Adam & Eva

Therapiestunde im Nörgelstudio
Folge 5: Schwiegermutter nervt

Claudia B. aus L. fühlt sich auf Familienfeiern unwohl

Dr. Raabler Nörgelstudio

Wir erinnern uns: Claudia B. aus L. schüttete Dr. Raabler in zwei vorangegangenen Sitzungen ihr Herz bezüglich der Tischmanieren ihres Mannes aus. Dass seine Manieren im Rahmen von Familientreffen allerdings keinerlei Anlass zur Beanstandung bieten, stieß der Ratsuchenden merkwürdig auf. Welche Rolle spielt dabei die Schwiegermutter? Man einigte sich rasch auf einen weiteren Termin im Nörgel-Studio, um die Thematik gezielter aufzuarbeiten zu können.

Dr. Raabler: „Guten Tag, Frau B.“
Claudia B.: „Guten Tag, Herr Doktor.“
Dr. Raabler: „Wie fühlen Sie sich nach den ersten beiden Sitzungen in unserem Nörgel-Studio?“
Claudia B.: „Schon viel, viel besser, Herr Doktor.“
Dr. Raabler: „Das freut mich sehr zu hören. Machen die Tischmanieren Ihres Mannes also die gewünschten Fortschritte?“
Claudia B.: „Stück für Stück kommen wir voran.“
Dr. Raabler: „Wir?“
Claudia B.: „Ich perfektioniere meine neue temporäre Rolle als Haus-Clownin und er perfektioniert sich in der Rolle des Einsichtigen, des Lernenden – ohne dabei sein Gesicht und Selbstbewusstsein zu verlieren.“
Dr. Raabler: „Ein Balanceakt.“
Claudia B.: „Manchmal schon, ja.“
Dr. Raabler: „Geben Sie es zu, Sie hatten doch die ganze Zeit vor der Umerziehungsmaßnahme eine Hasskappe gegen die Schwiegermutter, weil Sie sie instinktiv für die fehlenden Tischmanieren Ihres Mannes zumindest mitverantwortlich machten, stimmt’s?“
Claudia B.: „So ist es, Herr Doktor, und das nicht ganz unbegründet, oder was meinen Sie?“
Dr. Raabler: „Keineswegs, keineswegs. Und wir hatten ja in diesem Zusammenhang festgestellt, dass Ihr Gatte sich auf Familienfeiern oder anderen auswärtigen, sagen wir mal, Begegnungen durchaus den Knigge nicht ganz aus dem Auge verliert.“
Claudia B.: „Merkwürdig, Herr Doktor, nicht wahr? Sehr, sehr merkwürdig.“
Dr. Raabler: „Da steigt schon wieder was hoch bei Ihnen, ich kann es förmlich spüren.“
Claudia B.: „So ist es. So eine kleine Wut, die Bock hat, ganz schnell ganz groß zu werden.“
Dr. Raabler: „Wir sind hier unter uns und Sie können Ihrer Wut freien Lauf lassen, sofern Sie das Mobiliar – und auch mich – verschonen.“
Claudia B.: „Ach, Herr Doktor…Ihr Humor…“
Dr. Raabler: „Ohne geht’s ja nicht, wie wir beide wissen.“
Claudia B.: „Ja, selbst meinen Mann konnte ich mit Humor allmählich auf Linie bringen. Er hatte ja schon immer ein gute Portion davon. Vielleicht war sein Humor und die Tatsache, dass er sehr gerne viel lacht, der Schlüssel für die Fortschritte in den letzten Wochen. Männer, so sagt man, sollen ja ohnehin mehr Humor haben als die Frauen. Ist da was dran, Herr Doktor?“
Dr. Raabler: „Nun, aus meinen praktischen Erfahrungen im Nörgel-Studio kann ich diese Tendenz durchaus bestätigen. Aber Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, Frau B..“

schwiegermutter
Schwiegermutter und Muttersöhnchen sind ein unschlagbares Team. Für die Schwiegertochter heißt es Nerven bewahren. Das gelingt nicht immer…

