Arzt, da kommt nichts, aber auch gar nichts an Gefühlen hoch und du weißt, dass immer eine Arzthelferin anwesend ist.
Sie: Du möchtest mir damit also sagen, dass du, wenn du irgendwelche geilen Brüste anfasst, du nur an deinen Job denkst?
Er: (gereizt) Genau so! Sex ist das Allerletzte, was mich beschäftigt, wenn ich Patientinnen behandle.
Sie: Aber..klar…selbstverständlich! Wenn sie sich von dir in die Titties kneifen lässt, denkst du dann, dass sie nie versucht sich vorzustellen, was der Frauenschwarm Dr. Bill da unten für einen Willie hat? (Maunz- und Miezgeräusche seitens der Ehefrau)
Er: Ich bitte dich, Sex das Letzte ist, was deine blöde, theoretische Modellpatientin im Sinn hat!
Sie: (im Tonfall eines „mein Dummerchen“ vorgetragen) Und woher willst du das so genau wissen?
Er: (überlegt kurz) Auf jeden Fall schon deswegen, weil sie Angst davor hätte, das ich etwas bei ihr finden könnte.
Sie: Ok, also…nachdem du ihr gesagt hast, das ihr nichts fehlt…was dann?
Er: (im resignierten, frustrierten Flüsterton) Was dann? Ich weiß es nicht…weiß es nicht…ähm…(lauter)...Was dann!? Also, gut…äh…Frauen…im großen und ganzen denken Frauen nicht in diese Richtung.
Ab jetzt beide mehr oder weniger im Schrei-Modus…
Sie: Zig-Millionen Jahre Evolutionsgeschichte! Männer müssen und dürfen ihn reinstecken, wo immer es nur geht. Aber Frauen! Für Frauen geht es nur um Geborgenheit, Bindungswunsch und was sonst noch für’n Müll!?
Er: Sehr reduziert ausgedrückt, Alice, aber ok…so könnte man es ausdrücken.
Sie: Wenn – ihr – Männer – doch – nur – WÜSSTET!!!
Er: Ich sage dir jetzt mal ganz genau, was ich weiß! Dass du was geraucht hast, dass du einen Streit mit mir provoziert hast und nun alles unternimmst, um mich eifersüchtig zu machen.
Sie: Aber du bist ja kein Eifersuchts-Typ, stimmt’s?
Er: Nein, überhaupt nicht.
Sie: Stimmt’s, du warst noch nie meinetwegen eifersüchtig?
Er: Nein, war ich nicht!
Sie: Und weswegen warst du noch nie meinetwegen eifersüchtig?
Er: Ich weiß auch nicht, Alice! Vielleicht deshalb, weil du meine Ehefrau bist! Vielleicht, weil du die Mutter meiner Tochter bist! Und vielleicht, weil ich genau weiß, dass du mich niemals mit anderen Männern betrügen würdest!
Sie: Du – bist – dir – deiner – ziemlich – sicher! So ist es doch, oder?
Er: Nein, Alice, ich bin mir deiner sicher!
Ehefrau bekommt längeren Lachanfall…
Er: Was findest du jetzt daran so komisch, verdammt noch mal?
Ehefrau schreit beinahe hysterisch vor Lachen…
Er: Scheint ja ein großer Lacherfolg zu sein…
Nach kurzer Pause im leisen und nachdenklichen Tonfall…
Sie: Erinnerst du dich noch an unseren gemeinsamen Urlaub im letzten Sommer auf…

Nach diesem sehr aufschlussreichen Sex-Dialog folgt eine nicht minder überraschende Sexphantasie-Beichte der Ehefrau, die den Ehemann ins Grübeln und Wanken bringt. Eine völlig aus den Fugen geratene Geschichte nimmt ihren surrealen Verlauf und avancierte mit dem Thema zu einem echten Highlight der Kinogeschichte. Motto: Sagt Mann’s verkehrt, ist’s auch nicht richtig. Und? Hast du den Titel des Kinofilms schon im Kopf?

Kleiner Nachschlag: Wissenswertes zum Film

Der Film spielte die Produktionskosten von etwa 65 Millionen Dollar mit Einnahmen von über 160 Millionen Dollar weltweit deutlich wieder ein. Die Kritik war jedoch gespalten. Viele einstige Bewunderer des Filmregisseurs reagierten mit Ablehnung. Positiv wurden vor allem die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller hervorgehoben. Das „mutige Spiel“ der Eheleute in der Szene des Streits (s. Sex-Dialog) mache die treibende Kraft des gesamten Filmes aus. Alices Monolog sei gar der „Höhepunkt ihrer Karriere“. Urs Jenny schrieb im “Spiegel”, die Streitszene habe „eine atemraubende Intimität, eine Spannung auf höchstem Ingmar-Bergman-Niveau, wie sie gerade im US-Kino kaum je zu finden ist.“ An Regie und Film insgesamt wurde von einigen Kritikern die „seltsame, beunruhigende und manchmal erotische Stimmung“ hervorgehoben. Der subtile Ausdruck eines traumartigen Zustands in dem atmosphärischen Film mache es kaum möglich, Realität und Imagination auseinanderzuhalten; der Einsatz der Musik sei „meisterhaft“. (Quelle: Wikipedia)

Und weil du so schön bis hierher alles brav gelesen hast, folgt zur Belohnung die Auflösung des Film-Rätsels: Es handelt sich (natürlich) um “Eyes Wide Shut” (Die Augen weit geschlossen) mit Nicole Kidman und Tom Cruise. Immer noch ein sehenswerter Film!

„Eines Tages werden Maschinen vielleicht denken, aber sie werden niemals Phantasie haben.“
(Theodor Heuss, deutscher Journalist und Politikwissenschaftler, von 1949 bis 1959 der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, 1884-1963)

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