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Tatort Mallorca: Verrückte Zahlenspiele für Urlauber

Urlauber im Stress: Kriminalität auf Mallorca

Raabler-Tipp: Falls du die erste Episode der Mallorca-Reportage verpasst haben solltest, klickst du am besten erst einmal auf den nachstehenden Link…

Mallorca: Eldorado für Langfinger

Der Raabler liebt Zahlenspiele, wenn auch lieber in anderen Zusammenhängen als in Sachen Kriminalität auf Mallorca. Hier nun ein paar Beispiel-Berechnungen:

40 Fälle täglich im deutschen Konsulat von Palma de Mallorca bedeuten, sagen wir der Einfachheit halber, 1.000 Fälle im Monat. Es trifft Singles wie auch beispielsweise vierköpfige Familien. Multiplizieren wir die 1.000 Fälle z.B. mit dem Faktor 2, so erhalten wir 2.000 betroffene Urlauber im Monat. Diese müssen neben dem Verlust von Bargeld (bei sagen wir mal durchschnittlich 100 Euro pro Nase) in Höhe von 200.000 Euro monatlich zusätzlich natürlich die Kosten für die Ersatzdokumente im Konsulat verauslagen. Es ist übrigens auch keine Selbstverständlichkeit, sofort nach dem Diebstahl wieder über frisches Bargeld zu verfügen. Aber auch danach fragt das Konsulat nicht groß. Zeitproblem. Ein Ersatz-Personalausweis kostet 25 Euro.

Traumziel Venedig

Rekapitulieren wir: 2.000 bestohlene deutsche Urlauber legen beim Konsulat 50.000 Euro monatlich an Gebühren für den alternativlosen Erwerb einer Ersatzidentität hin. Diese erlischt nach 4 Wochen. Über die Hotel-Rezeption wäre es leicht möglich gewesen, die Ausweisnummern der (geklauten) Personalausweise vorzulegen. Eine kurze Rücksprache mit der Heimatbehörde – verbunden mit dem Gegenchecken der Fotos – hätte vielleicht ausreichen können, oder?

Kleiner Exkurs: Ein Satz Passfotos im gegenüberliegenden „Carrefour“- Einkaufsmonsterparadies (viel Spaß beim Suchen des Automaten!) kosten 4 Euro pro Nase. 2.000 X 4 Euro = 8.000 Euro. Diese Summe stecken beklaute deutsche Urlauber in die Fotoautomaten zum Erstellen der meist hässlichen Passbilder. Jeden Monat! Wie geil ist das denn?

Aber, nein. Erstens kostet das noch mehr Zeit und warum sollte man zweitens auf die 50.000 Euro monatliche Gebühren im Deutschen Konsulat verzichten? Das aus dem Elend der Urlauber generierte Geld reicht locker für sämtliche Personal- und Sachkosten des Hauses – eine wöchentliche Champus-Party im „Fabrica23“ dürfte obendrauf locker im Budget liegen.

Daneben fragt sich des Raablers sensible Seele: Was denken sich eigentlich die spanischen Mitarbeiter in den Konsulaten unten am Empfang, beim Fahrstuhl bzw. oben in den jeweiligen Etagen hinter den dicken Sicherheitstüren? Haben sie Mitleid mit den Touristenströmen, die ständig rein- und rausspazieren um in einem hoheitlichen Akt bestätigen zu müssen, das sie ihr gesamtes Hab und Gut unglücklicherweise „verlegt“ haben?

Ist ihnen das nach all den Jahren schnurzegal, weil es ja keine armen Leute trifft? Oder sagen sie sich im Stillen vielleicht: „Selbst Schuld!“ Oder „Schön blöd!“ Oder “Deutsche Touristen, gut!“.

Besser, wir wissen es nicht so genau…

Deutsches Konsulat auf Mallorca
Das Deutsche Konsulat auf Palma de Mallorca: Hier stranden täglich ca. 40 Familien, um den Diebstahl ihrer Habseligkeiten anzuzeigen. Illustration: Felix Gröger

Geld und Papiere auf Mallorca futsch? Silencio, por favor!

Eine Hauptsaison auf Mallorca dauert locker mindestens 6 Monate. Da kommen hübsche Sümmchen zusammen. Und wir wundern uns immer wieder darüber, wie viele geschmackvolle Yachten im Hafen von Palma andocken. Dort, wo sich ehrliches Unternehmertum noch rentiert und nicht durch ein Klima des typisch deutschen Neids getrübt wird. Zusammenfassend gibt es also gute Gründe, keine zusätzlichen Warnhinweise für die Urlauber zu platzieren. Es verdienen einfach zu viele Parteien an diesem „Spiel“.

