Und sonst so?

Stau mal wieder!

Autoverkehr am Ende

Der Raabler kommt beim morgendlichen Abhören der wichtigsten Radio-Meldungen aus Hamburg und der Welt aus dem Stau(nen) nicht mehr heraus. Diverse Frühstückssender absorbieren maximal zwei Minuten Hörer-Aufmerksamkeit für die nachrichtliche Beruhigungspille, dass sich die weltweite atomare Bedrohungslage weder entspannt noch verschärft hat. In einer weiteren Minute wird erklärt, von wo der Wind weht und ob einem der frühherbstliche Regen an diesem Morgen vertikal oder parallel ins Gesicht klatschen wird.

Im Anschluß an diese Belanglosigkeiten werden die wirklich wichtigen Informationen verabreicht, für die 99% der Hörerinnen und Hörer überhaupt ihre Antennen stets zur gleichen Zeit ausfahren: die Verkehrsnachrichten! Früher verschwendete man für das Verlesen derer in etwa eine Zeitspanne, wie sie für das Pulen von zwei hartgekochten Eiern vonnöten war. Ach, ja, früher. Heutzutage nimmt die Kriegsberichtserstattung von den Autobahnen in und um Hamburg gefühlt 10 Minuten in Anspruch.

Stau an allen Fronten

Weltfrieden hin oder her. Bis die autotechnische Gefährdungslage an der Westfront (A7) in allen Details von der bestens gelaunten Radiomoderatorin durchgekaut ist, sind in aller Ruhe zwei Brötchenhälften mit o.a. Eiern belegt, der Bio-Orangensaft frisch ausgepresst, eine randvolle Kanne des Eine-Welt-Kaffees aus Äthiopien durchgelaufen sowie die erste überregionale Sportseite der Tageszeitung komplett auswendig gelernt. Soweit die Szenerie am Küchentisch.

Stau auf der Autobahn
Die A7 bei Hamburg im Jahr 2050: Eine von städtischen Verkehrsplanern erhoffte Entspannung im morgendlichen Berufsverkehr konnte auch durch den Ausbau auf 16 Spuren nicht erzielt werden.

Gibt es wenigstens an der Ostfront (A1) etwas Hoffnung auf ein paar knackige Durchhalteparolen? Dazu schnell ins Badezimmer gehuscht, um im weiter streng durchgetakteten Morgenritual (Pullern, Rasieren, Zähneputzen, Anti-Aging-Creme) nicht unnötig viel Sand durch die Uhr laufen zu lassen. Die bestens gelaunte Radiomoderatorin scheut auch an diesem seit den frühen Morgenstunden umkämpften Frontabschnitt nicht vor grausamen Einzelheiten zurück. Sie berichtet von “teils stockendem, teils zäh fließendem Verkehr”, “Stopp and Go”, “15, 30 oder 60 Minuten länger”, “Baustelle weiträumig umfahren” oder “nachfolgende Umleitungsempfehlungen von Verkehrs-Kai”. Herrlich!

Was die Rettungsgasse mit Politik zu tun hat

Bei “Stauende”, “ungesicherte Unfallstelle beachten” und “Rettungsgasse bilden” ist aber endgültig Schulz mit Würselen. Verdammt, wie bildet man eine Rettungsgasse? Der Raabler hilft gerne mit einer anschaulichen Visualisierung aus dem Politiker-Alltag: Wer links steht, rückt ein Stückchen weiter nach links. Die Mitte und der rechte Flügel (die große Mehrheit, klar!) rücken so weit wie’s geht noch weiter nach rechts. So ist’s brav. Die Geschichte zeigt, dass uns derartige Positionswechsel im Ernstfall noch nie schwer gefallen sind. Und wieder etwas bzw. nix dazu gelernt…

Im innerstädtischen Straßenkampf dagegen – abseits der Kriegsschauplätze auf den Autobahnen – spielen Rettungsgassen keine Rolle. Dennoch sind auch in diesem Beritt allmorgendlich bestens gelaunte Radiomoderatoren gefordert, um Positionsgewinne und Rückzugsbewegungen auf den wichtigsten Pendlerrouten zu kommunizieren. Merke: Überfüllte Autobahnen verstopfen die City. Umgekehrt ist es nicht anders. Es ist ja wie es ist.

Autoverkehr vor dem Kollaps
Staumeldungen haben sich mittlerweile zum Hauptbestandteil der Nachrichten im Radio entwickelt. Gut, dass die bestens gelaunten Moderatoren den gestressten Autofahrern oft mit nützlichen Umgehungstipps zur Seite stehen.

Kalaschnikow neben dem Warndreieck

Der Raabler staunt über den Gleichmut und die unendliche Geduld der Autofahrer, speziell der Berufspendler. Natürlich gibt es tausendfaches einsames Fluchen und Grummeln hinterm Lenkrad. Natürlich werden zur Not auch mal bei heruntergelassener Scheibe Nettigkeiten mit dem Stau-Nachbarn ausgetauscht. Alles harmlos. Irgendwann wird ein als “unauffällig” eingestufter Familienvater seine aus ehemaligen NVA-Beständen gerettete Kalaschnikow aus dem Kofferraum holen und das Magazin mit Luftschüssen leerballern. Nur mal so. Als spontanes Statement.

Und spontan tun es ihm Dutzende mit zerfetztem Nervenkostüm um ihn herum gleich. Freudengeschrei. Hysterischer Jubel. Wildfremde Menschen fallen sich…eine unvorstellbare Szenerie. So unvorstellbar wie die unendlichen täglichen Staugeschichten. Hoffentlich überfliegt dann nicht gerade ein mit acht Kreuzfahrttouristen besetztes Lufttaxi den Ort des Geschehens. Man mag es sich nicht vorstellen…

“Im Verkehr kann man täglich ein Leben retten, nämlich sein eigenes.”
(Siegfried Sommer, deutscher Schriftsteller u. Journalist, 1914-1996)

Raabler-Blogpost:
SUV: Sinnentleert unter Vollidioten

Raabler-Web-Tipp:
Die Deutschen und der Stau (extra 3)