Und sonst so?

Talkshow am Freitagabend

Talkshow

Willst du dir den Freitagabend versauen, musst du die NDR-Talkshow anschauen. Ab 22 Uhr geht das PR-Spektakel los. Blonde Wurst in Pelle und Socken-Hubert verbreiten bei der obligatorischen Vorstellung der zuvor noch niemals im Fernsehen aufgetretenen Gäste ungekünstelte Jahrmarktstimmung. Macht’s der Sekt allein? Oder gibt’s da noch andere Geheimrezepte für übertrieben gute Laune? Gut, es kommt schon mal vor, das ein/e Gesprächspartner/in drei Stunden zuvor bereits auf dem “Toten Sofa” interviewt wurde. Aber nur in absoluten Ausnahmefällen.

Zum Beispiel dann, wenn gerade ganz dringend ein neues Buch, eine neue CD, ein neuer Fernsehfilm, eine neue Kinoproduktion, eine neue Kosmetiklinie, eine bahnbrechende Erfindung, eine neues Hotelkonzept, ein neuer Youtube-Kanal, ein neuer Food-Blog, ein neues Theaterstück, ein neues Spendenprojekt, eine neue Ausstellung, neue Konzert-Auftrittstermine, eine neue Diät oder eine komplett neue Einstellung zum Leben propagiert werden müssen.

TV-Werbung im Stroboskop-Gewitter

Talkshow als reine PR-Veranstaltung

Alles nur absolute Ausnahmefälle. Und weil die Programmverantwortlichen täglich ein kritisches Auge auf die Auswahl der Runde werfen, kommt es auch niemals zu Überschneidungen mit Talk-Formaten anderer TV-Sender. Dass Sängerin Sarah Conor zusammen mit Schauspieler Lars Eidinger innerhalb einer Woche in “6 aus 49” bei Radio Bremen und dem “Kölner Brech” auftraten – reiner Zufall, wirklich. Das sollte auch nichts promotet werden. Was denn auch?

Den Negativ-Vogel schoss jüngst Wetterexperte Sven Plöger ab. Der drehte in Rekordzeit eine Marathon-Runde durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Weitgehend gleiche Fragen trafen auf weitgehend gleiche Antworten. Es galt, seine neue zweiteilige TV-Doku und sein neues Buch verkaufsfördernd ins rechte Licht zu rücken. Der reinste Plöger-Overload. Ist man als berühmter Wetterfrosch im deutschen Fernsehen derart unterbezahlt?

Es geht mal wieder um’s liebe Geld

Reicht es nicht zum Überleben, Sven? Der Raabler als ausgewiesener Plöger-Fan fragt nur mal ganz doof in die Raabler-Runde. Neulich erwischte er sich das erste Mal dabei, dass er den über die Maßen kompeteten Vorhersage-Onkel bei seinem Orakel kurzentschlossen wegzappte. Er konnte die Stimme einfach nicht mehr ertragen. Eine reine Notwehrmaßnahme gegen die mediale Dauer-Beschallung. Aaaah, das tat gut!

Radio: Der Mix macht es nicht immer.

Aber, wie gesagt, die Talkshow-Formate haben sich in letzter Zeit verstärkt darauf fokussiert, wirklich neue und frische Gesichter ohne kommerziellen Hintergrund in die Studios einzuladen. Dem Raabler fällt nur grad kein Beispiel ein. Macht nix. Gerade in Corona-Zeiten muss man mit ewigen Film-Wiederholungen und den ewig gleichen Talkshow-Gästen leben. Das Geld ist knapp. Normalerweise ein Turbo für Neues, Kreatives und Phantasievolles.

Leider nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Aber, halt! Da geisterte doch neulich was Super-Kreatives durch die Gazetten. Hm, worum ging’s? Ach, ja, die neue Gebührenerhöhung. Wurde auch mal wieder allerhöchste Eisenbahn. Fast hättet ihr’s verpennt. Der verdiente Dank geht an dieser Stelle an die DFL. Weiter so!

“Es gibt Fernsehprogramme, bei denen man seine eingeschlafenen Füße beneidet.”
(Robert Lembke, deutscher Journalist u. Fernsehmoderator, 1913-1989)

Raabler-Blogpost:
TV-Werbung nervt

Raabler-Web-Tipp:
NDR Talk Show – Matze Knop

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