Adam & Eva

Therapiestunde im Nörgelstudio
Folge 8: Das Badezimmer-Rollenspiel

"Schatz, ich seh' nichts!"

Nörgelstudio Dr. Raabler

Maren D.: „Jörg, kommst du bitte mal?“
Dr. Raabler: „Ja, Schatz, was ist denn?“
Maren D.: „Schatz war schon mal gut. Er sagt tatsächlich oft Schatz zu mir.“
Dr. Raabler: „Was Ihnen manchmal auf den Keks geht, stimmt’s?“
Maren D.: „Mal mehr, mal weniger. Hängt von meiner Stimmung ab.“
Dr. Raabler: „So wie es von Ihrer Stimmung abhängt, in welcher Lautstärke Sie Ihren Ehemann zusammenfalten bezüglich seines Hygieneverständnisses beim Putzen?“
Maren D.: „Genau, also ich rufe ihn zu mir ins Badezimmer…“
Dr. Raabler: „Und was sagen Sie Ihrem Jörg dann?“
Maren D.: „Jörg, sage ich, du hast doch heute Morgen das Bad geputzt?“
Dr. Raabler: „Ja, Schatz, ist schon wieder etwas nicht in Ordnung?“
Maren D.: „Das kann man wohl sagen. Schau mal.“
Dr. Raabler: „Muss ich jetzt unschuldig aus der Wäsche schauen?“
Maren D.: „Ja, das können Sie bestimmt auch so gut wie mein Mann.“
Dr. Raabler: (schaut unschuldig aus der Wäsche)
Maren D.: „Hier, schau mal, Jörg, auf den Fliesen hinter der Heizung hast du vergessen zu wischen.“
Dr. Raabler: „Das kann nicht sein.“
Maren D.: „Doch, ist aber so. Siehst du die reingewehten Blütenpollen und die beiden toten Marienkäferchen?“
Dr. Raabler: „Die waren vorhin noch nicht da.“
Maren D.: „Du kannst mir viel erzählen, aber das glaub’ ich dir sowieso nicht.“
Dr. Raabler: „Du glaubst mir ja sowieso nie was.“
Maren D.: „Da könntest du recht haben. Und was meinst du, woran das liegen könnte?“
Dr. Raabler: „Weil du ohnehin niemanden etwas glaubst. Nur du hast das einzig Wahre und Richtige für dich gepachtet, ist es nicht so?“
Maren D.: „Jetzt lenk’ nicht vom Thema ab, ich bitte dich. Hier der nächste Punkt. Guck’ mal unterhalb des Waschbeckens.“
Dr. Raabler: „Ich seh’ nichts.“
Maren D.: „Dann setz’ dich mal auf’s Klo.“
Dr. Raabler: „Aber ich muss doch gar nicht.“
Maren D.: „Herrjeh, das spielt doch jetzt keine Rolle. Setz’ dich bitte auf’s Klo und schau in Richtung des Waschbeckens, tu’ mir den Gefallen.“
Dr. Raabler: „Ich seh’ nichts, ich hab’ ja auch meine Brille nicht auf, soll ich die eben kurz…“
Maren D.: „…nein, die brauchst du nicht extra holen. Ich sag’ dir mal, was ich meine und sehe. Hier die ganzen angetrockneten Wassertropfen, die sich ihren Weg nach unten bahnen. Das sieht nicht gut aus. Und weißt du, woher die kommen?“

