Reise

Sundowner auf Sylt

Sundowner

Was gibt es Schöneres auf Erden, als von der Sylter Abendsonne geküsst zu werden? Nicht viel jedenfalls. Das entdeckten vor allem diejenigen deutschen Urlauber, die coronabedingt entgegen ihren sonstigen Geflogenheiten statt an der Playa de Palma den diesjährigen Herbsturlaub am Balneario Westerlandario verbrachten. Sie werden es nicht bereut haben. Zumindest in der ersten Ferienwoche spielte das Wetter außerordentlich gut mit. Perfekt für den einen oder anderen Sundowner in ausgelassener Trotzstimmung.

Raabler-Info:
Dieser Blogbeitrag wurde vor ewigen Zeiten (am 26. Oktober 2020) vorgeschrieben. Wieder mal sehr leichtsinnig vom frechen Raabler! Steht uns doch allen völlig unerwartet der November-Lockdown ins Haus!

Trotz? Tja, die Urlaubsstimmung wäre beinahe vor die Hunde gegangen. Rechtzeitig zum Massenansturm auf die Trauminsel spielte Sylt quasi über Nacht in der Premier-League der Corona-Hotspots mit. Kurzfristige Schnappatmung beim sonntäglichen Frühstücksradio des inseleigenen Dudel-Senders provozierte offene Münder der Fassungslosigkeit vor den Volksempfängern. Das durfte doch wohl alles nicht wahr sein! Bange Tage waren zu überstehen.

Spreader

“Darauf einen Spritz!”

Raabler-Stammleser kennen ja bereits den positiven Ausgang der Geschichte. Scheiße, nein, natürlich nicht positiv – getestet. Negativ. Die anderen Gäste. Der vermeintliche Spreader aber schon positiv. Was sehr negativ hätte enden können. Alles klar? Darauf einen Aperol. Der spritzt und sitzt. Besser einen zweiten hinterher, wir machen ja Urlaub am Meer. Den dritten genüßlich mit in den Strandkorb genommen. Den traumhaften Sonnenuntergang nur noch leicht verschwommen wahrgenommen.

Aperol

Oder so ähnlich. Man muss es Einheimischen wie Urlaubern hoch anrechnen. Niemand geriet in Panik. Die Bars, Cafés und Restaurants in Westerland waren überfüllt wie eh und je. Während die Medien auf allen Kanälen schon mal prophylaktisch die wichtigsten zehn Überlebensstrategien im Falle eines Falles hinausposaunten, herrschte in der Friedrichstraße business as usual. Das Beste am Norden ist unsere innere Ruhe und Gelassenheit!

Einen Sundowner zum Sundowning

Norddeutsch ausgedrückt: “Hummel, Hummel – Mors, Mors!” Was soviel bedeutet wie: “Leck’ mich am Arsch!” Im Nachhinein nicht die schlechteste Einstellung zum kurzen Leben. Kommt gleich nach “Carpe diem!”, was auf syltisch heißt: “Der Spritz ist für mich!” Der (goldene) Sundowner-Schuß hätte aber auch derart nach hinten losgehen können, das einige mit dem Verfassen einer wasserdichten Patientenverfügung logistisch schnell an ihre Grenzen gestoßen wären. Ach, komm’, Bernstein drüber. Und weiter!

Sylt

Was macht man als Urlauber, wenn man einem Spreader-Ereignis durch allerlei glückliche Fügungen von der Schippe springen konnte? Richtig, man genießt die Stunden der Muße noch intensiver als sonst. Zum Beispiel, indem man Stunden vor der nächsten Sonnenuntergangs-Show mit Hilfe göttlichen Beistands auf der Promenade einen Strandkorb ergattert. Und ihn bis 20.30 Uhr nicht mehr hergibt. Um keinen Preis der Welt.

Der Kampf um die Sundowner-Pole

Bis zum Finale des Naturspektakels sondieren zwar durchschnittlich 178 weitere Personen voller Vorfreude und Hoffnung – hinterrücks taxierend und anschleichend – deinen geliehenen Platz an der Sonne. Das ist jedoch klaglos und ohne heimliche Schadenfreude zu dulden. Denn morgen wirst DU derjenige sein, der den enttäuschten Blick vom 53igsten besetzten Strandkorb in der Pole-Position abwendet. Das ganze Leben ist ein Spiel! Und wir sind nur die Strandpiraten…

Sonnenstich.TV

Der allabendliche Kampf um den besten Sundowner-Standort ist neben dem Untergangsspektakel selbst der nächstbeste Hingucker für den stillen Beobachter. So manche spontane Kontakte (in “Spritz”-Laune, schon klar!) wurden auf diese Weise geknüpft. So manche Ehe angebahnt. Im Nachhinein der eine oder andere häusliche Segen in Schieflage manövriert. Ach, komm’, Austern schlürfen und einen Chablis drüber. Und gut is!

Smartphone ist wichtiger

By the way: Als eines milden Abends der Raabler mit seiner Raablerine die Phalanx der ca. 100 Strandkörbe am Westerländer Hauptstrand abschritt, fiel ihm auf, dass lediglich in 10 Körben keiner der Insassen allerwichtigst mit der Smartphone-Nutzung beschäftigt war. Der konzentrierte Blick nach unten auf den Screen gerichtet, während die Natur am lilaroten Horizont sich alle Mühe gab, den Tag in unvergesslicher Schönheit ausklingen zu lassen.

Handy

Leute, so kann’s nicht weitergehen. Eine Ablenkungsquote von erbärmlichen 90 Prozent. Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Der Raabler wird die Fortschritte im nächsten Jahr genau beobachten. Ganz genau!

“Der Anspruch auf den Platz an der Sonne ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass sie untergeht, sobald er errungen ist.”
(Karl Kraus, österreichischer Schriftsteller, 1875-1936)

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Aperol-Spritz-Tussi


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