Claudia B.: „Ich wünschte, meine Schwiegermutter wäre eine solche.“
Dr. Raabler: „Dann könnten Sie versuchen, die Clown-Nummer auf sie umzuschreiben.“
Claudia B.: „Das wäre zu schön um wahr zu sein. Ich befürchte allerdings, dass ich mit keiner Art von Humor bei ihr etwas ausrichten könnte.“
Dr. Raabler: „Weil Sie schließlich diejenige sind, die ihren geliebten Sohn aus dem wohlbehüteten Haus gelockt hat.“
Claudia B.: „In eine bösartige Falle.“
Dr. Raabler: „In eine bösartige Falle, abseits jedweder Einflussnahme seitens der stets immer nur gut meinenden Mutter.“
Claudia B.: „Und dann ist die Falle auch noch als bürgerliche Doppelhaushälfte getarnt, in einem bürgerlichen Viertel, in einer bürgerlichen Stadt, nahezu unerreichbar über 50 Kilometer vom wohlbehüteten Elternhaus entfernt. Sooo raffiniert kann nur eine Schwiegertochter sein. Böse, böse Schwiegertochter!“
Dr. Raabler: „Ihr Humor gefällt mir.“
Claudia B.: „Danke, gleichfalls.“
Dr. Raabler: „Und wie soll die Schwiegermutter unter diesen denkbar ungünstigen Bedingungen z.B. kontrollieren, ob ihr Lieblingssohn auch immer was Warmes zu essen bekommt. Bei der bösen, bösen und noch dazu faulen Schwiegertochter.“
Claudia B.: „Genau, und wenn sich die träge Schwiegertochter dann gegen Mittag endlich aus dem Bett gequält hat, um in ihre gemütlich, schlabberigen Joggingklamotten zu schlüpfen, wird sie sich dann wenigstens dazu aufraffen können, ihm ein gesundes Mittagsessen auf den Tisch zu stellen? Am frühen Morgen muss sich ihr Sohn, wie immer vor dem schweren Gang zu seinem mega-anstrengenden Bürojob, ganz allein am Frühstückstisch sitzend, das Essen mühselig selber zusammen suchen. Ist das schön? So was gab es früher nicht. Nein, so etwas gab es früher einfach nicht.“
Dr. Raabler: „Das ist nicht schön. Und nein, so etwas gab es früher nicht.“
Claudia B.: „Meinen Sie, mein Mann heult sich ab und an bei seiner Mutter und meiner Schwiegermutter deswegen aus?“
Dr. Raabler: „Das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.“
Claudia B.: „Manchmal hege ich ja den Verdacht.“
Dr. Raabler: „Warum?“
Claudia B.: „Na, ja, was das Essen betrifft, sagt er schon mal, dass dieses und jenes bei seiner Mutter anders zubereitet, anders gewürzt wurde.“
Dr. Raabler: „Natürlich BESSER gewürzt wurde.“

schwiegermutter2
…und stattdessen finden diese fiesen Intrigenspiele ihren unweigerlichen Ausdruck in symbolträchtigen Kampfposen. Natürlich in rein metaphorischer Anschauung.

Claudia B.: „Natürlich, Mama ist die beste Köchin. Dabei weiß ich von meinem Mann, dass sein Vater jahrzehntelang zu 90% die Speisen am Familientisch noch fröhlich, meistens ohne vorher abzuschmecken, mit Maggi nachgewürzt hat. Das nur zum Thema lecker zubereitet, ha!“
Dr. Raabler: „Das kenne ich auch noch von zuhause, witzig.“
Claudia B.: „Wer? Sie oder Ihr Vater?“
Dr. Raabler: „Mein Vater natürlich. Gibt’s Maggi eigentlich noch zu kaufen?“
Claudia B.: „Und ob.“
Dr. Raabler: „Früher war das Essen in der Regel viel fader. Insofern dürfte es für Ihren Mann heute keinen Grund zum Meckern geben.“
Claudia B.: „Das hoffe ich doch.“
Dr. Raabler: „Aber das Essen ist ja wohl nur ein Thema unter vielen bei Ihrer Schwiegermutter, stimmt’s?“
Claudia B.: „Leider, ja. Wenn sie des Internets mächtig wäre, würde sie mir am liebsten ein Youtube-Tutorial basteln. Was heißt eins, eins nach dem anderen, mindestens 10 Stück für den Anfang. Zu den Themen: „Welches Waschmittel für welche Anziehsachen?“, „Wie und wo hänge ich am zweckmäßigsten die Wäsche zum Trocknen auf?“, „Faltenfreies Bügeln ist keine Zauberei“, „Welches Putzmittel für welche Oberflächen?“, „Vitaminreich kochen im Handumdrehen“, „Die perfekte Gastgeberin“, „Der gepflegte Landhaus-Garten“, „Mehr Achtsamkeit für das körperliche und seelische Wohlbefinden“, „Geschmackvolle Inneneinrichtung: kein Hexenwerk“, „Für jeden Anlass das richtige Outfit“ und was weiß ich für’n Scheiß!“