Sex kann Augen öffnen

Dr. Raabler: „Keine Ahnung.“
Maren D.: „Wenn du mal wieder meinst, auf die Schnelle morgens dein Resthaar am Waschbecken waschen zu müssen, weil du zu faul oder zu spät dran bist, den ganzen Vorgang unter der Dusche zu erledigen – die du ja anschließend ja auch noch abziehen müsstest, um Kalkflecken an der Duschwand zu vermeiden. Welch’ Zeitverschwendung! Weil die Dusche doch schon durch’s Duschen wieder sauber wird, wie der Herr überzeugt ist. IST ABER NICHT SO! Das nur mal dazu! Alles spritzt und schwappt am Waschbecken über, der schöne Badspiegel übersät mit Dutzenden Tropfen und anderen Spuren des Chaos, die der Herr nicht sieht und die seine Frau Maren – wofür ist sie denn seine Frau – hübsch wieder mit dem Gästehandtuch beseitigen kann.“
Dr. Raabler: „Schatz, so siehst du das?“
Maren D.: „Wie soll ich’s denn sonst sehen, hmm? Sag’s mir!“
Dr. Raabler: „Mir fällt das immer gar nicht so auf.“
Maren D.: „Dir fällt so einiges nicht mehr auf in letzter Zeit, mein Lieber. Wird ja immer schlimmer mit dir. Und wenn ich dich dann nur einmal bitte, beim Putzen die Augen aufzuhalten, dann siehst du es einfach nicht.“
Dr. Raabler: „Ich mach’ das nicht absichtlich.“
Maren D.: „Absicht hin oder her, es nervt mich einfach tierisch. Hier, guck’ mal, da hast du auch was übersehen.“
Dr. Raabler: „Was denn?“
Maren D.: „Auf der Ablage vor dem Spiegel.“
Dr. Raabler: „Ich seh’ nichts.“
Maren D.: „Der Herr sieht nichts!“
Dr. Raabler: „Nee, was ist denn?“
Maren D.: „Hier die vielen kleinen Härchen…ein schöner Anblick.“
Dr. Raabler: „Ach, die Barthaare.“
Maren D.: „Ach, die Barthaare, es sind doch nur ein paar.“
Dr. Raabler: „Genau, es sind doch nur ein paar, mein Schatz.“
Maren D.: „Die paar müssen aber auch weg. Aber du siehst die noch nicht mal, oder willst du die nicht sehen?“
Dr. Raabler: „Hm, jetzt wo du’s sagst.“
Maren D.: „Ja, und?“
Dr. Raabler: „Beim nächsten Mal mach ich die weg.“
Maren D.: „Beim nächsten Mal? Wie wär’s denn, wenn du sie jetzt gleich mal wegmachst. Das übt schon mal ungemein.“

spielplatz

Dr. Raabler: „Ja, Schatz.“
Maren D.: „Es reicht jetzt grad mit Schatz. Ich bin noch nicht fertig.“
Dr. Raabler: „Was denn noch?“
Maren D.: „Fällt dir was auf, wenn du auf den Boden guckst?“
Dr. Raabler: „Ich seh’ nichts.“
Maren D.: „Schau mal ganz genau hin. Das sieht man auch ohne Brille.“
Dr. Raabler: „Da liegen Haare.“
Maren D.: „Da liegen Haare. Und was sind das für Haare.“
Dr. Raabler: „Das sind lange Haare. Das müssten deine sein.“
Maren D.: „Ja, richtig, der Herr. Und weil es meine Haare sind, müssen die nicht weggesaugt werden?“
Dr. Raabler: „Doch, aber…“
Maren D.: „…ich krieg’ gleich die Krise. Was willst du denn damit sagen.“
Dr. Raabler: „Ich will nichts sagen, ich mein bloß nur.“
Maren D.: „Ach, willst du etwa andeuten, das jeder für seinen Dreck allein verantwortlich ist? Komm’ mir nicht mit so’m Scheiß!“
Dr. Raabler: „Nein, du hast ja recht. Aber wenn’s um deine Haare geht, müsste man eigentlich jeden Tag das Bad saugen.“
Maren D.: „Und wenn’s so wäre, wär’ das schlimm?“
Dr. Raabler: „Nein, natürlich nicht.“
Maren D.: „Na, dann sind wir uns ausnahmsweise mal wieder einig, nicht wahr?“
Dr. Raabler: „Ja, Schatz…äh, vergiß’ den Schatz.“
Maren D.: „Ich bin noch nicht fertig.“
Dr. Raabler: „Was denn noch?“
Maren D.: „Saugst du eigentlich auch mal die Badewanne aus?
Dr. Raabler: „Den Rand schon, aber innen drin nicht. Wir benutzen die doch gar nicht.“
Maren D.: „Aha, und was man nicht benutzt, kann demnach auch nicht einstauben?“
Dr. Raabler: „Genau.“
Maren D.: „Ich dreh’ durch. Hier fahr’ mal mit dem Finger an der Badewannen-Innenseite lang.“
Dr. Raabler: „Mach’ du mal.“
Maren D.: „Ja, das mache ich doch gerne. Hier, bitteschön, was siehst du? Was sehen wir beide?“
Dr. Raabler: „Eine ziemlich dicke Staubschicht auf deinem Finger.“
Maren D.: „Komisch, nicht? Wir nutzen die Badewanne doch gar nicht, wie kann die dann einstauben?“
Dr. Raabler: „Genau, das frag’ ich mich auch grad.“
Maren D.: „Sage mal, bist du blöd oder tust du nur so? Oder verarscht du mich grad?“
Dr. Raabler: „Schatz, nichts kann man dir recht machen…du bist immer nur am Nörgeln.“
Maren D.: „Aber doch wohl zurecht, oder etwa nicht.“
Dr. Raabler: „Hmmh.“

