Und sonst so?

Tatort: Mordsspaß für die ganze Familie

Tatort

“Kultiger Tatort unser am Sonntagabend. Geheiligt werde deine abgefuckte Titelmelodie. Dein irrer Plot komme. Das brutalste Verbrechen geschehe. Wie im Hotel, so in der Villa zuhause. Unser täglich Täterprofil gib uns heute. Und vergib uns unsere Ungeduld. Wie auch wir vergeben unseren Mordverdächtigen. Und führe uns nicht in die Falle, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist der geile Sendeplatz, die Abgestumpftheit deiner Fans und deren Einfältigkeit in Ewigkeit. N’ Abend, allerseits!”

Na, klötert das wie lauschige Musik in den Ohren der Raabler-Fan-Gemeinde? Zum Glück muss sich keiner angesprochen fühlen. Und weil sich in der Regel selten mehr als 10 bis 13 Millionen Zuschauer bei diesem allsonntäglichen Schund vor dem Flachbildfernseher versammeln, traut sich der Raabler, etwas kritisch und reflektiert darüber zu schreiben. Wer sollte sich bei den miesen Einschaltquoten in mittlerweile über 1000 Tatort-Episoden auf den Schlips getreten fühlen? Also, los geht’s.

Brutale Gewalt ist gut für die Schlafhygiene

Ob es der vielzitierten Schlafhygiene immer zum Vorteil gereichen mag, wenn sich Fernsehzuschauer freiwillig und kurz vor der Bettruhe in allen Facetten die fieseste aller möglichen Konflikt-Lösungsmöglichkeiten im zwischenmenschlichen Miteinander reinziehen: die nackte Gewalt? Putzig, dass das, was allgemein in Politik und Gesellschaft auf das Schärfste verurteilt wird, im TV fröhliche Urständ feiern darf. Oder ist genau das der Grund für den Hype um den Tatort und andere Gewaltformate? Quasi ein willkommener Ausgleich per TV-Konsum zum praxisfernen Gutmenschentum?

Tatort eigenes Zuhause
Gerade Männer neigen dazu, ihre Liebe zur angebeteten Partnerin auf vielfältige Weise zu dokumentieren. In dieser Situation würde dem Liebeswütigen schon ein zart gehauchtes “Ja, ich will!” völlig ruhigstellen. Warum fällt es gerade den jungen Frauen zunehmend schwerer, spontan ihre Gefühle zu äußern?

Mensch, Raabler, beruhig’ dich! Und nochmal: Du bist hier nicht bei “Scobel” mit deinen pseudo-intellektuellen Einlassungen. Damit verschreckst du noch die letzten vier deiner treuesten Stammleser. Ja, klar, weil auch die am Sonntag nichts besseres zu tun haben, als…AUS!!! Was finden die Leute am Tatort so anziehend, dass einige von ihnen urplötzlich überhaupt kein Problem damit haben, ihre Dauer-Erreichbarkeit zu deaktivieren, sprich, das Smartphone für unfassbare 90 Minuten runterzufahren? Keine Instanz der Welt schafft das. Warum gerade der Tatort?

Krimis gibt’s zuhauf auf allen Kanälen. Viel, viel übler Schrott verstopft die Inhalte der Fernsehzeitschriften. Von den Primaten-Sendern ist man ja nichts anderes gewohnt. Aber im werbefreien öffentlich-rechtlichen Sektor? Der Raabler geht mal kurz in sich und überlegt sich – ohne jede Gewichtungsabsicht – seine…

12 beliebtesten Mordszenarien im Tatort

01. Mann/Frau auf der Flucht wird vom Lastwagen zermalmt.
02. Opfer wird erschossen und samt Auto im See versenkt.
03. Opfer lebt noch und wird (gefesselt) samt Auto im See versenkt.
04. Opfer wird mit Pillen gelähmt und darf auf das Hochwasser warten.
05. Opfer wird mitten im Ozean über Bord geworfen und allein gelassen.
06. Mann werden alle Finger einzeln abgeschnitten – danach Kopfschuss.
07. Mann wird geknebelt und gefesselt und ohne Auto im Fluß versenkt.
08. Täter/Opfer wird im Campingwagen in die Luft gesprengt.
09. Opfer wird mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt.
10. Opfer muss sich selber den Strick umlegen – Täter stößt den Stuhl weg.
11. Frau wird auf der Straße vom Ex mit dem Auto zu Tode geschleift.
12. Du hast da was im Kopf. Oh, ein Armbrustpfeil. Na, sowas aber auch…

