Und sonst so?

Unprofessionelle Zahnreinigung zum halben Preis

Zahnreinigung

Es gibt Geschichten, die kann nur unser Lieblingsvirus Corona schreiben. So beklagen sich Zahnärzte seit Ausbruch der Pandemie vollkommen zurecht über ausbleibende Patienten in ihren sterilen Praxisräumlichkeiten. Niemand schlägt mehr zur dringend notwendigen Zahnreinigung auf. Zudem haben die Menschen grad andere Dinge im Kopf, als sich auf dem unbeliebten Behandlungsstuhl erklären zu lassen, warum ihre schon vier Jahre alten Kronen dringend erneuert werden müssten. Wer will es ihnen verdenken? Aber ist es nicht unerhört, dass nun selbst dem Frisörbesuch mit Nasa-Kappe eine höhere Priorität eingräumt wird? Siegt Eitelkeit über medizinische Notwendigkeiten?

So weit ist es schon gekommen. Wenn sich das mal nicht bitter rächt. Mittlerweile weiß doch jedes Kind, dass eine mindestens quartalsmäßige Rundum-Pflege der zweiten oder dritten Zähne zum dentistischen Standardprogramm zählen sollte. Und weil das niemand ernsthaft in Zweifel zieht, beteiligen sich die meisten Krankenkassen folgerichtig und anteilig auch nur an zwei Behandlungen pro Jahr. Das hat bestimmt seine Gründe. Vorbeugen statt Bohren ist nun mal das A und O im Sinne einer optimierten Solidargemeinschaft.

Diskretion in der Arztpraxis

Zahnreinigung – Wellness für die Zähne

Steckt da etwa das Wörtchen “gemein” drin? Früher wurde im Rahmen einer routinemäßigen Hauptuntersuchung der nervige Zahnstein vom Chef/von der Chefin persönlich gleich mitbeseitigt. Das war ziemlich praktisch und preiswert. Zum Glück gliederten die Mesial-Distal-Experten diesen unlukrativen Zeitfresser vor langer Zeit und in aller Stille aus. Um ihn alternativ in einem gut dotierten Extra-Termin mit dem verheißungsvollen Titel “Wellness für Ihre Zähne” unterzubringen.

Fortschritt ist immer. Der Arzt widmet fortan seine kostbare Zeit den wirklich wichtigen Eingriffen. Statt seiner machen sich nun akademisch ausgebildete Prophylaxe-Experten ans Reinigungswerk. Gut Ding will Feile haben. Da wird gewienert, geschliffen, geschrubbt, poliert, geglättet, gestrahlt, gepinselt und gegelt. Zwischendrin Taucherbrille mit Duschhaube nicht vergessen. Kampf den bösen Zahntaschen und den vernachlässigten Zahn-Zwischenräumen. Nehmt das! Wofür bezahlt man den Spaß?! Genau…

Luxus in Zeiten von Corona

Innovation ist auch immer. Der Staat kann anschubsen, hinfallen muss du. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich neue Geschäftsmodelle etablieren würden. Zu ihnen gehört seit wenigen Tagen die unprofessionelle Zahnreinigung. Kostet nur die Hälfte und dauert statt 35 nur 12 Minuten. Sie gibt den Patienten ein spontanes Gefühl von exklusiver Mundhygiene. Eine dankbar entgegen genommene Portion gesundheitlichen Luxus in Zeiten von Angst, Hysterie und Verzweiflung.

Fortbildungswillige Praktikanten aus den zahntechnischen Erstsemestern übernehmen den neuen – für den Zahnarzt selbstverständlich unentgeltlichen – Kundenservice. Ein nicht zu verachtender Baustein zum notdürftigen Überleben in der Corona-Krise. Der gesundheitliche Effekt unterscheidet sich nicht groß von den üblichen längeren Sitzungen. Aber das bleibt unter uns, kapiert?

Ein Doc-tor wartet auf den nächsten Patienten

“Die Männer sind wie die Zähne: es dauert lange, bis man sie bekommt. Wenn man sie hat, tun sie einem weh; und wenn sie nicht mehr da sind, hinterlassen sie eine Lücke.”
(Françoise Rosay, französische Schauspielerin, 1891-1974)

Raabler-Blogpost:
Diskretion beim Arzt

Raabler-Web-Tipp:
Mr. Bean beim Zahnarzt

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