Ich parshippe jetzt

Maren D.: „Jetzt sag’ was.“
Dr. Raabler: „Was soll ich denn sagen?“
Maren D.: „Das es dir z.B. leid tut, dass du für so was kein Auge hast. Dass du beim nächsten Mal drauf achten wirst….einfach etwas, um mich zu beruhigen.“
Dr. Raabler: „Ich werd’ beim nächsten Mal darauf achten, versprochen.“
Maren D.: „Versprochen?“
Dr. Raabler: „Versprochen.“
Maren D.: „Aber ich bin immer noch nicht fertig.“
Dr. Raabler: „Das kann doch jetzt nicht angehen.“
Maren D.: „Doch, ich bin grad so schön auf Zinne und erlebe den seltenen Moment, wo ich den Eindruck habe, dass du mir zu 50% zuhörst. Diesen Flow muss ich nutzen.“
Dr. Raabler: „Ich höre.“
Maren D.: „Womit putzt du eigentlich den Badezimmerspiegel?“
Dr. Raabler: „Mit einem Extra-Tuch und Scheibenreiniger aus der Drogerie.“
Maren D.: „Habe ich mir gedacht. Alles Blödsinn. Nimm’ beim nächsten Mal einfach Zeitungspapier und Wasser. Mehr braucht es nicht. Und es spart Geld.“
Dr. Raabler: „Glasreiniger kostet 69 Cent und reicht für mindestens 12 Monate. Wo ist da das Kostenproblem?“
Maren D.: „Immer hast du Widerworte und weißt alles besser.“
Dr. Raabler: „Ich mein’ ja nur.“
Maren D.: „Und ich mein’s auch nur – nämlich gut!“
Dr. Raabler: „Kommt noch mehr? Ich würde mir sonst gerne einen Zettel holen.“
Maren D.: „Kannst du dir die paar Sachen nicht einfach mal so merken?“
Dr. Raabler: „Oder ich öffne die Memory-App…“
Maren D.: „Ist gut…lass’ es, bitte, ja?“
Dr. Raabler: „Ok..“
Maren D.: „Wenn du nach dem Duschen aus der Dusche steigst und auf der Badematte stehst. Fällt dir dann was auf?“
Dr. Raabler: „Was soll mir auffallen?“
Maren D.: „Was sollte dir auffallen, hm, ja, klar, was sollte dir groß auffallen? Vielleicht, dass du die ganze Matte völlig nass machst? Weil alles Wasser an dir heruntertropft, weil du dich kein Stück in der Dusche abgetrocknet hast? Und wenn ich dann 15 Minuten später beim Händewaschen selber vor dem Waschbecken stehe, ich mich fast wieder so abtrocknen muss, als wenn ich selber grad’ aus der Dusche gekommen bin. Das ist nicht schön, mein Lieber.“
Dr. Raabler: „Nein, das ist nicht schön, aber übertreibst du nicht ein bisschen?“
Maren D.: „Ich und ÜBERTREIBEN?“
Dr. Raabler: „Ein wenig?“
Maren D.: „Na, gut, dann übertreib’ ich eben, aber sonst geht es bei dir wie so oft ins eine Ohr rein…“
Dr. Raabler: „…und ins andere wieder raus. Ich hör’ dir nie zu.“
Maren D.: „Endlich siehst du’s ein.“
Dr. Raabler: „War sonst noch was?“
Maren D.: „Und ob. Sag’ mal, pinkelst du manchmal im Stehen?“
Dr. Raabler: „Niemals, wie kommst du denn darauf?“
Maren D.: „Ich zeig’ dir mal was. Siehst du da ganz unten unterhalb des WC-Beckens diese klitzkleinen gelben Tröpfen? Angetrocknet mittlerweile, klar.“
Dr. Raabler: „Ich bin kein Höhlentaucher. Da guck’ ich nie hin, aber du hast recht, da ist was.“
Maren D.: „Hat die Maren mal recht, wie schön. Ausnahmsweise mal.“
Dr. Raabler: „Komisch, wie kommen die da bloß hin?“
Maren D.: „Das frag’ ich dich, Schatz.“
Dr. Raabler: „Schatz?“