frauenzeitschriften

Dr. Raabler: „Richtig vögeln, leicht gemacht!“ Untertitel: “Wie Treue Spaß machen kann!“ – das haben wir leider nicht im Programm?“
Claudia B.: „Ich lach mich schlapp. Eine Super-Idee. Ich stell’ mir das grad vor, wie ich ihr das vor versammelter Mannschaft beim runden Geburtstag am Kaffeetisch verklicker.“
Dr. Raabler: „Aber sagen sie ihr nicht, dass die Idee von mir kommt.“
Claudia B.: „Noch viel schlimmer, ich sag’ ihr, dass die Idee von ihrem Mann, also meinem Schwiegervater, kommt. Der hätte mir das auf meiner Hochzeit kurz nach Mitternacht in seliger Alkohollaune an der Sektbar gesteckt. Herrlich, ich stell’ mir grad das Gesicht meiner Schwiegermutter vor, zu schön!“
Dr. Raabler: „So eine Imagination kann herrlich entspannen.“
Claudia B.: „Sie sagen es, Herr Doktor.“
Dr. Raabler: „Sie bringt uns nur in der praktischen Lösung nicht so richtig voran.“
Claudia B.: „Leider.“
Dr. Raabler: „Gibt es sonst noch etwas zu meckern in Richtung Schwiegermutter?“
Claudia B.: „Ich glaube oder besser gesagt, ich hege den Verdacht, dass ich ihr generell nicht gut genug bin.“
Dr. Raabler: „IHR nicht gut genug? Sie haben ihren Sohn geheiratet und nicht Ihre Schwiegermutter.“
Claudia B.: „Sie haben ja recht, aber manchmal verschwimmen für mich die Grenzen und Personen.“
Dr. Raabler: „Hatten Sie von Anfang an diese Skepsis?“
Claudia B.: „Ich kann mich nicht erinnern. Wahrscheinlich ist das auch so ein Verliebtheitsrausch-Ding. Entweder es ist zunächst keine Skepsis von der Gegenseite da – du liebes bisschen, wie sich das anhört – oder sie ist da, nur registriert man sie nicht. Und mein Partner ebenfalls nicht. Männer nehmen solche Strömungen ohnehin gar nicht oder erst sehr spät wahr.“
Dr. Raabler: „Die Strömungen, die stillen Kämpfe, die verdeckten Kommentare und Seitenhiebe der Frauen untereinander. Schwiegermutter versus Schwiegertochter. Das ewige Duell.“
Claudia B.: „Let’s get ready to rumble.“
Dr. Raabler: „Nur ohne Boxhandschuhe. Aber mit einzeln zu bewertenden Runden in Richtung Entscheidungsschlacht.“
Claudia B.: „Wer wirft zuerst das Handtuch?“
Dr. Raabler: „Sie ja wohl nicht.“
Claudia B.: „Auf keinen Fall.“

schwiegermutter1
Was könnte den zufriedenen Gesichtsausdruck der Schwiegermutter im Hintergrund ausgelöst haben? Hat sie der verkniffen dreinblickenden Schwiegertochter (vorne rechts im Bild) ein paar nützliche Koch- und Hausarbeitstipps mit auf den langen Heimweg gegeben? Man weiß es nicht…

Dr. Raabler: „So will ich Sie hören! Aber was heißt nicht gut genug im Sinne Ihrer Schwiegermutter?“
Claudia B.: „Tja, wo soll ich anfangen? Vielleicht entspricht meine Familie nicht den Anforderungen? Vielleicht, weil ich nur Realschulabschluss habe? Vielleicht, weil ich nichts mit der traditionellen, überkommenden Frauenrolle anzufangen weiß? Vielleicht, weil ich mich auf Familienfesten gesprächsmäßig eher zurückhalte? Kein Wunder, geht ja fast immer nur um Politik und irgendwelche Sportler oder Prominente. Es geht niemals um die Familie. Das langweilt mich. Dabei bin ich absolut kein Muffeltyp, ich werd’ nur mit seiner Familie nicht richtig warm. Vielleicht auch, weil ich nicht so viel Wert auf mein Äußeres lege, lieber legere Klamotten trage? Vielleicht, weil ich seit der Geburt unseres Sohnes nie mehr die Konfektionsgröße von früher tragen konnte? Sohnemann ist ja schließlich die sportlich-schlanke Erscheinung, da muss das Pendant an seiner Seite aber mindestens…Sie wissen schon. Tausend Sachen eben.“
Dr. Raabler: „Das nagt am Selbstwertgefühl.“
Claudia B.: „Natürlich. Aber das Schlimmste wäre für mich, wenn ich feststellen müsste, dass er mehr auf seine Mutter als auf mich hört.“
Dr. Raabler: „Sie also ein Stück Kontrolle an die Schwiegermutter verlören?“
Claudia B.: „Ja, quasi hinter meinem Rücken und mit dem unausgesprochenen Einverständnis meines Götter-Gatten, der einfach zu gutmütig ist um diese Spielchen und Manöver zu durchschauen. Er sich aber intuitiv auf die Seite seiner Mutter schlägt. Nicht immer, aber für meinen Geschmack eben zu oft.“

Schwiegermütter sind für Schwiegertöchter ein großes Problem, keine Frage. Doch hinter einer schwierigen Schwiegermutter steht meist auch eine schwierige Rest-Familie. Kann ja nicht anders sein und klingt vollkommen logisch. Wenn dich die Fortsetzung des Gesprächs interessiert, dann sei gespannt auf den nachfolgenden Blogpost aus dem Dr. Raabler Nörgelstudio mit dem vielversprechenden Titel “Familie nervt”. Viel Spaß!

“Es ist schon das siebente Mal, dass meine Schwiegermutter an Weihnachten zu uns kommt. Diesmal lassen wir sie rein.”
(Woody Allen, amerikanischer Komiker, Filmregisseur und Autor, 01. Dezember 1935*)

Raabler-Blogpost:
Therapiestunde im Nörgelstudio: Familie nervt

Raabler-Web-Tipp:
Martina Hill: Verspannungen