Zuhause angekommen legt man natürlich ein weiteres Mal ca. 28 Euro für den dann richtigen neuen Personalausweis auf den Tisch des Hauses. Um im obigen Berechnungsgerüst zu bleiben: 2.000 X 28 Euro = 56.000 Euro monatlich für die Heimatbehörden in Deutschland. Auch eine sichere Einnahmequelle wie Rolfn findet – vor allem stetig und völlig konjunkturunabhängig. Ach, ja, der neue Führerschein muss ebenfalls beantragt werden. Ca. 29 Euro bei Diebstahl. Macht erneut eine stattliche Summe von 2.000 x 29 = 58.000 Euro monatlich für die Landkreise in Deutschland. Aber die können nun wirklich nichts dafür.

Wobei, jetzt ist gerade in einer offiziellen Broschüre unseres Bürgerbüros zu lesen: Jährlich verschwinden ca. 250.000 (!!) Personalausweise in Deutschland. 250.000 x 28 Euro = 7 Millionen Euro Gebühreneinnahmen. Na, schön, Mallorca alleine kann’s dann ja nicht sein. Aber wie kommt diese unglaubliche Zahl zustande? Bisher ging der Raabler immer von ca. 82 Mio. Deutschen nach der Wiedervereinigung aus. Muss diese Zahl nicht nach oben revidiert werden? Fragen über Fragen…

Über den Wolken

Ein letztes Mallorca-Zahlenspiel noch…

Nein, der Raabler macht jetzt keine Hochrechnung mehr auf die gesamte Saison in Spanien. Und auch keine Hinzuziehung der anderen Nationen – obwohl, man munkelt, es soll angeblich auch ein paar Engländer auf der Insel geben.

Na, gut, eine letzte noch: In den unendlichen Weiten des Internets spricht man von täglich ca. 400 Diebstählen auf Mallorca. Auf die gesamte Saison grob hochgerechnet wären das 96.000 Fälle. Das kommt hin. Setzen wir diese Zahl ins Verhältnis zum gesamten Urlauberaufkommen von jährlich ca. 10 Mio. sonnenhungrigen Gästen, so ergibt sich ein Prozentsatz von aufgerundet 1 Prozent. Nur jeder Hundertste ist demnach von Diebstählen betroffen, was sich wiederum ganz harmlos anhört.

100.000 bestohlene Urlauber „verlieren“ durchschnittlich 50 Euro pro Nase – das ergibt eine „erzwungene Entsparung“ bzw. elegante Hinzuführung zum Insel-Konsum in Höhe von 5 Millionen Euro jährlich. Wie hoch ist der Durchschnittspreis einer Yacht vor Palma? Geschätzte 1 Million Euro, mindestens. Das sind also 5 Yachten pro Saison – kein Wunder, dass es kaum noch vernünftige Anlegeplätze gibt.

Raabler Rolfn und seine bessere Hälfte hatten bis zum Abreisetag tatsächlich alle Formalitäten erledigt. Die Reisepässe konnten in „chilliger“ Grundstimmung drei Stunden vor der boarding-time vom Konsulat in Palma de Mallorca abgeholt werden. Die großzügig bemessene Rest-Zeit wurde für einen letzten Imbiss in der Barszene von Portixol genutzt. Was nicht sehr clever war, denn nicht jeder Mietwagenbesitzer findet auf Anhieb den richtigen Eingang zum schnuckeligen Parkhaus-Moloch am Flughafen. So wurde es doch noch knapp und man wurde als letzte Gäste an Bord der Boeing begrüßt. Nach der nächtlichen Landung in Bremen ging es eiligst zur Abfertigung, wo sich auch schon die ersten Koffer auf dem Laufband präsentierten. Ja, das ist die typisch deutsche Gründlichkeit und Arbeitsdisziplin! Toll!

La Palma im Sturm

Leider fehlte eins von den insgesamt 189 Gepäckstücken. Und welches? Na? Klar, das der Lebensgefährtin vom Raabler. Gestählt durch die Kümmernisse auf Mallorca, übernahm fortan der Galgenhumor die Regie. Die Formalitäten waren recht zügig erledigt und nur drei Tage später konnte der Koffer – beschädigt, aber mit allem Inhalt – vor der Haustür in Empfang genommen werden. Glück gehabt!

Die eigene Identität wiedergewinnen

Der erste Tag in der Heimat war selbstredend den diversen Behördengängen (Bürgerbüro, Bank, Deutsche Bahn, Krankenkasse, Stackmann-Kundenkarte etc.) vorbehalten. Gut, dass noch drei Tage Puffer bis zum Wiedereintritt ins Arbeitsleben eingeplant waren. Das „Identitätskonto“ wuchs von Stunde zu Stunde wieder an – ein schönes Gefühl. Das Geldkonto zur Bezahlung der „Rundumerneuerung“ schrumpfte dagegen ebenfalls stündlich.