Freundinnen im Gespräch

Maren D.: „Ja, SCHATZ! Wie kommen die da hin?
Dr. Raabler: „Bestimmt einer von den beiden Jungs.“
Maren D.: „Sag’ mal, willst du mich wieder verarschen?“
Dr. Raabler: „Wieso?“
Maren D.: „Die beiden Jungs sind schon seit über zwei Jahren aus dem Haus, wie du eigentlich wissen solltest.“
Dr. Raabler: „Dann sind die Flecken da schon so lange?“
Maren D.: „Ich fass’ es nicht, spinnst du?“
Dr. Raabler: „Na, könnte doch sein?“
Maren D.: „Nein, kann natürlich nicht sein, weil wir wechseln uns ja mit dem Putzen ab und ICH putze gründlich, mein Freund.“
Dr. Raabler: „Ach, jetzt bin ich nur noch dein Freund und nicht mehr dein Mann?“
Maren D.: „Schön wär’s…vergiss’ es.
Dr. Raabler: „Ich vergess’ so vieles, wie du weißt.“
Maren D.: „Komm, hör auch. Damit kriegst du mich nicht.“
Dr. Raabler: „Ich will dich auch gar nicht kriegen grad. Wäre jetzt lieber ganz woanders.“
Maren D.: „Ja, lauf nur weg, aber das wird dir nichts nützen.“
Dr. Raabler: „Nein, das wird mir nichts nützen.“
Maren D.: „Ich bin noch nicht fertig.“
Dr. Raabler: „Ich hab’s befürchtet. Wie lange geht die Veranstaltung noch?“
Maren D.: „Bis ich merke wenn deine Aufnahmekapazität erreicht ist.“
Dr. Raabler: „Die ist schon längst erreicht.“
Maren D.: „Lüg’ mich nicht an, Freundchen. Was machst du eigentlich, wenn du als Letzter auf dem Klo warst und das letzte Blättchen unseres muggeligen 4-lagigen Kloppapiers seiner Funktion zugeführt wurde? Na?“
Dr. Raabler: „Ich tausch’ die Rolle aus.“
Maren D.: „Soweit die Theorie!“
Dr. Raabler: „Nicht?“
Maren D.: „Immer öfter nicht, leider.“
Dr. Raabler: „Ich werd’s mir merken.“
Maren D.: „Außerdem nervt es mich, wie du die Zahnpastatube zusammen knauscht.“
Dr. Raabler: „Was ja nichts Neues ist. Darum hat doch jeder seit gefühlt 10 Jahren seine eigene Tube.“
Maren D.: „Trotzdem stört es mich.“
Dr. Raabler: „Dich stört der Aggregatzustand einer Zahnpastatube, die du überhaupt nicht in die Hand nehmen musst, um deine weiß-glänzenden Zähne zu putzen.“
Maren D.: „Richtig, mich stört schon der bloße Anblick.“
Dr. Raabler: „Und? Stört dich auch MEIN bloßer Anblick? Jeden Morgen beim Aufwachen, abends beim Schlafengehen. Davor noch beim gemeinsamen Fernsehgucken…“
Maren D.: „Deine ständige Ironie geht mir auch auf den Zeiger. Hab’ ich das schon erwähnt?“
Dr. Raabler: „Getrennte Badezimmer?“
Maren D.: „Das hättest du wohl gerne. Und jeder macht nur sein eigenes Bad sauber, damit du meiner Nörgelei entgehen könntest.“
Dr. Raabler: „Das wäre herrlich, aber leider nur die schnöde Theorie.“
