Reise

Sexuelle Belästigung: Über den Wolken…

Über den Wolken

“…muss die Geilheit wohl grenzenlos sein
Alle Triebwerke, alle Phantasien
Sagt man
Würden den Hormonspiegel entzünden
Und dann
Wenn “er” uns groß und wichtig erscheint
Wird’s nach dem Druckausgleich wieder nichtig und klein.”

Oder so ähnlich…

Mann, Mann, Mann! Was musste der Raabler sich kürzlich wieder für unfassbare “Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken”-Artikel reinziehen. Knapp die Hälfte aller Flugbegleiterinnen – so heißen die eleganten, wohlriechenden Saftschubsen heutzutage – geben in einer anonymen Umfrage an, schon mindestens einmal sexuelle Belästigung an Bord erlebt zu haben. Wiederum knapp die Hälfte der Vorfälle geht dabei zu Lasten von Vorgesetzten. Wie heißt diese meist verheiratete, weil gut verdienende, Spezies noch mal? Ach, ja, Piloten. Dort oben ist denen ja nix verboten! Flieger, grüß mir die Wonne!

Fleischgewordene Bordkataloge auf Pumps

Die andere Hälfte an unaufgeforderten Sympathiebekundungen gegenüber den arglosen Stewardessen teilten sich brüderlich gleichgestellte Kollegen und sabbernde Passagiere untereinander auf. Merke: Dem Platzhirsch das leckere Sahnehäubchen. Der Rest darf mit dem Rest glücklich werden. So ist das nun mal. Im Himmel, so auf Erden. Nun geht es hier zum Glück nicht um richtigen Sex für die Aufnahme im “Mile High Club”. Der findet zwar auch statt, wird aber für gewöhnlich nur in “All Inclusive”-Paketen gewisser privater Airlines als digitale Bückware angeboten. Kostenpflichtig im übrigen nur für diejenigen, die nicht zur kulturell-politischen A bis C-Prominenz zählen.

Triebe

Nein, es geht in der schockierenden Berichterstattung um verbale wie non-verbale Attacken in sauerstoff-reduzierten Zonen der Business- als auch Holzklasse. Was Mann/Pilot so macht, wenn’s ihm furchtbar langweilig wird. Oder wenn beim oberwichtigen Traktieren des im Flugmodus befindlichen Schlepptops ständig diese unverschämt verführerischen Duftwolken die Sinne benebeln. Fleischgewordene Bordkataloge auf Pumps präsentieren eine kleine aber feine Auswahl Parfüm-Klassiker zum einmaligen Schnäppchenpreis. Wer kann da noch die innere Ruhe bewahren?

10 Klassiker für sexuelle Belästigung im Flieger

01. Berührung der Brüste beim überbeugenden Verteilen von Snacks.
02. Handauflegen auf den Knack-Po beim Beantworten einer Frage.
03. Streicheln der Waden bei der Neuausrichtung der Schnürsenkel.
04. Stieren auf Bauch, Beine, Brüste und Po. Die vier Fragezeichen…
05. Nase zur Duftstoffaufnahme sehr nahe an die Fön-Frisur halten.
06. Verteilen von anzüglichen Komplimenten in einer Fremdsprache.
07. Vulgäre Kommentare im Flüstermodus.
08. Sexistische Fragestellungen im Flüstermodus.
09. Aufforderung zu “Zärtlichkeiten” – beliebt bei Nachtflügen.
10. Bitte um Preisgabe persönlicher Kontaktdaten.

Und wie setzt Mann sexuelle Belästigung am geschicktesten um? Hier eine kleine Raabler-Liste: Unauffällig, zufällig, spontan, devot, unschuldig dreinblickend, spielerisch, durchtrieben, aufdringlich, fordernd, geplant, absichtlich unabsichtlich, machtbewusst. In jedem Fall unangenehm für das weibliche Bordpersonal. Vor allem dann, wenn die Flugreise mehrere Stunden in Anspruch nehmen sollte. Es sei denn, es ergibt sich (warum auch immer) eine Gemengelage der gegenseitigen Anziehung.

Begehrlichkeiten im Flugzeug
Immer mehr Stewardessen berichten von sexueller Belästigung am höchsten Arbeitsplatz der Welt. Piloten ist nix verboten, wie es so treffend heißt. Aber dass gerade Geschäftsleute aus der Business-Class einen kleinen “Zusatz-Service” als Ausgleich zum überteuerten Flugticket auszuloten versuchen, geht gar nicht. Illustration: Felix Gröger

Stoff für einen neuen Tatort

Hier wäre dann wieder ein Schuss Kreativität auf der anderen Seite gefragt, um Missverständnisse (Vorsicht, Feindin hört mit!) innerhalb der Crew gar nicht erst entstehen zu lassen. Gerüchteweise nahm so manche Beziehung 10.000 Meter über dem Meeresspiegel ihren vielversprechenden Anfang – bis hin zur Hochzeit. Man muss ja nicht alles immer gleich verteufeln, nicht wahr? Es soll in dem ganzen “Spiel” gelegentlich ausgesprochen sympathische und zuvorkommende Kollegen und Passagiere geben. Und schon wird mit dem Wort “übergriffig” verhaltener umgegangen. Dafür wird dann auf der reinen Sprachebene auf’s feinste modelliert. Und DAS können nur die wenigsten…

Auf der anderen Seite umgehen primitive Grobmotoriker und bemitleidenswerte Verbal-Legastheniker, von denen es immer wieder einige Exemplare kurioserweise bis in die höchsten Ämter von Politik, Wirtschaft und Medien schaffen, aus Mangel an Talent die oben skizzierten Rituale. Sie buchen sich unter merkwürdigen Pseudonymen wie z.B. “Blowing Bill”, “Randy Andy”, “Woodyou” oder “Clincher” auf die Gästeliste einschlägig bekannter Edel-Airlines ein und genießen den exklusiven “Service” an Bord. Genuss sofort! Gerät einer der schillernden Protagonisten mal in die Fänge der Justiz, ist das niemals Zufall und das Finale so vorhersehbar wie ein stinknormaler Tatort am Sonntagabend.

Tatort

Ich bin davon überzeugt, dass Sex in der Hölle eine ständige Pflichtübung sein wird.”
(Thomas Simpson, englischer Mathematiker, 1710-1761)

Raabler-Blogpost:
Sugardaddy meets Sugarbabe

Raabler-Web-Tipp:
#MeToo: So oft werden Flugbegleiterinnen belästigt