Tatort Mord
Der Tatort im Ersten zeigt uns, dass es potentiellen Mördern nicht immer leicht fällt, Beziehungsprobleme zu lösen. Nun knall’ sie endlich ab, damit Ruhe ist…

Herrlich, dem Raabler geht grad das Herz auf. Er könnte spielend über mindestens 100 weitere feine Methoden der Liquidierung sinnieren, philosophieren und sie in allen Details beschreiben. Aber wem würde das etwas bringen? Ach, du hättest schon noch Bock auf mehr? Dann sag’ das doch! Wie wär’s mit der Königsdisziplin? Sexuelle Gewalt gegen Frauen und – noch besser – gegen minderjährige Mädchen. Der Raabler bringt seine ultimative Liste der abgrundtief widerwärtigsten, abscheulichsten, aber immer wieder gern genommenen Tatort-Verbrechen zur allerbesten, familienfreundlichsten Sendezeit:

Die TOP 6 sexueller Gewalt gegen Frauen

01. Frau wird vergewaltigt und anschließend die Kehle durchgeschnitten.
02. Frau wird vergewaltigt und anschließend erwürgt.
03. Frau wird mit Pillen gefügig gemacht und von mehreren…genau.
04. Frau wird vergewaltigt und…ach, komm’, denk’ dir selbst was aus.
05. Minderjährige Mädchen aus dem Osten werden für geheime Bonzen-Parties im Westen zur Massenvergewaltigung und bei Belieben anschließender Tötung eingekauft.
06. Minderjährige Mädchen werden an Menschenhändler verramscht und für Anschaffungszwecke mit Drogen aller Art vollgestopft. Wenn sie Glück haben, sterben sie an einer Überdosis. Wenn nicht, werden sie irgendwann zu Tode gefickt.

Herrlich, schon wieder gerät der Raabler ins Träumen und Schwärmen. Das öffentlich-rechtliche Senderherz meint es doch nur gut mit seiner sie brav finanzierenden Kundschaft. Schließlich soll die gesellschaftliche Realität so abgebildet werden, wie sie nun mal ist. Auch ein Bildungsauftrag. Bravo! Und das selbst im 21. Jahrhundert Frauen nach Einbruch der Dämmerung teilweise ein ganz mieses Gefühl beschleicht, wenn sie alleine auf den Straßen unterwegs sind, nehmen wir mal als naturgegeben hin, oder was?

Tatort Leichenschauhaus
Auch im gut gekühlten Leichenschauhaus gilt die Devise: Kein Mordopfer ohne Karteikarte. Wie schnell geht mal eine wichtige Information oder ein ganzer Körper verloren? Wer kennt das nicht von zuhause?

Männer und Frauen sollen übrigens zu gleichen Teilen Krimi-Fans sein. Gut, Männer müssen einen auf stark machen. Nichts kann oder darf sie umhauen. Aber Frauen? Was reitet die denn bloß im Angesichte solcher Gräueltaten? Gewaltfantasien? Die Beantwortung solcher und ähnlich gelagerter Fragen können wir getrost den Experten überlassen. Die können nämlich auch nur Vermutungen und Theorien in den Raum werfen. Aber immerhin sind selbst die sehr interessant zu lesen.

Uff, noch mal Glück gehabt! Gewalt und Brutalität im Fernsehen oder im Internet sollen ja angeblich keinerlei (langfristige) Auswirkungen auf die Psyche oder gar das Verhaltensmuster seiner Rezipienten haben. Sagt die Wissenschaft. Darauf der Raabler sagt: “Und morgen, liebe Kinder, erzählen wir euch ein anderes Märchen.”

“Wo Gewalt angewandt wird, da wird Gewalt geweckt.”
(Karl Jaspers, deutscher Psychiater und Philosoph, 1883-1969)

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