Maren D.: „Warum?“
Dr. Raabler: „Der Anblick MEINES Badezimmers wäre für dich ebenso ein Gräuel. Du könntest es nicht ertragen, obwohl du gar nichts darin zu suchen hättest, es gar nicht betreten würdest.“
Maren D.: „Haargenau.“
Dr. Raabler: „Haar- oder Barthaargenau?“
Maren D.: „Beides.“
Dr. Raabler: „Müssen wir nicht auch noch über herum(f)liegende Finger- und Fußnägel reden?”
Maren D.: „Nächstes Mal, du Zyniker.”
Dr. Raabler: „So, für den Moment dürfte es reichen, Frau D., oder?“
Maren D.: „Jörg, bitte verzeih, aber es war so schön, dass ich dir endlich alles sagen konnte, was mir auf der Seele lag. Es musste sein.“
Dr. Raabler: (schnippt laut mit den Fingern) „Ich bin nicht Ihr Jörg, haaaalloooo!?“

In Zeiten von Corona: Deutschland braucht mehr Frauenhäuser

Maren D.: „Oh, mein Gott, Herr Dr. Raabler, wie ist mir das unangenehm. Bitte verzeihen Sie. Ich war ja regelrecht in Trance.“
Dr. Raabler: „Das kann man wohl sagen.“
Maren D.: „Herr Doktor, Sie haben das Rollenspiel aber auch derart perfekt mitgespielt, als wenn…“
Dr. Raabler: „…ich den ganzen Tag nichts anderes machen würde.“
Maren D.: „Genau so, ja.“
Dr. Raabler: „Tja, was soll ich dazu sagen?“
Maren D.: „Sagen Sie nichts, Herr Doktor, ich kann es mir denken. Aber sagen Sie mal, wie kommen wir jetzt wieder von dem vertrauten „Du“ zum Patienten-Sie zurück?“
Dr. Raabler: „Das frag’ ich mich auch grad.“
Maren D.: „Und?“
Dr. Raabler: „Von mir aus können wir beim DU bleiben. Alles andere würde ja jetzt keinen Sinn mehr machen.“
Maren D.: „Sehe ich genau so.“
Dr. Raabler: (grinst) „Dann sind wir uns ja einig?“
Maren D.: „Ja, sind wir.“
Dr. Raabler: „Aber wie wollen Sie nun das Problem mit der Hygiene angehen? Ich hoffe zumindest, dass unser Rollenspiel Ihnen in vielerlei Hinsicht die Augen für Ihren Mann öffnen konnte und Sie Ansätze für sich daraus ableiten werden?“
Maren D.: „Davon bin ich überzeugt.“
Dr. Raabler: „Sie sehen, Männer sind anders.“
Maren D.: „Und wir Frauen auch, klar.“
Dr. Raabler: „Und nicht hinter jeder Schluddrigkeit des Mannes steckt die reine Böswilligkeit.“
Maren D.: „Das ist mir jetzt auch klar geworden, Herr Doktor.“
Dr. Raabler: „Unterschiedliche Sozialisierung.“
Maren D.: „Hört sich gut an, ich werd’s mal googeln.“
Dr. Raabler: „Das müssen Sie nicht. Ich meine zum einen unterschiedliche aber dann auch wieder geschlechterspezifisch völlig identische Familien- und Erziehungsbiographien. Immer und immer wieder. In allen Paarbeziehungen zwischen Mann und Frau. Wie soll das ohne Konflikte abgehen?“

