Und sonst so?

So funktionieren die Aktienmärkte

Aktienmärkte

Goldene Zeiten für Börsianer! Seit über 10 Jahren geht es nur noch aufwärts mit den Kursen. Gesegnet seien Nullzinspolitik und die Notenbanken als fleißige Gelddruckmaschinen. Ein 50-Euro-Schein (Merke: Der Schein kann auch mal trügen) in den Händen sorgt für Sicherheit und Vertrauen in den eigenen vier Wänden. Oder so ähnlich. Eine simple Strategie mittels derer Deutschland, Europa und die restliche Welt endzeitliche Konsequenzen aus dem Finanz-Desaster in 2008 gerade so eben umschiffen konnten. Hauptprofiteure dieser Entwicklung waren und sind die Aktienmärkte. So ist’s recht!

Und weil die Aktienmärkte traditionell als Spielwiese für die Reichen und Superreichen fungieren, ist es auch völlig in Ordnung, wenn alles dafür getan wird, diese privilegierte Oberschicht immer noch reicher zu machen. Egal welche Kapriolen die Realwirtschaft im bunten Zirkuszelt schlägt. Alternative: Der Staat hätte schon längst weite Kreise der Bevölkerung am Produktivvermögen beteiligen können. Knapp 5,3 Millionen Norweger freuen sich beispielsweise über ein Staatsfondsvolumen in Höhe von rund 900 Milliarden Euro. Das ist mal ‘ne Hausnummer.

Milliardäre

Ein Herz für die deutsche Finanzindustrie

Insider munkeln, dass hieraus Dividendenerträge von ca. 10.000 Euro für jede Norwegerin und jeden Norweger generiert werden. Jahr für Jahr! Ach, das sind doch Peanuts! Erstens: Warum sollte sich Deutschland an einem so kleinen Land orientieren? Und zweitens haben wir unseren dummen Kleinsparern doch auch was zu bieten: Vermögenswirksame Leistungen, steuerlich “hochattraktive” Betriebsrenten und eine Riester-Produktwelt, um die uns die ganze Welt…be…lächelt.

Ist das nichts? Ja, das ist nichts! So, und jetzt kommen Lieschen Müller und Hein Duckdi aber mal so richtig aus der Deckung und wollen auch was vom schmackhaften Börsen-Kuchen abhaben. Weil sie gesehen haben, dass selbst ein unbefristeter Zusammenbruch der Weltwirtschaft wegen der Corona-Pandemie den Aktienmärkten – bis auf einen Panik-Durchänger im März – im Prinzip rein gar nichts anhaben können.

Börse unter Druck

Aktienmärkte lieben die Bazooka

Warum? Weil sich die Finanzminister allerorten ein weiteres Mal schnell darauf einigen konnten, die Geldschleusen bis zum Anschlag aufzudrehen. Wo haben die bloß das ganze Geld her? Der Raabler vermutet einen Zusammenhang mit dem durch Borkenkäfer und Klimawandel verursachten Waldsterben. Irgendwo muss der Rohstoff zum Gelddrucken ja herkommen. Märchenhafte Zustände. Und Märchen gehen doch immer gut aus, oder?

Was braucht’s also zum ewig herbeigesehnten Börsenglück? Auf keinen Fall sollte man einen erfahrenen Wertpapierberater bei der Bank aufsuchen. Der hat nämlich schon die ganzen fürchterlichen Crash-Szenarien der Vergangenheit mit den Anlagen seiner treuen Kunden (und seinem eigenen Geld) erlebt. Der würde einem immer ein Aber vor jeder Kaufentscheidung auf den Weg geben. Dieses Abwägen ist zwar gut gemeint und hat auch seine Berechtigung, macht aber mürbe und mutiert zur reinen Zeitverschwendung.

Aktienmärkte: Bankberater mit Erfahrung sind zu meiden

Wenn eine Bankberatung für den Aktienkauf erwogen wird, dann doch bitte von einem/einer semi-erfahrenen Jungspund/in. Nicht älter als 25 Jahre. Die Burschen/Ladies in ihren schicken Anzügen/engen Röcken (Raabler, du Sexist!) stecken noch voll unschuldigen Optimismus und kennen aus eigener bescheidener Erfahrung nur eine Richtung für die Aktienmärkte. Das erleichtert die Entscheidung ungemein.

frauen und orgasmus

Unterm Strich empfiehlt der Raabler die bankenunabhängige Vorgehensweise. Schön, der blutige Anfänger muss beim Ausfüllen des gesetzlich vorgeschriebenen (Aus)Fragebogens bei der Online-Depoteröffnung in puncto “bisherige Erfahrungen mit Börsenprodukten” lügen, dass sich die Balken biegen. Aber letzlich übernimmt er danach die Verantwortung für sein Handeln in den anmutenden Spielcasinos – den internationalen Aktienmärkten.

Und nicht die abwickelnde Bank. Die ist mit der IT-Infrastruktur schon genug ausgelastet. Und es ist doch peinlich als Anleger, die logischen Gewinne an der Börse hübsch für sich einzukassieren, bei unlogischen Verlusten jedoch mit Messer zwischen den Zähnen und im Geiste geladener Bazooka den Schalterraum zu betreten. Die echte Bazooka überlassen wir doch lieber unserem dauergrinsenden Finanz-Buddha aus Hamburg, nicht wahr?

“Du, die Wanne ist voll…uh…uh…uh!”

Damit er bei abstürzenden Aktienmärkten schnell und großzügig nachladen kann. Mit viel “Bums” und “Wumms”! Und schon sind wir wieder beim Gelddrucken. Dazu noch eine lustige Imagination von “Altmeister” André Kostolany (*1999): Stellen wir uns im Geiste eine große und eine kleine Badwanne nebeneinander vor. Die große Wanne repräsentiert den gesamtwirtschaftlichen Geldtopf (Kreditvolumen, Sparquote, ausländische Kapitalzuflüsse, Zahlungsströme au der Handelsbilanz). Die kleine Wanne steht für die Aktienbörsen.

Fleisch

Fließt in die große Badewanne mehr Geld hinein, als gleichzeitig unten wieder rausläuft, so steigt der Zaster-Pegel kontinuierlich an. Solange bis es zum unvermeidlichen Überlaufen in die “kleine” Börsenwanne nebenan kommt. So etwas nennt man Liquiditätshausse. Nichts geht verloren – “Wasserschaden ausgeschlossen”. Und dieses faszinierende Schauspiel spielt sich bereits seit vielen Jahren vor dem nimmersatten Anlegerauge ab.

“Flieg nicht so hoch, mein Freund!”

Wer zu spät kommt, den bestraft die Hausse. Höre darum niemals auf die zögerlichen Silberrücken auf ihren Beraterplätzen in den Kreditinstituten. Und schon gar nicht auf die tapsigen Bären (Symboltiere für sinkende Aktienkurse) in freier Wildbahn. Greife lieber zu Red Bull…äh…vertraue lieber den Bullen (Symboltier für steigende Aktienkurse). Und vergiss nie, dass du diese Zeilen gerade auf einem Satire-Blog liest.

Wie lautete nochmal die Botschaft aus der Ikarus-Sage?

“Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer kein Geld hat, muß spekulieren.”
(André Kostolany, amerik. Börsenspekulant ungarischer Herkunft, 1906-1999)

Raabler-Blogpost:
Börse ist nix für Weicheier

Raabler-Web-Tipp:
Börse im Ersten (Switch reloaded)

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