Gesellschaft

Syltisierung schlägt hohe Nordseewellen

Syltisierung

Aber warum eigentlich? So wie der weltweite Klimawandel ein unvermeidbares Naturereignis ist, so fühlen sich surreal riesige Vermögenswerte aller Anlageklassen irrsinnig wohl in den perfekt manikürten Patscherchen einiger weniger Superreiche. Die Syltisierung von Sylt zum Beispiel war nur eine Frage der Zeit. Da kann man nichts machen. Ist nun mal so. Raabler Rolfn kann darum auch die ganze Aufregung nicht nachvollziehen, die um dieses Thema gemacht wird. Es folgt mal wieder ein völlig überflüssiger Blogpost. Aber bitte, wenn du den Scheiß unbedingt lesen willst…

Unter Syltisierung versteht man ein Überangebot an bezahlbarem Wohnraum in bester Lage. Diese Konstellationen schießen zuverlässig immer dann ins Kraut, wenn der Staat seine fürsorgliche Rolle gegenüber den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in einer sozialen Marktwirtschaft überinterpretiert. Zum Beispiel durch absurdeste Maßnahmen wie: wirkungslose Mietpreisbremsen, sinnbefreite Investitionen in den sozialen Wohnungsbau oder realitätsferne Implementierung kommunal-sozialer Bauträgergesellschaften.

cornern

Syltisierung = Erfolgsmodell

Ganz zu Ende gedacht, drohen sogar vom Grundgesetz legitimierte Enteignungen. Wie bitte? Scheiß Grundgesetz! Welche Idioten haben sich dieses verfluchte Teufelswerk ausgedacht? Kommt ja gleich nach Bibel. Liest kein Mensch. Interessiert keine Sau. Also, was soll’s? Das dachte sich irgendwann auch der aufgeklärte Staat und legte in freudigster Erregung um die Jahrtausendwende den sportlich-dynamischen Privatisierungsgang ein. Ein Glück, dass SPD und Grüne mit dem ganzen Schlamassel nichts zu tun haben!

Deregulierung und Globalisierung gingen fortan wie Hänsel und Gretel durch einen verlockend duftenden Märchenwald voller Möglichkeiten. Oberstes Prinzip: Marzipantörtchen umgehend für die Champus-League privatisieren, vergammeltes Knäckebrot lebenslänglich in den schwieligen Arbeiterhänden des Staates weiter vor sich hingammeln lassen. Ein Erfolgsmodell, das sich bis in die heutige Zeit bewährt hat. Es garantiert, dass Reiche immer reicher und der erbarmungswürdige Rest der Gesellschaft…den Satz darfst DU jetzt vollenden!

Mieten immer teurer

Reiche können nichts für ihren Reichtum

Lässt man der Natur aus guten Gründen jedweden Raum zur freien Entfaltung, so ist man gut beraten, den verschiedenen (Anlage)Märkten in einer Volkswirtschaft ebenso freien Auslauf zu gönnen. Sie werden es der Allgemeinheit (euch, dir und dem Raabler) mit Heller und Pfennig und weit darüber hinaus zurückzahlen. So weit die Theorie. Mit einem Heller und einem Pfennig an Steueraufkommen ist jedoch kein Staat zu machen. Schon gar nicht im Euro-Zeitalter. Dumm gelaufen, also!

Und jetzt kommst du! Was würdest du denn machen, wenn dir der Staat unaufgefordert gewaltige Steuergeschenke macht und dir zum erlittenen Geldschock noch ein hübsches Kilo Schlagsahne auf den leckeren Takeover-Deal zum Nulltarif draufklatscht? Na, klar, du würdest als erstes den Petitionsausschuss des Bundestages anrufen: “Hallo Staat, ich möchte mehr Steuern auf Erbschaften, Vermögen, Gewinne und Kapitalerträge zahlen. Bitte tu’ was in der Richtung! Danke, dein Millionär/Milliardär und untertänigster Diener deines Volkes!”

Milliardäre

Syltisierung kennt auch Schattenseiten

Genau so. Läuft es eben nicht. Stattdessen fühlst du dich mit deinem ganzen hart ererbten Vermögen bitterlich allein gelassen. Dazu vermehrt es sich täglich ungehemmt. Ein reines Titan-Naturgesetz, so würde es Dittsche formulieren. Wer da nicht über eine gehörige Portion Resilienz verfügt, kann schnell den roten Lebensfaden verlieren. Süchte und Depressionen schneien den armen Reichen schneller in die Villa am See, als sie das Wörtchen “Verteilungsgerechtigkeit” überhaupt buchstabieren können. So brutal kann die Welt sein. Und so ungerecht…

Und was würdest du machen? In der Eiseskälte fehlender Anlagealternativen und umzingelt von dubiosen Assetklassen? Bis zur Halskrause investiert in Gold, Gewerbeimmobilien, Rentenwerten, Aktien sowie Derivaten auf Öl, Lebensmittel und seltene Erden gehen dir die Ideen aus? Dann kauf’ dir, verdammt noch mal, eine zweite oder dritte oder vierte Immobilie auf Sylt. Das ist Betongold vom Feinsten. Es wird nicht billiger dort. Ganz im Gegenteil! Den Letzten fressen die Negativzinsen.

Parallelwelten

Dir soll es an nichts mangeln

Willst du das etwa? Also, sei schlau, ignoriere gefälligst die abgedrehten Preisvorstellungen der mit Exklusiv-Vertriebsrechten ausgestatteten Edel-Immobilienmakler. Schlag zu, bevor’s ein anderer tut. Zum Beispiel der Mit-Rotarier aus deiner Heimatstadt. Dieses Arschloch konntest du noch nie so recht ausstehen, stimmt’s? Und wenn du weder Lust noch Zeit hast, deine frisch gedeckte Reetdach-Eroberung regelmäßig für ein paar Stunden der Muße aufzusuchen, so lass’ sie einfach leer stehen. Mutter Natur wird über dich und deinen Vermögenswerten wachen.

Dir wird und soll es an nichts mangeln. Das von dir beauftragte Facility-Management stellt im Rahmen analog-digitaler 24/7-Überwachungstechnologie (inkl. direct-call-connect zur örtlichen Polizeistation) das größtmögliche Sicherheitsgefühl in deiner Luxus-Datscha her. Ein ganzes langes Leben hast du immer nur dem Staat gegeben. Nun darfst du auch mal ohne schlechtem Gewissen (an)nehmen.

Mehr Hohn und Spott im nächsten Raabler-Blog!

“Beim gesellschaftlichen Aufstieg empfiehlt es sich, freundlich zu den Überholten zu sein. Man begegnet ihnen beim Abstieg wieder.”
(Jo Herbst, deutscher Schauspieler und Kabarettist, 1928-1980)

Raabler-Blogpost:
Milliardäre kaufen Seychellen und Malediven

Raabler-Web-Tipp:
Hinter den Kulissen der Ferieninsel Sylt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.