Offene Zweierbeziehung

Maren D.: „Geht ja gar nicht, ist wohl alles vorprogrammiert.
Dr. Raabler: „Wie wär’s mit ein wenig Umprogrammierung?“
Maren D.: „Und wie sähe die aus?“
Dr. Raabler: „Den Mann nach und nach von den Vorteilen einer gewissen Hygiene-Disziplin überzeugen.“
Maren D.: „Ja, aber wie denn bloß?“
Dr. Raabler: „Durch regelmäßiges Ausrasten, hysterische Anfälle, permanente Ungeduld, Besserwisserei, Dauernörgelei, Bloßstellen, ihn als Blitzableiter für eigene Frustrationen missbrauchen, ihn niemals für Bemühen und Fortschritte loben, stattdessen ihn im Befehlston an seinen Praktikantenstatus im Haushalt erinnern, durch konsequenten Liebesentzug und…“
Maren D.: „…stopp…stopp…stopp…bitte, es reicht, ich habe verstanden!“
Dr. Raabler: „Wirklich?“
Maren D.: „Ja, wirklich, ich brauche keinen Zettel zum Notieren.“
Dr. Raabler: „Prima, wann geht’s los?“
Maren D.: „Was denn?“
Dr. Raabler: „Die Umprogrammierung. Die Ihres Mannes und schließlich auch Ihre eigene?“
Maren D.: „Übrigens, wir sind schon seit längerem wieder beim Sie.“
Dr. Raabler: „Sorry, du hast natürlich recht.“
Maren D.: „Ich habe immer recht, Herr Doktor.“
Dr. Raabler: „Ach, sind wir wieder beim Sie?“
Maren D.: „Mist, jetzt habe ich es verbockt.“
Dr. Raabler: „Guck’, so schnell können gut gemeinte Vorsätze in Vergessenheit geraten.“
Maren D.: „Es ist eine Sache des unbedingten Wollens und des unbedingten Willens.“
Dr. Raabler: „Ich hätte es nicht besser formulieren können.“
Maren D.: „Danke, dass ich mir bei dir mein Herz ausschütten konnte. Ich bin zwar schweißgebadet aber ich fühle mich bestens.“
Dr. Raabler: „Dann nimm’ die positive Stimmung mit nach Hause und lass’ deinen Mann ebenfalls daran teilhaben.“
Maren D.: „Das ist eine gute Idee. Sehen wir uns wieder?“
Dr. Raabler: „Das liegt an dir und deinen Fortschritten.“
Maren D.: „Das liegt an mir, an meinem Mann und an UNSEREN Fortschritten.“
Dr. Raabler: „Ich hätte es wieder einmal nicht besser ausdrücken können.“
Maren D.: „Tschüss…äh…Rolfn?“
Dr. Raabler: „Ja, richtig, Maren. Tschüssn.“

“Hausarbeit sieht man nur, wenn sie nicht gemacht ist.”
(Unbekannter Autor)

Raabler-Blogpost:
Therapiestunde im Nörgelstudio: Prolog

Raabler-Web-Tipp:
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