Als alles erledigt war, widerfuhr den Mallorca-Reisenden eine Woche später eine weitere „glückliche Fügung“: Die fürsorgliche Hotelmanagerin des Finca-Hotels schickte eine Mail mit dem Inhalt, dass die Guardia Civil in Alcudia – 16 Kilometer vom eigentlichen Tatort entfernt – die Geldbörse vom Raabler vorliegen hat. Wie freute er sich darüber, wie unendlich freute er sich darüber.

Polizei auf Mallorca
Die Drei von der Guardia Civil: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Mit diesem Motto fährt man bei den Ermittlungsbehörden auf Mallorca stets gut. Illustration: Felix Gröger

Es wird nun endlich Zeit für…

10 nützliche Tipps für Mallorca-Urlauber:

01.) Immer schön das Geld und alles Wertvolle ganz eng am Mann/an der Frau und möglichst tief in der Hosentasche aufbewahren.
02.) Dokumente, Personalausweise, Führerscheine werden von der spanischen Polizei mittlerweile auch als Kopie akzeptiert. Manche Urlauber erstellen vor Reiseantritt pdf’s von allen relevanten Papieren, die sie sich dann selbst ins eigene, überall auf der Welt abrufbare E-Mail-Postfach legen.
03.) Überflüssige Dokumente wie Bahncard, Abo-Karten, Bonuskarten, Blutspende-Ausweis, zusätzlicher Reisepass etc. gar nicht erst mitnehmen.
04.) Niemals Unbekannten die Heimatadresse mitteilen. Das Haus/die Wohnung zuhause steht hübsch leer.
05.) Den „Blumenfrauen“ in Palma möglichst weiträumig aus dem Weg gehen.
06.) Bitte nicht auf dem Flughafen und den vielen beliebten Wochenmärkten vom Gepäck entfernen bzw. anrempeln/ablenken lassen.
07.) Um ärgerlichen, aber durchaus vorkommenden Gepäckverlust (muss nicht unbedingt ein Diebstahl sein) bei einer Hinreise abzufedern, legen sich Pärchen gegenseitig ihre wichtigsten Klamotten in den jeweiligen Koffer des Mitreisenden. Der Mix macht’s! Wenn dann mal ein Koffer nicht ankommt, sind wenigstens die ersten Tage gerettet. Achtung: Funktioniert nicht bei Singles.
08.) Rucksäcke und Wertgegenstände niemals im Auto liegen lassen – auch nicht für Sekunden.
09.) Nur soviel Bargeld mitnehmen, wie man vermutet an diesem einen Tag ausgeben zu wollen. Ansonsten im Hoteltresor lagern. 100 % Sicherheit gibt es dort aber leider auch nicht. Siehe/Lese den u.a. „Nachschlag“.
10.) Jeder Diebstahl und Verlust sollte unbedingt bei einer spanischen Polizeidienststelle zur Anzeige gebracht werden. Ohne Anzeigeprotokoll gibt es den nächsten Ärger mit den heimischen Behörden, wie z.B. Banken, Versicherungen, Bürgerbüros etc..

Wer noch mehr Tipps auf Lager hat und überhaupt was zum Thema schreiben möchte: Raabler Rolfn freut sich auf deinen/euren Kommentar. Hasta luego!

Nachrichten im Überblick

Hier der bereits angekündigte kleine “Nachschlag” zum Schluss…

Apropos: Hoteltresor

Der vierköpfigen „Opferfamilie“, die seinerzeit ebenfalls im Deutschen Konsulat auf behördlichen Beistand angewiesen war, wurde sämtliches Hab und Gut (Dokumente, Ausweise, Bargeld etc.) eben aus einem Hoteltresor gestohlen. Diese Variante der „sanften Entsparung“ war allen Beteiligten neu. Aber was der Familienvater (geschätzt Anfang 40) angesichts dieser „Katastrophe“ sinngemäß zu den Umstehenden und seiner Familie sagte, hatte jeden Zuhörer schwer beeindruckt:

„He, Leute, was regen wir uns auf? Geld und Pässe sind zu ersetzen, aber wir sind gesund und munter und leben noch. Schaut doch mal aus dem Fenster: Wir haben hier Mitte Oktober und draußen scheint ohne Ende die Sonne bei 29 Grad – so schön kann das Leben sein, oder?“

„Zum Reisen gehört Geduld, Mut, Humor und dass man sich durch kleine widrige Zufälle nicht niederschlagen lasse.“
(Adolph von Knigge, deutscher Schriftsteller und Aufklärer, 1752 – 1796)]

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