Gesellschaft

Gibt’s: Uni für Webcam-Models

Webcam-Model in Pose

“Prostitution trägt in Deutschland Züge einer modernen Form von Versklavung. Wir können nicht einerseits Frauenrechte einfordern und andererseits Zwangsprostitution per Gesetz legalisieren. Das geschieht aktuell aber.”
(Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte und aktueller Bewerber für den SPD-Vorsitz in einem Interview am 25.09.2019)

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Hört, hört! Ganz neue Ansichten aus dem kompetenten Munde eines Professors für Humanmedizin. Ein klares Statement gegen Prostitution. Klingt vernünftig und nach Verbot, oder? In Anlehnung an das “nordische Modell” bringt der SPD-Politiker eine Bestrafung der Freier, aber nicht der Frauen ins Spiel. Sexangebote sind nachwievor erlaubt, die Nachfrage auf diese Dienstleistungen dann allerdings nicht mehr. Das klingt logisch und schreit nach zeitnaher gesetzgeberischer Umsetzung. Der Raabler freut sich schon auf die kommenden sachlichen Lesungs-Debatten im Bundestag.

Apropos: Sexismus-Debatten waren nach dem Auslaufen der legendären “metoo”-Bewegung ja fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie der Raabler findet. Denn wo Heuchelei im allgemeinen fröhliche Urständ feiert und in den unzähligen Polittalk-Formaten zur Königsdisziplin erhoben wird, da lass’ dich nieder. Da ist Energie. Da ist Begegnung. Austausch. Emotionen. Bluthochdruck. Da ist Reibung.

Grenzenlose Webcam-Technik

Nur das, worum es im Kern eigentlich geht, die Liebe, muss sich mal wieder mit dem Abstellgleis begnügen. Ganz im Sinne unserer lieblosen “Rauten-Mutti”. Die hat damit nämlich auch nicht so viel am Hut, die Arme. Aber das hat in Deutschland seit 2005 offensichtlich niemanden gestört. Hauptsache Wachstum und SUV. Aber nun kommt’s: Während aus dem größten Puff Europas sich die ersten seriösen Stimmen zum Schutze der Frauen stark machen, gehen andere Länder zeitgleich ganz neue, innovative Wege.

Triebe

Beispielhaft sei in diesem Kontext auf ein international beachtetes Leuchtturmprojekt in Kolumbien für die freie berufliche Entfaltung der Frau hingewiesen. In Medellín wurde unlängst die erste selbsternannte Universität für Webcam-Models ausgerufen. Ein Meilenstein im ansonsten doch eher nüchtern konzipierten akademischen Lehrbetrieb. Statt einschläfernder Vorlesungen zu Themen wie Makroökonomie, Mikroökonomie, Finanzmathematik und Statistik locken nunmehr ganz andere “Sach- und Feuchtgebiete”.

Themenschwerpunkte für Webcam-Models

01.) Sinnliche Posen
02.) Verführung
03.) Überredung
04.) (Stangen)Tanz
05.) Professionelles Schminken
06.) Sexualberatung
07.) Stimmtraining
08.) Grundlagen kaufmännischer Buchhaltung
09.) Digitale Bezahltechniken
10.) Fremdsprachen

Obige Aufzählung belegt eindrucksvoll, dass man in Medellín nichts dem Zufall überlassen möchte. Entsprechend hoch ist die Nachfrage auf Seiten potentieller “Studentinnen”. Unbestätigten Angaben zufolge sollen allein in Kolumbien über 25.000 Webcam-Models ihrer Arbeit nachgehen. Ein Ende der Fahnenstange ist Experten zufolge überhaupt nicht absehbar. Dabei lassen die Protagonisten ihre Blicke längst über die Grenzen ihres Landes, ja sogar Lateinamerikas, hinaus schweifen.

Hohe Anforderungen beim Webcam-Diplom

Denn eine Präsenzpflicht gibt es beim Webcam-Model-Studium selbstverständlich nicht. Das wäre im Zeitalter moderner Kommunikation und ultraschneller Internetverbindungen der blanke Anachronismus. Es gibt Video-Tutorials, E-Learning-Module, Sex-Webinare sowie Skype-Konferenzen für die Abnahme mündlicher und praktischer Prüfungsinhalte. Zudem steht man in engem Kontakt vor allem zu osteuropäischen “Universitäten”, um Lerninhalte zu koordinieren.

Über den Wolken

Es gilt, auf die unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnisse der zu 99% männlichen Kundschaft aus aller Welt einzugehen. Geschenkt wird den Studienteilnehmerinnen darum nichts. Um das Webcam-Diplom zu erlangen, müssen sie eine bestimmte Punktzahl vorweisen. Pro Monat umfasst ein Bildungsmodul mindestens 100 Unterrichtsstunden. Über die Studiengebühren wird Stillschweigen bewahrt. Ein private Bank in Kolumbien arbeitet aktuell an einem Studien-Finanzierungsmodell in Anlehnung an das deutsche BAföG.

Schönheitschirugie in Kolumbien weltweit führend

Oftmals werden die Nebenkosten eines Webcam-Studiums unterschätzt. Studienmaterialien, Kosten für Privat- bzw. Nachhilfe-Dozenten, schnelle Kommunikation übers Internet (technische Grundausstattung am Doppelbett-Set) sind die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite lauern Ausgaben für diverse und letztlich unumgängliche Schönheitsoperationen. Daraus hat sich eine ganz eigene, hochprofitable Chirugie (über 150 Kliniken) in und um Medellín entwickelt.

Sex-Roboter

Angesichts von erwartbaren Stundenlöhnen in Höhe von bis zu 60 Euro pro Stunde für die Webcam-Girls verbleibt das Restrisiko einer eventuellen Nichtbedienbarkeit von Studienkrediten im überschaubaren Rahmen. Es ist darum nur eine Frage der Zeit, wann sich die erste Exzellenz-Universität aus deutschen Landen diesem Erfolgsmodell anschließt. Der Raabler ist wie immer sehr gespannt.

“Sex ist ein Derbysieger, den man auch zu Tode reiten kann.”
(Ingmar Bergmann, schwedischer Drehbuchautor, 1918-2007)

Raabler-Blogpost:
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